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Auch ein Buch für Senioren

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Kinderglück und Elternsorgen – Vor 60 Jahren in der DDR

 

Bärbel Stasch hat ihrem neuen Buch den Titel „Nichts wie weg von zu Haus !“ gegeben. Sie schildert darin, wie ihre Eltern mit ihr und ihrer Schwester 1958 aus der DDR in die Bundesrepublik geflüchtet sind. Doch über dieses dramatische Ereignis berichtet sie erst im letzten Teil ihres Buches. Zu Anfang erzählt sie von ihrer Kindheit in dem kleinen Dorf Möllenstein, wo ihre Eltern 1954 als Lehrer eingestellt werden. Und diese kleinen und großen Erlebnisse sind es, die mich gefesselt haben. Vieles davon habe ich nämlich auch erlebt: Die grenzenlose Freiheit draußen vor der Tür, Spiele wie „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“, Spaß im Heu, der Besuch im Schweinestall, Angst vor einer Gertrud oder Eltern, die plötzlich Französisch sprechen, weil sie ein Geheimnis haben.

Vor 60 Jahren

Die Bremer Autorin (Jahrgang 1951) erzählt aber nicht nur, sondern erklärt ihren jungen Lesern und Leserinnen auch, warum Kinderalltag vor sechzig Jahren anders aussah und was damals in Ost und West für politische Verhältnisse herrschten. Das findet man in den kursiv gedruckten Passagen. Mich hat das auf den Gedanken gebracht, das Buch zusammen mit meinen Enkelkindern zu lesen und darüber zu reden. Ich habe dabei meine eigenen Erlebnisse eingeflochten und mein „Wessi-Wissen“ dazu getan.

West- und Ostzone

Die Autorin und ich waren beide noch Kinder, als nach dem zweiten Weltkrieg Deutschland geteilt wurde. In eine West- und Ostzone. Und wir waren schon erwachsen, als später daraus zwei Staaten wurden. Wer in der Bundesrepublik lebte, konnte gleich nach dem Krieg beim Wiederaufbau der zerstörten Städte und Landschaften mitarbeiten. Dafür sorgten die Westmächte.  Russland beherrschte die Ostzone. Dort begann der Wiederaufbau viel später.

Die Flucht

Die kleine Bärbel in der Ostzone hat das nicht berührt, denn sie hatte ihre heile Welt in Möllenstein gefunden, wie ich – zehn Jahre älter – in einem Dorf an der Weser. Doch sie musste dann erfahren, wie es sich anfühlt, wenn der Staat über den Bürgen wacht. Und wie seine Vertreter selbst Kinder nicht mit Verhören verschonen, wenn sie glauben, dass sich die Eltern nicht an Gesetze halten. Mich hat ihre Schilderung der Flucht sehr berührt. Die Autorin hat früh erlebt, was es heißt,  Eltern zu haben, die ihr Kind uneingeschränkt lieben und beschützen, wenn einen Angst und Panik überwältigen.

Krippenfiguren aus dem Erzgebirge

Ich Wessi habe von der Ostzone nur durch die Medien erfahren, denn wir hatten keine Verwandten oder Freunde, die dort lebten. Und wir hatten auch keine Angst vor der „Ostzone“. Wir dachten an die Menschen „drüben“ mit Mitgefühl. Ich habe in den sechziger Jahren an eine fremde Familie Pakete geschickt, mit Waschpulver und Nylonhemden. Dafür bekam ich zu Weihnachten Krippenfiguren aus dem Erzgebirge geschenkt. Nur irgendwann bat man mich, keine Pakete mehr zu schicken. Ohne Begründung. Als dann, wie durch ein Wunder, die Mauer fiel und aus zwei Staaten einer wurde, habe ich mich so gefreut, wie kaum vorher in meinem Leben.

Sabine Jaene hat die Bilder in diesem Buch gemalt. Auch das hat mich wieder an meine Kinderzeit erinnert. Ich war schon früh eine Leseratte. Doch die Bücher mussten Bilder haben! Als ich dann mein erstes Buch ganz ohne Bilder gelesen hatte, wusste ich: „Nun liest du wie die Großen“.

Aber – wie schon gesagt – dies ist ein Buch für  junge Leser und Leserinnen und Senioren. Ein Buch zum Vorlesen und Erzählen.

Bärbel Stasch „Nichts wie weg von zu Haus !“. Donat Verlag, Bremen. 168 Seiten. Empfohlenes Alter: 10-12 Jahre.

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