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Archiv für die Kategorie ‘Suchdienst’

Mein Erinnern an die Trauer um einen Soldaten

Mein Ausflug zum Blog “ Mädchenmannschaft“ endet mit einer Trigger-Warnung – Haben tote Soldaten keine Trauer verdient?

Die „Mädchenmannschaft“ hat vor einiger Zeit bei mir angefragt, ob sie etwas über meinen Blog veröffentlichen dürfen. Dann sollte ich einen Fragebogen beantworten. Das habe ich getan und der Fragebogen und der Link zu meinem Blog wurden kurz nach Weihnachten auch veröffentlicht. Dazu kam fast gleichzeitig ein Kommentar, in dem es u.a. hieß:  “ In dem Beitrag wird mit keinem Wort erwähnt, dass der Vermisste/“Gefallene“  der Wehrmacht des nationalsozialistischen Deutschland angehörte. Vielleicht nicht ganz nebensächlich.“

Darauf kam dann von der Redaktion die Triggerwarnung zu diesem Artikel.

 

Was „Triggerwarnung“ bedeutet? Bei Wikipediader, der freien Enzyklopädie, steht diese Erklärung:

Mit dem Begriff Triggerwarnung bezeichnet man in Internetforen, die der Selbsthilfe beiposttraumatischen Belastungsstörungen dienen, einen Warnhinweis auf mögliche Auslösereize (Auslöser, engl. trigger).Ein solcher Auslöser kann beispielsweise die Schilderung eines sexuellen Missbrauchs sein. Bei Personen, die selbst Opfer eines Missbrauchs geworden sind, können dadurch starke …..

Daraufhin habe ich die Redaktion aufgefordert, das Interview und den Link zu meinem Blog zu entfernen Ich nehme an, dass dieser Frauenklüngel richtig aufgeatmet hat. Mich Oma sind sie schnell los geworden.

Nun folgt mein Text, für den ich

im Blog „Mädchenmannschaft“ die Triggerwarnung bekommen habe.

 

Volkstrauertag

Beinahe hätte ich diesen Tag vergessen. Dabei hat meine Mutter mir vorgelebt, dass der Volkstrauertag in unserer Familie eine Bedeutung hat: Sie stand immer mit am Denkmal für die gefallenen Soldaten des zweiten Weltkrieges, wenn dort Kränze niedergelegt wurden und ein Posaunenchor spielte. Sie stand da für ihren Bruder Heinz Bormann, der in Polen im zweiten Weltkrieg vermutlich gefallen ist.

Meine Mutter lebt nicht mehr. Und ich habe mich nur einmal an ihrer Stelle auf den Weg gemacht. Trotzdem ist Heinz Bormann nicht ganz vergessen. Ich kann mich immer noch lebhaft daran erinnern, dass er mit mir als Kind über die Gartenforte gesprungen ist. Und in meinem Besitz sind auch seine rund 80 Feldpostbriefe an seine Eltern. Briefe in einer Schrift, die fast unleserlich ist. 2009 hat eine seiner Großnichten die Briefe entziffert. Der letzte ist vom 17. Januar 1945. Darin schreibt er: „Vielleicht ist die Ungewissheit des Vermisstwerdens schlimmer als die Gewissheit des Todes.“

Er gehört zu den vermissten Soldaten. Seine Eltern und seine Schwester haben über 30 Jahre keine Antwort darauf bekommen, wie und wann er gestorben ist. Erst 1977 heißt es im Gutachten des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes:

„Heinz Bormann ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen dem 14. Januar und dem 20. Februar 1945 während des Rückzugs von Warschau… gefallen.“

Die Großnichte hat weiter geforscht. Sie hat festgestellt, dass in dem Gutachten die Beschreibung der Kampfhandlungen „ Standardformulierungen sind, wie sie in vielen Gutachten dieser Zeit verwendet wurden..“

2008 teilt das deutsche Rote Kreuz, Suchdienst München, mir mit, dass „auch die inzwischen aus Moskau übermittelten Daten der in den Lagern der ehemaligen Sowjetunion verstorbenen Zivil- und Kriegsgefangenen nichts Neues ergeben.“ 

Heinz Bormann wäre heute, am 15. November 2011,  92 Jahre alt geworden.

Die Triggerwarnung hat der Artikel vermutlich bekommen, weil ich ein Foto von Heinz Bormann in Uniform veröffentlicht habe. Ich habe daher das Foto gelöscht.

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