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Eine Frau allein auf der Bühne

„La Traviata“ – Opern-Premiere im Theater Bremen – Ohne romantische Liebe

Ich war in der Oper. Ich habe die Premiere von Giuseppe Verdis „La Traviata“ im Bremer Theater gehört. Für mich eine der schönsten Verdi-Opern. Einen Freund rührt die Musik und Handlung sogar jedesmal zu Tränen.

Wenn er bei dieser Premiere dabei gewesen wäre, hätte er bestimmt seinen Augen und Ohren nicht getraut, denn die Handlung hat Regisseur Benedikt von Peter radikal verändert. Auf der Bühne werden keine rauschenden Feste gefeiert, auf denen die schöne Prostituierte Violetta Valéry der Mittelpunkt ist. Auf der Bremer Theaterbühne am Goetheplatz steht die Hauptdarstellerin ganz allein. Um sie herum ein paar Requisiten – ein Fenster, eine Tür, Tisch und Stühle. Und das für zwei Stunden, 15 Minuten. Ohne Pause.

Zu Anfang in Turnhosen

Das Orchester sitzt nicht mehr vorne im Graben, sondern hinten auf der Bühne. Getrennt zur Bühne durch einen durchsichtigen Vorhang. Davor bewegt sich Violetta. Zu Anfang in Turnhosen, später in einem Tüllkleid mit roter Schürze. Auf dem Boden liegen Luftschlangen. Violetta, gesungen und gespielt von Patricia Andress, ist ein verlorenes Menschenkind, das nach Liebe sucht. Allein auf der Bühne. Die volle Zeit.  Chor, Sänger und Sägerinnen singen vom Rang hinunter ihr entgegen.

Keine romantische Liebe

Diese Interpretation der Oper hat mich zu Anfang irritiert. Warum darf Violetta niemanden berühren? Selbst als sie, die wohl an Schwindsucht leidet, stirbt, bleibt sie allein. Im Original lässt Verdi sie in den Armen ihres Geliebten sterben. In der Bremer Inszenierung lebt sie in einer Traumwelt. Alle, die ihr nahe stehen, sind weit weg. Selbst im Zuschauerraum, wo sie auf zwei Stuhllehnen steigt und ihre Arme bittend hebt, bleibt jede Berührung aus. „This is for you“, sagt sie am Ende ins Publikum, und ich möchte sie dafür in die Arme nehmen, so sehr hat mich ihr Spiel berührt.

Großer Beifall

Das Publikum dankt ihr mit großem Beifall (ich habe nur einen Buh-Ruf gehört). Endlich dürfen auch die anderen Darsteller auf die Bühne. Alle, auch die Chormitglieder, unauffällig schwarz gekleidet. Natürlich bekommen auch sie ihren Beifall, ebenso wie die Bremer Philharmoniker und das Regieteam.

Ich hatte mich auf diesen Abend gefreut, auf große Musik, schöne Bilder und romantische Liebe. Bekommen habe ich die Musik und wieder einmal die Erfahrung, dass  Opern keinesfalls den Beschreibungen entsprechen müssen, die ich in meinen Opernführern finde. Im Bremer Theater hat mir die Lektion gefallen.

Eine Fotostrecke zur Aufführung findet man hier:  http://www.weser-kurier.de/start/fotos/freizeit8_galerie,-Einblicke-in-La-Traviata-_mediagalid,24181.html

„La Traviata“ wird zur Saisoneröffnung an der Mailänder Scala am Sonnabend, 7. Dezember, 20.15 Uhr aufgeführt und von Arte live übertragen.

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