Eine Trauerfeier

Ich bin auf einer Trauerfeier gewesen, die mir … gefallen hat. Gefallen? Ist das ein passendes Gefühl auf einer Trauerfeier? Ich kann auch schreiben: Die Feier hat mich angerührt und mir Zeit gegeben, an all das zu denken, was ich mit Ella, der Verstorbenen, erlebt habe.

Gefallen hat mir, wie die Familie ihre liebevolle Zuwendung in einem kurzen Programm zum Ausdruck brachte: Musik stand im Mittelpunkt. Wir hörten Orgelspiel, dazu ein Streichquartett, und es wurden Arien gesungen. Die Ansprache des Pastors war kurz. Ella hatte ein ganz normales Leben geführt. Sie war verheiratet, hatte Kinder und Enkel gehütet. Doch ein Hinweis lies mich aufhorechen: Ella war mit ihrer Familie aus Ostpreußen geflohen. Darüber hatte sie nie gesprochen. Jetzt ist sie hier, auf dem größten Bremer Friedhof, beerdigt worden. Ein neuer Platz für sie, denn in Ostpreußen gab es auch ein Grab für ihre Familie… Ist damit jetzt die Geschichte der Vertreibung für Ellas Familie zu einem Ende gekommen?

Mich beschäftigt die Frage, denn meine Vorfahren stammen aus Norddeutschland. Wo müßte ich leben, wenn auch meine Familie vertrieben worden wäre?

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Der Umwelt zuliebe

Gerade sammeln sich wieder Schüler, um für den Umweltschutz zu demonstrieren. Guter Ansatz, doch ich habe noch keinen Vorschlag gehört, wie sie Umweltschutz umsetzen wollen. Nicht mehr in den Urlaub fliegen?Weniger Wäsche waschen? Plastiktüten vermeiden? Ich habe auf meinem letzten Sonntagsspaziergang (zu Fuß!) am Segelhafen in Sandstedt, an der Weser, ein gutes Beispiel entdeckt. Dort hat die Gemeinde am Weg zum Campingplatz eine „Vogel-Kirsche“ gepflanzt. Den Namen habe ich noch nie gehört. Wird er einmal so geläufig wie „Eiche“ und „Buche“ sein?

Das schreibt die Gemeinde dazu:

Gerade mein Lieblingsgedicht

Mondnacht

Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff ( 1788-1857)

Der Admiral war da

Gestern haben wir auf unserer Terrasse seltenen Besuch gehabt: Ein Admiral war da. Der Schmetterling flatterte aufgeregt hin und her, machte Rast auf unserem Holzstock, schloss die Flügel, wenn ich mich bewegte und zeigte – für das Foto – einmal kurz seine ganze Schönheit. Wenn es stimmt, was ich schon vor Jahren gelesen habe, brauchen schöne Schmetterling Brennnesseln für ihre Raupen. Daher gibt es Brennnesseln in meinem Garten. Ja – und gestern war der Admiral da und hat sich bedankt!

Sommeranfang

Heute, 21. Juni, ist Sommeranfang! Es ist warm. Man kann wieder im Biergarten sitzen. Für mich hat der Sommer allerdings schon längst angefangen: Alle Rosen blühen, Schmetterlinge fliegen vorbei, die uralte Geranie hat wieder Knospen angesetzt, und die fremde Katze hat sich in meinem Dahlienbeet einen Schlafplatz eingerichtet.

10 Fragen an Marie und Anne

Marie und Anne, dreizehn und zwölf Jahre alt, waren bei mir zu Besuch. Es war ein sehr lebhafter Besuch, sehr erfrischend für meinen braven Seniorentagesrhythmus. Trotzdem war Zeit genug, um sie ein bisschen  auszufragen. Hier ist das Interview aus meinem Kopf:

Wo wohnt ihr?

Marie: In Hannover. Anne: In Nantes.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Wir nehmen zusammen an einem Schüleraustausch zwischen einem französischen und deutschen Gymnasium teil. Wir laden uns gegenseitig ein  und leben vier Wochen in einer Gastfamilie, die an diesem Schüleraustausch beteiligt ist. Wir gehen auch zusammen in die Schule.

