301 Episoden aus meinem Seniorenalltag – Start 2011

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In meinem Garten blühen viele Dahlien, in allen Größen und Farben. Ich mag sie. Nur wie lange kann ich ihnen meine Treue noch halten? Dahlienknollen müssen nämlich in jedem Herbst ausgegraben werden, an einem frostfreien und trockenen Platz überwintern und im Frühjahr wieder in den Gartenboden gesetzt werden. Das erfordert Kraft beim Boden ausheben und die fehlt mir. Hilfe lässt sich finden. Natürlich. Aber lieber wäre es mir, es ginge ohne.

Die Klimaerwärmung hilft übrigens auch noch nicht weiter. Ich habe im letzten Winter eine Dahlienknolle im Boden gelassen, um auszuprobieren, ob sie im kalten Boden Schaden nimmt. Sie ist zu Matsch erfroren. Klarer Beweis, dass mein Garten noch nicht in einer frostfreien Zone liegt. Wann wohl?

Nachsatz: Mein neuer Nachbar (jung) hat sich angeboten, die Dahlienknollen auszugraben und in den Keller zu tragen!

Torte essen in der Bremer Schweiz

Der Sommer in Bremen zeigt sich leider seit ein paar Wochen von seiner kühlen Seite. Das ist aber kein Grund, nur zuhause zu sitzen und aus dem Fenster zu gucken. Draußen ist es nämlich schön. Von Bremen-Nord aus betrachtet kann man das  besonders in den Parks und in der Bremer Schweiz erleben: Die Bäume  stehen in voller grüner Blätterpracht da, Blumenbeete leuchten, die Rasenflächen haben keine braunen Flecken und in der Bremer Schweiz sehen die Viehweiden  satt grün aus. Und das alles, weil es genug geregnet hat und die Sonne meist hinter Wolken verschwunden war.

Ich bin gerade in der Bremer Schweiz gewesen, einer hügeligen Wald- und Wiesenlandschaft nördlich von Bremen, habe  einen Spaziergang gemacht und  in diesem Gartenlokal eine schöne lange Kaffeepause gemacht:

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Bruns Garten in Leuchtenburg

Das strohgedeckte Bauernhaus kenne ich aus meinen Kindertagen,  Anfang der fünfziger Jahre im letzten Jahrhundert (was für eine Zeitspanne!). Manchmal hat meine Großmutter mit mir von Bremen-Nord aus einen Ausflug dort hin gemacht. Das waren rund drei Kilometer zu Fuß. Für ein Kind eine ziemlich lange Strecke. Doch in Bruns Garten gab es genug Tische und Stühle, um dort sein Butterbrot in Ruhe zu essen. Ich glaube, das Butterbrot durfte man mitbringen, zu trinken bestellte man sich. Später war Selbstmitgebrachtes nicht mehr erwünscht. Noch einige Jahre später blieb Bruns Garten für Gäste geschlossen.

Wie schön, dass es dieses Ausflugsziel wieder gibt!

Seit Mai dieses Jahres sind Haus und Garten wieder geöffnet. Mit einem besonderen Konzept: Man kann dort von morgens bis abends frühstücken. Torten und Kuchen werden aber auch angeboten, dazu ein paar einfache Mittagsgerichte.  Mir hat das gefallen. Ich habe im Garten gesessen und konnte ganz ungestört zugucken, wie sich eine muntere Kinderschar beim Ballspielen auf einer großen Wiese nicht weit von mir vergnügte.

Später habe ich noch etwas entdeckt:

Vor dem Haus steht eine große Eiche, mit Widmung:

Friedenseiche  1870-71

Nun treibt mich die Frage um:

„Ist die Eiche wirklich 1870 gepflanzt worden? Können Eichen so alt werden? „

 

 

Ferien – allüberall

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Hurra! Jetzt sind in allen 16 Bundesländern Schulferien. Für mich eine gute Gelegenheit, allen, die zu Besuch nach Bremen kommen, ein paar Ausflugsziele anzubieten.

Mein erster Vorschlag

Ganz viele Open-air-Konzerte besuchen

Eintritt frei

Und das geht so: Vom Freitag, 5. August, bis Sonntag, 7. August, wird in Bremen-Nord das Internationale Festival Maritim  am Vegesacker Hafen, direkt an der Weser, gefeiert. Es findet zum 18. Mal statt.

