Aus meinem Alltag – Neue Folge

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Aus meinem Alltag – Neue Folge

Kleine Lüge. Meine Freundin ist 79 Jahre alt, sie sagt aber, sie sei 80. Warum? Sie lacht. „Wenn ich 80 sage, heißt es meistens: Das hätte ich nicht gedacht! Sie sehen jünger aus. Einmal wurde ich sogar gefragt, ob ich mich habe liften lassen! Wenn ich nun behaupte, ich sei 80 , kann ich mir das Kompliment ein Jahr länger anhören.“

Biotonne. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Scheibe Brot in die Biotonne geworfen. Die Erklärung dafür ist, dass ich als Kriegskind gelernt habe, kein Essen wegzuwerfen. Es wurde alles aufgegessen. Nahrung war knapp. Die Generation meiner Enkelkinder versteht das nicht. Nahrung muss einen hohen Nährwert haben, Reste haben das nicht und werden …weggeworfen. Neulich habe ich wieder einmal an einem Rest Kartoffelsalat gewürgt und da kam mir plötzlich der Gedanke: Du bist doch keine Biotonne. Der Kartoffelsalat schmeckt nicht mehr. Also iss ihn nicht! Und darum erkläre ich jetzt hier:  Ich bin keine Biotonne! Die Biotonne steht im Keller.

Gut für die Seele. Ein Garten ist gut für die Seele. Das haben meine Freundin und ich heraus gefunden. Meine Freundin ist Witwe und lebt allein in ihrem großen Haus, will es aber nicht verkaufen, weil sie gern in ihrem Garten arbeitet. Mir geht es auch so. Beide fragen wir uns, ob Pflanzen uns die Aufmerksamkeit, die wir ihnen schenken, zurückgeben?

Wir glauben das. Warum sonst blüht der kleine Rhododendronbusch schon wieder so schön? Obwohl er auf einem Platz im Beet steht, auf den die Mittagssonne brennt? Weil ich ihn immer im Blick habe und ihn gieße, wenn er die Blätter hängen läßt! Und meine Freundin freut sich über ihren Perückenstrauch, den sie sich aus Bayreuth mitgebracht hat, vor 20 Jahren, als sie dort mit ihrem Mann die Festspiele besucht hat. Der Busch hat sich bei ihr in seiner ganzen Pracht entfaltet.

 

Fröhliche Ostern 2018

Ich verbringe gerade ein paar Tage in London und schicke daher ein Osterbild von der Themse. – Alles, was ich sonst schon zu diesem christlichen Fest gesagt habe, kann man hier nachlesen:

Warum die Feiertage? – Meine Antwort für Marie

Marie fragt mich, warum wir Ostern feiern. Das Kind besucht mich manchmal, wenn Papa und Mama überall Unruhe verbreiten. Stress haben.   Finde ich jetzt die schnelle Antwort? Nein. Doch dann zieht Marie meine Kinderbibel aus dem Bücherregal. Und ganz am Ende finden wir die Antwort. Zusammen lesen wir, dass Jesus in der großen Stadt Jerusalem Geschichten vom Himmelreich erzählte. Und dass das den Hohen Priestern  nicht gefiel. Sie wollten Jesus töten lassen. Judas, einer von Jesus zwölf Jüngern, wollte den Hohen Priestern verraten, wo sie Jesus leicht festnehmen konnten. Dafür sollte Judas  dreißig Silberstücke bekommen.

Gründonnerstag

Gründonnerstag, der Tag vor Karfreitag, erinnert daran, dass Jesus, einen Tag bevor er ans Kreuz geschlagen wurde, noch einmal mit seinen Jüngern zusammen gegessen hat. „Einer von euch, der hier mit am Tisch sitzt, wird mich verraten“, hat er bei diesem Abendmahl gesagt.

