Karl Marx in Übergröße

Karl Marx

Mein Ausflugsziel. Ein Geschenk aus China für die Stadt Trier.

 

Am 5. Mai hat sich der Geburtstag von Karl Marx zum 200. Mal gejährt. Dieses Jubiläum wird in Trier, der Geburtsstadt von Karl Marx, das ganze Jahr über mit zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen gefeiert. Außerdem hat die Volksrepublik China der Stadt ein eindrucksvolles Karl-Marx-Denkmal geschenkt. Die Statue ist 5,50 Meter groß.

Ich war zu einem kurzen Besuch in der Stadt und habe mir die imposante Statue  angesehen. Ich habe mich klein unter ihr gefühlt, und ich kann  Trierer verstehen, die in der Größe  eine unangemessene Huldigung des Kommunismus sehen.

Malu Dreyer, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin, hat bei der Enthüllungsfeier  die Bedeutung der Statue für die internationalen Beziehungen hervorgehoben. „Das Geschenk aus China empfinde ich als eine Säule und Brücke der Partnerschaft“, wird sie in der „Zeit“ zitiert. Man müsse sich neu mit Marx auseinander setzen. Das Jubiläum sei eine gute Gelegenheit dazu. Man kann Karl Marx nicht die Gräueltaten im 20. Jahrhundert anlasten. Und genauso wenig kann man ihn zum Heiligen erklären.“

1818-1883

Das Leben von Karl Marx

  • Am 5. Mai 1818 in Trier geboren.
  • Philosoph, Ökonom, Redakteur.
  • Verheiratet mit Jenny von Westphalen.
  • Drei Töchter, ein unehelicher Sohn.
  • Am 17. März 1883 auf dem Londoner Highgate-Friedhof beigesetzt.
  • Seine wichtigsten Werke: „Das Manifest der kommunistischen Partei“ und „Das Kapital“.

Quelle: Dr. Bruno Kern in „Damals, das Magazin für Geschichte“, 4-2018.

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Mit 1000 Stimmen

Ich habe in der Berliner Philharmonie gesungen

Ich habe gerade in der Berliner Philharmonie in einem Konzert mitgesungen. Das war möglich, weil alle Darsteller nicht nur auf der Bühne sangen, sondern sich auch zwischen den Zuschauern bewegten, die aber auch nicht auf ihren Plätzen saßen.

Wie bekommt dieses Gewusel einen Sinn? Der New Yorker Komponist David Lang hat es für mich geschafft: Ich habe eine Lärmorgie erlebt, doch ich habe mir nicht die Ohren zugehalten und bin nicht davon gelaufen. Nein, ich  habe mit gesungen und zwar textsicher und ohne falschen Ton und das ging so:

Wir hatten Kärtchen in verschiedenen Farben in  der Hand. Ich war eine Grüne und hatte eine grüne  Vorsängerin und die sang zum Beispiel von Dingen, die wir teilen: unsere Liebe zur Musik, unsere eigene Erfahrung, unsere Lieblingscurrywurst…und ich klatschte und fügte hinzu – wie es auf meinem grünen Kärtchen stand –  ...unsere Freiheit, unsere Freiheit…. Auch in den anderen Gruppen – im ganzen Konzerthaus, oben, unten, in der Mitte – wurde das gesungen und obwohl es sich wie Lärm anhörte, sahen wir vergnügt aus. Wir zusammen waren eine einmalige fröhliche Klanglandschaft!

Mich hat meine Freundin zu diesem Konzert eingeladen. Sie hat in einem Projektchor mitgesungen und lange für dieses Konzert geprobt. Jetzt will sie weiter in  diesem Chor singen. Für sie hat sich das Projekt damit gelohnt. Für mich auch, denn ich war beeindruckt (und bin es immer noch) wieviel Energie entstehen kann, wenn eine Idee  Menschen überzeugt und begeistert. An diesem Abend waren es 1000 Stimmen!

Hochzeit vor 55 Jahren

Am 19. Mai schaut sich alle Welt  ein Hochzeitspaar an: Prinz Harry Charles Albert David von Wales und Rachel Meghan Markle. Vor 55 Jahren stand das Hochzeitpaar auf unserem Foto im Mitelpunkt einer Hochzeitsgesellschaft: Die Braut bin ich, die Bloggerin.