Auf diesem „deutschlandweit einzigartigen Seamusic-Spektakel“ , wie die Senatspressestelle mitteilt, treten in diesem Jahr rund 32 Bands  und Chöre aus Europa und Übersee bei 170 Konzerten auf neun Open-Air-Bühnen auf. Eine zusätzliche Besonderheit: Eine Partnerstadt gehört  jedesmal zu dem Festival. In diesem Jahr ist Danzig die Partnerstadt. Hintergrund: Die Städtepartnerschaft zwischen Bremen und Danzig feiert in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag – und auf dieses Ereignis wird während des Festivals immer wieder aufmerksam gemacht (zum Beispiel wird eine Bernsteinausstellung gezeigt).

Der Bremer Bürgermeister Carsten Sieling ist Schirmherr des Festivals. Sieling: „Ich freue mich auf das Internationale Festival in Vegesack. Die Partnerschaft gilt als historische Wegbereiterin für die späteren deutsch-polnischen Verträge und war ein Beitrag zur Überwindung des Ost-West-Konflikts. “

Die Festplätze am Vegesacker Hafen, in den Fußgängerzonen und an der Weserpromenade sind leicht mit Auto, Bahn, Bus, Fähre und Fahrrad zu erreichen. Der Vegesacker Bahnhof für Zug und Bus liegt direkt am Hafen. Ein großes Parkhaus gibt dort auch.

Mehr Informationen zum Festival gibt es unter: www.festival-maritim.de

Foto: Archiv 2015 Festival Maritim

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Jahresausstellung 2016 der Hochschule für Künste Bremen in einem leeren Rathaus

 In Blumenthal, einem fast vergessenen Stadtteil in Bremen, steht das alte Rathaus leer. Warum das so ist,  soll hier nicht erörtert werden. Doch es war ein Glücksfall für die Hochschule für Künste Bremen, denn sie konnte hier in all den leeren Räumen – vom Dach bis in den Keller – an einem Wochenende die Abschlussarbeiten von 29 Absolventen  vorstellen. Ohne räumliche Einschränkungen konnten die Studenten und Studentinnen aus  den Fachbereichen  Degitale Medien und  Integriertes Design zeigen, was sie für beachtenswert halten.

Ich habe mir alles am letzten Tag angesehen und mich dabei gut unterhalten. Obwohl ich längst nicht bei allen Installationen den Hintersinn verstanden habe.  Zum Glück waren Erklärungen nicht immer nötig. So bei der Arbeit von Christopher Hoecker, der aus  verschiedenen Materialien Schuhe gefertigt hatte oder von Carolin Pertsch, die aus Seegras Hocker gebaut hatte. Gar nicht angesehen habe ich mir Charlett Wenigs Arbeit „The BoneProjekt“. Sie hatte Knochen bearbeitet. Keine gute Einladung für mich, darüber nahzudenken. Die deutsche Nazi-Vergangenheit war plötzlich ganz nah. Ich bin schnell weiter gegangen…

Aber hatte  nicht in der Zeitung gestanden,  dass die Petra und Dieter Frese Stiftung Bremen drei Preise  vergeben hatte? Ich fragte herum, doch es dauerte ein bisschen, bis jemand mir die Arbeiten  zeigen konnte.  Notiert war es nirgends.

Den ersten Preis – dotiert mit 4000 Euro – hat Susan Buckow für ihre Arbeit „Komische Gegenwart – eine Sondierung aus der Zukunft“ bekommen. Die Preisrichter lobten die feinen Figuren, die zwischen Illustration, Scherenschnitt und Lasercut in ihrer Filigranität und Ausarbeitung, aber auch in der gesamten Fülle große Freude beim Ansehen und Erkunden machen…Die kleinen Drahtfiguren hingen als Fries an der Wand. Hinter jeder schien sich ein  Rätsel zu verbergen. Auch ich habe mir diese Arbeit gern angesehen, obwohl ich den roten Faden –   Eine Sondierung aus der Zukunft in eine komische Gegenwart – nicht gefunden habe.

