Man soll Frauen loben….

Heute, 31. Oktober, ist Reformationstag. An diesem Tag wird an den Thesenanschlag von Martin Luther (1483-1546) erinnert, der später zur Trennung der katholischen Kirche führte. In Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein ist das ein Feiertag, der in diesem Jahr zum zweiten Mal gefeiert wird. Ich wollte hier darauf hinweisen. Faul wie ich bin, sollte hier der Artikel stehen, den ich schon einmal veröffentlicht habe. …Das ist natürlich schlechter Stil. Ich weiß! Mein Computer hat mich an diesem Benehmen gehindert. Der Artikel steht wieder an alter Stelle: ….https://kleinebrise.wordpress.com/2017/01/14/mit-martin-luther-ins-neue-jahr/

„Zankt euch mal!“

Die Enkelkinder (tatsächlich noch Kinder) sind zu Besuch und langweilen sich. „Zankt euch mal“ rufen sie. Die Großeltern schauen sich verblüfft an.

Der Großvater spielt mit, hebt schnell die Stimme und ruft:“Nein, so kannst du das nicht sehen…“

Die Großmutter: „Doch, so ist das.“

Der Großvater: „Warum?“

Die Großmutter: „Warum? Das muß dir doch einleuchten, dass es so nicht geht!“

Der Großvater: „Das sagst du immer, wenn du nicht weiter weißt.“

Die Großmutter: „Was für ein Unsinn. Ich will dir doch nur erklären, wie es geht..“

„Ja, bloß du verstehtst nicchts davon“.

„Wer hat denn die ganzen Informationen eingeholt?“

„Du, aber du hast es trotzdem nicht verstanden, worum es geht. Weil du eine Frau bist…!“

Die Enkel: „Aufhören, aufhören…“!

Der Nachmittag ist friedlich geendet, denn das ganze Wortgefecht war ja nur ein Spaß (oder sollte der Großvater sein Frauenbild überdenken?).

Mutig – Nicht mutlos

Auch fast dreißig Jahre nach der Maueröffnung wollen wir uns immer noch daran erinnern, dass sich völlig überraschend die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland öffnete. Die Freude darüber habe ich bis heute nicht vergessen. Was ein Krieg verursacht hatte, fiel ohne Kampf auseinander oder besser gesagt – ineinander. Ich hatte Romane und Geschichten von Theodor Fontane gelesen, so dass ich durch seine Landschaftsbeschreibungen eine Vorstellung von dem Land der DDR hatte. Ich zögerte daher auch keinen Augenblick über die offene Grenze zu fahren.

In diesem Jahr haben sich die Journalisten darüber hergemacht, dass es in der ehemaligen DDR Menschen gibt, die rechtsextrem denken. Die gibt es bei uns (Westdeutschland) auch. Nur dafür werden keine Schlagzeilen auf das Zeitungspapier gehauen. Wie würde ich heute fühlen, wenn man mir 1989 gesagt hätte: Dein Leben muss ab jetzt anders aussehen! Die Wessis wissen wie es geht! Nein, würde ich antworten, mein DDR-Leben gehört zu mir. Der Wessi-Geist macht es aber spritziger!

Ich bin immer noch froh über die Wiedervereinigung und stolz, dass wir das geschafft haben.

Mein Foto zeigt einen Blick auf das Elbsandsteingebirge. Nach der Wende aufgenommen.

Herbstanfang

Der Herbst ist da, obwohl der Garten noch sommerlich aussieht. Ganz viel Freude habe ich in diesem Jahr an meiner „Lichtköng Lucia“ gehabt. Sie steht seit 2001 in meinem Garten, doch im letzten Jahr war sie voller kranker Blätter. Ich habe sie im letzten Herbst kahl geschnitten und dann auch noch gedroht: „Im Frühjahr fliegst du raus, falls du dich nicht erholst.“ Wie man sieht, hat sie sich erholt. Und ich bin auch ein bisschen schlauer: Die Rose war gegen Blattkrankheiten geschützt, doch dieser Schutz soll nur 10 Jahre gelten. Alle Blätter sind heute gesund.

