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Archiv für die Kategorie ‘Waschmaschine’

Vor 40 Jahren habe ich mein Leben umgestellt

1972 erschien die Studie „Grenzen des Wachstums“. Der Club of Rom witterte den Weltuntergang. Ich glaubte dem Club und änderte mein Leben /  Verschwendung damals und Verschwendung heute

Durchgelesen habe ich das Buch nicht. Vielleicht ein paar Seiten überflogen. Dafür war die Aufregung in der Presse groß genug. Auch ohne das Buch gelesen zu haben, wusste man nun: Die Rohstoffvorräte sind begrenzt. Und das hat Folgen, denn wenn die Menschheit weiter so wächst ,  stößt sie noch in meinem Leben an ihre Grenzen, sie verhungert oder führt Krieg. 

 So sparten wir in der Familie

Wirtschaft und Politik lehrten uns, sparsamer mit Energie umzugehen. Die Heizöl- und Benzinpreise stiegen. Wir wohnten in einem alten Haus mit hohen Wänden und mussten als Familie mit drei kleinen Kindern lernen, dass nicht mehr jeder Raum kuschelig warm war. Es gab im großen Flur keine Heizung, also lernten wir alle, im Winter die Türen zu den warmen Räumen zu schließen.

 Als Kriegskind ist es mir auch nicht schwergefallen, weiter sparsam zu wirtschaften: Äpfel aus dem Garten wurden zu Apfelmus gekocht und eingeweckt ( 43 Gläser war der Rekord). Als 1975 in den Supermärkten Geld für Plastiktüten verlangt wurde, nahm ich wieder meinen Einkaufskorb mit. Meinen Elektrogeräten, die den Geist aufgaben, jammerte ich nicht lange hinterher, denn die neuen waren alle sparsamer im Energieverbrauch. Bögen mit Pressemitteilungen waren in der Regel nur von einer Seite bechrieben. Ich hob sie auf und benutzte sie als Notizzettel.

Schule und Sportplatz waren in der Nähe

Ich fuhr ein kleines Auto. Die Kinder gingen zu Fuß oder fuhren mit dem Rad zur Schule. Auch ihre Freunde wohnten in der Nähe.  Der Sportplatz mit Tennisanlage lag gleich hinter dem Garten. Das erlaubte uns ein energiesparsames Leben. Beides ging so Hand in Hand: Wir halfen, Ressourcen zu sparen, weil dafür mehr Geld im Portemonaie blieb.

Heute wohne ich immer noch mitten in der Stadt. Ich habe kein Auto mehr. Aber ich verbrauche mehr Strom, weil meine alten Augen zum Sehen mehr Licht brauchen. Und ich benutze den Fahhrstuhl im Haus, weil er sicherer ist.

Sparsam und verschwenderisch

Und was tun die Generationen nach mir? Sie bekommen vieles frei Haus geliefert:  energiesparsame Haushaltsgeräte, Autos mit wenig Benzinverbrauch, Wäsche, die kaum noch gebügelt werden muß. Doch dafür fliegt man heute für 70 Euro nach Spanien und schadet (ohne Reue?) damit der Umwelt. Die Kinder werden überall hin mit dem Auto gefahren. Jedes Kleidungsstück wird  nach kurzem Tragen gewaschen und Joghurt und Milch werden aussortiert, wenn das Verfallsdatum überschritten ist.

Das halte ich alles aus. Doch dieses nicht: Ich wollte mir eine neue Espressomaschine kaufen. Wie meine alte, wollte ich auch weiter den Kaffee einfüllen. Doch diese Maschine gab es nicht mehr. Statt dessen nur noch solche, die mit Töpfchen gefüllt werden, durch die das heiße Wasser läuft. Reine Ressourcenverschwendung!

Bereit für sieben Tassen Kaffee

Diese Maschine nehme  ich den Konstrukteuren und  dem Hersteller übel, denn sie zwingen mich, die Kapseln zu kaufen, die nach Gebrauch weggeworfen werden müssen! Doch jetzt verrate ich ein kleines Gemeinis: Ich fülle die Kapseln wieder auf.

Das Buch „Grenzen des Wachstums“ habe ich schon vor ein paar Jahren in den Papierkorb geworfen. Ich glaube nicht mehr an die Apokalypse Now. Nie wieder werde ich das tun! Statt dessen glaube ich weiter an den gesunden Menschenverstand, der dafür sorgen wird, dass die Grenzen für Wachstum nie geschlossen werden.

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Meine neue Waschmaschine

Kann man sich, wenn man alt ist, mehr freuen? Dieser Gedanke kam mir, als ich meine neue Waschmaschine in Betrieb nahm. Die bietet mir jetzt an, was ich vor 40 Jahren so gerne genutzt habe: Damals konnte ich die Maschine, während sie schon lief, einfach öffnen, sodass ich Wäsche nachfüllen oder auch zwischendurch herausnehmen konnte. Außerdem konnte ich, weil die Schleuder extra stand, mit der Pedale selbst bestimmen, wie lange die Wäsche geschleudert werden sollte. Beide Maschinen gaben irgendwann ihren Geist auf. Nun gab es nur noch Maschinen, die alles in einem Gehäuse erledigten. Und ohne Wahlmöglichkeit für mich! Ich durfte nur ein paar Knöpfe bedienen. Mitdenken war nicht eingeplant.

Doch nun ist wieder es wieder möglich! Meine neue Maschine kann in vier verschiedenen Geschwindigkeiten schleudern. Und der Clou: Ich kann wieder Wäsche nachlegen, während die Maschine läuft! Dazu brauche ich nur auf einen Knopf zu drücken und schon kommt die Antwort: Yes oder No. Ein bisschen Englisch muß man also können.

Verstehen Sie nun, warum ich denke, dass man sich im Alter manchmal mehr freuen kann? Denn welche junge Frau weiß, dass es früher Waschmaschinen gab, die man nachfüllen konnte? Nein, die denkt sicher, dass sich das die Ingenieure gerade ausgedacht haben. Vielleicht wird sie es gar nicht nutzen. Ich nutze diesen schönen Knopf übrigens jetzt auch als Kontrollknopf. Sagt er „No“ heißt das, dass die Maschine voll ist. Das richtige Beladen der Maschine beherrsche ich nämlich immer noch nicht.

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