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Archiv für die Kategorie ‘Senioren’

Mühevoller Weg zum Arzt

Barrierefrei? –   Nicht überall  –  Was ich erlebt habe

Meine Freundin Elke ist krank. Sie leidet an Morbus Parkinson. Ihr Gang ist unsicher. Hinsetzen und Aufstehen gelingt ihr nur, wenn ihr jemand dabei hilft. Sie lebt in einem Altenheim auf der Pflegestation . Sie hat ihr eigenes Apartment. Morgens und abends wird ihr beim Aufstehen und zu Bett gehen geholfen. Langsam kann sie sich auch frei mit ihrem Rollator bewegen. Alles andere, zum Einkaufen gehen oder mit dem Bus fahren, kann sie nur noch mit Hilfe anderer bewerkstelligen. Gestern bin ich mit ihr beim Augenarzt gewesen und habe hautnah erlebt, was es heißt, wenn man auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Doch der Reihe nach:

Im Seniorenheim hatte man einen Termin beim  Augenarzt vereinbart. Morgens um 10 Uhr. Ich war um 9 Uhr zur Stelle. Meine Freundin stand schon mit ihrem Rollator an der Tür. Eine Schwester überreichte uns die Tabletten,  die meine Freundin jeden Morgen um 10 Uhr einnehmen muss. Wasser zum Nachspülen würden wir bim Arzt bekommen, wurden uns versichert.

Das Taxi ließ  nicht lange auf sich warten. Der Taxifahrer war ein freundlicher Mann. Er setzte meine Freundin mit gekonnten Griff in sein Auto und verstaute auch den Rollator. Er kannte den Weg zum Arzt genau. Doch vor der Tür absetzen konnte er uns nicht. Der Eingang zum Ärztehaus lag in einer Fußgängerzone. Im Ärztehaus musste meine Freundin fünf Stufen überwinden, um in den Fahrstuhl zu kommen. Gemeinsam schafften wir das. Doch der Fahrstuhl war so eng, dass meine Freundin nur mit ihrem Rollator darin Platz hatte. Ich hastete also in den dritten Stock und war (jaha) genauso schnell wie der Fahrstuhl oben.

Nach einer Stunde Wartezeit war der Arztbesuch beendet. Gestört hat mich, dass in dieser Praxis auf die Behinderung meiner Freundin keine Rücksicht genommen wurde. Sie musste viel zu oft den Stuhl wechseln (was ihr schwerfällt) und die Wartezeit war auch eine Qual für sie.

Mein Fazit:

Behindertenfreundlich war man in dieser Arztpraxis nicht. Ich bin der Meinung, dass ein behinderter Patient Anspruch auf einen bequemen Platz hat und zum bestellten Termin behandelt  wird. Auch das Treppenhaus zu den Praxen erfüllt nicht mehr alle Ansprüche, die heute an eine behindertenfreundliche Umgebung gestellt werden.

Vorbildlich war der Taxifahrer. Er hat meiner Freundin beim Einsteigen geholfen, den Rollator eingeladen und zum Aussteigen wieder für sie bereit gestellt.

 

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Alltag in meiner Umgebung

Von Tag zu Tag – Fußball EM 2016 – Rabatt beim cker

Brot und Spiele.  Wer jetzt in Bremen in Beckmann´s Bäckerland Brot einkauft, bekommt einen besonderen Rabat: Für jedes Tor, das unsere Nationalmannschaft während der Europameisterschaft in Frankreich schießt, reduziert sich der Brotpreis  beim Bäcker Beckmann um 20 Cent. Zu meiner Überraschung habe ich daher gestern statt 3,90 € nur 3,30 € bezahlt. Und wenn ich schnell an diesem Wochenende das ganze Brot aufesse, reduziert sich der Preis Montag weiter. Wie heißt es so schön in seiner Homepage: 

Daumen drücken – jubeln – sparen !

Tor für Bäcker Beckmann !