Wie  der  Mann  an  meiner  Seite und  ich  die 55  Jahre verbracht  haben?  Es waren   schöne  Jahre. Darum sage ich  den beiden Royals: Der 19. Mai ist der beste Tag zum Heiraten! Auch meine Eltern haben an diesem Tag geheiratet, sie feierten ihre Silberhochzeit an unserem Eheanfang.

Zwei Bäume mit seltsamen Namen

Wo der Taschentuchbaum und der Judasbaum blühen- Eine Vorstellung

Der Taschentuchbaum und der Judasbaum blühen im Vegesacker Stadtgarten. Der Vegesacker Stadtgarten liegt direkt an der Weser, rund zwanzig Kilometer von der Bremer Innenstadt entfernt. Entstanden ist er aus Privatgärten, die früher am Hang von Villenbesitzern angelegt wurden. Die Villenbesitzer sind längst gestorben oder weggezogen, doch dass sie ihre Gärten geliebt haben müssen, kann man heute noch sehen, denn in dem Park stehen viele interessante Bäume. Zwei hat mir gestern Prof. Dr. Höster gezeigt: den Taschentuchbaum und den Judasbaum.  Prof. Dr. Höster ist der Baumexperte für den Garten, denn er hat für alle Bäume ihre Namen und Herkunftsländer gefunden, so dass jetzt unter jedem Baum ein Hinweisschild steht ( welcher öffentliche Park kann das schon bieten?!).

Das Foto vom Taschentuchbaum zeigt, was es zu diesem Baum zu sagen gibt: Die Blütenblätter (Taschentücher) flattern im Wind, die schwarzen Kügelchen sind die Blüten, einige haben sich schon geöffnet.

Der Judasbaum hat seinen Namen bekommen, weil sich Judas, der Jesus verraten hat, aus Reue später an solch einem Baum erhängt haben soll (vor Scham soll der Baum rote Blüten bekommen haben).

Ich frage mich, warum sich der vorherige Gartenbesitzer wohl diesen Baum gepflanzt hat? Oder war es sein Gärtner, der damit seinem Dienstherren ein Zeichen geben wollte? Und der den Taschentuchbaum gleich daneben gepflanzt hat, um seine Krokodilstränen damit trocknen zu können?

 

 

 

„Was brauchen wir im Alter?“

Die Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Annelie Keil hat  verschiedene Antworten.

Im großen Saal  der Nord-Bremer Stiftungsresidenz St. Ilsabeen sind alle Stühle besetzt, als  Annelie Keil sich hinter das Rednerpult stellt und fröhlich über ihre Lebenserfahrungen berichtet, wie man damit im Alter umgeht und welchen Nutzen das hat. Die Sozialwissenschaftlerin hält keinen Vortrag im üblichen Sinne. Sie erzählt von sich, von ihren Erfahrungen und Beobachtungen und was sie davon empfehlen kann. Ein paar Gedankensplitter habe ich mir notiert:

  • Wer hat Angst ein Pflegefall zu werden? Den Zustand Pflegefall kennen wir doch alle, denn wir kommen als Pflegefall zur Welt: wir waren alle einmal ein Baby und wurden gefüttert, in Windeln gewickelt und hin und her geschoben…
  • Älter werden heißt neu werden.
  • Wir sind im Alter „Wahlverwandte“. Wer im Altenheim lebt, lebt in einer Zwangsgemeinschaft, in die man sich einreihen muss.
  • Erfindungen, die schön sind: Gehstock und Rollator.
  • Einer trage des anderen Last – ohne diese Hilfe geht es nicht.
  • Über Erwartungen sollte man reden. Was tut einem gut?

So, das sind meine Gedankensplitter, die ich in meinem Notizbuch festgehalten habe. Wer mehr von Annelie Keil erfahren möchte, sollte ihre Homepage aufrufen.

