Ein Ausflug und ein Ferienrätsel für Kinder

Dieser kleine Esel erinnert an die Bremer Stadtmusikanten .

Er steht am Vegesacker Hafen, an der Weser.

 

Meine Freundin hat Besuch: Marie, ihre Enkelin, verbringt ihre Ferien bei ihr. Marie liebt Märchen und will wissen, warum die Bremer Stadtmusikanten nie bis Bremen gekommen sind. Meine Freundin hat sich eine Antwort ausgedacht. Um die Lösung zu finden, ist sie mit ihrer Enkelin von Bremen mit dem Ausflugsdampfer Oceana nach Vegesack gefahren. In Vegesack steht nämlich eine kleine Eselfigur am Hafen und die soll Marie fragen. Ob der Esel das wahre Ende des Märchens kennt?

Das Gespräch:

Ich heiße Marie. Meine Großmutter sagt, wenn ich dein Ohr anfasse, kann ich mit dir reden. Stimmt das?

    I A.

Hast du ja gesagt?

    I A.

Ich fasse dein Ohr ganz vorsichtig an. Denn zweimal haben sie Dir beide Ohren abgebrochen. Hat das weh getan?

Ach, das ist lange her. Das war 1985. Ich war aus Beton gegossen. Dann haben ein paar Lümmel mir ein Ohr abgebrochen. Als das wieder dran war, haben sie sich das andere vorgenommen. Ein böser Schabernack, der richtig weh getan hat.

Meine Oma sagt, dass du jetzt aus Bronze bist. Sind nun die Schmerzen weg?

    I A.

Bist du der Esel von den „Bremer Stadtmusikanten“?

    I A.

Dann lese ich dir jetzt mal was vor: Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende gingen…

(Gähnt)…I A, I A. Diese alte Geschichte kann ich schon nicht mehr hören. Sie ist 200 Jahre alt. Frag deine Oma mal, ob das stimmt?

Meine Oma nickt. Das Märchen haben die Gebrüder Grimm 1812 veröffentlicht, sagt sie. Und ich soll dich fragen, ob du weißt, dass die Bremer das Ende immer falsch erzählen. Nur weil sie mit dir und deiner Rentnerband Reklame machen wollen.

I A. Ich bin mit Packan, meinem Hundefreund, Bartputzer, der Katze und Rotkopf, dem Hahn nie bis Bremen gekommen. Dort wollten wir hin und als Stadtmusikanten Musik machen, doch dann hat es uns hier, am Vegesacker Hafen, viel besser gefallen…

Oma sagt, dass Bremen schon damals eine schöne und große Stadt war. Deine Band hat jetzt ein Denkmal vor dem Rathaus. Und alle Touristen wollen erst euch sehen und dann erst alles andere.

Eine schöne Eselei. Wir konnten gar nicht an einem Tag bis Bremen kommen und mussten in einem Wald übernachten. Dort stand ein Haus, in dem Räuber wohnten und die haben wir hinaus gejagt… I A .I A. Und von da an getrauten sich die Räuber nicht wieder in das Haus; uns gefiel es aber so wohl darin, dass wir nicht wieder heraus wollten…

Und warum stehst du nun hier so allein am Vegesacker Hafen?

Ich stehe hier gar nicht allein. Denn hinter mir steht das kleine Haus, in dem wir gewohnt haben.

Äh? Das ist doch eine Gaststätte und kein Räuberhaus?

I A. I A. Das ist ja das Ende der Geschichte. Ich habe bis zuletzt in diesem Haus gelebt. Meine drei Freunde sind vor mir gestorben. Dann kam eines Tages ein Räuber und hat mich untertänig gefragt, ob er nicht zurückkommen dürfe. Er wollte ein besserer Mensch werden und nicht mehr räubern. Er wollte in dem Haus ein Gasthaus einrichten. Und ich sollte mein Gnadenbrot bei ihm bekommen und seine Schänke sollte auch noch meinen Namen tragen. Das konnte ich doch nicht ausschlagen. Und darum bin ich hiergeblieben und wir Stadtmusikanten sind nie bis Bremen gekommen. Genau, wie es in dem Märchen erzählt wird.