Karfreitag

Nach dem Essen ging Jesus mit drei Jüngern auf den Ölberg, um zu beten. Dort nahmen ihn bewaffnete Männer fest. Judas hatte ihnen  gesagt: „Ich küsse Jesus, dann wisst ihr, wen ihr festnehmen müsst.“ Und so geschah es. Als Jesus vor den Hohen Priestern stand, fragte man ihn, ob er wirklich der Sohn Gottes sei. „Ja, ich bin es“, antwortete Jesus. „Das ist Gotteslästerung,  niemand kann der Sohn Gottes sein“, erklärten die Priester. Dann wurde Jesus zu Pilatus gebracht, der den römischen Kaiser in Jerusalem vertrat. Nur Pilatus durfte jemanden zum Tod verurteilen. Doch Pilatus wollte die Hohen Priester nicht  verärgern und gab den Befehl, Jesus an das Kreuz zu schlagen . So geschah es. Abends war Jesus am Kreuz gestorben. Ein reicher Mann kam und nahm, zusammen mit Freunden, Jesus vom  Kreuz, wickelte in ein weißes Laken und legte ihn in ein Grab.

Ostern

Zwei Tage später, es war Sonntag, machten  sich drei Frauen auf den Weg, um das Grab von Jesus zu besuchen. Doch als sie ankamen, war das Grab leer. Ein Engel stand dort: „Fürchtet euch nicht“, sagte er, “ Jesus ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden.“

Darum ist Ostern  ein Fest, an dem man sich freuen darf. Und lachen darf. Und Witze erzählen darf. Vor Jahren hat das ein Pastor von der Kanzel verkündet. „Zur Osterfreude gehörte früher das Osterlachen. Auch im Gottesdienst“,  erklärte er und erzählte dazu lustige Geschichten von der Kanzel.

Das gefällt Marie und mir, und wir fangen an, uns Witze zu erzählen. Marie ist dieser eingefallen:

„Anna fragt: „Papi, Papi, wo ist denn Australien?“ „Keine Ahnung. Deine Mutter hat aufgeräumt.“

Mein Lieblingswitz aus Kindertagen: „Die Mutter ruft: Klein Erna, komm, Füße waschen. Ich brauch die Schüssel für Salat.“

Marie hat den Witz nicht verstanden. Füße in der Schüssel waschen? Wer macht denn das?

Zusammen angesehen haben wir uns „Die große Ravensburger Kinderbibel“. Erzählt von Thomas Erne, mit Bildern von Ulises Wensell.

Ferienzeit: Mit Kindern unterwegs

Jetzt haben fast alle Kinder Osterferien. In den meisten Bundesländern bis Anfang April. Ist das nicht ein guter Grund, Kinderbesuch zu bekommen? Wer Besuch hat, für den sollte es natürlich Ehrensache sein, den Kindern  zu zeigen, wie alt und schön Bremen ist!

Hier mache ich ein paar Vorschläge, wie man die kleinen und großen Besucher und Besucherinnen Bremens Hauptsehenswürdigkeiten rund um den Marktplatz am besten erklärt.

Keiner will mitkommen? Dann muss man sie neugierig machen! Und das geht so: Man verspricht ihnen schon vorher , dass man ihnen am Bremer Marktplatz einen Riesen, sieben faule Brüder, die Bremer Stadtmusikanten, ein Huhn im Nest  und einen Dino zeigen wird. Das hilft.

Wer sich auf den Weg machen will, muss allerdings ein bisschen vorausdenken, denn der Marktplatz – Bremens gute Stube – ist oft genug voller Besuch.  Schön ist es immer wieder am Sonntag morgen, wenn der Himmel blau ist, und die Sonne scheint.

Der beste Ausgangspunkt für diese Mini-Tour ist das Rathaus, denn dort findet man gleich  zwei  Attraktionen: Die Bremer Stadtmusikanten und die Gluckhenne.

Doch erst einmal sehen wir uns den Riesen vor dem Rathaus an. Er heißt:

Roland

An ihm kann man betrachten, wie die Ritter gekleidet waren, und erzählen, dass sie vor vielen hundert Jahren lebten. Ritter lebten auf Burgen und mussten oft in den Krieg ziehen. Daher mussten sie sportlich sein und sich auch immer gut benehmen ( zum Beispiel durften sie am Tisch nicht „wie ein Schwein schnaufen und schmatzen, nicht rülpsen und die Nase nicht im Tischtuch abputzen“). Und man kann ihnen vormachen, wie die Bremer früher plattdeutsch mit ihrem Roland sprachen und scherzhaft fragten:“ Roland mit dat spitze Knee, segg mi, deit di dat nich weh?“

Und natürlich darf der Hinweis nicht fehlen, dass Roland an diesem Platz stehen muss, damit jeder weiß, dass in Bremen nur Bremer das Sagen haben.