Wo kauft ihr euer Kleidung ein? – Die beiden zögern und zucken die Schultern.

Marie: Überall. Anne: Ja, überall.

Beide tragen auch Geschwisterkleidung auf.

Wo würdet ihr gern leben?

Marie: Australien. Dort war meine Schwester und die fand es dort schön. Anne: Frankreich. Wo ich wohne.

Wo habt ihr eure schönsten Ferien verbracht?

Marie: In Afrika. In der Wüste in Namibia.

Anne: In Mexiko und New York.

Was trinkt ihr am liebsten?

Beide denken nach und einigen sich dann auf Cola und Eistee.

Was sollte immer im Kühlschrank sein?

Beide: Eis!

Was findet ihr gut in eurem Leben und was nicht?

Beide: Schulterzucken. Keine Antwort.

Was lest ihr gern?

Marie zuckt mit den Schultern.

Anne: „Survivor Dogs“. Darin werden Geschichten von Hunden erzählt.

Danach sehen mich beide freundliche an. Genug gefragt? Ja! und sie stöpseln sich ihre kleinen Hörer wieder in die Ohren.

Namen und Orte habe ich geändert.

 

Mein Gedanke zum Muttertag

 

Hallo, liebe Leute, habt Ihr daran gedacht, dass Sonntag, 12. Mai, Muttertag ist? Wenn Ihr in  Frieden mit Eurer Mutter lebt, dann beschenkt sie ein bisschen. Aber ich habe noch einen Gedanken: Wäre es nicht an der Zeit, dass wir diesen Tag „Mutter- und Vatertag“ nennen. Schließlich gibt es immer mehr Männer, die sich  als liebevolle Väter outen!

Das Babyfoto ist übrigens achtzig Jahre alt.

 

Im Alter neu…

Auf der Suche nach der Altersweisheit –  Zitate von bekannten Persönlichkeiten

Ist man weise, wenn man siebzig, achtzig oder gar hundert Jahre alt ist? Ich bin  gerade achtzig geworden. Doch weise finde ich mich und meine Freunde und Freundinnen nicht. Im Alter wird man alt, sonst nichts (soll Bernhard Shaw gesagt haben). Doch wo steckt die Altersweisheit? Vermutlich in Büchern, die kluge, alte Männer und Frauengeschrieben haben. Und darum habe ich meinen Bücherschrank durchgesehen und natürlich auch etwas entdeckt. Es sind Zufallsfunde. Das einzige gemeinsame Merkmal: Die Autoren und Autorinnen hatten  ein langes Leben.

Das sind meine Fundstücke: 

Paul Baltes ( 1939-2006 )

Altersforscher, stellt fest:

„Ich sehe das hohe Alter als das letzte Abenteuer des Lebens. Dieses Abenteuer mit Würde durchstehen zu können wird eine der größten individuellen und gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sein.“

In einem Rundfunkinterview 2004

Wolf Jobst Siedler (1926-2013)

Verleger, ist milde gestimmt:

Ich habe Erfahrungen gemacht, die auch nicht zu verachten sind. Man ist gelassener geworden mit den Jahren, fast möchte man es Milde des Alters nennen. Dinge, die einen früher aufgeregt hätten, sieht man jetzt mit Gleichgültigkeit, oder, wenn es sich so ergibt, mit Heiterkeit….

„Wider den Strich gedacht.“ Siedler Verlag.

Richard von Weizsäcker (1920-2015)

Ehemaliger Bundespräsident, hat eine Bitte an die Jugend:

Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie miteinander zu leben, nicht gegeneinander.

Zitat aus seiner Rede, die er am 8. Mai 1985  gehalten hat.

Helmut Kohl

Politiker, verteidigt die Macht.

Wir haben in Deutschland die seltsame Angewohnheit, Macht zu diffamieren. Macht an sich ist ja nichts Gutes und nichts Schlechtes. Die Frage ist, wie man Macht gebraucht….Macht ist notwendig. Wer Macht denunziert und der Macht entflieht, der kann nichts gestalten. Das gilt übrigens nicht nur für die Politik, das gilt für viele Bereiche des Lebens.