Oh, so war das?! Und das Gasthaus „Grauer Esel“ –  mit Deinem Namen –  gibt es immer noch. Meine Oma sagt, du bist ein Schlingel. Einen Wald hätte es an dieser Stelle nie gegeben. Stimmt das? Lügen darf man nicht, grauer Esel!

Das weiß ich. Ich flunkere nicht. Der große Platz neben dem Haus, siehst du, dort, wo das Spielschiff steht, heißt nämlich Hafenwald. Auch zur Erinnerung an dieses schöne Märchen der Gebrüder Grimm.

Jetzt hat meine Oma sich in den Gasthausgarten gesetzt. Ich soll mit ihr Apfelschorle trinken. Sie sagt, dass du von Knacki…

Stopp. Das sagt man nicht. Aber das stimmt: Ich bin in der Jugendvollzugsanstalt in Oslebshausen geschaffen worden. Und weil ich als Betonfigur nicht standhaft genug war und man mir die Ohren abgebrochen hat, wurde ich fünf Jahre später wieder aufgestellt. Eine Berliner Gießerei hatte mich aus Bronze gegossen. 11 000 Mark Spendengelder sind dafür ausgegeben worden. So gerne wollten mich die Vegesacker haben.

Ich sag auch noch was: „Und der das zuletzt erzählt hat, dem ist der Mund noch warm.“ So endet das Märchen bei den Gebrüder Grimm.

Und nun die babyleichte Frage:

Wann wurde die kleine Eselfigur aus Bronze gegossen und wieder aufgestellt?
1985?
1990?
2005?

Danke, dass Sie alles gelesen haben! Eine Auflösung gibt es  nicht, denn die lässt sich ganz einfach ausrechnen (sagt Marie).

Bremen-Vegesack gehört zu Bremen-Nord und  ist von Bremen aus auf vielen Wegen zu erreichen: mit dem Schiff ab Martini-Anleger, mit Bahn oder Straßenbahn und Bus und natürlich auch mit dem Fahrrad durch das Blockland, an der Lesum entlang.

Hier steht der kleine Esel im Wasser:

https://kleinebrise.wordpress.com/2017/11/02/wasser-genug/

Die Homepage von Bremen: https://www.bremen.de/

Ganz zum Schluss gesagt…..

„Einmal im Jahr solltest Du einen Ort besuchen, an dem Du noch nie warst.“

Ein Satz vom Dalai Lama

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Vor 127 Jahren: Eine Frau ruft zum Frieden auf

Bertha von Suttner – Mein Gedankensprung zum Volkstrauertag

Im November gedenken wir unserer Toten. Die Katholiken zuerst mit ihrem Fest „Allerheiligen“, danach –  am Totensonntag – schmücken die Protestanten  ihre Gräber. Ein Tag ist für alle gedacht: der Volkstrauertag. In diesem Jahr wird er am zweiten Novembersonntag  begangen. Doch für wen? Der Tag wurde 1919 eingeführt, um an die Toten des Ersten Weltkriegs zu erinnern. In der Bundesrepublik kam das Erinnern an die Toten des zweiten Weltkrieges dazu. Doch wer lebt heute noch, um sich an einen Soldaten zu erinnern, der im letzten Krieg gefallen ist?  Wieviel Witwen und Waisen leben noch und erinnern sich an  Menschen, die vor fast achtzig Jahren im Bombenhagel und auf der Flucht ums Leben kamen? Die meisten von ihnen sind vermutlich längst gestorben.

Brauchen wir den Tag also noch? Ja, denn an diesem Volkstrauertag wird im Bundestag auch der 65 Millionen Flüchtlinge gedacht, die täglich durch Gewalt, Krieg und Unterdrückung vertrieben werden.

Doch warum gibt es längst wieder Kriege? Wo ist ein weltweite Protest gegen Krieg und Vernichtung? Ich kenne keine Antwort. Aber ich bin beim Fragen und Antwortsuchen auf eine Frau gestoßen, die schon 1889 mit ihrem Roman „“Die Waffen nieder“ als Pazifistin weltweit Aufmerksamkeit erfuhr: Es ist Österreicherin Bertha Freifrau von Suttner (1843-1914).