Die Gluckhenne

Wenn man vom Roland aus auf die Rathausfassade blickt, kann man versuchen, die Gluckhenne zu finden: Die Glucke sitzt in einem Körbchen im Steinrelief im rechten Zwickel über dem zweiten Rathausbogen von links. Das Körbchen liegt auf dem Arm einer Frau, die schon ein bisschen verwittert aussieht. In dem Körbchen sitzt eine Henne mit ihren Küken,  dabei kann man die Geschichte von der Gründung der Stadt erzählen, die Friedrich Wagenfeld in seinem Buch „Bremens Volkssagen“ veröffentlicht hat.

Vor vielen, vielen Jahren haben in paar Schiffer auf der hohen Düne, wo heute der Dom steht, übernachtet. Warum? Weil sie Angst vor dem Hochwasser  der Weser hatten. Auf der Düne hatte ein Vogel sein Nest gebaut. „Wenn der Vogel sich sicher fühlt, können wir auch bleiben“, sagten  sich die Fischer und lebten dort bis an ihr gutes Ende. Sie waren die ersten Bremer.

In der Böttcherstraße gibt es auch noch eine Skulptur mit einer Henne im Nest. Aber wo? Das kommt später…

Jetzt bleiben wir erst einmal auf dem Marktplatz.

 

Die Bremer Stadtmusikanten

Die bekannteste Abbildung der Stadtmusikanten steht an der Westseite des Rathauses. Die Geschichte kennen die Kinder vermutlich. Aber auch ihr Geheimnis? Warum hat der Esel wohl so blanke Füße und eine goldige Schnauze? Psst:… Wer dort anfasst, darf sich etwas wünschen. Und bei jedem Wunsch, der in Erfüllung geht, leuchten die Füße ein bisschen heller….

Tja, und wer findet nun noch die anderen Stadtmusikanten, die ganz in der Nähe über den Straßenbahnschienen schweben? Richtig, sie sitzen im Laternenausleger am Deutschen Haus. Und wo sitzen sie in einem Loch und singen, wenn man ihnen ein bisschen Kleingeld auf den Kopf fallen lässt? Such, such… genau: links vor der Treppe zum Bürgerschaftsgebäude.

Danach fällt der Blick auf den Dom. Er steht auf dem Platz, der als Gründungsort von Bremen gilt. Hier ließ Karl der Große 787 für die ersten Christen eine Kirche bauen. So groß und eindrucksvoll wie heute war die Kirche damals natürlich noch nicht. Ob die Baugeschichte die Kinder interessviert? Vielleicht kommen sie mit in den Dom, wenn man ihnen verspricht, dass man dort – im Bleikeller- Tote sehen kann? Mumifizierte Leichen!

Dom-Besuch hin oder her. Was kommt danach?

Wir suchen  den Dino  und gucken uns die sieben faulen Brüder an. Der Weg dahin ist kurz: Wir überqueren den Marktplatz und finden neben dem Schütting, dem Haus der Kaufleute, den Eingang zur Böttcherstraße. Und dort leuchtet auch schon

Der Lichtbringer

„Guck, Dinos habt Ihr hier auch“, hat ein Junge einmal auf einer Stadtführung gerufen und auf den Drachen gezeigt, mit dem der Lichtbringer kämpft und damit jede ernsthafte Beschreibung des großen Eingansreliefs über der Böttcherstraße überflüssig gemacht.

Dafür war der Junge neugierig auf

Sieben faule Brüder

Man findet sie gleich zweimal in der Böttcherstraße: Einmal direkt über dem Eingang stehen sie auf dem Dach und gucken zum Rathaus hinüber, und im Handwerkerhof  liegen die Sieben ganz faul um den Brunnen herum, auf dem auch noch die Bremer Stadtmusikanten einen Marsch machen.

