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Beiträge mit Schlagwort ‘Martin Luther’

Man soll Frauen loben…..

Zum Reformationstag: Was Martin Luther vor 500 Jahren gedacht und gesagt hat – Meine Auslese

Es ist Freitag, der 31. Oktober. Hier, in Bremen, ein normaler Freitag, wenn man so will. Die Evangelische Kirche in Deutschland feiert ihn als Reformationstag. Einige Bremer Gemeinden laden abends zum Gottesdienst ein. Ob ich mich auf den Weg dort hin mache, weiß ich noch nicht. Meinen  Martin Luther habe ich nämlich schon gefunden: In dem kleinen Reclam-Bändchen  18802 „Luther zum Vergnügen“. Herausgegeben von Johannes Schilling, der mit seiner Sammlung Lesern und Leserinnen ein sprachliches, ein geistiges, ein intellektuelles Vergnügen bereiten möchte. Das ist ihm mit mir  gelungen
Das sind meine Fundstücke:
Der Mensch ist ein Wesen, zusammengesetzt aus Leben und Tod, Lust und Trauer, Begierde und Überdruss, Liebe und Hass, Vernunft und Torheit.
  • Alle Menschen sind von Natur mehr Nach- als Vordenker, weil alle klug sind , nachdem etwas geschehen ist. Wir alle müssen Lehrgeld geben und aus Schaden klug werden.
  • Stellt euch vor, es gäbe das weibliche Geschlecht nicht. Dann würde das Haus und alles, was zum Haushalt gehört, zusammenstürzen, ebenso die Staaten und Gemeinden. Folglich kann die Welt die Frauen nicht entbehren, selbst wenn die Männer die Kinder selbst gebären könnten.
  • Man soll Frauen loben, sei  es wahr oder gelogen, sie bedürfen es wohl.
  • Es ist kein Rock, der einer Frau oder Jungfrau so übel ansteht, als wenn sie klug sein will. (höhö, Herr Luther!)
  • Kleine Kinder, kleine Sorgen; große Kinder, große Sorgen.
  • Ich habe die Welt satt, wie sie mich auch satt hat. Damit bin ich auch ganz zufrieden. Sie meint, wenn sie mich nur los wäre, so wär es gut; das wird sie schon noch merken.
Mein letzter Satz  stammt natürlich auch von Martin Luther: Wohlan, ich habe euch allen genug geraten, christlich und brüderlich und ehrlich, Gott gebe, das es helfe.
Wohl bekomms!

 
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Martin Luther und Theodor Adorno

 Gottesdienst am Reformationstag im Bremer Dom – Ein Zitat und die Folgen

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Reformationstag 2013. Gedenktag der Protestanten an Martin Luther (1483-1546) und seinen Thesenanschlag am 31. Oktober 1517. Ich will erfahren, wie die Kirche den Tag feiert und habe mir dazu den Abendgottesdienst im Bremer Dom ausgesucht.

Die Ostkrypta ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Alle Besucher haben am Eingang ein Programm erhalten, darin stehen auch die Texte aus Bibel und Gesangbuch, die die Gemeinde mitsingen und mitsprechen soll. Die Pastorin bezieht sich in ihrer Predigt auf Jesaja 62, 6-7, 10-12. Dieser Text aus dem Alten Testament wird gern für die Predigt zum Reformationstag genommen. Ich höre aufmerksam zu. Doch von Martin Luther und seinem Leben ist nicht die Rede. Stattdessen zitiert die Pastorin Theodor W. Adorno: „Nur wenn das, was ist, zu ändern ist, ist das was ist, nicht alles“ und lässt damit ihre Predigt enden.

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Mein Lutherbild

Adorno war gewiss nicht gottesfürchtig. Doch sein Gedanke gefällt mir. Ich bin ihm gefolgt und habe mir allein ein Lutherbild zusammengestellt. Dazu habe ich im Internet und in meinem Bücherschrank gesucht. Was mir dabei schnell aufgefallen ist: Luther hat  eine bewundernswerte Frau gehabt. Sie war selbstbewusst, tatkräftig und selbstständig. Über sie habe ich mich auch Martin Luther genähert. 

Mann und Weib sollen sich liebhaben 

Katharina Luther, geborene von Bora (1499-1552), konnte lesen und schreiben und hat ihren Haushalt mit sechs Kindern und vielen Gästen wie einen modernen Wirtschaftsbetrieb geführt. Luther spielte dabei anscheinend nur eine Nebenrolle und konnte seine eigenen Wege gehen. Dabei müssen sie eine gute Ehe geführt haben. Luther nennt seine Frau in Briefen an sie „Mein Liebchen“, „mein Morgenstern zu Wittenberg“ oder „mein Herr Käthe“. Eine gute Ehe war für ihn, wenn „sich Mann und Weib liebhaben, eines sind, eins das andere versorgt…“ Katharina wird auch furchtlos gewesen sein, denn als sie Martin Luther 1525 heiratet, ist er für die Kirche ein Ketzer und mit der Reichsacht (vogelfrei zum Töten) belegt.

Als Witwe kein Sorgerecht 

Nur an ihrem Ende, als Witwe, musste ich Katharina Luther wieder den mittelalterlichen Standesvorstellungen fügen. Sie geriet in finanzielle Schwierigkeiten, weil man das Testament ihres Mannes nicht anerkennen wollte. Man bestritt ihr auch das Sorgerecht für ihre Kinder.

Sein Lied 

Im Reformationsgottesdienst im Dom hat Martin Luther am Ende aber doch noch das Wort erhalten, denn wir haben zusammen sein Lied „Ein feste Burg ist unser Gott,/ ein gute Wehr und Waffen…“ gesungen. Auch eines der schönsten Glaubenslieder von Paul Gerhard „Ist Gott für mich …“ stand im Programm und von Klaus Peter Hertzsch das Lied „Vertraut den neuen Wegen“, das er 1989 für eine Trauung geschrieben hat.

 Meine Quellen waren Zufallsfunde im Internet. In meinem Bücherschrank habe ich „Familienleben in Deutschland“ von Barbara Beuys, gefunden. 1980 bei Rowohlt erschienen. Ein spannendes Buch. Zum Text Jesaja 62, 6-7, 10-12 findet man übrigens eine große Anzahl von Predigten im Internet. 

  

 

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