Gefangen im Frühling

Ja, so fühle ich mich: „Gefangen im Frühling“! Zum Glück habe ich einen Garten, der erwartet, dass ich ihn in Ordnung bringe: Der Rasen ist zum ersten Mal gemäht, alle sieben Osterglocken aus den Beeten stehen in einer Vase auf dem Wohnzimmertisch, die Vogeltränke hat Wasser, der Fliesenweg ist gefegt, das Staudenbeet ist aufgeräumt…Nun müssen die Dahlienknollen in die Beete. Habe ich dazu Lust? Hoffentlich finde ich jemanden, der mir diese Arbeit abnimmt!

Das Foto unten zeigt einen Blick in den Park, der an meinen Garten grenzt. Entstanden ist der Park vor rund neunzig Jahren durch eine Bürgerinitiative, die die Gartenbesitzer überredete, die Uferstreifen ihrer Gärten abzugeben, so dass eine Promenade und der Park geschaffen werden konnten.

Lauter Fräuleins

Zum Frauentag am 8. März

Mai 1936. Erinnerungsfoto an eine Dampferfahrt nach Hameln an der Weser. In der Mitte Frau Dr. M., daneben ihre drei „Haustöchter“, die bei ihr lernen sollten, wie man einen bürgerlichen Haushalt führt. Ihr Lernstoff reicht bis in meine Tage, (zum Beispiel: Ein Kochtopf kommt nicht auf den Mittagstisch!) . Ich habe mich um „Frauenrechte“ nie ernsthaft gekümmert. Meine Großmutter und Mutter haben mir vorgelebt, wie man – heimlich an den Männern vorbei – eigene Wünsche durchsetzt. Doch das ist natürlich zu wenig! Darum bin ich – jetzt am 8. März zum Frauentag – allen meinen „Freundinnen“ dankbar, die für Frauenrechte kämpften (aber sie jetzt auch erfüllen müssen!)

Auf dem Foto meine Mutter (im karierten Kleid) neben ihrer „Hausdame“. Den Doktortitel hat Frau M. vermutlich nur „geborgt“, denn damals war es noch üblich, dass man, wenn der Mann einen Doktortitel trug, auch seine Frau damit schmückte.

18 Jahre eine Botschaft: Lasst uns Frieden machen

Vor meiner Haustür trifft sch jeden Freitagnachmittag eine kleine Gruppe Männer und Frauen, die fordert, dass kriegerische Handlungen in der Welt gestoppt werden müssen. Gleichzeitg sammelt man Geld für Initiativen, die Menschen unterstützen, die in einem Kriegsgebiet leben. Die „Norddeutsche“, unsere Tageszeitung, hat gerade berichtet, dass die Initiative damals von neun Personenen gegründet wurde. Anlass war der militärische Angriff der Amerikaner auf Afghanistan als Vergeltung für die Anschläge in New York am 11. September 2001.

Am Freitag, 7. Februar, 17 Uhr, 2020 fand nun die 900. Kundgebung statt!

Wie die „Norddeutsche“ berichtet, hat die Gruppe bis heute 41418 Euro von den Zuhörern erhalten. Immer macht man mit einem Banner auf sich aufmerksam und hält es auch aus, dass nicht alle Fußgänger stehen bleiben und zuhören. Und immer findet sich eine bekannte Persönlichkeit, die ein Grußwort spricht.

„Zankt euch mal!“

Die Enkelkinder (tatsächlich noch Kinder) sind zu Besuch und langweilen sich. „Zankt euch mal“ rufen sie. Die Großeltern schauen sich verblüfft an.

Der Großvater spielt mit, hebt schnell die Stimme und ruft:“Nein, so kannst du das nicht sehen…“

Die Großmutter: „Doch, so ist das.“

Der Großvater: „Warum?“

Die Großmutter: „Warum? Das muß dir doch einleuchten, dass es so nicht geht!“

Der Großvater: „Das sagst du immer, wenn du nicht weiter weißt.“

Die Großmutter: „Was für ein Unsinn. Ich will dir doch nur erklären, wie es geht..“

„Ja, bloß du verstehtst nicchts davon“.

„Wer hat denn die ganzen Informationen eingeholt?“

„Du, aber du hast es trotzdem nicht verstanden, worum es geht. Weil du eine Frau bist…!“

Die Enkel: „Aufhören, aufhören…“!

Der Nachmittag ist friedlich geendet, denn das ganze Wortgefecht war ja nur ein Spaß (oder sollte der Großvater sein Frauenbild überdenken?).

Mutig – Nicht mutlos

Auch fast dreißig Jahre nach der Maueröffnung wollen wir uns immer noch daran erinnern, dass sich völlig überraschend die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland öffnete. Die Freude darüber habe ich bis heute nicht vergessen. Was ein Krieg verursacht hatte, fiel ohne Kampf auseinander oder besser gesagt – ineinander. Ich hatte Romane und Geschichten von Theodor Fontane gelesen, so dass ich durch seine Landschaftsbeschreibungen eine Vorstellung von dem Land der DDR hatte. Ich zögerte daher auch keinen Augenblick über die offene Grenze zu fahren.