Dort ist ein guter Platz, um die Geschichte von den sieben faulen Brüdern zu erzählen.  Man hat ihnen hier ein Denkmal gesetzt, weil die Sieben intelligente Faule waren. So sollen sie zum Beispiel Deiche gebaut haben, weil sie trockenes Heu ernten wollten, und sie zogen Dornenhecken um ihre Gärten, weil sie zu faul waren, nachts die Kaninchen aus dem Kohl zu vertreiben…Durch ihr Nachdenken hatten sie viel freie Zeit und konnten ihren Nachbarn oft bei der Arbeit zusehen. Doch die Nachbarn begriffen das nicht und nannten die Brüder „die sieben Faulen“!

Mich haben sie inspiriert, folgenden Schluss für diese Mini-Märchen-Tour vorzuschlagen:

Alle Kinder, die mitgekommen sind, werden zum Kuchenessen in ein Cafe eingeladen. Dort macht man es wie einst die sieben Faulen: Man ruht sich aus, denn man hat ja gut zugehört und auch nicht rumgetrödelt. Bloß vergessen hat man was: Man hat sich nicht die Gluckhenne in der Böttcherstraße angekuckt: Die sitzt oben unter dem Glockenspiel. Und was hatte die überhaupt mit Bremen zu tun?

Frauenleben vor 150 Jahren

Plädoyer für die Familie

Am 8. März ist „Internationaler Frauentag – Weltfrauentag“. Ich bin kein Freund ( Freundin!) dieses Aktionstages. Ich bin davon überzeugt, dass mein Frauenleben auch ohne die Unterstützung der Frauenbewegungen einen guten Verlauf hatte. Warum mich der Tag trotzdem kümmert? Er ist für mich ein Datum dafür, mich wieder einmal für das  Frauenleben vor meiner Zeit zu interessieren. Mein Fazit: Ich erkläre den „Frauentag“ zum „Familientag“.

In  diesem Jahr hat mich ein Familienfoto aus dem 19. Jahrhundert zum Nachdenken gebracht (siehe oben). Es zeigt die Urgroßeltern meiner Freundin  mit ihren sechs Kindern. Der Urgroßvater hat die meiste Zeit seines Lebens in den USA  verbracht. Er soll dreizehn Jahre alt gewesen sein, als er sich auf den Weg in die neue Welt machte. Mit 34 Jahren kam er zurück, bewirtschaftete den väterlichen Hof  und heiratete mit 51 Jahren eine 28 Jahre jüngere Frau.

Mit 32 Jahren Witwe – „Alleinerziehend“

Er starb mit 60 Jahren nach einem Schlaganfall, seine Frau war 32 Jahre alt und musste von da an allein für die sechs Kinder sorgen. Sie war eine „Alleinerziehende“, die allerdings niemals auf die Idee gekommen wäre, dafür Geld vom Staat zu fordern. Sie musste einen Hof bewirtschaften und konnte sich auf eine große Familie verlassen, zu der nicht nur Eltern und Geschwister zählten, sondern auch Vettern und Kusinen.

Kredit vom Patenonkel

In dieser großen Familie hat es nie Streit gegeben. Besorgte und freundlicher Zuwendung war dagegen selbstverständlich. Alle Kinder haben ihren Weg gefunden, geheiratet, Kinder groß gezogen und Besitz erworben. Hermann, der Junge rechts neben seiner Mutter, ist ein Beispiel dafür: Er war nicht der Hoferbe, also beschloß seine Mutter (die Familie) ihn zur Berufsausbildung aus dem Haus zu schicken. Er machte eine Lehre in einem Lebensmittelgeschäft in Bremen. Dort lernte er  seine spätere Frau kennen. Mit ihr wollte er sich selbstständig machen. Ein eigenes Geschäft eröffnen. Doch dafür fehlte das Geld. Hermann bekam einen Kredit von seinem Patenonkel. Das Startgeld machte ihn am Ende zum wohlhabenden Mann. Selbstverständlich für ihn war, dass er später auch in der Familie ein Kreditgeber für seine Neffen wurde.

