Ein Riese und ein Hahn

 

 

Wie man mit Kindern  den Bremer Marktplatz umrundet.

 

Jetzt sind Osterferien und bestimmt sind auch in Bremen wieder Enkelkinder zu Besuch, die natürlich unterhalten werden wollen. Was ich an meiner Stelle tun würde? Ich würde eine kleine Stadtbesichtigung rund um den Bremer Marktplatz organisieren, denn bei diesem Ziel braucht man keine Angst zu haben, dass sich jemand dabei langweilt. In dieser „guten Stube“ der Bremer findet man nämlich nicht nur steinerne Zeugnisse aus alter und neuer Zeit, sondern auch Hinweise auf märchenhafte und gruselige Geschichten. So kann man denn kleinen Besuchern und Besucherinnen schon vorher versprechen dass man ihnen

einen Riesen und einen Esel mit Goldfüßen zeigen wird.

 

 Los geht´s

Der beste Ausgangspunkt für diese Minitour sind der Roland und das Rathaus, denn dort findet man gleich zwei Attraktionen: die Bremer Stadtmusikanten und die Gluckhenne.

Sicher kennen die Kinder die Geschichte von den Bremer Stadtmusikanten. Die „bekanntesten Bremer“ stehen an der Westseite des Rathauses. Wenn man vor ihnen steht, kann man ein bisschen Zauberei  ins Spiel bringen und den Kindern erzählen, dass vielleicht ein Wunsch in Erfüllung geht, wenn man die goldenen  Eselfüße anfaßt. Die sind nämlich so blank geworden, weil ganz viele Menschen an den Zauber glauben und die Füße umfassen.

Und eine Suchaufgabe liegt hier auch noch in der Luft: Wo sind noch mehr Stadtmusikanten zu finden? Die Lösung: Ein paar Schritte weiter, hoch über den Straßenbahnschienen, findet man eine märchengerechtere Darstellung. Die Tiere, die dort im Laternenausleger am Deutschen Haus sitzen, sehen tatsächlich alt und zerzaust aus. Danach geht’s zurück an

die Marktseite des Rathauses,

denn in der Fassade muss die Bremer Gluckhenne gefunden werden.

 

Und das ist gar nicht so einfach. Das große Foto oben kann bei der Suche helfen:

Die Glucke sitzt in einem Körbchen im Steinrelief im rechten  Zwickel  über dem zweiten Rathausbogen von links. Das Körbchen liegt auf dem Arm einer Frau, die schon ein bisschen verwittert aussieht.

In der Geschichte heißt es, dass die Henne einst mit ihren Küken heimatlosen Fischern den Weg auf eine Düne wies, als sie vor einem Unwetter Schutz suchten. Den Fischern gefiel es dort so gut, dass sie blieben und Bremen gründeten. Diese Sage stammt allerdings nicht aus mündlicher Überlieferung, sondern wurde von Friedrich Wagenfeld erfunden, der sie 1845 in seinem Buch „Bremens Volkssagen“ veröffentlichte. Doch der Ort ist nicht schlecht gewählt, denn Historiker vermuten, dass auf der Domdüne tatsächlich der Kern der Stadt liegt.

Vor dem Roland, dem Riesen, kann man anschließend alle Geschichten erzählen, die man von Rittern weiß, denn der steinerne Mann soll auch zu diesem Stand gehört haben: Ritter gab es im Mittelalter. Sie lebten auf Burgen und zogen, wenn sie gerufen wurden, für König oder Herzog in den Krieg. Dabei trugen sie – „ähnlich wie Roland – eine schwere Rüstung. Ritter mußten eine Menge Gebote erfüllen (zum Beispiel durften sie  am Tisch nicht „wie ein Schwein schnaufen und schmatzen“) und sollten sportlich top fit sein. Auch vom mittelalterliche Rolandlied kann man seine Phantasie beflügeln lassen. In ihm wird erzählt, dass Roland im Kampf für Karl den Großen fiel.