Zuviel des Guten. Ich habe am Wochenende noch mehr eingekauft. Fünf Teile beim Marken-Discounter Netto. Dafür habe ich 3,09  bezahlt. Bekommen habe ich dafür:

250 Gramm Kerrygold Butter, einen Liter Frischmilch, 200 Gramm  saure Sahne, 250 Gramm Schmand und 200 Gramm Schlagsahne. Alles Milcherzeugnisse.

Das sind keine fairen Preise mehr! Mir ist es egal, wie der Milchpreis entstanden ist, ich finde es einfach unfair, wie man mit den Milchbauern  umgeht. Rund 3400 Höfe, knapp 5 Prozent, so wurde auf dem Deutschen Bauerntag letzte Woche in Hannover berichtet, haben im letzten Jahr ihren landwirtschaftlichen Betrieb aufgegeben.

Tagesspruch: Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Zu weit geflogen. Die beiden Jungen spielen im Park Fußball. Nah an meinem Garten. Irgendwann  klingelt es. Die beiden Jungen stehen vor der Tür. „Mein Ball ist in ihren Garten geflogen. Dürfen wir ihn suchen?“. Natürlich. Ich gucke mit, doch wir finden ihn nicht. „Du kannst mir ja deine Adresse geben“, schlage ich vor. „Ich melde mich, wenn ich den Ball finde.“ „Meine Eltern sind geschieden,“ erklärt der kleine Ballbesitzer, „ich sage ihnen die Adresse von meinem Vater. Da bin ich heute.“

Wie viel Kummer sich wohl hinter dieser Adresse verbirgt?

Jürgen. Die Einladung kam schon vor sechs Wochen: Am 7. Juli will Jürgen mit uns seinen 70. Geburtstag feiern. Am 7. Juli spielt bei der Fußball-EM Deutschland gegen Frankreich. Du lieber Himmel, was für ein Konflikt! Ich bin gespannt, wie Jürgen ihn lösen wird. Vielleicht kommt er aber auch gar nicht auf die Idee, seine Geburtstagsfeier dem Spiel im Halbfinale anzupassen, denn Jürgen ist ein Bildungsbürger. Fußball interessiert ihn nicht.

 

Haus ohne Zeitung

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Das war meine Zeitungslektüre, als feststand, dass die Briten nicht in der EU bleiben wollen. Meine Freundin informierte sich anders.

Ich habe meine Freundin in Berlin besucht. Wir haben ein gemeinsames Hobby: Wir lesen jeden Tag gründlich Zeitung. Doch diesmal war alles anders: Meine Freundin hat alle Zeitungsabonnements gekündigt. Zeitungsstapel gibt es bei ihr nicht mehr. Sie informiert sich nur noch am Computer. „Jetzt kann ich selbst entscheiden, wann ich meine Zeitung lesen will. Und weltweit kann ich mir zusätzlich Informationen holen“, schwärmt sie. Und tatsächlich, morgens um acht am Frühstückstisch, als ich einen ersten Blick  in den Berliner Tagesspiegel werfe, ist sie schon bestens informiert: Sie weiß, was der Daily Telegraph zum Brexit sagt, welche Meinung die Journalisten in New York zum Veto der Briten haben und hat natürlich auch die deutschen überregionalen  Tageszeitungen auf ihrem Computer gelesen .

Ich bin noch lange nicht so weit und erst einmal froh, dass ich den Tagesspiegel und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung beim Bäcker kaufen konnte. Meine Freundin hat im Bett bequem vom Computer gelesen. Ich muss aufpassen, dass die großen Zeitungsblätter nicht auf mein Marmeladenbrötchen fallen. Doch ich bekomme Seite für Seite vorgelegt, was den Autoren zum Thema „Brexit“ eingefallen ist. Meine Freundin hat diesen Service nicht. Sie muss selbst die richtigen Fragen stellen  und recherchieren. Doch weiß sie am Ende,  ob sie ihren Quellen trauen kann?