Richtig gefreut habe ich mich, dass Alexander Pfeiffenberger und Zora Hünermann  für ihren Animationsilm „Talk Time“ mit dem zweiten Platz, dotiert mit 3.250 Euro, ausgezeichnet wurden. In der Jury-Begründung heißt es dazu: Die Arbeit … entpuppt sich hinter der naiv wirkenden Oberfläche als durchdachte, unterhaltsame und smart inszenierte Analyse unserer Zeit, in der Antworten auf komplexe Probleme unserer Gesellschaft immer öfter nicht Lösung, sondern Knock-out bedeuten und Systeme obsolet werden… Für mich war dieser Film ein schöner,  heitere Abschluss meines Besuches.

Der dritte Preis  und 2750 Euro wurde Charlett Wenig  für ihre Arbeit „The BoneProject“ zugesprochen. Wie schon  erwähnt, habe ich mir diese Knochen-Arbeit nicht angesehen. Aber die Jury hat gute Gründe gefunden, diese Abschlussarbeit auszuzeichnen. In der Begründung heißt es: Die Arbeit „The BoneProject“ von Charlett Wenig ist eine herausragende interdisziplinäre Forschungsarbeit, die erfolgreich Theorie und Praxis vereint. Durch die gestalterische und intensive Auseinandersetzung mit der Verarbeitung von Tierknochen wurden neue Materialien experimentell entwickelt und zukünftige Anwendungsbereiche erforscht. …. Vor allem begeisterte der bodenständige, stetige und neugierige Forschungsgeist der Arbeit.

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Die Preisträger: Zwei Ausschnitte aus der Arbeit „Komische Gegenwart – Eine Sondierung aus der Zukunft“ von Susan Buckow. Dazu das Bühnenbild zu dem Film „Talk Time“ von Zora Hünermann und Alexander Pfeiffenberger.

 

Von Tag zu Tag – Fußball EM 2016 – Rabatt beim cker

Brot und Spiele.  Wer jetzt in Bremen in Beckmann´s Bäckerland Brot einkauft, bekommt einen besonderen Rabat: Für jedes Tor, das unsere Nationalmannschaft während der Europameisterschaft in Frankreich schießt, reduziert sich der Brotpreis  beim Bäcker Beckmann um 20 Cent. Zu meiner Überraschung habe ich daher gestern statt 3,90 € nur 3,30 € bezahlt. Und wenn ich schnell an diesem Wochenende das ganze Brot aufesse, reduziert sich der Preis Montag weiter. Wie heißt es so schön in seiner Homepage: 

Daumen drücken – jubeln – sparen !

Tor für Bäcker Beckmann !

Zuviel des Guten. Ich habe am Wochenende noch mehr eingekauft. Fünf Teile beim Marken-Discounter Netto. Dafür habe ich 3,09  bezahlt. Bekommen habe ich dafür:

250 Gramm Kerrygold Butter, einen Liter Frischmilch, 200 Gramm  saure Sahne, 250 Gramm Schmand und 200 Gramm Schlagsahne. Alles Milcherzeugnisse.

Das sind keine fairen Preise mehr! Mir ist es egal, wie der Milchpreis entstanden ist, ich finde es einfach unfair, wie man mit den Milchbauern  umgeht. Rund 3400 Höfe, knapp 5 Prozent, so wurde auf dem Deutschen Bauerntag letzte Woche in Hannover berichtet, haben im letzten Jahr ihren landwirtschaftlichen Betrieb aufgegeben.

Tagesspruch: Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Zu weit geflogen. Die beiden Jungen spielen im Park Fußball. Nah an meinem Garten. Irgendwann  klingelt es. Die beiden Jungen stehen vor der Tür. „Mein Ball ist in ihren Garten geflogen. Dürfen wir ihn suchen?“. Natürlich. Ich gucke mit, doch wir finden ihn nicht. „Du kannst mir ja deine Adresse geben“, schlage ich vor. „Ich melde mich, wenn ich den Ball finde.“ „Meine Eltern sind geschieden,“ erklärt der kleine Ballbesitzer, „ich sage ihnen die Adresse von meinem Vater. Da bin ich heute.“

Wie viel Kummer sich wohl hinter dieser Adresse verbirgt?