Ortsgebunden sind diese zwei Begebenheiten: Wilhelm Hauff schildert  in seinen „Phantasien im Bremer Ratskeller“, dass der steinerne Roland dort einmal an einem Trinkgelage teilgenommen hat, bei dem allerdings allerhand schief ging: Der zentnerschwere Mann brach mit seinem Stuhl zusammen, zerdrückte Gläser und Becher und geriet in Rage als über Tagespolitik diskutiert wurde.

Nach diesem Ausflug in die Sagen- und Märchenfilm wird’s gruselig, denn das nächste Ziel ist der

Spuckstein auf dem Domshof.

Der Spuckstein – manche Bremer nennen ihn auch „Gesche-Gottfried-Stein“ – erinnert an eine Schauergeschichte, die sich am 20. April 1831 ereignete: An dem Tag wurde die 47jährige  Gesche Gottfried auf dem Domshof mit einem Schwert geköpft, weil sie mindestens 15 Menschen mit Arsen vergiftet hatte, darunter ihren Mann, ihre Kinder,ihre Eltern, ihren Bruder und ihren Geliebten. Mehr als 35.000 Bremer sollen dabei zugesehen haben. Ein Stein im Straßenpflaster markiert bis heute, wo das Schafott stand. Der dunkle Stein ist mit einem Kreuz versehen und liegt im Pflaster in der Nähe der Treppe zum Brautportal am Domshof. Er wurde nach der Hinrichtung zum „Spuckstein“, auf den man spie, um weiter Empörung und Abscheu zu zeigen (während der Hitler-Diktatur war darauf für kurze Zeit ein Harkenkreuz zu sehen). Wenn heute Spucke darauf klebt, stammt sie vermutlich von Touristen, denen man von dem alten Brauch erzählt hat. Bremer erinnern sich kaum noch an diese böse Frau.

Dieser Kriminalfall ist damals ausführlich dokumentiert worden. In den drei Jahren, die Gesche Gottfried im Gefängnis saß, legte sie zahlreiche Geständnisse ab und schrieb sogar eine Autobiographie.  „Eine Frau, das ist ein Mensch, nicht aber  das Haustier des Mannes,“sagt sie in  einem Theaterstück.

Wo der Hahn kräht

Aber es gibt noch einen geheimnisvollen „Fleck“. Man findet ihn vor dem Haus der Bürgerschaft. Dort sitzt ein Hahn unter einem Straßendeckel, der laut kräht, wenn man zu ihm ein Geldstück  runter wirft. Das ist das Dankeschön von der  Wilhelm-Kaisen-Stiftung, die das Geld erhält.

Die Dom-Besichtigung und den Gang durch die Böttcherstraße nehmen wir uns für den nächsten Besuch vor. Am Ende suchen wir uns jedesmal einen Platz in einem Kaffee. Von dort kann man den Bremern gut bei ihrer Arbeit zusehen.

 

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April! April!

Meine am 1. April veröffentlichten Geschichten aus meinem Alltag erzählen nur Unsinn. Ich wollte den Spaß, den man sich früher machte (die Leute in „den April“ schicken), nicht ganz vergessen lassen. Ob jemand darauf reingefallen ist?

 

Neue Alltagsgeschichten

Ein ganz besonderer Baum und ein grünes Spinnentier


Spagettibaum. Große Freude habe ich, weil mein Spagettibaum so schön blüht. Letztes Jahr hat er mir eine reiche Ernte beschert. Die Spagetti sind besonders lang und schmecken zart nach Lavendel. Ich habe den Lavendelbusch extra neben den Spagettibaum gepflanzt, weil ein Gartenfreund festgestellt hat, dass Spagettibäume und -sträucher Aromen aus ihrer Umgebung aufnehmen.