Diese Skepsis kennt meine Freundin nicht.  Beide ahnen wir,  dass der bunte Zeitungsmarkt sich ändern wird. Gehöre ich dann zu den Verlierern? „Nein“, sagt meine Freundin. „Nur deine Gewohnheiten ändern sich. Du wünscht dir was und der Computer bedient dich. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Keine Zeitung bleibt mehr  in deinem Marmeladenbrötchen hängen oder verstopft dir die Abfalltonne.“

 

Fit wie ein Turnschuh – Im Fitnessstudio

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Dies ist ein Erfahrungsbericht. Kann aber auch als Empfehlung gelesen werden. Als Empfehlung für Senioren, regelmäßig Sport zu treiben.

              Halt

Nicht aufhören zu lesen. Ich beschreibe nämlich nur, warum ich seit fast 25 Jahren regelmäßig in ein Fitnessstudio gehe und wie ich dadurch (fast) gesund, beweglich und munter alt geworden bin. 

Begonnen hat alles, als meine Freundinnen und ich anfingen, fünfzig Jahre alt zu werden. Tennisspielen war manchmal schon beschwerlich, so kamen einige auf die Idee, in einen Golfklub einzutreten. Ich nicht. Ich wählte stattdessen einen Schnupperkursus in einem Fitnessstudio und ließ mir Bodybuilding für Frauen zeigen. Ich fand es reizvoll, dass ich dort meine Übungen machen konnte, wann ich wollte. Ohne Termin und Partner oder Partnerin. Und mit Hilfe von Bodybuilding sollte ich auch noch einen schöneren Körper bekommen. (Die Verheißung hat sich nicht erfüllt.)

Leider mochte mir niemand in  die „Muckibude“ folgen und dabei ist es bis heute geblieben.

Dafür habe ich eine Menge neuer Leute kennengelernt. Die meisten sind berufstätig und erinnern mich an die Welt draußen, zu der ich  keinen Zutritt mehr habe. Für sie wird das Studio ständig erweitert und verbessert. Die Auswahl der Geräte wird immer vielfältiger und die Bedienung einfacher. Jetzt stehen – zum Beispiel –  die sieben Geräte, die zum Zirkeltraining gehören, in einem Kreis. Ich habe meinen persönlichen Schlüssel und kann damit jedes Gerät aufrufen, alles passend für mich einzurichten. Präzise wird gemessen, wieviel Kraft ich aufgewendet habe und wieviel es beim Mal davor war. Nur lesen muss man können. So wurde ich gestern zum ersten Mal gefragt, ob ich an das Aufwärmen an einem Ausdauergerät gedacht habe? Hatte ich. Ich war 30 Minuten auf einem Fahrrad unterwegs. Fünf standen dafür zur Auswahl. Früher war das Laufband mein Lieblingsgerät. Doch inzwischen sitze ich lieber auf einem Fahrradsattel und lasse mich beim Treten vom Computerprogramm über Berg und Tal führen.

Das Beste zum Schluss  

Fröhlich im Rudel kann man in diesem Fitnessstudio auch  sein. Inzwischen werden nämlich zwölf verschiedene  Gymnastikkurse angeboten. An allen kann man ohne Voranmeldung teilnehmen. Angefangen habe ich mit Aerobic , als ich ( 60+) beim rasanten Rhythmus nicht mehr mithalten konnte, bin ich zur gerade populären  Zumba Fitness gewechselt. Auch in diesem Kursus mußte ich mich bald geschlagen gegeben. Zu schnelle Bewegungen. Danach versuchte ich es mit Pilates, einem Übungsprogramm auf der Matte. Ohne heiße Rhythmen, dafür  ruhig und besonnen. In diesen Kursus gehe ich bis heute und wenn ich mich manchmal verstohlen umschaue, stelle ich voller Vergnügen fest, dass es Jüngere um mich herum gibt, die ihre Beine auch nicht besser kreisen lassen können als ich.