Heute sind solche engen Familienbande nicht mehr selbstverständlich. Frauen , die heute allein für ihre Kinder sorgen müssen, leben in gesellschaftlichen Verhältnisse, in der Fürsorge aus der Familie keine entscheidende Rolle mehr spielt. Dafür wird der Staat aufgefordert, sich um diese „Menschen in Not“ zu kümmern. Reicht das aus? Nein!

Mein Fazit:

Der 8. März soll

in diesem Jahr

kein „Frauentag“ sondern ein „Tag der Familie“ sein.

 Zuwendung für Familien muss von allen kommen.

 

Vor 70 Jahren – Sommerferien auf dem Bauernhof

Wenn man  alt ist, kann man sich ruhig einmal fragen, was schön im Leben war. Ich habe eine Menge Glücksgefühle gefunden. Von meinen ältesten soll hier die Rede sein: Das waren meine Sommerferien in Eitzendorf bei Tante Luise und Onkel Henry. Von 1949 bis 1952 bin ich jedes Jahr bei ihnen gewesen. Sie wohnten in einem Bauernhaus, mit allen ihren Tieren unter einem Dach. Mit zur Familie gehörten Tante Martha und Knecht Johannes. Später kam Wilhelm dazu, der einzige Sohn, der aus dem Krieg zurück gekommen war. Seine beiden Brüder blieben verschollen. Wilhelm war krank. Er konnte nicht arbeiten. Dafür fotografierte er. Alle Bilder, die ich von meinen Ferien in Eitzendorf habe, hat er gemacht. Meine Eltern freuten sich auch, dass ich in Eitzendorf meine Ferien verbrachte, denn sie wussten, dass ich dort gut zu essen bekam. In Bremen war das – auch Jahre nach dem Krieg – immer noch nicht selbstverständlich.

Auf meinem Lieblingsfoto (oben) sitze ich mit Hündin Flora auf dem Brunnenschacht vor dem Haus. Flora wollte nicht fotografiert werden. Ich erinnere mich genau daran. Ich musste sie festhalten.

Holzschuhe und Schürze gehörten zu meiner Hofkleidung. 

Kinder durften toben

Onkel Henry und Tante Luise waren kinderfreundlich. Sie ließen die Flüchtlingskinder, die auf ihrem Hof mit ihren Eltern einquartiert waren, und mich ungehindert spielen und toben. Beliebt war zum Beispiel Schweineärgern: Wir schoben im Stall die Stallwände zurück, so dass die Schweine meinten, sie würden gefüttert. Das endete immer mit einem ohrenbetäubenden Quietschen. Tante Luise machte alles wieder gut, denn sie wusch die Tiere und ließ sie anschließend in frischem Stroh ihr Nickerchen machen. War das ein schönes Schweineleben….

Ich durfte auch bei der Ernte mithelfen. Die Mähmaschine wurde noch von Pferden gezogen. Ich führte die Pferde, Onkel Henry schob das Schnittgut auf das Feld, wo meine Tanten es bündelten. Wenn die Augustäpfel reif waren, sind wir mit der Kutsche nach Hoya gefahren, um die Äpfel dort auf dem Markt zu verkaufen. Auch dabei konnten sie mich gebrauchen. (Niemals habe ich mit größeren Vergnügen Erwachsenen geholfen.) Die Pferde vor der Kutsche waren auch ein besonderes Gespann. Nach Hoya hin mußte man ihnen manchmal „Beine machen“. Zurück liefen sie fast von allein…

Nicht alles war erlaubt

An das erinnere ich mich auch noch: Hühner und Gänse durften wir Kinder nicht jagen. Das war schade, denn sie machten beim Davonlaufen und Hochflattern einen so schönen Lärm. Freitags wurde ich mit einem Blumenstrauß aus dem Garten zum Friedhof geschickt, um das Familiengrab zu schmücken. Was waren das noch für schöne Familienbande: Das denke ich manchmal, wenn ich wieder eine Rechnung für die Pflege von unserem Familiengrab bezahle. Das Familiengrab liegt in einer anderen Stadt. Ich habe es schon lange nicht mehr besucht.