 

 

Aus meinem Alltag – Neue Folge

Kleine Lüge. Meine Freundin ist 79 Jahre alt, sie sagt aber, sie sei 80. Warum? Sie lacht. „Wenn ich 80 sage, heißt es meistens: Das hätte ich nicht gedacht! Sie sehen jünger aus. Einmal wurde ich sogar gefragt, ob ich mich habe liften lassen! Wenn ich nun behaupte, ich sei 80 , kann ich mir das Kompliment ein Jahr länger anhören.“

Biotonne. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Scheibe Brot in die Biotonne geworfen. Die Erklärung dafür ist, dass ich als Kriegskind gelernt habe, kein Essen wegzuwerfen. Es wurde alles aufgegessen. Nahrung war knapp. Die Generation meiner Enkelkinder versteht das nicht. Nahrung muss einen hohen Nährwert haben, Reste haben das nicht und werden …weggeworfen. Neulich habe ich wieder einmal an einem Rest Kartoffelsalat gewürgt und da kam mir plötzlich der Gedanke: Du bist doch keine Biotonne. Der Kartoffelsalat schmeckt nicht mehr. Also iss ihn nicht! Und darum erkläre ich jetzt hier:  Ich bin keine Biotonne! Die Biotonne steht im Keller.

Gut für die Seele. Ein Garten ist gut für die Seele. Das haben meine Freundin und ich heraus gefunden. Meine Freundin ist Witwe und lebt allein in ihrem großen Haus, will es aber nicht verkaufen, weil sie gern in ihrem Garten arbeitet. Mir geht es auch so. Beide fragen wir uns, ob Pflanzen uns die Aufmerksamkeit, die wir ihnen schenken, zurückgeben?

Wir glauben das. Warum sonst blüht der kleine Rhododendronbusch schon wieder so schön? Obwohl er auf einem Platz im Beet steht, auf den die Mittagssonne brennt? Weil ich ihn immer im Blick habe und ihn gieße, wenn er die Blätter hängen läßt! Und meine Freundin freut sich über ihren Perückenstrauch, den sie sich aus Bayreuth mitgebracht hat, vor 20 Jahren, als sie dort mit ihrem Mann die Festspiele besucht hat. Der Busch hat sich bei ihr in seiner ganzen Pracht entfaltet.

 

Fröhliche Ostern 2018

Ich verbringe gerade ein paar Tage in London und schicke daher ein Osterbild von der Themse. – Alles, was ich sonst schon zu diesem christlichen Fest gesagt habe, kann man hier nachlesen:

Warum die Feiertage? – Meine Antwort für Marie

Marie fragt mich, warum wir Ostern feiern. Das Kind besucht mich manchmal, wenn Papa und Mama überall Unruhe verbreiten. Stress haben.   Finde ich jetzt die schnelle Antwort? Nein. Doch dann zieht Marie meine Kinderbibel aus dem Bücherregal. Und ganz am Ende finden wir die Antwort. Zusammen lesen wir, dass Jesus in der großen Stadt Jerusalem Geschichten vom Himmelreich erzählte. Und dass das den Hohen Priestern  nicht gefiel. Sie wollten Jesus töten lassen. Judas, einer von Jesus zwölf Jüngern, wollte den Hohen Priestern verraten, wo sie Jesus leicht festnehmen konnten. Dafür sollte Judas  dreißig Silberstücke bekommen.

Gründonnerstag

Gründonnerstag, der Tag vor Karfreitag, erinnert daran, dass Jesus, einen Tag bevor er ans Kreuz geschlagen wurde, noch einmal mit seinen Jüngern zusammen gegessen hat. „Einer von euch, der hier mit am Tisch sitzt, wird mich verraten“, hat er bei diesem Abendmahl gesagt.

Karfreitag

Nach dem Essen ging Jesus mit drei Jüngern auf den Ölberg, um zu beten. Dort nahmen ihn bewaffnete Männer fest. Judas hatte ihnen  gesagt: „Ich küsse Jesus, dann wisst ihr, wen ihr festnehmen müsst.“ Und so geschah es. Als Jesus vor den Hohen Priestern stand, fragte man ihn, ob er wirklich der Sohn Gottes sei. „Ja, ich bin es“, antwortete Jesus. „Das ist Gotteslästerung,  niemand kann der Sohn Gottes sein“, erklärten die Priester. Dann wurde Jesus zu Pilatus gebracht, der den römischen Kaiser in Jerusalem vertrat. Nur Pilatus durfte jemanden zum Tod verurteilen. Doch Pilatus wollte die Hohen Priester nicht  verärgern und gab den Befehl, Jesus an das Kreuz zu schlagen . So geschah es. Abends war Jesus am Kreuz gestorben. Ein reicher Mann kam und nahm, zusammen mit Freunden, Jesus vom  Kreuz, wickelte in ein weißes Laken und legte ihn in ein Grab.