Gibt es noch etwas, dass ich gerne probieren möchte? Im Augenblick nicht. Doch da wartet noch ein Kursus auf mich:  Fit bis 100,  immer freitags um zehn.

Noch nichts für mich, denn freitags mache ich meine Wohnung sauber.

 

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Diese Tafel am Fahrrad zeigt mir genau an, wie weit ich im Training bin: Schweregrad 4, Berg- und Talfahrt, 63,1 Kilokalorien verbraucht, Zeit: 48 Sekunden, sehr korrekt, denn die Uhr zeigt an, dass meine Trainingszeit in 48 Sekunden vorbei ist.

Die Fotos durfte ich um Club Sportiv machen. http://www.ulc-fitness.de

„Punkt 11“ – Immer sonnabends um 11 Uhr

 Autoren und Autorinnen lesen vor

 

In der Stadtbibliothek Bremen kann man nicht nur Bücher ausleihen. Dort gibt man auch Literaturschaffenden aus der Region ein Forum. Ein gutes Beispiel ist dafür die Reihe „Punkt 11“. Immer sonnabends. Immer um 11 Uhr in der Stadtbibliothek Bremen-Vegesack.

Ich habe dort  der Bremerin Irmtraud Hansemann zugehört. Sie las eigene Lyrik und Prosa unter dem Titel „Ganz  nah am Alltag“  vor. Mit überraschenden Einsichten und feinem Humor bewies sie,  dass ihr Alltag unser aller Alltag ist.

Ihre Geschichten und Gedichte hat sie bereits in einem kleinen Band veröffentlicht, dazu im Hebus-Verlag Cartoons und  den Roman „Die Begleiterin“. Während ihrer Stunde für die Literatur führte Irmtraud Hansemann ihre Zuhörer und Zuhörerinnen zum Beispiel in ein Kaffeehaus, auf einen  Friedhof, erfand den Herr der Ringe neu und beschrieb, wie sie an einer Supermarktkasse betrogen wurde. Notiert habe ich mir diese Sätze: …Auch ewige Jugend geht vorbei…,Rohstoff für Literatur blüht im Alltag…Wird Sehnsucht erwachsen, wenn ich sie stille?…

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Irmtraud Hansemann hat die Lesung gehalten, obwohl sie an Parkinson erkrankt ist. Seit 1990 wird ihr Leben von der Krankheit bestimmt. In einem Flyer schildert sie das so: …Lebensqualität- Eigenbestimmung- genau die ist mir genommen. Ich kann nicht mehr über meinen Körper bestimmen. Spontanität, Zukunftspläne, Entwicklungen!  Wünsche reduzieren sich auf die genau berechnete Medikamenteneinnahme. Ich richte mich nicht mehr nach der Uhr, sondern nach meinen „on/off-Zeiten“. „Off“ heißt Fegefeuer aus Starre und Krampf. „On“ heißt: In  genau zugeteilter Zeit so bewusst wie möglich aktiv zu leben.“

An diesem Morgen wurde ihr mit herzlichem Beifall gedankt.

Alle Informationen zu den Lesungen bekommt man unter : http://www.stabi-hb.de/Veranstaltungen-Punkt-11. Der Eintritt ist frei.

Am Donnerstag, 11. Februar, 18.30 Uhr, hat Irmtraud Hansemann ihren nächsten Termin:

In der Bremer Zentralbibliothek/Kriminalbibliothek trifft sich die Gruppe WORTLAUT. Irmtraud Hansemann, Heide Marie Voigt, Hanna Scotti, Eberhard Pfleiderer und Jens-Ulrich Davids lesen Texte zum Thema „Flaschenpost“. Eintritt frei.

Was bedeutet „Seniorenalltag“ ?