„Ein frischer, fröhlicher…Krieg“

In ihrem Roman schildert sie – in Form einer Autobiografie – die Geschichte einer jungen Witwe, deren erster Mann im Krieg fällt. Beschrieben wird auch, welche Begeisterung man im  19. Jahrhundert für das Militär empfand. Ein Beispiel daraus:

Aber an jenem 1. April sagte mir mein Mann allen Ernstes: „Weißt du, Schatz – es wird bald losgehen.“ „Was wird losgehen, mein Liebling!“ „Der Krieg mit Sardinien.“ Ich erschrak. „Um Gotteswillen – das wäre furchtbar! Und musst du mit?“ „Hoffentlich.“ „Wie kannst du so etwas sagen? Hoffentlich fort von Weib und Kind?“ „Wenn die Pflicht ruft …“ „Dann kann man sich fügen. Aber hoffen – das heißt also wünschen, dass einem solch bittere Pflicht erwachse –.“ „Bitter? So ein frischer, fröhlicher Krieg muss ja was Herrliches sein. Du bist eine Soldatenfrauvergiss das nicht –.“

Ich kann mir kaum noch vorstellen, dass es diese Begeisterung für einen Krieg gab. Doch  mein Onkel Heinz Bormann (1912 – ?) muss das noch gefühlt haben, denn ich weiß, dass er sich als Abiturient freiwillig als Soldat für den zweiten Weltkrieg gemeldet hat. Bis heute weiß  niemand,  wann und wo er gestorben ist.

Mit Alfred Nobel im Gespräch

Bertha von Suttner hat als Pazifistin weltweit Anerkennung und Zuspruch erfahren. Sie hat zahlreich Schriften verfasst und weitere Romane geschrieben. In Paris lernte sie Alfred Nobel kennen, den sie anregte, zu seinem Nobelpreisen  auch noch einen Friedenspreis hinzuzufügen. 1905 wurde sie selbst damit ausgezeichnet. Sie starb in Wien am 21. Juni 1914, ein paar Tage bevor der Erste Weltkrieg ausbrach.

In Ihrem Roman „Die Waffen nieder“ lässt sie ihre Ich-Erzählerin in einem Gespräch sagen: „Der bewaffnete Friede ist keine Wohltat … und nicht lange soll uns der Krieg verhütet bleiben, sondern immer. Wenn man sich auf die Meerfahrt macht, soll die Zusicherung nicht genügen, dass das Schiff an keiner Klippe zerschelle. Dass die ganze Fahrt glücklich überstanden werde, danach wird der ehrliche Kapitän trachten.“

Der Volkstrauertag

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge  zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt und organisiert. Der Volksbund betreut heute im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von etwa 2,7 Millionen Kriegstoten auf über 832 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten. Er wird dabei unterstützt von mehr als einer Million Mitgliedern und Förderern sowie der Bundesregierung. Das Leitwort ist: Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden.

 

Frack und Lack und Claque

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Susanne Schnatmeyer, eine erfolgreiche Bloggerin, hat ihr zweites Nachschlagewerk über textile Redewendungen veröffentlicht. In der neuen Sammlung „Am Rockzipfel“ werden 400 Redensarten rund um Kleidung und Stoff erklärt.

Die meisten Redensarten in diesem hübschen kleinen Nachschlagewerk kennen wir alle. Sprachbilder aus dem Bereich der Kleidung und Stoffe sind allgegenwärtig und geben doch oft Rätsel auf. Wieso ist Jacke wie Hose? Wer nagt am Hungertuch und was haben Manschetten mit Muffensausen zu tun? Dieses Buch geht den Redensarten auf den Grund und stellt damit auch eine  Kulturgeschichte unserer Kleidungsstücke und textilen Gebrauchsgegenstände vor.

Es ist eine umfangreiche Ergänzung zu der ersten Sammlung „Verflixt & Zugenäht“, die 2015 erschienen ist. Auch in ihrem neuen  Buch beschreibt die Autorin genau, sachlich, verständlich und anregend, woher die Redewendungen kommen und was es mit jeder Redewendung auf sich hat. Eine spezielle Sammlung solcher Redewendungen fehlte bisher. Doch Susanne Schnatmeyer hat damit nicht nur eine Lücke in der Reihe der Nachschlagewerke geschlossen, sondern sie erinnert auch daran, welche Wertschätzung Textilherstellung früher gehabt hat.