In diesem Jahr haben sich die Journalisten darüber hergemacht, dass es in der ehemaligen DDR Menschen gibt, die rechtsextrem denken. Die gibt es bei uns (Westdeutschland) auch. Nur dafür werden keine Schlagzeilen auf das Zeitungspapier gehauen. Wie würde ich heute fühlen, wenn man mir 1989 gesagt hätte: Dein Leben muss ab jetzt anders aussehen! Die Wessis wissen wie es geht! Nein, würde ich antworten, mein DDR-Leben gehört zu mir. Der Wessi-Geist macht es aber spritziger!

Ich bin immer noch froh über die Wiedervereinigung und stolz, dass wir das geschafft haben.

Mein Foto zeigt einen Blick auf das Elbsandsteingebirge. Nach der Wende aufgenommen.

Herbstanfang

Der Herbst ist da, obwohl der Garten noch sommerlich aussieht. Ganz viel Freude habe ich in diesem Jahr an meiner „Lichtköng Lucia“ gehabt. Sie steht seit 2001 in meinem Garten, doch im letzten Jahr war sie voller kranker Blätter. Ich habe sie im letzten Herbst kahl geschnitten und dann auch noch gedroht: „Im Frühjahr fliegst du raus, falls du dich nicht erholst.“ Wie man sieht, hat sie sich erholt. Und ich bin auch ein bisschen schlauer: Die Rose war gegen Blattkrankheiten geschützt, doch dieser Schutz soll nur 10 Jahre gelten. Alle Blätter sind heute gesund.

Neue Frage: Ein Trieb an der Spitze hat hellgrüne Blätter. Warum? Mal abwarten, wie sie weiter ihre Schönheit zeigt…

Seit 80 Jahren dabei

Meine Freundin ist achtzig Jahre alt. Sie ist in diesen Tagen guter Dinge, denn sie weiß nun, dass sie seit mindestens siebzig Jahren Gutes tut: Sie lebt sparsam und schützt damit die Umwelt. Wie?

Sie würft kein Essen weg.

Sie stellt die Heizung nur an, wenn sie friert.

Sie geht zu Fuß zum Einkaufen.

Sie wohnt in einem kleinen Haus mit großem Garten und sorgt dafür, dass alles schön ordentlich aussieht…

Hat ihr etwas gefehlt? Ja: Sie hat keine großen Reisen gemacht, denn dazu fehlte das Geld. Dafür war sie mit iher fünfköpfigen Familie ein paar Jahre im Wohnwagen unterwegs und hat alle Länder beäugt, die nördlich der Alpen liegen. Jetzt läßt sie sich erzählen, was ihre Kinder und Enkelinnen in China, USA und Australien erleben.

Fehlt ihr heute etwas? Nein, sie ist froh, dass sie in einem Teil der Erde lebt, in dem Frieden herrscht. Noch immer trifft sie Freundinnen, die ihre Flucht und Verteibung aus Danzig oder Breslau nicht vergessen haben…Meine Freundin hat als Kind – in der Nähe von Bremen – auf dem Land gelebt. Für sie ein Segen, denn wer als Kind auf der Flucht vor den Russen war, hat das bis heute nicht vergessen.

Feldpostbriefe

In diesen Tagen wird wieder an den Beginn des zweiten Weltkrieges erinnert. Mein  Onkel, Heinz Bormann, ist freiwillig in diesen Krieg gezogen ( …gezogen…was für ein Begriff!)… Vor mir liegen Feldpostbriefe von ihm. Rund achtzig Mal hat er zwischen Juni 1940 und Januar 1945 an seine Eltern geschrieben. Ich habe die Briefe gestern zum ersten Mal gelesen. Meine Tochter hat sie „übersetzt“, denn seine Schrift lässt sich nur schwer entziffern. Am 27.November 1944 schreibt er:

Meine lieben Eltern! Habe keine Weihnachtswünsche, habe alles… Übermorgen bin ich genau 6 Jahre und 7 Monate Soldat…

Heinz Bormann hat den Krieg nicht überlebt. Niemand weiß, wie, wann und wo er gestorben ist. Aus seinen Briefen erfahre ich, dass er von einer großen Liebe träumt. Keine genaue Vorstellung hat er, welchen Beruf er nach dem Krieg wählen soll. In einem Brief finde ich den Namen eines Freundes. Heinz Bormann und XX haben zusammen Abitur gemacht. Heinz Bormann berichtet seinen Eltern, dass XX  Ingenieur werden will und mitten im Krieg einen Studienplatz bekommt. War XX lebensklüger, weil er einen Beruf wählte, der ihn vom Wehrdienst befreite? Denn XX wurde 70 Jahre alt. Mit seiner Nichte spiele ich Tennis. Seltsame Zufälle…