Ostern

Zwei Tage später, es war Sonntag, machten  sich drei Frauen auf den Weg, um das Grab von Jesus zu besuchen. Doch als sie ankamen, war das Grab leer. Ein Engel stand dort: „Fürchtet euch nicht“, sagte er, “ Jesus ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden.“

Darum ist Ostern  ein Fest, an dem man sich freuen darf. Und lachen darf. Und Witze erzählen darf. Vor Jahren hat das ein Pastor von der Kanzel verkündet. „Zur Osterfreude gehörte früher das Osterlachen. Auch im Gottesdienst“,  erklärte er und erzählte dazu lustige Geschichten von der Kanzel.

Das gefällt Marie und mir, und wir fangen an, uns Witze zu erzählen. Marie ist dieser eingefallen:

„Anna fragt: „Papi, Papi, wo ist denn Australien?“ „Keine Ahnung. Deine Mutter hat aufgeräumt.“

Mein Lieblingswitz aus Kindertagen: „Die Mutter ruft: Klein Erna, komm, Füße waschen. Ich brauch die Schüssel für Salat.“

Marie hat den Witz nicht verstanden. Füße in der Schüssel waschen? Wer macht denn das?

Zusammen angesehen haben wir uns „Die große Ravensburger Kinderbibel“. Erzählt von Thomas Erne, mit Bildern von Ulises Wensell.

Ferienzeit: Mit Kindern unterwegs

Jetzt haben fast alle Kinder Osterferien. In den meisten Bundesländern bis Anfang April. Ist das nicht ein guter Grund, Kinderbesuch zu bekommen? Wer Besuch hat, für den sollte es natürlich Ehrensache sein, den Kindern  zu zeigen, wie alt und schön Bremen ist!

Hier mache ich ein paar Vorschläge, wie man die kleinen und großen Besucher und Besucherinnen Bremens Hauptsehenswürdigkeiten rund um den Marktplatz am besten erklärt.

Keiner will mitkommen? Dann muss man sie neugierig machen! Und das geht so: Man verspricht ihnen schon vorher , dass man ihnen am Bremer Marktplatz einen Riesen, sieben faule Brüder, die Bremer Stadtmusikanten, ein Huhn im Nest  und einen Dino zeigen wird. Das hilft.

Wer sich auf den Weg machen will, muss allerdings ein bisschen vorausdenken, denn der Marktplatz – Bremens gute Stube – ist oft genug voller Besuch.  Schön ist es immer wieder am Sonntag morgen, wenn der Himmel blau ist, und die Sonne scheint.

Der beste Ausgangspunkt für diese Mini-Tour ist das Rathaus, denn dort findet man gleich  zwei  Attraktionen: Die Bremer Stadtmusikanten und die Gluckhenne.

Doch erst einmal sehen wir uns den Riesen vor dem Rathaus an. Er heißt:

Roland

An ihm kann man betrachten, wie die Ritter gekleidet waren, und erzählen, dass sie vor vielen hundert Jahren lebten. Ritter lebten auf Burgen und mussten oft in den Krieg ziehen. Daher mussten sie sportlich sein und sich auch immer gut benehmen ( zum Beispiel durften sie am Tisch nicht „wie ein Schwein schnaufen und schmatzen, nicht rülpsen und die Nase nicht im Tischtuch abputzen“). Und man kann ihnen vormachen, wie die Bremer früher plattdeutsch mit ihrem Roland sprachen und scherzhaft fragten:“ Roland mit dat spitze Knee, segg mi, deit di dat nich weh?“

Und natürlich darf der Hinweis nicht fehlen, dass Roland an diesem Platz stehen muss, damit jeder weiß, dass in Bremen nur Bremer das Sagen haben.