Neue Frage: Ein Trieb an der Spitze hat hellgrüne Blätter. Warum? Mal abwarten, wie sie weiter ihre Schönheit zeigt…

Seit 80 Jahren dabei

Meine Freundin ist achtzig Jahre alt. Sie ist in diesen Tagen guter Dinge, denn sie weiß nun, dass sie seit mindestens siebzig Jahren Gutes tut: Sie lebt sparsam und schützt damit die Umwelt. Wie?

Sie würft kein Essen weg.

Sie stellt die Heizung nur an, wenn sie friert.

Sie geht zu Fuß zum Einkaufen.

Sie wohnt in einem kleinen Haus mit großem Garten und sorgt dafür, dass alles schön ordentlich aussieht…

Hat ihr etwas gefehlt? Ja: Sie hat keine großen Reisen gemacht, denn dazu fehlte das Geld. Dafür war sie mit iher fünfköpfigen Familie ein paar Jahre im Wohnwagen unterwegs und hat alle Länder beäugt, die nördlich der Alpen liegen. Jetzt läßt sie sich erzählen, was ihre Kinder und Enkelinnen in China, USA und Australien erleben.

Fehlt ihr heute etwas? Nein, sie ist froh, dass sie in einem Teil der Erde lebt, in dem Frieden herrscht. Noch immer trifft sie Freundinnen, die ihre Flucht und Verteibung aus Danzig oder Breslau nicht vergessen haben…

Feldpostbriefe

In diesen Tagen wird wieder an den Beginn des zweiten Weltkrieges erinnert. Mein  Onkel, Heinz Bormann, ist freiwillig in diesen Krieg gezogen ( …gezogen…was für ein Begriff!)… Vor mir liegen Feldpostbriefe von ihm. Rund achtzig Mal hat er zwischen Juni 1940 und Januar 1945 an seine Eltern geschrieben. Ich habe die Briefe gestern zum ersten Mal gelesen. Meine Tochter hat sie „übersetzt“, denn seine Schrift lässt sich nur schwer entziffern. Am 27.November 1944 schreibt er:

Meine lieben Eltern! Habe keine Weihnachtswünsche, habe alles… Übermorgen bin ich genau 6 Jahre und 7 Monate Soldat…

Heinz Bormann hat den Krieg nicht überlebt. Niemand weiß, wie, wann und wo er gestorben ist. Aus seinen Briefen erfahre ich, dass er von einer großen Liebe träumt. Keine genaue Vorstellung hat er, welchen Beruf er nach dem Krieg wählen soll. In einem Brief finde ich den Namen eines Freundes. Heinz Bormann und XX haben zusammen Abitur gemacht. Heinz Bormann berichtet seinen Eltern, dass XX  Ingenieur werden will und mitten im Krieg einen Studienplatz bekommt. War XX lebensklüger, weil er einen Beruf wählte, der ihn vom Wehrdienst befreite? Denn XX wurde 70 Jahre alt. Mit seiner Nichte spiele ich Tennis. Seltsame Zufälle…

Ein Riese und ein Hahn

Wie man mit Kindern  den Bremer Marktplatz umrundet.

Jetzt sind Ferien und bestimmt sind auch in Bremen wieder Enkelkinder zu Besuch, die natürlich unterhalten werden wollen. Was ich an meiner Stelle tun würde? Ich würde eine kleine Stadtbesichtigung rund um den Bremer Marktplatz organisieren, denn bei diesem Ziel braucht man keine Angst zu haben, dass sich jemand dabei langweilt. In dieser „guten Stube“ der Bremer findet man nämlich nicht nur steinerne Zeugnisse aus alter und neuer Zeit, sondern auch Hinweise auf märchenhafte und gruselige Geschichten. So kann man denn kleinen Besuchern und Besucherinnen schon vorher versprechen dass man ihnen

einen Riesen und einen Esel mit Goldfüßen zeigen wird.

