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„Flut und Boden“

Per Leo erzählt vom Leben seines Nazi-Opas – Ich kenne die Familie

Mein Kopf ist voller Gedanken. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen Roman gelesen, dessen Inhalt ich in großen Zügen kenne, weil mir fast alle Personen, die darin geschildert werden, schon einmal begegnet sind. Per Leo hat ihn geschrieben. Sein Titel: „Flut und Boden“. Der Roman einer Familie ist im Frühjahr bei Klett-Cotta erschienen und mit viel Lob bedacht worden.

Per Leo hat wenig verschlüsselt. Die prachtvolle alte Villa, in der die Familie lebte, kann sich jeder ansehen, denn die Adresse steht gleich am Anfang der Geschichte. Es ist das Haus Weserstraße 84 in Bremen-Vegesack. Das Haus wurde um 1900 gebaut und hat nichts von seinem Glanz innen und außen verloren.

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Blick aus Nachbars Garten auf den Turm der Leo-Villa. Gemalt von einer Freundin.

Per Leo erzählt die Geschichte seiner Familie, in dem er den Lebensweg seines Großvaters Friedrich Leo beschreibt. Friedrich Leo war Nazi. Vielleicht wäre er erfolglos geblieben, denn er ist ein Schulabbrecher und vermutlich das Sorgenkind der Familie. Doch bei den Nazis macht er Karriere. Er wird Abteilungsleiter im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS. Mit dieser festen Anstellung kann er heiraten und eine Familie gründen. Seine Kinder bekommen schöne deutsche Namen. Im Roman sind ihre Namen durch die Buchstaben M oder W ersetzt. Hinter einem W versteckt sich meine Freundin Elke. Elke war meine Schulfreundin. Über sie habe ich die ganze Familie kennengelernt. Sie zog 1957 von einem Dorf in der Heide zu ihrer Großmutter in der Haus an der Weserstraße. Sie wollte in Vegesack ihr Abitur machen, weil das in ihrem Heimatort nicht möglich war. Auch ich war neu in der Klasse. So freundeten wir uns an.

Die zweite wichtige Person in diesem Roman ist Martin Leo, ein Bruder Friedrichs. Seine Entwicklung verlief anders. Er wurde Wissenschaftler und lebte in der DDR.

Für mich ist das Buch kein Roman im herkömmlichen Sinn. Eher eine Beschreibung der Leben zweier Brüder und ihrer Vorbilder, geprägt durch zwei Weltkriege und zwei Diktaturen. Es ist ein gedankenvolles und manchmal kompliziertes Buch. Wer das Leben in der Nazi-Diktatur verstehen will und sich fragt, wie diese Zeit die Menschen prägte, für den ist dieses Buch ein guter Wegweiser.

 

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