Jürgen. Die Einladung kam schon vor sechs Wochen: Am 7. Juli will Jürgen mit uns seinen 70. Geburtstag feiern. Am 7. Juli spielt bei der Fußball-EM Deutschland gegen Frankreich. Du lieber Himmel, was für ein Konflikt! Ich bin gespannt, wie Jürgen ihn lösen wird. Vielleicht kommt er aber auch gar nicht auf die Idee, seine Geburtstagsfeier dem Spiel im Halbfinale anzupassen, denn Jürgen ist ein Bildungsbürger. Fußball interessiert ihn nicht.

 

Haus ohne Zeitung

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Das war meine Zeitungslektüre, als feststand, dass die Briten nicht in der EU bleiben wollen. Meine Freundin informierte sich anders.

Ich habe meine Freundin in Berlin besucht. Wir haben ein gemeinsames Hobby: Wir lesen jeden Tag gründlich Zeitung. Doch diesmal war alles anders: Meine Freundin hat alle Zeitungsabonnements gekündigt. Zeitungsstapel gibt es bei ihr nicht mehr. Sie informiert sich nur noch am Computer. „Jetzt kann ich selbst entscheiden, wann ich meine Zeitung lesen will. Und weltweit kann ich mir zusätzlich Informationen holen“, schwärmt sie. Und tatsächlich, morgens um acht am Frühstückstisch, als ich einen ersten Blick  in den Berliner Tagesspiegel werfe, ist sie schon bestens informiert: Sie weiß, was der Daily Telegraph zum Brexit sagt, welche Meinung die Journalisten in New York zum Veto der Briten haben und hat natürlich auch die deutschen überregionalen  Tageszeitungen auf ihrem Computer gelesen .

Ich bin noch lange nicht so weit und erst einmal froh, dass ich den Tagesspiegel und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung beim Bäcker kaufen konnte. Meine Freundin hat im Bett bequem vom Computer gelesen. Ich muss aufpassen, dass die großen Zeitungsblätter nicht auf mein Marmeladenbrötchen fallen. Doch ich bekomme Seite für Seite vorgelegt, was den Autoren zum Thema „Brexit“ eingefallen ist. Meine Freundin hat diesen Service nicht. Sie muss selbst die richtigen Fragen stellen  und recherchieren. Doch weiß sie am Ende,  ob sie ihren Quellen trauen kann?

Diese Skepsis kennt meine Freundin nicht.  Beide ahnen wir,  dass der bunte Zeitungsmarkt sich ändern wird. Gehöre ich dann zu den Verlierern? „Nein“, sagt meine Freundin. „Nur deine Gewohnheiten ändern sich. Du wünscht dir was und der Computer bedient dich. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Keine Zeitung bleibt mehr  in deinem Marmeladenbrötchen hängen oder verstopft dir die Abfalltonne.“

 

Endlich Sommerferien

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Ferientag an der Ostsee.

In Bremen und Niedersachsen haben die Schulferien begonnen. Bis zum 3. August dauert die schöne Zeit. Doch zum Ferienanfang werden in beiden Bundesländern auch Zeugnisse verteilt. Nicht für alle Schüler und Schülerinnen bedeutet das die helle Freude. Wie soll man seinen Eltern die schlechten Noten erklären? Darüber haben sich in Bremen auch die Schulpsychologen der Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren (ReBUZ)  Gedanken gemacht. Sie haben ein Zeugnistelefon eingerichtet. In allen Fragen, Nöten und Ängsten rund ums Zeugnis können sich Schülerinnen und Schüler, Erziehungsberechtigte und andere Ratsuchende am letzten Schultag und ersten Ferientag an die „Helfer am heißen Draht“ wenden.

Auch ich habe zu den  Schülerinnen gehört, die Zeugnissorgen hatten. Einmal hat sich das so angehört: Meine Französischlehrerin  fragt: Welche Zensur bekommst du im Deutschen?“ “ Ich vermute eine Zwei.“ “ Gut, dann gebe ich dir eine Fünf in Französisch. Den Ausgleich hast du ja mit der Deutschnote“. Mein Vater hat über diese Lösung gelacht. Ich habe heute kaum noch Französisch Kenntnisse. Nur einen Satz habe ich noch im  Kopf. Es war der beste, den meine Lehrerin sagen konnte, wenn ich  vorlesen musste: „Assez de paroles!“. Genug der Worte!