Es ist wieder ein Buch für die ganze Familie geworden, für alle Generationen, für Mode- und Handarbeitsbegeisterte, Sprachliebhaber, Geschichtsfans, Textilberufe und – das habe ich gerade erfahren – auch für Frühstücksrunden und Kaffeekränzchen. Wer es verschenkt, braucht kein Muffensausen  zu haben, dass er damit Kinkerlitzchen überreicht. (Siehe Seiten 73 und 82).

Weitere Informationen findet man im Blog „Textile Geshichten“ auf einer Extraseite.

Am Rockzipfel  
Redensarten rund um
Kleidung und Stoff

Text + Illustration: Susanne Schnatmeyer
ISBN 978-3-00-052981-8
Auflage 1, November 2016, 160 Seiten, 15 Abbildungen
Maße 19 x 12 x 1,5 cm, Hardcover mit Lesebändchen

Ladenpreis 16 Euro

Erhältlich über:

  • Email an info@textilegeschichten.net (Büchersendung, Versandkosten in Deutschland 1 Euro)
  • Im Onlineshop Machwerk
  • Bestellung im Buchhandel (über das Verzeichnis lieferbarer Bücher kann jede Buchhandlung das Buch ordern)

http://textilegeschichten.net/edition/ Der Link zum Blog der Autorin.

 

 

Alltag in meiner Umgebung

Von Tag zu Tag – Fußball EM 2016 – Rabatt beim cker

Brot und Spiele.  Wer jetzt in Bremen in Beckmann´s Bäckerland Brot einkauft, bekommt einen besonderen Rabat: Für jedes Tor, das unsere Nationalmannschaft während der Europameisterschaft in Frankreich schießt, reduziert sich der Brotpreis  beim Bäcker Beckmann um 20 Cent. Zu meiner Überraschung habe ich daher gestern statt 3,90 € nur 3,30 € bezahlt. Und wenn ich schnell an diesem Wochenende das ganze Brot aufesse, reduziert sich der Preis Montag weiter. Wie heißt es so schön in seiner Homepage: 

Daumen drücken – jubeln – sparen !

Tor für Bäcker Beckmann !

Zuviel des Guten. Ich habe am Wochenende noch mehr eingekauft. Fünf Teile beim Marken-Discounter Netto. Dafür habe ich 3,09  bezahlt. Bekommen habe ich dafür:

250 Gramm Kerrygold Butter, einen Liter Frischmilch, 200 Gramm  saure Sahne, 250 Gramm Schmand und 200 Gramm Schlagsahne. Alles Milcherzeugnisse.

Das sind keine fairen Preise mehr! Mir ist es egal, wie der Milchpreis entstanden ist, ich finde es einfach unfair, wie man mit den Milchbauern  umgeht. Rund 3400 Höfe, knapp 5 Prozent, so wurde auf dem Deutschen Bauerntag letzte Woche in Hannover berichtet, haben im letzten Jahr ihren landwirtschaftlichen Betrieb aufgegeben.

Tagesspruch: Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Zu weit geflogen. Die beiden Jungen spielen im Park Fußball. Nah an meinem Garten. Irgendwann  klingelt es. Die beiden Jungen stehen vor der Tür. „Mein Ball ist in ihren Garten geflogen. Dürfen wir ihn suchen?“. Natürlich. Ich gucke mit, doch wir finden ihn nicht. „Du kannst mir ja deine Adresse geben“, schlage ich vor. „Ich melde mich, wenn ich den Ball finde.“ „Meine Eltern sind geschieden,“ erklärt der kleine Ballbesitzer, „ich sage ihnen die Adresse von meinem Vater. Da bin ich heute.“

Wie viel Kummer sich wohl hinter dieser Adresse verbirgt?