Ich bin eine Seniorin (70+). Ich schreibe für diesen Blog  Kleine Brise aus Bremen.  Ich wollte mit diesem Blog einen Einblick in mein Seniorenleben geben, doch ich stelle fest, dass ich wenig über Dinge berichte, die nur im Seniorenalltag passieren. Mein Alltag ist weiter mein Alltag, so wie er sich fügte, nachdem ich meinen sechzigsten Geburtstag gefeiert hatte: Die Kinder waren  aus dem Haus und ich konnte mich neu einrichten. Aber mein Alltag zeigt nun doch  gewisse Einschränkungen. Was  mir beim Nachdenken über dieses Thema eingefallen ist, folgt hier:

  • Beim Fernsehen benutze ich jetzt Kopfhörer, denn die Schauspieler verstehe ich oft schlecht.
  • Das Licht im Badezimmer habe ich mit einer neuen Lampe heller werden lassen.
  • Saubermachen dauert jetzt länger als früher.
  • Alles, was gerade als „neue Mode“ vorgestellt wird, habe ich bereits im Schrank oder früher schon getragen..
  • Eine schwere Erkrankung hat mir das Schicksal bis jetzt erspart. Meine Medikamente bezahlt die Kasse anstandslos
  • Meine Haare sind nicht mehr strohig, sondern leicht gewellt.
  • Im Fitnessstudio kann ich alle Geräte bedienen.
  • Gute Laune bekomme ich, wenn ich nicht zu kochen brauche, weil es genug Fertiggerichte zum Auswählen gibt.
  •  Bügeln ist einfacher geworden . Schuhe putzen auch.
  • Romane lese ich nicht mehr. Ich habe keine Lust mehr, mich in fremdes Leben einzufühlen.
  • Meine Freundin ist kleiner geworden, Sie schaut jetzt zu mir auf. „Du schrumpfst auch“, stellte meine Tochter darauf hin gnadenlos fest.
  • Gute Freunde sind gestorben. Sie fehlen mir. Eine Freundin, die vor ein paar Jahren das Zeitliche segnete, fehlt mir dagegen nicht. Sie hatte sich im Alter in eine Furie verwandelt.
  • Finger- und Fußnägel wachsen viel zu schnell. Manchmal gehe ich zu einer Fußpflegerin.
  • Die Enkel und Enkelinnen gehen jetzt alle in die Schule. Kein Grund mehr, dass ich mich um sie kümmern muss. Mich stimmt das nicht traurig.
  • Politik interessiert mich immer noch. Nur eins sage ich nicht mehr: „Das haben wir nach dem Krieg doch auch erlebt…Meine Gesprächspartner kontern dann meist: Ich  war da noch nicht geboren..
  • Mein Gehirn arbeitet zunehmend eigenständig. Namen von Menschen, die vor mir stehen, gibt es nur zögerlich frei. Manchmal erst am nächsten Morgen.
  • Hoffentlich muss ich diese Liste nicht so bald fortsetzen.

Eine Trauerfeier ohne Trost

Birgit ist tot. Sie war meine Nachbarin. Sie ist 76 Jahre alt geworden. Sie hatte Lungenkrebs. Das sollte aber keiner wissen. Birgit wollte ihren Tod mit sich alleine ausmachen. Ein paar Tage vor ihrem Tod habe ich sie noch gesehen. Sie wurde auf einem Stuhl aus dem Haus getragen und in einen Krankenwagen gesetzt. Sie sah freundlich aus. Wie immer. Sie hat gewinkt.

Dann machte die Nachricht von ihrem Tod die Runde. Gestern hat in einem Beerdigungsinstitut die Trauerfeier stattgefunden. Rund achtzig Familienmitglieder, Freunde und Bekannte hatten sich für Birgit auf den Weg gemacht. Ihr Sarg stand vor einem großen bunten Fensterbild,  geschmückt mit Blumen und Kränzen. Ich begriff: Birgit hatte keiner Kirche angehört.  Sie war zwar mit mir konfirmiert worden, muss aber irgendwann der Kirche den Rücken gekehrt haben.