 Los geht´s

Der beste Ausgangspunkt für diese Minitour sind der Roland und das Rathaus, denn dort findet man gleich zwei Attraktionen: die Bremer Stadtmusikanten und die Gluckhenne.

Sicher kennen die Kinder die Geschichte von den Bremer Stadtmusikanten. Die „bekanntesten Bremer“ stehen an der Westseite des Rathauses. Wenn man vor ihnen steht, kann man ein bisschen Zauberei  ins Spiel bringen und den Kindern erzählen, dass vielleicht ein Wunsch in Erfüllung geht, wenn man die goldenen  Eselfüße anfaßt. Die sind nämlich so blank geworden, weil ganz viele Menschen an den Zauber glauben und die Füße umfassen.

Und eine Suchaufgabe liegt hier auch noch in der Luft: Wo sind noch mehr Stadtmusikanten zu finden? Die Lösung: Ein paar Schritte weiter, hoch über den Straßenbahnschienen, findet man eine märchengerechtere Darstellung. Die Tiere, die dort im Laternenausleger am Deutschen Haus sitzen, sehen tatsächlich alt und zerzaust aus. Danach geht’s zurück an

die Marktseite des Rathauses,

denn in der Fassade muss die Bremer Gluckhenne gefunden werden.

Und das ist gar nicht so einfach. Das große Foto oben kann bei der Suche helfen:

Die Glucke sitzt in einem Körbchen im Steinrelief im rechten  Zwickel  über dem zweiten Rathausbogen von links. Das Körbchen liegt auf dem Arm einer Frau, die schon ein bisschen verwittert aussieht.

In der Geschichte heißt es, dass die Henne einst mit ihren Küken heimatlosen Fischern den Weg auf eine Düne wies, als sie vor einem Unwetter Schutz suchten. Den Fischern gefiel es dort so gut, dass sie blieben und Bremen gründeten. Diese Sage stammt allerdings nicht aus mündlicher Überlieferung, sondern wurde von Friedrich Wagenfeld erfunden, der sie 1845 in seinem Buch „Bremens Volkssagen“ veröffentlichte. Doch der Ort ist nicht schlecht gewählt, denn Historiker vermuten, dass auf der Domdüne tatsächlich der Kern der Stadt liegt.

Vor dem Roland, dem Riesen, kann man anschließend alle Geschichten erzählen, die man von Rittern weiß, denn der steinerne Mann soll auch zu diesem Stand gehört haben: Ritter gab es im Mittelalter. Sie lebten auf Burgen und zogen, wenn sie gerufen wurden, für König oder Herzog in den Krieg. Dabei trugen sie – „ähnlich wie Roland – eine schwere Rüstung. Ritter mußten eine Menge Gebote erfüllen (zum Beispiel durften sie  am Tisch nicht „wie ein Schwein schnaufen und schmatzen“) und sollten sportlich top fit sein. Auch vom mittelalterliche Rolandlied kann man seine Phantasie beflügeln lassen. In ihm wird erzählt, dass Roland im Kampf für Karl den Großen fiel.

Ortsgebunden sind diese zwei Begebenheiten: Wilhelm Hauff schildert  in seinen „Phantasien im Bremer Ratskeller“, dass der steinerne Roland dort einmal an einem Trinkgelage teilgenommen hat, bei dem allerdings allerhand schief ging: Der zentnerschwere Mann brach mit seinem Stuhl zusammen, zerdrückte Gläser und Becher und geriet in Rage als über Tagespolitik diskutiert wurde.

Nach diesem Ausflug in die Sagen- und Märchengeschichten wird’s gruselig, denn das nächste Ziel ist der

Spuckstein auf dem Domshof.