Jürgen. Die Einladung kam schon vor sechs Wochen: Am 7. Juli will Jürgen mit uns seinen 70. Geburtstag feiern. Am 7. Juli spielt bei der Fußball-EM Deutschland gegen Frankreich. Du lieber Himmel, was für ein Konflikt! Ich bin gespannt, wie Jürgen ihn lösen wird. Vielleicht kommt er aber auch gar nicht auf die Idee, seine Geburtstagsfeier dem Spiel im Halbfinale anzupassen, denn Jürgen ist ein Bildungsbürger. Fußball interessiert ihn nicht.

 

Zum zweiten Advent

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„….Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“

Das soll mein Motto für die Vorweihnachtszeit sein. Wie ich darauf gekommen bin? Durch´s Zeitungslesen, denn dadurch habe ich erfahren. dass Peter Sloterdijk das Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupery  neu übersetzt hat. Ein guter Grund, das kleine Buch wieder einmal  in die Hand zu nehmen und nach dem berühmten Satz zu suchen. Gefunden habe ich ihn  im 21. Kapitel, in dem ein Fuchs die Hauptrolle spielt. Er gibt dem kleine Prinzen diesen Rat  mit auf den Weg. Ein 3D-Animationsfilm dazu wird ab dem 10. Dezember in  den Kinos gezeigt.

 

Verflixt & Zugenäht

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150 Redewendungen – Gesammelt und erklärt

Susanne Schnatmeyer, eine erfolgreiche Bloggerin, hat ein Nachschlagewerk  über textile Redewendungen geschrieben. Zum ersten Mal nicht als Text in ihrem Blog „Textile Geschichten“, sondern als Buch. Verflixt &  Zugenäht“ hat sie ihre kleine, handliche,  schön eingebundene Enzyklopädie genannt.

Erklärt werden einem 150 Redensarten, in denen sich alles um Nähen, Schneidern, Spinnen und Weben, Garn und Bänder dreht. Die meisten sind von Generation zu Generation weiter benutzt worden.

Man kann die kleine Enzyklopädie auf zwei Arten nutzen: Man fängt einfach an zu lesen und liest – Kapitel für Kapitel – weiter, ohne alphabetische Reihenfolge. Und freut sich über die liebevoll und sorgfältig recherchierten Erklärungen. Wer rasch wissen möchte, was ein bestimmtes Sprichwort bedeutet oder woher es kommt, findet die passende Stelle über das Stichwortverzeichnis am Ende des Buches.

Aufgelockert werden  die Texte durch bunte Abbildungen von Stoffmustern  aus drei Jahrhunderten.

Auf eine weitere Möglichkeit, dieses kleine unterhaltsame Buch zu nutzen, möchte ich an dieser Stelle auch noch hinweisen: Man verschenkt es und hat damit  alle Fäden in der Hand, für gute Unterhaltung zu sorgen.

Verflixt und Zugenäht
Textile Redewendungen
gesammelt und erklärt

Edition Textile Geschichten, 2015
ISBN 978-3-00-050969-8
144 Seiten, 11 farbige Abbildungen
Maße ≈ 13 x 19 cm, Hardcover mit Lesebändchen. Preis 15 Euro

Erhältlich über:

  • Email an info@textilegeschichten.net (Büchersendung, Versandkosten in Deutschland 1 Euro)
  • Im Onlineshop Machwerk
  • Bestellung im Buchhandel (über das Verzeichnis lieferbarer Bücher kann jede Buchhandlung das Buch ordern)

http://textilegeschichten.net/edition/ Der Link zum Blog der Autorin. Am 26. Oktober berichtet sie darin, wie das Buch entstanden ist.

Wie waren wir doch damals lieb……

Meine Freundin Elke weiß, dass ich gern  schreibe und ständig nach Themen suche. Neulich hat sie  mir  ein  dünnes Heft in die Hand gedrückt. „Ist das nicht Stoff für dich? Der Inhalt passt zu unserem Thema ‚Wie es damals war‘. Das Heft wurde  in der Handelsschule an uns Mädchen verteilt.“

Und was sehe und lese ich auf dem blauen Umschlag?  Das halbe lächelnde Gesicht einer jungen Frau, ihren makellosen Körper in Gymnastikposen und eine griechische Schönheitsstatue.

Der Titel: „So gefällst Du mir…Gespräch mit einem jungen Mädchen über Schönheit und Gesundheit“.

Autor: Dr Heinz Graupner.