 

 

 

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An der Weser – in Vegesack – wird Hafenfest gefeiert. Drei Tage lang. Mit Musik auf vier Bühnen rings um den Hafen. Eintritt wird nicht fällig, weil es genug Sponsoren gibt, die dafür bezahlen. Ich dachte erst: „Was soll ich als Seniorin auf diesem Fest?“ Doch als ich genug hatte vom Gewummer der Bässe, die bis in mein Wohnzimmer hämmerten, habe ich mich heute, Sonntagmorgen, doch auf den Weg gemacht. Und bin  dafür sehr belohnt worden, denn als ich bei der ersten Bühne ankam, spielten dort die School House Seven aus Bassum (Kreis Diepholz). Alles Jungsenioren , die in ihrer Freizeit miteinander Musik machen. Ihr Dixieland Jazz hat mich tatsächlich dazu animiert, mitzuklatschen und mitzuwippen. Mitsingen war auch erlaubt und endlich, als die Band zum Abschied Chris Barbers Ice Cream spielte, war ich auch dabei. Froh über all die schönen Erinnerungen aus meiner Vorsenioren-Zeit, die durch diese Musik wieder wach geworden sind.

Großmüttergespräch

Verändert sich die Rolle der Großeltern in unserer Gesellschaft? Diesen Eindruck kann man jedenfalls bekommen, wenn man sich umhört: Großeltern sind gefragt, weil Vater und Mutter arbeiten und  sich jemand um die Kinder kümmern muss. Kitaplätze sind rar, teuer und zeitgebunden. Sind Großeltern darum die bessere Wahl? Darüber haben sich drei Großmütter unterhalten . Entstanden ist daraus dieses Gedächtnisprotokoll.

Am Tisch saßen:

Marga (84),

Brigitte ( 56),

Marie (77)

Marga: Ich lebe auf dem Land. Auf dem Bauernhof meiner Familie. Bei uns gab es nie Probleme, wenn Kinder betreut werden mussten. Irgend jemand war immer da. Das ist heute auch noch so.

Brigitte: Meine Tochter und ihr Mann sind beide berufstätig. Beide lieben ihren Beruf. Ich war nie berufstätig. Als die kleine Tochter geboren wurde, war es für mich selbstverständlich, dass ich mich um das Baby kümmerte. Auch mein Mann, im Ruhestand,  ist gern als Babysitter beschäftigt. So haben wir nie Langeweile. Das Leben mit unser kleinen Enkelin ist einfach schön. Und wird noch schöner, denn im nächsten Monat soll der kleine Bruder geboren werden.

Marie: Meine Kinder haben spät geheiratet und Kinder bekommen. Für mich war das ein Gewinn, denn so konnte ich – ohne Großmutterpflichten –  als Späteinsteigerin in meinem Beruf arbeiten. Zum Glück bin ich nie gefragt worden, ob ich zum Kinderhüten bereit wäre. Ich hätte zwar nicht nein gesagt, aber begeistert wäre ich nicht gewesen.

Marga: Wieviel Enkelkinder hast du denn?

Marie: Sechs. Alles Mädchen. Inzwischen  sechzehn, fünfzehn, zwölf, zehn und acht Jahre alt. Ihre Väter und Mütter sind  berufstätig. Alle sind im Kindergarten gewesen und hatten oder haben einen Platz im Hort.

Brigitte: Ich glaube, du weist gar nicht, was du alles verpasst hast. Als Großmutter hast du doch eine ganz anderen Platz im Leben der Kinder als die Eltern. Du freust dich, wenn sie kommen. Sie gehst auch ihre Wünsche ein und kannst sie verwöhnen…

Marie: Ich habe meinen Kindern zwanzig Jahre meines Lebens geschenkt. Ich war immer für sie da. Ob ich immer eine gute Mutter war? Ich bin mir nicht sicher. Aber noch einmal: nur für andere da sein, das möchte ich nicht mehr.