Urzeit – Insekt. Ich wohne in einem alten Haus ( 1798 gebaut). Es hat keinen Keller, sondern wurde direkt auf Sand gebaut. Als in der Küche ein neuer Fußboden gelegt wurde, kam der Sand zum Vorschein. Ich habe ihn in die Hand genommen. Über zweihundert Jahre ist ihm kein Mensch so nahe gekommen.

Und nun dies: Ich habe in der Küche neulich eine kleine Spinne gefunden, die „neu“ war, denn sie hatte einen hellgrünen Körper. Das habe ich meinem Nachbarn, einem Insektenforscher, erzählt. Er war sofort neugierig und kam nach ein paar Tagen mit dieser Meldung vorbei: Die kleine Spinne ist hier gänzlich unbekannt, gehört aber zur Gattung „Echte Spinnen“ ( Araneida). Er vermutet, dass ich mit dem Sand unter dem Küchenfußboden Spinneneier an den Tag befördert und zum Leben erweckt habe. Der Wissenschaftler will vorschlagen, dass die kleine Spinne nach mir benannt wird: Spinn-Marie.

Im Garten blüht es!

Der März ist am Ende. Die Sonne scheint.

Was jetzt im Garten blüht, habe ich in diese kleine Vasenreihe gesteckt: Forsythien, Kamelie, Szilla und Stiefmütterchen. Zum Stiefmütterchen (links außen) gibt es sogar eine kleine Geschichte. Das Stiefmütterchen hat sich nämlich letzten Sommer von ganz allein in meinen großen Blumentopf auf der Terrasse gesetzt und hat sich dort (ungestört) ausgebreitet. Selbst unter dem Glasdach der Terrasse hat es sich im Winter seine Blüten vermehrt.

Rätselhafte Spuren in Bremen

Jetzt geht das Ratespiel weiter….

Ein paar Absätze vorher habe ich versprochen, Bremen in einer Rätselreihe vorzustellen. In der ersten Folge stand der Roland im Mittelpunkt. Jetzt ist es ein Mensch, der wirklich gelebt hat ( 1835-1909). Diesmal spazieren wir vom Marktplatz aus durch die Böttcherstrasse und gehen zum Schnoor. Ich rede in meiner Phantasie mit einem Mann, der am 18. April 1835 in Bremen geboren wurde und nach seinem Tod ein besonders anrührendes Denkmal erhielt. Dieses Denkmal soll gefunden werden.

Mein Interview

Herr Keberle ich möchte gern ein Interview mit Ihnen machen.

Wat wullt Du?

Ich möchte Sie interviewen.

Kenn ik nich. Wes ik nich.

Ich möchte Ihnen ein paar Fragen stellen.

Ik snak platt. Du ok?

Nein, ich spreche kein Plattdeutsch. Aber ich kann es gut verstehen. Und Sie verstehen auch Hochdeutsch. Darum mache ich Ihnen eine Vorschlag: Ich stelle meine Fragen auf Hochdeutsch, so dass Sie nur mit Ja oder Nein antworten müssen. So können uns alle Leute folgen, die nur Hochdeutsch sprechen und verstehen.

(Lacht) Da hast Di aber wat utklamüstert. Wat schall dat?

Spaaß mooken.

Na, denn man to.

Sie heißen Jürgen Heinrich Keberle. Ein ungewöhnlicher Nachname in Bremen. Ich habe herausgefunden, dass Ihr Vater aus Böhmen stammte. Er hat als Schuhmacher in Bremen gearbeitet.

Nickt.
„Jo“

Nach der Schule kamen Sie bei einem Tabakküpermeister in die Lehre. In den Artikeln über Sie steht, dass in der Zeit einen schweren Unfall hatten. Danach konnten Sie Ihr eines Bein nicht mehr bewegen und mussten Ihre Lehre abbrechen.

Seufzt
„Jo“

Sie haben dann als Dienstmann gearbeitet und viele Jahre im Schnoorviertel gelebt. Jeder kannte Sie unter dem Namen Heini Holtenbeen, Heini Holzbein. Als 1864 die Neue Börse am Rand des Marktplatzes eingeweiht wurde, waren Sie auch dabei.