Der Spuckstein – manche Bremer nennen ihn auch „Gesche-Gottfried-Stein“ – erinnert an eine Schauergeschichte, die sich am 20. April 1831 ereignete: An dem Tag wurde die 47jährige  Gesche Gottfried auf dem Domshof mit einem Schwert geköpft, weil sie mindestens 15 Menschen mit Arsen vergiftet hatte, darunter ihren Mann, ihre Kinder,ihre Eltern, ihren Bruder und ihren Geliebten. Mehr als 35.000 Bremer sollen dabei zugesehen haben. Ein Stein im Straßenpflaster markiert bis heute, wo das Schafott stand. Der dunkle Stein ist mit einem Kreuz versehen und liegt im Pflaster in der Nähe der Treppe zum Brautportal am Domshof. Er wurde nach der Hinrichtung zum „Spuckstein“, auf den man spie, um weiter Empörung und Abscheu zu zeigen (während der Hitler-Diktatur war darauf für kurze Zeit ein Harkenkreuz zu sehen). Wenn heute Spucke darauf klebt, stammt sie vermutlich von Touristen, denen man von dem alten Brauch erzählt hat. Bremer erinnern sich kaum noch an diese böse Frau.

Dieser Kriminalfall ist damals ausführlich dokumentiert worden. In den drei Jahren, die Gesche Gottfried im Gefängnis saß, legte sie zahlreiche Geständnisse ab und schrieb sogar eine Autobiographie.  „Eine Frau, das ist ein Mensch, nicht aber  das Haustier des Mannes,“sagt sie in  einem Theaterstück.

Wo der Hahn kräht

Aber es gibt noch einen geheimnisvollen „Fleck“. Man findet ihn vor dem Haus der Bürgerschaft. Dort sitzt ein Hahn unter einem Straßendeckel, der laut kräht, wenn man zu ihm ein Geldstück  runter wirft. Das ist das Dankeschön von der  Wilhelm-Kaisen-Stiftung, die das Geld erhält. Gerade ist das Geld gezählt worden: 19491,90 Euro sind in einem Jahr (Mai 2018-Mai 2019) in die Spendenbüchse gefallen. Davon sollen Spielgeräte bezahlt werden.

Die Dom-Besichtigung und den Gang durch die Böttcherstraße nehmen wir uns für den nächsten Besuch vor. Am Ende suchen wir uns jedesmal einen Platz in einem Kaffee. Von dort kann man den Bremern gut bei ihrer Arbeit zusehen.

Eine Trauerfeier

Ich bin auf einer Trauerfeier gewesen, die mir … gefallen hat. Gefallen? Ist das ein passendes Gefühl auf einer Trauerfeier? Ich kann auch schreiben: Die Feier hat mich angerührt und mir Zeit gegeben, an all das zu denken, was ich mit Ella, der Verstorbenen, erlebt habe.

Gefallen hat mir, wie die Familie ihre liebevolle Zuwendung in einem kurzen Programm zum Ausdruck brachte: Musik stand im Mittelpunkt. Wir hörten Orgelspiel, dazu ein Streichquartett, und es wurden Arien gesungen. Die Ansprache des Pastors war kurz. Ella hatte ein ganz normales Leben geführt. Sie war verheiratet, hatte Kinder und Enkel gehütet. Doch ein Hinweis lies mich aufhorechen: Ella war mit ihrer Familie aus Ostpreußen geflohen. Darüber hatte sie nie gesprochen. Jetzt ist sie hier, auf dem größten Bremer Friedhof, beerdigt worden. Ein neuer Platz für sie, denn in Ostpreußen gab es auch ein Grab für ihre Familie… Ist damit jetzt die Geschichte der Vertreibung für Ellas Familie zu einem Ende gekommen?

Mich beschäftigt die Frage, denn meine Vorfahren stammen aus Norddeutschland. Wo müßte ich leben, wenn auch meine Familie vertrieben worden wäre?