Hausarbeit sah damals auch ein bisschen anders aus. Tante Martha buck noch das Brot für die Familie. Dafür mussten die Männer jedesmal den Ofen im Backhaus heizen. Dafür nahmen sie Holz vom Hof. Mich hatten sie einen Tag vorher zu den Nachbarn geschickt. „Henry backt“, brauchte ich nur zu sagen und jeder wusste, dass er seinen Kuchen zum Backen bringen konnte.
Melken und reiten habe ich nicht gelernt. Ich hatte Angst vor den großen Tieren.
Froh war ich immer, wenn die Bremer Sommerferien im August waren, denn dann konnte ich Tante Luises Geburtstag mitfeiern. Dort habe ich zum ersten Mal einen Kaffeetisch voller Torten gesehen. Diese Auswahl! Gäste waren meist Verwandte, denn Tante Luise und Onkel Henry hatten eine große Zahl von Brüdern, Schwestern mit Kindern und Enkelkindern. Der evangelische Pastor war in diesem Haus auch ein gern gesehener Gast. Er hatte es erlaubt, dass die Flüchtlinge, die meist katholisch waren, in seiner Kirche ihr Gemeindeleben führen konnten. Ich bin bei ihnen gern in den Kindergottesdienst gegangen. Das war ein bisschen ungewöhnlich, denn Katholiken wurden nicht überall mit offenen Armen empfangen…

Das waren meine glücklichen Tage in Eitzendorf. Die Nachfahren der Familie leben immer noch in dem Bauernhaus. Tiere sind nicht mehr auf dem Hof. Wiesen und Äcker sind verpachtet. Das Geld zum Leben wird in der Stadt verdient. Manchmal besuchen wir uns. So, wie es zu einer lebenslangen Liebe passt.

Noch zwei Fotos von Wilhelm Bormann: Ich als Erntehelferin und mit Onkel Henry und Tante Martha in der Kutsche, auf dem Weg nach Hoya zum Wochenmarkt.

Eitzendorf ist (heute) ein Ortsteil der Gemeinde Hilgermissen in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen. (Wikipedia)

 

Dieses Verhalten gefällt mir nicht!

 Klageruf einer gebeutelten Blogschreiberin

Als ich vor einigen Jahren anfing für meinen Blog zu schreiben, war alles ganz einfach: Ich schrieb alles in ein vorgegebenes Feld. Alle meine Wünsche – zum Beispiel: Buchstaben fett oder kursiv –  wurden erfüllt. Natürlich wurde meine Schwachstelle Rechtschreibung auch bearbeitet. Alles kostenfrei, von wordpress.com zur Verfügung gesellt. Darüber habe ich mich gefreut. Der Hinweis, dass auch Anzeigen zwischen meinen Texten stehen können, war ok für mich.

Doch vor einiger Zeit kamen dann die angeblichen Verbesserungsvorschläge: Probieren Sie dies und probieren das. Ich hatte keine Lust dazu. Ich war mit dem kostenlosen Service sehr zufrieden. Doch so einfach soll ich nun nicht mehr davonkommen. Jetzt fehlt plötzlich der Text, den ich veröffentlichen möchte, was fett geschrieben werden soll, bleibt blass und tanzt aus der Reihe. Korrigieren nützt nichts (siehe das Ende von der Kamelien-Geschichte). Nun warte ich auf das Angebot, mir einen besseren Service zu bieten, der dann aber etwas kostet. Oder will man mich ganz los werden?

Nein, dieses Verhalten im Umgang mit Kunden gefällt mir nicht.

 

 

Meine Kamelie blüht! – Winter ade? Nein!

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Meine Kamelie blüht! Wir stöhnen zwar alle über das miese Regenwetter in Bremen, aber ein bisschen Sonne gibt es doch hin und wieder. Meistens morgens und weil meine Kamelie an der richtigen Stelle steht und immer von den Sonnenstrahlen gewärmt wird, hat sie nun ihre erste Blüte.