Ach nee. Bitte kein Gesülze aus den fünfziger Jahren. Daran war ich selbst beteiligt. Das „Gutmenschentum“ ist auch in  meinen Artikeln  in unserer Schülerzeitung heute noch deutlich herauszulesen. Aber gut. Ich verspreche eine Leseprobe zu machen. Die ist nun  fertig. Das ist meine Zusammenfassung:

In fast zwanzig Kapiteln (ohne Inhaltsverzeichnis) gibt Dr. Graupner einem jungen Mädchen Ratschläge für seine Schönheit und Gesundheit. Einen breiten Raum nimmt die Beschreibung des weiblichen Körpers ein. Der Autor erklärt genau, wie die Keimdrüsen arbeiten, er beschreibt den Weg des Eis in die Gebärmutter und erklärt die Regel, die entsteht, wenn das Ei sich nicht mit einer männlichen Keimzelle verschmelzen kann..

Über Sex wird an keiner Stelle geredet. Männer spielen keine Rolle. Dafür rät der Autor davon ab, zuviel Sport zu treiben. Rekordjagt hält er für ungesund. Dafür findet er, dass Gymnastik als die körperlich-seelische Grundschule der Frau gelten kann. Immer schön Zähneputzen ist auch wichtig. Hohe Absätze sind ungesund und Fußnägel rund schneiden ist  gefährlich…

So, das reicht. Ich komme zum Schluss und zitiere den letzten Absatz aus dieser freundlichen, harmlosen Schrift :

Heranreifende Mädchen stehen dem Rhythmus des fraulichen Lebens zunächst oft ratlos gegenüber. Deshalb sind sie dankbar für jede taktvolle Hilfe, die ihnen den gefahrlosen Weg zeigt über alle Hemmnisse gewisser Tage hinweg zur Lebensbejahung und Freude. Die millionenfach bewährte Camelia-Hygiene ist die sichere Brücke, um ihnen immer – ja auch dann – jene bezaubernde Unbekümmertheit zu bewahren, die Backfische zu so beneidenswerten Menschenkindern macht.“:

Ganz klar: So bescheiden – wie hier Camelia – macht heute niemand mehr Reklame für sich. Das ist alles heile Welt von Gestern.

Sorry, Elke, leider kein Thema, zu dem ich Lust habe. Buche es unter „Freundschaft“.

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Mädchenwelt in den fünfziger Jahren: Gymnastik ist gesund und macht schön…..

Aus dem besprochenen Heft.

Einladung zum „Tag der Komplimente“

Erster Termin:  24. Januar  2015 /  Zweiter Termin: 1. März 2015

Tatsächlich, das gibt es: Zwei Feiertage, an denen man seinen lieben Mitmenschen etwas Freundliches sagen sollte. Warum zwei Tage? Eine Antwort darauf habe ich nicht gefunden. Nur dies: Auf die Idee gekommen, solch einen Tag zu proklamieren, sind 1998  zwei US-Amerikanerinnen. Sie haben dafür den 24. Januar bestimmt. Das zweite Datum tauchte 2003 in Europa auf und wurde zum „World Compliment Day“ erklärt. Das ergibt natürlich einen schönen Spielraum, um diese Tage gut zu nutzen. Mein Vorschlag: Den 24. Januar nehmen wir als Übungstag, damit wir am 1. März (noch fünf Wochen bis dahin), für jeden lieben Menschen, der uns über den Weg läuft, das passende Kompliment auf der Zunge  haben.

Wer bis hier gelesen hat (Kompliment!), fragt sich jetzt vielleicht auch, wie man Kompliment am besten erklärt? Die ausführlichste Antwort habe ich im 5. Band in Meyers Konversations-Lexikon von 1895 gefunden. Dort heißt es:

Komplimént (franz. comliment, spr.kongplimäng), eine höfliche Ausdrucksweise in Rede oder Schrift, um jemand seine Achtung, Verehrung oder Teilnahme zu bezeugen oder überhaupt etwas Schmeichelhaftes und Angenehmes zu sagen. Die Form des Kompliments wechselte nach Zeit und Nationalität. Seit Ludwig XIV. (1643-1715) hat besonders Frankreich für den größten Teil Europas den Ton angegeben…..