Die Gluckhenne

Wenn man vom Roland aus auf die Rathausfassade blickt, kann man versuchen, die Gluckhenne zu finden: Die Glucke sitzt in einem Körbchen im Steinrelief im rechten Zwickel über dem zweiten Rathausbogen von links. Das Körbchen liegt auf dem Arm einer Frau, die schon ein bisschen verwittert aussieht. In dem Körbchen sitzt eine Henne mit ihren Küken,  dabei kann man die Geschichte von der Gründung der Stadt erzählen, die Friedrich Wagenfeld in seinem Buch „Bremens Volkssagen“ veröffentlicht hat.

Vor vielen, vielen Jahren haben in paar Schiffer auf der hohen Düne, wo heute der Dom steht, übernachtet. Warum? Weil sie Angst vor dem Hochwasser  der Weser hatten. Auf der Düne hatte ein Vogel sein Nest gebaut. „Wenn der Vogel sich sicher fühlt, können wir auch bleiben“, sagten  sich die Fischer und lebten dort bis an ihr gutes Ende. Sie waren die ersten Bremer.

In der Böttcherstraße gibt es auch noch eine Skulptur mit einer Henne im Nest. Aber wo? Das kommt später…

Jetzt bleiben wir erst einmal auf dem Marktplatz.

 

Die Bremer Stadtmusikanten

Die bekannteste Abbildung der Stadtmusikanten steht an der Westseite des Rathauses. Die Geschichte kennen die Kinder vermutlich. Aber auch ihr Geheimnis? Warum hat der Esel wohl so blanke Füße und eine goldige Schnauze? Psst:… Wer dort anfasst, darf sich etwas wünschen. Und bei jedem Wunsch, der in Erfüllung geht, leuchten die Füße ein bisschen heller….

Tja, und wer findet nun noch die anderen Stadtmusikanten, die ganz in der Nähe über den Straßenbahnschienen schweben? Richtig, sie sitzen im Laternenausleger am Deutschen Haus. Und wo sitzen sie in einem Loch und singen, wenn man ihnen ein bisschen Kleingeld auf den Kopf fallen lässt? Such, such… genau: links vor der Treppe zum Bürgerschaftsgebäude.

Danach fällt der Blick auf den Dom. Er steht auf dem Platz, der als Gründungsort von Bremen gilt. Hier ließ Karl der Große 787 für die ersten Christen eine Kirche bauen. So groß und eindrucksvoll wie heute war die Kirche damals natürlich noch nicht. Ob die Baugeschichte die Kinder interessviert? Vielleicht kommen sie mit in den Dom, wenn man ihnen verspricht, dass man dort – im Bleikeller- Tote sehen kann? Mumifizierte Leichen!

Dom-Besuch hin oder her. Was kommt danach?

Wir suchen  den Dino  und gucken uns die sieben faulen Brüder an. Der Weg dahin ist kurz: Wir überqueren den Marktplatz und finden neben dem Schütting, dem Haus der Kaufleute, den Eingang zur Böttcherstraße. Und dort leuchtet auch schon

Der Lichtbringer

„Guck, Dinos habt Ihr hier auch“, hat ein Junge einmal auf einer Stadtführung gerufen und auf den Drachen gezeigt, mit dem der Lichtbringer kämpft und damit jede ernsthafte Beschreibung des großen Eingansreliefs über der Böttcherstraße überflüssig gemacht.

Dafür war der Junge neugierig auf

Sieben faule Brüder

Man findet sie gleich zweimal in der Böttcherstraße: Einmal direkt über dem Eingang stehen sie auf dem Dach und gucken zum Rathaus hinüber, und im Handwerkerhof  liegen die Sieben ganz faul um den Brunnen herum, auf dem auch noch die Bremer Stadtmusikanten einen Marsch machen.

Dort ist ein guter Platz, um die Geschichte von den sieben faulen Brüdern zu erzählen.  Man hat ihnen hier ein Denkmal gesetzt, weil die Sieben intelligente Faule waren. So sollen sie zum Beispiel Deiche gebaut haben, weil sie trockenes Heu ernten wollten, und sie zogen Dornenhecken um ihre Gärten, weil sie zu faul waren, nachts die Kaninchen aus dem Kohl zu vertreiben…Durch ihr Nachdenken hatten sie viel freie Zeit und konnten ihren Nachbarn oft bei der Arbeit zusehen. Doch die Nachbarn begriffen das nicht und nannten die Brüder „die sieben Faulen“!