Kamelien sind nicht winterhart, habe ich mich belehren lassen. Meine Kamelie steht  im Garten vor einem Rhododendronstrauch, der sie seit vielen Jahren vor kalten Winden und Frost schützt. Sollte es doch noch Winterkälte in Bremen geben, lässt sie hoffentlich nicht ihre Blüte fallen.
4. Februar. Es hat geschneit. Die Kamelienblüte hat es überlebt.
7. Februar. – 5 Grad                                                                                                                               8. Februar. – 6 Grad                                                                                                                    9.Februar.  – 5 Grad  Die Kamelienblüte ist erfroren.

 

 

Ein jüdisches Mädchen

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Jetzt gerade, am 27. Januar, findet der „Gedenktag für alle Opfer des Nationalsozialismus“ statt. In diesem Jahr erinnern wir damit zum 73. Mal an die  Männer, Frauen und Kinder, die 1945 aus den Vernichtungslagern befreit wurden.  Dazu findet in diesem Jahr eine Kampagne statt: Jeder kann sich mit einem Foto und dem Satz “ I remember“ zum Gedenktag zu bekennen und das Foto im Internet veröffentlichen..

Ich habe noch einen weiteren Anlass, an diesem Tag an die Vernichtung der Juden zu erinnern, denn ich habe in unserem Familienarchiv ein Poesiealbum gefunden, das einen denkwürdigen Eintrag enthält. Geschrieben hat ihn Erna Wolff. Erna Wolff starb im Konzentrationslager Theresienstadt.

Das ist die Geschichte dazu:

Auf dem Tisch liegt das Poesiealbum von Minni G. Darin haben zwischen 1909 und 1921 Menschen, die Minni G. etwas bedeuteten, einen Spruch geschrieben, meist mit dem Wunsch verbunden, immer in guter Erinnerung zu bleiben. Gleich daneben liegt ein Ordner mit einer Arbeit, die Minni G.s Enkelin 1984 geschrieben hat. « Jüdische Familien in Bremen-Nord » ist der Titel. In der Liste der jüdischen Familien,  deren Leben die Enkelin für die Zeit zwischen 1933 und 1945 dokumentiert hat, findet sich auch die Familie Wolff.

Jacob Wolff war der Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Er war mit Rosa Wolff verheiratet. Erna war ihre Tochter und ihr einziges Kind. Minni G. und Erna Wolff waren Nachbarskinder und Freundinnen.

In dem Poesiealbum auf dem Tisch  steckt ein Lesezeichen. Es markiert die Seite mit einem Erinnerungsspruch der Schülerin Erna Wolff.

In schöner Schrift schrieb sie:

Zwei Wünsche hab´ ich stets für dich,

Aufrichtig sind sie, so wie ich,

Merk´auf : der erste lautet so:

Leb´glücklich, sei gesund und froh!

Verschmäh nun auch den zweiten nicht,

der tief aus meinem Herzen spricht :

Denk´ künftig in der Zeiten Blick

In Freundschaft stets an mich zurück.

Dies, liebe Minni, schrieb dir zum Andenken

Deine Freundin

Erna Wolff

Vegesack, den 3.3. 1909

Das Geburtsdatum und der Todestag von Erna Wolff stehen auf einem Stolperstein, der vor ihrem Elternhaus liegt: Erna wurde am 11. Februar 1900 geboren und am 9. Juli 1943 ermordet. Vermutlich war sie 10 Jahre alt, als sie und Minni G. befreundet waren. Sie und ihre Eltern, Jacob und Rosa Wolff, wurden nach Theresienstadt deportiert. Erna und ihr Vater wurden dort ermordet. Ihre Mutter, Rosa Wolff, überlebte und kehrte nach Vegesack zurück.

Mehr erfährt man hier:  http://www.friedensschule-bremen.de/stolpersteine.html

Minni G. war verheiratet, hatte zwei Kinder, war Hausfrau und berufstätig. Sie starb nach schwerer Krankheit im siebzigsten Lebensjahr.  Ihr Fazit vor ihrem Tod: «Ich hab´ vom Leben nichts gehabt. »

 

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