Helmut Schmidt. Jahrhundertwende. Siedler Verlag.

Helmut Schmidt (1918 – 2015)

Politiker

Der Wesenskern einer Freundschaft beruht auf der Zuverlässigkeit des Freundes, auch darin, dass man sich darauf verlassen kann, dass er das sagt, was er wirklich denkt. Das ist gar nicht so häufig im Leben wie in der Politik.

Helmut Schmidt „Jahrhundertwende“. Siedler-Verlag

 Wolfgang von Goethe ( 1749-1832)

Dichter. Er darf nicht fehlen und bekommt das letzte Wort.

An den Leser: Lies uns nach Laune, nach Lust, in trüben, in fröhlichen Stunden, wie uns der gute Geist, wie uns der böse gezeugt.

„Aus den Xenien von Schiller und Goethe“. Johann Wolfgang von Goethe. Gesammelte Werke in sieben Bänden.

 

Ist das Weisheit genug? Wer meint, es könnte mehr sein, kann diese Sammlung gerne auffüllen und mir den Wortschatz in einer Mail schicken…Platz ist genug!

 

 

 

Ein Riese und ein Hahn

 

 

Wie man mit Kindern  den Bremer Marktplatz umrundet.

 

Jetzt sind Osterferien und bestimmt sind auch in Bremen wieder Enkelkinder zu Besuch, die natürlich unterhalten werden wollen. Was ich an meiner Stelle tun würde? Ich würde eine kleine Stadtbesichtigung rund um den Bremer Marktplatz organisieren, denn bei diesem Ziel braucht man keine Angst zu haben, dass sich jemand dabei langweilt. In dieser „guten Stube“ der Bremer findet man nämlich nicht nur steinerne Zeugnisse aus alter und neuer Zeit, sondern auch Hinweise auf märchenhafte und gruselige Geschichten. So kann man denn kleinen Besuchern und Besucherinnen schon vorher versprechen dass man ihnen

einen Riesen und einen Esel mit Goldfüßen zeigen wird.

 

 Los geht´s

Der beste Ausgangspunkt für diese Minitour sind der Roland und das Rathaus, denn dort findet man gleich zwei Attraktionen: die Bremer Stadtmusikanten und die Gluckhenne.

Sicher kennen die Kinder die Geschichte von den Bremer Stadtmusikanten. Die „bekanntesten Bremer“ stehen an der Westseite des Rathauses. Wenn man vor ihnen steht, kann man ein bisschen Zauberei  ins Spiel bringen und den Kindern erzählen, dass vielleicht ein Wunsch in Erfüllung geht, wenn man die goldenen  Eselfüße anfaßt. Die sind nämlich so blank geworden, weil ganz viele Menschen an den Zauber glauben und die Füße umfassen.

Und eine Suchaufgabe liegt hier auch noch in der Luft: Wo sind noch mehr Stadtmusikanten zu finden? Die Lösung: Ein paar Schritte weiter, hoch über den Straßenbahnschienen, findet man eine märchengerechtere Darstellung. Die Tiere, die dort im Laternenausleger am Deutschen Haus sitzen, sehen tatsächlich alt und zerzaust aus. Danach geht’s zurück an

die Marktseite des Rathauses,

denn in der Fassade muss die Bremer Gluckhenne gefunden werden.

 

Und das ist gar nicht so einfach. Das große Foto oben kann bei der Suche helfen:

Die Glucke sitzt in einem Körbchen im Steinrelief im rechten  Zwickel  über dem zweiten Rathausbogen von links. Das Körbchen liegt auf dem Arm einer Frau, die schon ein bisschen verwittert aussieht.

In der Geschichte heißt es, dass die Henne einst mit ihren Küken heimatlosen Fischern den Weg auf eine Düne wies, als sie vor einem Unwetter Schutz suchten. Den Fischern gefiel es dort so gut, dass sie blieben und Bremen gründeten. Diese Sage stammt allerdings nicht aus mündlicher Überlieferung, sondern wurde von Friedrich Wagenfeld erfunden, der sie 1845 in seinem Buch „Bremens Volkssagen“ veröffentlichte. Doch der Ort ist nicht schlecht gewählt, denn Historiker vermuten, dass auf der Domdüne tatsächlich der Kern der Stadt liegt.