Ein Kompliment wird also nicht nur so dahin gesagt, sondern man kann es auch schriftlich äußern. Ein feiner Platz dafür ist ein Gästebuch. In unserem finden sich ein paar hübsche Beispiele. Mein schönstes Kompilment stammt von drei Makah-Indianern aus den USA. Sie haben am 19. September 1996 geschrieben…..

Helga, thank you so very much for our visit of your home. You are a very kind heartet Lady. May God bless you always.

Die jungen Leute waren auf Einladung von UNICEF nach Bremen gekommen. Ich habe ihnen im Heimatmuseum Schloss Schönebeck gezeigt, wie bis in das 19. Jahrhundert Walfang von der Weser aus betrieben wurde, denn auch ihre Vorfahren haben vom Walfang gelebt. Anschließend waren wir bei mir zu Hause.

Nun zurück zu meiner Einladung, den Tag der Komplimente auszuprobieren. Dafür zum Schluss ein paar Vorschläge:

Alltagstauglich finde ich diese Komplimente: Sie werden von Mal zu Mal jünger……Ich bewundere Sie, wie Sie Ihr Leben gemeistert haben….Sie können stolz auf ihre Kinder sein…….Sie sehen bezaubernd aus…..Ihre Kondition möchte ich haben…

Kein Kompliment für Seniorinnen: Junge Frau, was wünschen Sie?…..

Ab hier sind der Phantasie keine Grenzen mehr gesetzt. Aber wem sage ich das? Senioren wissen meist, wie sie Damen mit ihren Artigkeiten und Schmeicheleien erfreuen, doch sei ihnen an dieser Stelle gesagt, dass alte Damen sich auch noch darüber freuen .

Einen großen Vorteil haben diese beiden kuriosen Feirtage übrigens auch noch: Sie kosten nix! Passende Geschenke werden noch nicht angeboten.

Ein Sonntag ohne Langeweile

Ein Frühschoppen –  Zwei Ausstellungen –  Ich war schnell zu Fuß

Ich war am letzten Sonntag im Januar zu einem Neujahrsfrühschoppen und zu zwei Ausstellungseröffnungen eingeladen. Weil alle drei Veranstaltungen am Vormittag stattfanden, musste ich schnell sein, zum einen zu Fuß, zum anderen mit den Augen. Hier mein kleines Mitbringsel:

Fotos und Bilder in den Ausstellungen hatten zum Teil keine Titel, sondern wurden mit Zitaten von Rainer Marie Rilke und Manfred Hausmann erklärt. Ein Zitat von Rainer Maria Rilke unter einem Foto hat mir besonders gefallen. Das passende Foto kann ich hier nicht zeigen, aber eins aus  meinem Vorrat. Ich finde, es hat Rilke auch verdient.

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Rainer Maria Rilke schreibt:…“Es scheint immer wieder, dass die Natur nichts davon weiß, dass wir sie bebauen und  uns  eines  kleinen Teiles  ihrer  Kräfte  ängstlich bedienen. Wir steigern in manchen Teilen ihre Fruchtbarkeit und ersticken an anderen Stellen mit dem Pflaster unserer Städte wundervolle Frühlinge….“

Zuhause habe ich nach der Stelle mit dem Zitat gesucht, und es in dem kleinen Rilke-Band  „ Monographie einer Landschaft und ihrer Maler“ gefunden.

Beim Neujahrsfrühschoppen hat man mir ein schönes Zitat von Wilhelm von Humboldt ( 1767-1835) mit auf den Weg gegeben:

Im Grunde sind es immer

 die Verbindungen der Menschen, die dem Leben einen Wert geben.

Was dieser Gelehrte vor rund zweihundert Jahren notiert hat, habe ich an diesem Sontagmorgen auch  erfahren, denn ich habe Bekannte getroffen, und wir haben uns gefreut, dass wir uns wieder eimal zu Gesicht bekamen. Wir haben uns vorgenommen, uns auch weiter unter das Publikum zu mischen. Auch wenn wir schon bald zu den richtig Alten gehören werden.