Mich haben sie inspiriert, folgenden Schluss für diese Mini-Märchen-Tour vorzuschlagen:

Alle Kinder, die mitgekommen sind, werden zum Kuchenessen in ein Cafe eingeladen. Dort macht man es wie einst die sieben Faulen: Man ruht sich aus, denn man hat ja gut zugehört und auch nicht rumgetrödelt. Bloß vergessen hat man was: Man hat sich nicht die Gluckhenne in der Böttcherstraße angekuckt: Die sitzt oben unter dem Glockenspiel. Und was hatte die überhaupt mit Bremen zu tun?

Frauenleben vor 150 Jahren

Plädoyer für die Familie

Am 8. März ist „Internationaler Frauentag – Weltfrauentag“. Ich bin kein Freund ( Freundin!) dieses Aktionstages. Ich bin davon überzeugt, dass mein Frauenleben auch ohne die Unterstützung der Frauenbewegungen einen guten Verlauf hatte. Warum mich der Tag trotzdem kümmert? Er ist für mich ein Datum dafür, mich wieder einmal für das  Frauenleben vor meiner Zeit zu interessieren. Mein Fazit: Ich erkläre den „Frauentag“ zum „Familientag“.

In  diesem Jahr hat mich ein Familienfoto aus dem 19. Jahrhundert zum Nachdenken gebracht (siehe oben). Es zeigt die Urgroßeltern meiner Freundin  mit ihren sechs Kindern. Der Urgroßvater hat die meiste Zeit seines Lebens in den USA  verbracht. Er soll dreizehn Jahre alt gewesen sein, als er sich auf den Weg in die neue Welt machte. Mit 34 Jahren kam er zurück, bewirtschaftete den väterlichen Hof  und heiratete mit 51 Jahren eine 28 Jahre jüngere Frau.

Mit 32 Jahren Witwe – „Alleinerziehend“

Er starb mit 60 Jahren nach einem Schlaganfall, seine Frau war 32 Jahre alt und musste von da an allein für die sechs Kinder sorgen. Sie war eine „Alleinerziehende“, die allerdings niemals auf die Idee gekommen wäre, dafür Geld vom Staat zu fordern. Sie musste einen Hof bewirtschaften und konnte sich auf eine große Familie verlassen, zu der nicht nur Eltern und Geschwister zählten, sondern auch Vettern und Kusinen.

Kredit vom Patenonkel

In dieser großen Familie hat es nie Streit gegeben. Besorgte und freundlicher Zuwendung war dagegen selbstverständlich. Alle Kinder haben ihren Weg gefunden, geheiratet, Kinder groß gezogen und Besitz erworben. Hermann, der Junge rechts neben seiner Mutter, ist ein Beispiel dafür: Er war nicht der Hoferbe, also beschloß seine Mutter (die Familie) ihn zur Berufsausbildung aus dem Haus zu schicken. Er machte eine Lehre in einem Lebensmittelgeschäft in Bremen. Dort lernte er  seine spätere Frau kennen. Mit ihr wollte er sich selbstständig machen. Ein eigenes Geschäft eröffnen. Doch dafür fehlte das Geld. Hermann bekam einen Kredit von seinem Patenonkel. Das Startgeld machte ihn am Ende zum wohlhabenden Mann. Selbstverständlich für ihn war, dass er später auch in der Familie ein Kreditgeber für seine Neffen wurde.

Heute sind solche engen Familienbande nicht mehr selbstverständlich. Frauen , die heute allein für ihre Kinder sorgen müssen, leben in gesellschaftlichen Verhältnisse, in der Fürsorge aus der Familie keine entscheidende Rolle mehr spielt. Dafür wird der Staat aufgefordert, sich um diese „Menschen in Not“ zu kümmern. Reicht das aus? Nein!

Mein Fazit:

Der 8. März soll

in diesem Jahr

kein „Frauentag“ sondern ein „Tag der Familie“ sein.

 Zuwendung für Familien muss von allen kommen.