Marga: Deine Ansicht teilen die jüngeren Großeltern offensichtlich nicht. Sie nehmen die Herausforderung an und lassen sich zum Kinderhüten einspannen. Unser bestes Beispiel hier am Tisch ist Brigitte.

Brigitte (guckt vergnügt): Ja und im Trend sind  mein Mann und ich auch noch, denn es gibt jetzt sogar ein Gesetz, dass nicht nur Elternzeit sondern auch Großelternzeit möglich macht. Es gibt also sogar Großeltern, die noch berufstätig sind und Enkelkinder hüten.

Marie: Es ist aber ein Gesetz mit ziemlichen Einschränkungen.

Brigitte:  Mir genügt schon die Idee, denn dieses Gesetz ist doch eine Bestätigung für die Rolle, die wir Großeltern inzwischen spielen.

Marga: Ob das die Feministinnen bedacht haben, als sie anfingen,  mehr Freiheit für  Frauen zu fordern?  Mehr Freiheit auf Kosten anderer?

Marie: Eine Antwort auf diese Frage können wir uns sparen. Fakt ist nur, dass heute Frauen selbst für ihre Rente sorgen müssen. Wenn die Ehe nicht hält, bekommen sie Probleme.

Brigitte: Na, seht ihr wohl: Diese Gesetzesänderung ist doch schon ein Grund, warum wir als Großeltern einspringen sollten, wenn Enkelkinder behütet werden müssen.

Marga: Du sagst Enkelkinder sollen behütet werden. – Das gefällt mir. Behütet wird man am besten in der Familie. Da mögen die Frauen und Männer, die im Hort arbeiten, noch so gut sein. Eine liebevolle Familie ersetzen sie nicht.

Marga: Was mir gerade auffällt: Die neuen Großeltern werden wieder zum Kern einer Großfamilie. So, wie ich das erlebt habe. Ich habe in meiner großen Familie ein erfülltes Leben gehabt. Und habe es immer noch. Ich fühle mich geborgen.

Brigitte: Das ist eine schöne Schlussfolgerung.

Marie: Vielleicht habe ich tatsächlich etwas in meinem Lebens verpasst. Ich werde wohl eines Tages in einem Altenheim landen und mich über die hohen Lebenserhaltungskosten ärgern..

 

 

Maikäfer… flieg…!

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Viele Jahre habe ich keine Maikäfer mehr gesehen. Doch heute ist mir im Garten beim Umgraben einer auf den Spaten gekrabbelt. Als ich den kleinen Kerl vorsichtig hoch nahm, waren sofort meine Kindheitserinnerungen, in denen Maikäfer eine Rolle spielen, wieder da. Wir sammelten sie und ließen sie in Schachteln verschwinden, um in der Schule dann zu vergleichen, was wir gefunden hatten: zum Beispiel einen Bäcker (mit grauem Schimmer) oder einen Prinzen (mit dunklen Flügeln). Wichtig war auch, wie viele Maikäfer man mit in die Schule brachte. Von den Erwachsenen hörten wir dann immer wieder das kleine Lied:

Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg,

deine Mutter ist in Pommerland,

Pommerland ist abgebrannt,

Maikäfer flieg.

Weil fast alle unsere Väter im Krieg waren, passte die erste Zeile des Textes für uns Kinder. Dass die Mutter auch nicht da war, habe ich als Kind einfach überhört. Nicht so ein paar Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Erst einmal haben sie überrascht festgestellt, dass viele ältere Erwachsene das kleine Lied kennen. Es muss also ein altes Lied sein. Aber wie alt? Wann spielte im Krieg Pommerland eine Rolle? Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648)? Nein, dort gab es andere Kriegsschauplätze. Die Journalistin Lotta Wrieden wollte es genau wissen und hat schließlich eine Antwort bekommen: Es könnte der „Siebenjährige Krieg“ (1756-1763) gewesen sein… Doch bevor ich jetzt noch weiter bei Lotta Wrieden abschreibe, empfehle ich, ihren Artikel „Altes Kinderlied – Maikäfer, flieg!“  zu lesen. Sie stellt sich dort noch mehr Fragen und hat gute Antworten bekommen.

Der Maikäfer in meinem Garten ist übrigens einfach davon geflogen. Vielleicht sorgt er für Nachwuchs.

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