PS: Das war fast die ganze Beute.  Übrig ist noch der Satz: „Ich liebe das Leben, auch wenn es mich umbringt“.  Gesagt hat ihn Danny Crane, Darsteller in der Anwaltsserie „Boston Legal“. Ich habe von beiden noch nie gehört. Doch der Satz gefällt mir.  Ein Redner hat ihn an diesem Sonntagmorgen zitiert.

Martin Luther und Theodor Adorno

 Gottesdienst am Reformationstag im Bremer Dom – Ein Zitat und die Folgen

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Reformationstag 2013. Gedenktag der Protestanten an Martin Luther (1483-1546) und seinen Thesenanschlag am 31. Oktober 1517. Ich will erfahren, wie die Kirche den Tag feiert und habe mir dazu den Abendgottesdienst im Bremer Dom ausgesucht.

Die Ostkrypta ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Alle Besucher haben am Eingang ein Programm erhalten, darin stehen auch die Texte aus Bibel und Gesangbuch, die die Gemeinde mitsingen und mitsprechen soll. Die Pastorin bezieht sich in ihrer Predigt auf Jesaja 62, 6-7, 10-12. Dieser Text aus dem Alten Testament wird gern für die Predigt zum Reformationstag genommen. Ich höre aufmerksam zu. Doch von Martin Luther und seinem Leben ist nicht die Rede. Stattdessen zitiert die Pastorin Theodor W. Adorno: „Nur wenn das, was ist, zu ändern ist, ist das was ist, nicht alles“ und lässt damit ihre Predigt enden.

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Mein Lutherbild

Adorno war gewiss nicht gottesfürchtig. Doch sein Gedanke gefällt mir. Ich bin ihm gefolgt und habe mir allein ein Lutherbild zusammengestellt. Dazu habe ich im Internet und in meinem Bücherschrank gesucht. Was mir dabei schnell aufgefallen ist: Luther hat  eine bewundernswerte Frau gehabt. Sie war selbstbewusst, tatkräftig und selbstständig. Über sie habe ich mich auch Martin Luther genähert. 

Mann und Weib sollen sich liebhaben 

Katharina Luther, geborene von Bora (1499-1552), konnte lesen und schreiben und hat ihren Haushalt mit sechs Kindern und vielen Gästen wie einen modernen Wirtschaftsbetrieb geführt. Luther spielte dabei anscheinend nur eine Nebenrolle und konnte seine eigenen Wege gehen. Dabei müssen sie eine gute Ehe geführt haben. Luther nennt seine Frau in Briefen an sie „Mein Liebchen“, „mein Morgenstern zu Wittenberg“ oder „mein Herr Käthe“. Eine gute Ehe war für ihn, wenn „sich Mann und Weib liebhaben, eines sind, eins das andere versorgt…“ Katharina wird auch furchtlos gewesen sein, denn als sie Martin Luther 1525 heiratet, ist er für die Kirche ein Ketzer und mit der Reichsacht (vogelfrei zum Töten) belegt.

Als Witwe kein Sorgerecht 

Nur an ihrem Ende, als Witwe, musste ich Katharina Luther wieder den mittelalterlichen Standesvorstellungen fügen. Sie geriet in finanzielle Schwierigkeiten, weil man das Testament ihres Mannes nicht anerkennen wollte. Man bestritt ihr auch das Sorgerecht für ihre Kinder.

Sein Lied 

Im Reformationsgottesdienst im Dom hat Martin Luther am Ende aber doch noch das Wort erhalten, denn wir haben zusammen sein Lied „Ein feste Burg ist unser Gott,/ ein gute Wehr und Waffen…“ gesungen. Auch eines der schönsten Glaubenslieder von Paul Gerhard „Ist Gott für mich …“ stand im Programm und von Klaus Peter Hertzsch das Lied „Vertraut den neuen Wegen“, das er 1989 für eine Trauung geschrieben hat.

 Meine Quellen waren Zufallsfunde im Internet. In meinem Bücherschrank habe ich „Familienleben in Deutschland“ von Barbara Beuys, gefunden. 1980 bei Rowohlt erschienen. Ein spannendes Buch. Zum Text Jesaja 62, 6-7, 10-12 findet man übrigens eine große Anzahl von Predigten im Internet.