Schmunzelt und zieht an seiner Zigarre.
„Jo“

Dort haben Sie dann immer mittags gestanden und darauf gewartet, dass die Herren, die in die Börse gingen, vorher ihre Zigarren ausdrückten, damit Sie die Stummel weiter rauchen konnten.

Zwinkert lustig mit den Augen
„Jo!“

Doch ins Herz geschlossen haben die Bremer Sie, weil Ihnen immer wieder neue Schnäcke einfielen, wenn Sie als Dienstmann Besorgungen machten. Eine Geschichte gefällt mir besonders gut: Als 1910 der Halleysche Komet erwartet wurde, hatten viele Menschen tausend Ängste. Viele fürchteten sich vor dem Weltuntergang. Sie haben aber immer wieder alle getröstet und gesagt: „Wenn die Welt untergeht, fahr ich nach Hannover. Da habe ich Verwandte“.

Jo. Wenn de Welt unnergeiht, fohr ik no Hannover, do hev ik Verwandte.

Sie sind 1909 gestorben. Doch die Bremer haben Sie nicht vergessen. Es gibt einen Verein mit ihrem Namen, ein Haus wurde nach Ihnen benannt, und man hat Ihnen ein Denkmal gesetzt.

Schwenkt fröhlich seine Melone
„Jo, Jo“

Wissen Sie, dass das Denkmal für Sie genau vor einer rauchfreien Zone steht? Sie haben es gut, an Ihrem Platz können Sie ganz in Ruhe Ihre Zigarre rauchen.

Zieht die Nase kraus
„Nee?“

In Bremen darf in Restaurants nicht mehr geraucht werden!

„Nee? Ken smöken in Huus? Schanne wert! Schanne wert!“

Das ist eine Schande? Das ist unser Problem! Doch jetzt beenden wir das Gespräch lieber. Herr Keberle, ich danke Ihnen.

„Heste mi nich ne Brasil mitbrocht ? Nich? Schäm di wat!“

Ich hatte keine Brasil-Zigarre mitgebracht und schämte mich.

Nun frage ich:

Wo steht das Denkmal für Heini Holtenbeen?

Am Ende der Böttcherstraße?

oder

Im Schnoor, an der Straße Wüstestätte / Ecke Hinter der Holzpforte?

Geschaffen hat die Bronzefigur der Bremer Bildhauer Klaus Homfeld. Das Denkmal wurde 1990 aufgestellt. Es steht ohne Sockel auf dem Pflaster, dadurch ist es besonders „nahe stehend“.


Seniorenalltag seit 20 Jahren

 Ich wollte mit diesem Blog einen Einblick in mein Seniorenleben geben, doch ich stelle fest, dass ich wenig über Dinge berichte, die nur im Seniorenalltag geschehen können. Mein Alltag ist weiter mein Alltag, so wie er sich fügte, nachdem ich meinen sechzigsten Geburtstag gefeiert hatte: Die Kinder waren aus dem Haus und ich konnte mich neu einrichten.

Zwanzig Jahre später ist dies immer noch wichtig für mich:

  • Meine Haare sind nicht mehr strohig, sondern leicht gewellt.
  • Im Fitnessstudio kann ich alle Geräte bedienen.
  • Gute Laune bekomme ich, wenn ich nicht zu kochen brauche, weil es genug Fertiggerichte zum Auswählen gibt.
  • Bügeln ist einfacher geworden. Schuhe putzen auch.
  • Romane lese ich nicht mehr. Ich habe keine Lust mehr, mich in fremdes Leben einzufühlen. Stimmt nicht mehr. Ich habe gerade den Roman „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse gelesen.
  • Meine Freundin ist kleiner geworden, sie schaut jetzt zu mir auf. “Du schrumpfst auch”, stellte meine Tochter darauf hin gnadenlos fest.
  • Gute Freunde sind gestorben. Sie fehlen mir. Eine Freundin, die vor ein paar Jahren das Zeitliche segnete, fehlt mir dagegen nicht. Sie hatte sich im Alter in eine Furie verwandelt.
  • Enkel und Enkelinnen gehen jetzt alle in die Schule. Zwei studieren. Kein Grund mehr, dass ich mich um sie kümmern muss. Mich stimmt das nicht traurig.
  • Mein Gehirn arbeitet zunehmend eigenständig. Namen von Menschen, die vor mir stehen, gibt es nur zögerlich frei. Manchmal erst am nächsten Morgen.
  • Politik interessiert mich immer noch. Nur eins sage ich nicht mehr: “Das haben wir nach dem Krieg doch auch erlebt…Meine Gesprächspartner kontern dann meist: Ich war da noch nicht geboren…
  • Gestern war es wieder einmal anders:
  • 20. April, 12.30 Uhr. Am Tisch eines Freundes, der seinen achtzigsten Geburtstag feiert. Er stößt mich an und zeigt auf seine Uhr. Es ist 12.30 Uhr. „Vor 74 Jahren, genau zu diesem Zeitpunkt, begann die Bombardierung von Dresden. Ich bin als Junge um mein Leben gelaufen.“ Eine Freundin am Tisch erinnert sich an etwas anderes: „Meine Mutter war mit mir auf der Flucht. Meine Schwester war noch nicht geboren, aber mein Vater schon gefallen…“
  • Das erfahre ich jeden Tag: Menschen, Freunde und Freundinnen, halten mich lebendig. Ich brauche sie. Aber was gebe ich ihnen zurück?

Ein guter Anfang

Blick auf die Weser

Mein erster Artikel im neuen Jahr sollte eigentlich ein Rückblick auf 2018  sein.  Doch ich habe es mir anders überlegt, denn heute steht ein Interview mit Renke Brahms in der Bremer Tageszeitung. Er ist Schriftführer und Repräsentant der rund 199000 evangelischen Gläubigen in Bremen.

Er hat in  dem Gespräch  an Martin Luther erinnert: Martin Luther verschickte im Oktober 1617 an die zuständigen Bischöfe seine 95 Thesen zur Ablassfrage und setzte damit eine öffentliche Auseinandersetzung in Gang, die schließlich zur Spaltung der Kirche führte. Doch ich verbinde noch mehr mit seinem Namen: Martin Luther hat sich in mein ganzes Leben eingemischt! Er war es nämlich, der vor 500 Jahren festlegte, wie  Protestanten leben sollen, und weil  meine Vorfahren  seiner Lehre folgten, bin ich auch mit seinen Leitbildern aufgewachsen:

Protestanten sollen fleißig sein. Bin ich, wenn ich im Garten arbeite. Wir sollen sparsam sein. Bin ich, wenn ich wieder einmal (fröhlich) mit einem Sonderangebot nach Hause komme.  Wir sollen uns bilden. Mache ich. Bücher dazu stehen im Schrank und Google kenne ich auch. Luther liebte die Musik. Ich bin ihr zugetan, denn ich besuche Oper und Konzert  für mein Leben gern.

Sonst noch was? Ein  paar Luther-Zitate fehlen noch. Aber woher nehmen?

Ich habe vor ein paar Jahren das kleine Reclam-Buch „Luther zum Vergnügen“ in einer Buchhandlung gefunden, und es ist zum freundlichen Begleiter für mich geworden. Diese Zitate über Frauen habe ich darin gefunden:

Bei der Frau finden sich viele gute Eigenschaften zugleich: der Segen des Herrn, Nachkommen, die Vertrautheit mit den Dingen, welche alle so groß sind, dass sie einen Menschen erdrücken könnten…

Es ist kein Rock, der einer Frau oder Jungfrau so übel ansteht, als wenn sie klug sein will.

Wieso beschäftige ich mich eigentlich mit diesem Mann? – – Weil es diese Sorte Mann immer noch gibt und weil sie immer noch von Frauen geliebt werden.