Vor dem Roland, dem Riesen, kann man anschließend alle Geschichten erzählen, die man von Rittern weiß, denn der steinerne Mann soll auch zu diesem Stand gehört haben: Ritter gab es im Mittelalter. Sie lebten auf Burgen und zogen, wenn sie gerufen wurden, für König oder Herzog in den Krieg. Dabei trugen sie – „ähnlich wie Roland – eine schwere Rüstung. Ritter mußten eine Menge Gebote erfüllen (zum Beispiel durften sie  am Tisch nicht „wie ein Schwein schnaufen und schmatzen“) und sollten sportlich top fit sein. Auch vom mittelalterliche Rolandlied kann man seine Phantasie beflügeln lassen. In ihm wird erzählt, dass Roland im Kampf für Karl den Großen fiel.

Ortsgebunden sind diese zwei Begebenheiten: Wilhelm Hauff schildert  in seinen „Phantasien im Bremer Ratskeller“, dass der steinerne Roland dort einmal an einem Trinkgelage teilgenommen hat, bei dem allerdings allerhand schief ging: Der zentnerschwere Mann brach mit seinem Stuhl zusammen, zerdrückte Gläser und Becher und geriet in Rage als über Tagespolitik diskutiert wurde.

Nach diesem Ausflug in die Sagen- und Märchenfilm wird’s gruselig, denn das nächste Ziel ist der

Spuckstein auf dem Domshof.

Der Spuckstein – manche Bremer nennen ihn auch „Gesche-Gottfried-Stein“ – erinnert an eine Schauergeschichte, die sich am 20. April 1831 ereignete: An dem Tag wurde die 47jährige  Gesche Gottfried auf dem Domshof mit einem Schwert geköpft, weil sie mindestens 15 Menschen mit Arsen vergiftet hatte, darunter ihren Mann, ihre Kinder,ihre Eltern, ihren Bruder und ihren Geliebten. Mehr als 35.000 Bremer sollen dabei zugesehen haben. Ein Stein im Straßenpflaster markiert bis heute, wo das Schafott stand. Der dunkle Stein ist mit einem Kreuz versehen und liegt im Pflaster in der Nähe der Treppe zum Brautportal am Domshof. Er wurde nach der Hinrichtung zum „Spuckstein“, auf den man spie, um weiter Empörung und Abscheu zu zeigen (während der Hitler-Diktatur war darauf für kurze Zeit ein Harkenkreuz zu sehen). Wenn heute Spucke darauf klebt, stammt sie vermutlich von Touristen, denen man von dem alten Brauch erzählt hat. Bremer erinnern sich kaum noch an diese böse Frau.

Dieser Kriminalfall ist damals ausführlich dokumentiert worden. In den drei Jahren, die Gesche Gottfried im Gefängnis saß, legte sie zahlreiche Geständnisse ab und schrieb sogar eine Autobiographie.  „Eine Frau, das ist ein Mensch, nicht aber  das Haustier des Mannes,“sagt sie in  einem Theaterstück.

Wo der Hahn kräht

Aber es gibt noch einen geheimnisvollen „Fleck“. Man findet ihn vor dem Haus der Bürgerschaft. Dort sitzt ein Hahn unter einem Straßendeckel, der laut kräht, wenn man zu ihm ein Geldstück  runter wirft. Das ist das Dankeschön von der  Wilhelm-Kaisen-Stiftung, die das Geld erhält. Gerade ist das Geld gezählt worden: 19491,90 Euro sind in einem Jahr (Mai 2018-Mai 2019) in die Spendenbüchse gefallen. Davon sollen Spielgeräte bezahlt werden.

Die Dom-Besichtigung und den Gang durch die Böttcherstraße nehmen wir uns für den nächsten Besuch vor. Am Ende suchen wir uns jedesmal einen Platz in einem Kaffee. Von dort kann man den Bremern gut bei ihrer Arbeit zusehen.