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Ich war heute Nacht in der Kunsthalle

Kein Krimi – Ein Besuch im Internet – Was online möglich ist

Es ist Sonntagnacht, 1.30 Uhr. Ich bin nicht müde. Früher war das die schönste Partytime. Heute muß ich mir mein Vergnügen zu dieser nachtschlafenden  Zeit selber machen. Gut geeignet dafür ist mein  Tablet, denn über Google kann ich die ganze Welt erreichen.

Heute will ich in Bremen bleiben. Doch wohin soll ich mich bewegen? Mir fällt ein, dass die Sammlung der Kunsthalle jetzt auch online zugänglich ist. Kann ich tatsächlich alle Gemälde und Skulpturen, die in  dem großen Haus gezeigt werden, zu jeder Tages- und Nachzeit ansehen? Ich hole mir die Adresse und – siehe da- es funktioniert! In das Suchfeld gebe ich „Overbeck“ ein. Ich denke dabei an das Gemälde „Die Findung Mosis“, vor dem ich häufig gestanden habe, weil mich die Geschichte von der Rettung des neugeborenen jüdischen Jungen durch die Tochter des Pharaos immer wieder anrührt und weil sie vom  Maler Johann Friedrich Overbeck besonders schön in Szene gesetzt wurde. Weil ich den Namen ohne Vornamen eingegeben habe, bietet mir die Kunsthalle in ihrer Trefferliste 16 Künstler und Künstlerinnen an, die für meine Suche in Frage kommen könnten. Doch ich weiß sofort, wen ich suche und schon  habe ich das Gemälde vor mir auf dem Bildschirm! Es ist Sonntag, 2 Uhr nachts!

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Friedrich Overbeck , Die Findung Mosis ,1823, Öl auf Holz, 44x59cm, Copyright: Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen/ Foto: Lars Lorisch.  http://www.kunsthalle-bremen.de/sammlung/online-Katalog/

Wenn ich wollte,  könnte ich mir jetzt Meisterwerke aus über 600 Jahre Kunstgeschichte ansehen. Ein Werk will ich mir noch holen. Es ist Pablo Picassos „Sylvette“. Die Trefferliste zeigt mir 49 Ergebnisse, doch eine gute Abbildung ist nicht dabei. Ich erinnere mich: Für Sylvette gilt noch das Urheberrecht. Das Bild darf nicht in seiner ganzen Größe und Schönheit veröffentlicht werden. Um es zu sehen, müsste ich in die Kunsthalle gehen.  Das, finde ich, ist ein guter Schluss für meinen nächtlichen Besuch in der Kunsthalle: Kunst online ist kein Ersatz für das Original im Museum.

Drei  Frauen retten ein Baby

Die Geschichte zu dem Bild

Vor einigen Jahren habe ich in einer Kindertagesstätte Kindern Geschichten aus dem Alten Testament erzählt. Ich habe die Geschichten in meinen Worten erzählt und dazu Bilder gezeigt, damit das Geschehen anschaulich wurde. „Die Findung Mosis “ haben wir uns auch immer zusammen angesehen. Das ist meine Geschichte dazu:

Moses hat vor vielen, vielen Jahrn gelebt. Es gibt in der Bibel viele Geschichten über ihn. Als Moses geboren wurde, lebten schon viele Menschen auf der Erde. Nicht jeder hatte einen guten Platz zum Leben und zog darum umher, um Arbeit zu finden. Viele kamen nach Ägypten. Doch diese Fremden waren dort nicht gern gesehen, denn man verstand ihre Sprache nicht. Und als es immer mehr wurden, fürchtete man sich sogar vor ihnen. „Wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie gegen uns kämpfen“, sagte der König. Und er befahl seinen Untertanen, diesen Fremden das Leben so schwer wie möglich zu machen: Sie mussten die härtesten Arbeiten verrichten und niemand hatte Mitleid mit ihnen, wenn sie bei der Arbeit krank wurden oder vor Erschöpfung umfielen. Doch der König wurde noch grausamer, denn er sagte: „Alle Söhne, die in meinem Land geboren werden, werft in den Nil, aber alle Töchter lasst leben.“

Auch Moses Eltern waren keine Ägypter. Sie hatten Angst, dass auch Moses, der gerade geboren war, sterben sollte und darum versteckten sie ihn. Doch nach drei Monaten glaubte seine Mutter nicht mehr, dass das Versteck sicher war. Und so machte sie ein Körbchen aus Rohr, legte den kleinen Moses hinein und ließ das Körbchen den Nil hinuntertreiben, genau zu dem Platz, wo die Tochter des Königs jeden Tag mit ihren Freundinnen badete. Moses Schwester ging am Ufer mit, um aufzupassen, dass ihrem kleinen Bruder nichts passierte. Und tatsächlich, alles kam so, wie es die Mutter von Moses sich erträumt hatte:

Die Prinzessin fand den Korb mit dem Baby und sie war gut zu dem Kind. „Es ist ein Ausländer-Kind“, sagte sie zu ihren Freundinnen. „Es ist bis hier her geschwommen und soll darum leben. – Es ist hungrig. Es muß gestillt werden. Kennt jemand eine Frau, die stillen kann?“ Da meldete sich Moses Schwester: „Ich kenne eine Frau“, sagte sie, „soll ich die holen?“ „Lauf schnell“, sagte die Prinzessin.“ Und nimm das Baby gleich mit.“ Und das Mädchen nahm Moses und brachte ihn zur Mutter. Dort blieb Moses, bis er laufen konnte. Dann brachte ihn seine Mutter zur Prinzessin in den Palast, denn nun wollte die Prinzessin weiter für den kleinen Jungen sorgen.  

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