Hier mache ich erst einmal Schluss. Mit diesem Zitat:

Man dient Gott auch durch Nichtstun, ja durch nichts mehr als durch Nichtstun.

Haben Sie in diesem Punkt wirklich Recht, Herr Luther? Oder bin ich nur zu dumm, um es zu verstehen?

Ich mache etwas Neues

Im Blog schreiben ist wie Zeitung machen: Man fängt an, bekommt Zustimmung und macht weiter. Jahr für Jahr. Hurra, habe ich gerade geschrieben, das neue Jahr ist da!

Ja – und nun? Welches Thema willst du dir jetzt vornehmen? Du bist ängstlich. Themen zu Politik und Gesundheit lässt du daher aus. Fängst du noch einmal von vorne an? Nein, wie langweilig.

Und so mache ich weiter: Ich veröffentliche ab heute eine Rätselreihe, die ich mir vor Jahren ausgedacht habe. Die Rätsel drehen sich um Personen, die zur Bremer Geschichte gehören. Zusammengestellt habe ich die Gespräche (Interviews) aus Fakten, die zu der Person gehören. Alles stimmt. Nichts ist ausgedacht. Nur dass Steine reden können ist meine Phantasie. Die Fragen stellt Thea, die mich bei diesem Spiel vertritt.        

Das erste Rätsel

Thea fragt

Sie sind viel größer als die Bremer heute. Wo sind Sie aufgewachsen?.

Meinen Namen kennt man in vielen Ländern. Besonders stolz bin ich, dass ich auch im  Brockhaus-Lexikon “Literatur” ausführlich erwähnt werde. Sogar an zwei Stellen!! Dort wird mein Leben  erzählt. Das heißt, um ehrlich zu sein, man rätselt ein bisschen, denn aufgeschrieben habe ich nie etwas. Dafür hatte ich gar keine Zeit. Ich musste nämlich ununterbrochen meinem Onkel helfen, der als Kaiser einen Krieg nach dem anderen führte.

Ihr Onkel war Kaiser? Sind Sie in Berlin aufgewachsen?

Aber nein! Wer früher im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, kennt ihn: Es war Karl der Große. Der sitzt übrigens in der Mitte der Bremer Dom-Fassade und hält ein Modell vom Dom auf dem Schoß.

Darüber wundere ich mich. Sind es nicht Bischöfe gewesen, die das Christentum verbreitet haben?

Tja. Da können sie sich auch wundern. Mein Onkel war eben ein besonderes Kaliber und ein überzeugter Christ.

Und warum hält der das Dom-Modell auf dem Schoß?

Er hat dafür gesorgt, dass schon früh eine Kirche auf der Bremer Düne gebaut wurde. Ich habe in der Zeit in Südfrankreich für das Christentum gekämpft und bin dabei von einem Schurken hingemetzelt worden. Doch das wissen leider die wenigsten Bremer!

Wann war zum ersten Mal in Bremen von Ihnen die Rede?

Hier in Bremen soll ich als Symbol- Person zuerst 1366 aufgetaucht sein: als hölzernes Standbild.  Die Bremer wollten damit zeigen, dass der Bischoff in der Stadt nicht der Herr ist, sondern dass sie frei sind und nur dem Kaiser gehorchen wollen. Doch der Bischoff lies mich abbrennen. Er hatte wohl keine Lust, sich den neuen Zeiten anzupassen.

Haben die Bremer sich das gefallen lassen?

Nein, bei Gott, nicht. Der Zorn der Bremer Kaufleute muss riesig gewesen sein: Denn bald  darauf bauten sie sich ein schönes Rathaus und verbauten damit dem Bischoff   den Blick auf den Marktplatz, denn er bis dahin von seinem Palast aus in voller Breite genossen hatte. Und um das Maß voll zu machen, ließen sie mich schön groß in Sandstein hauen. Das muss gesessen haben, denn irgendwann war der Bischoff aus der Stadt verschwunden.

Seit wann sind Sie hier?

Unverrückt – seit 1404. So gut haben es meine Namensvetter in keiner anderen Stadt gehabt. Sie sind immer mal wieder hin und hergeschoben worden, oder sie sind ganz verschwunden.

Stimmt es, dass Napoleon Sie mit nach Paris nehmen wollte?

Ja, aber da waren die Bremer plietsch, denn ich war ihnen längst an´s Herz gewachsen. Sie haben den Franzosen versichert, dass ich ohne jeden ästhetischen Wert sei. Ein Architekt ist für mich allerdings bis heute ein Verräter: Er machte einen Plan und schlug den Franzosen vor, auf den Marktplatz einen Obelisken zu stellen. Der Marktplatz ohne mich! Polzin hieß der Mann. Dafür hätte ich ihm am liebsten mein spitzes Knie unter die Nase gehalten.

Wer hat Ihnen das denn verraten?

Sie stellen Fragen! Mir wurde nichts verraten, sondern ich wurde informiert! Von Herbert Schwarzwälder, der die „Geschichte der Freien Hansestadt Bremen geschrieben hat. Vier Bände sind das. Und „Das große Bremen-Lexikon“ hat er auch noch geschafft! 832 Seiten! Ach, was rede ich: Lesen Sie selbst!

Was denken Sie heute, wenn Sie auf den Dom blicken?

Mein Herz ist fröhlich, denn wenn ich mir meinen Onkel angucke, der da so artig mitten zwischen den biblischen Figuren in der Dom-Fassade sitzt, freue ich mich, denn den haben die Bremer kleiner in Stein gehauen als mich. Was mich natürlich ehrt. Trotzdem lassen es die Bremer bei uns an Geschichtsbewusstsein fehlen und das macht mir Kopfschmerzen.

Ihnen schmerzt der Kopf?

Und wie!  Stellen Sie sich das vor: Meinen Kopf haben die Bremer 1983 in´s Museum geschafft und mir eine schlechte Kopie auf den Hals gestellt. Mein Onkel blieb auch nicht verschont: dem haben sie den Schnurbart von Kaiser Wilhelm unter die Nase gemeißelt.

Nun wissen Sie bestimmt, wer ich bin!

Bischoff Willehad ?   

Otto Fürst von Bismarck ?   

Roland von Bremen ?                        

Noch Zweifel?  Wikipedia löst das Rätsel.                                                                                            


Wie geht die Reihe weiter? Ich melde mich! Versprochen!





2019 – Hurra !


Diesen alten Kalender hat mir meine amerikanische Freundin zu Weihnachten geschickt! Wir sind über unsere Vorfahren miteinander verwandt. Und wie man sich leicht ausmalen kann, muss es Ende des 19. Jahrhunderts noch einen regen Kontakt zwischen den Auswanderern und dem Rest der Familie in Eitzendorf (bei Hoya an der Weser) gegeben haben. Meine Freundin spricht nur Englisch, doch durch die Möglichkeiten, die heute das Internet bietet, kann sie sich das, was ich hier gerade schreibe, schnell übersetzen lassen…

Ein paar Themen aus dem Inhalt:

Die kritischen Tage des Jahres 1897

Aufgezählt werden Wetterereignisse. So soll es am 3. und 18. Januar Gewitter geben…

Stand der Uhren in verschiedenen Städten, wenn in Washington 12 Uhr Mittag ist…

Kometenerscheinungen im Jahre 1897…

Arbeitskalender für den Gemüsegarten

Aufgezählt werden Wetterereignisse. So soll es am 3. und 18 Januar 1897 Gewitter geben…

Gesetzliche Feiertage in den Vereinigten Staaten von Nordamerika…

  1. Januar: Neujahrstag. In allen Staaten mit Ausnahme von Arkansas, Massachusetts, Missisippi, New-Hampshire und Rhode Island. (Ein Beispiel)