So kam zu Birgits Trauerfeier auch nicht der Pastor der Gemeinde, sondern eine Trauerrednerin. Sie trat in einem zerknitterten weißen Sommerkleid hinter das Mikrofon, um den Hals einen grünen dicken Schal,  modisch zu einer Rolle verschlungen. Bevor sie ihre Trauerrede begann, schaltete sie die Musik ab, um sie dann, nach der ersten Hälfte ihres Berichtes,  wieder einzuschalten, denn wir – die Trauergäste –  sollten uns ein paar Minuten  unsere eigenen Gedanken machen. Stehend. Dann erfuhren wir den zweiten Teil des Lebensberichtes . Am Ende wurden wir wieder aufgefordert, uns zu erheben und die Trauerrednerin sprach einen Text, der sich wie ein Gebet anhörte. Aber er schloss nicht mit einem Amen. Die Trauerrednerin fand ihren eigenen Schluss. Sie verließ mit langsamen Schritten den Raum, und wir folgten ihr. Am Sarg vorbei. Kein Hinweis, ob Birgit in ihrem Sarg beerdigt wird oder in einem Krematorium verbrannt wird. Kein Segenswunsch war zu hören.

Ein bisschen verloren standen wir später auf der Straße. Mich hat diese weltliche Trauerfeier traurig gemacht. Traurig, weil Birgit in  ihrem Sarg allein zurück blieb, ohne Fürbitte und Segen. Ungesagt blieb auch, wo ihr Grab sein wird. Dafür hat sie uns ihren eigenen Trost mit auf den Weg gegeben. In ihrer Traueranzeige stand ein Spruch von Konfuzius:

Leuchtende Tage.

Nicht weinen, dass sie vorüber.

Lächeln, das sie gewesen.

Fit im Straßenverkehr ? Ich habe dazugelernt

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Im Straßenverkehr habe ich schon manchen Fehler gemacht. Das weiß ich jetzt. Das kam so:

In einer Zeitungsnotiz wurde angekündigt, dass Senioren in einer Schulungsveranstaltung erfahren können, wie sich Verkehrsregeln in den vergangenen Jahren geändert haben. Da der Schulungsort  fast vor meiner Haustür liegt, mache ich mich zum angekündigten Termin auf den Weg. Gerhard Kreie,  ADAC-Moderator, ist unser Lehrmeister. Er kennt die Straßenverkehrsordnung in- und auswendig. Wir zehn Senioren und Seniorinnen, die am Tisch im Pflegestützpunkt Bremen-Nord sitzen, hören ihm fast zwei Stunden aufmerksam zu.  Die meisten von uns (alle 70+) fahren noch Auto, mit einem Führerschein, der schon vor Jahrzehnten ausgestellt wurde. Und nun macht Gerhard Kreie uns klar, dass die Straßenverkehrsordnung in all den Jahren immer wieder geändert wurde. Der letzte Neuerlass ist vom April 2013. Seit April 2014 gilt der neue Punktekatalog, womit sich auch die Höhe der Bußgelder  geändert hat.

Das musste ich dazulernen:

Ich darf  am Steuer nicht trödeln, denn ohne triftigen Grund dürfen Kraftfahrzeuge nicht so langsam fahren, dass sie den Verkehrsfluss  behindern.

Langsam fahren kann aber auch ein Gebot sein. Nämlich in so einem Fall: Wenn man ein  öffentliches Verkehrsmittel oder einen Schulbus vor sich hat. An ihnen darf man nicht vorbei fahren, wenn sie sich einer Haltestelle nähern und ihre Warnblinkanlage eingeschaltet haben. Wenn sie halten und die Warnblinkanlage weiter eingeschaltet bleibt, darf man nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbeifahren. Und – das auch noch: Die Schrittgeschwindigkeit gilt auch für den Gegenverkehr auf derselben Fahrbahn!  Wenn an den Bussen nichts blinkt  darf, auch im Gegenverkehr, nur vorsichtig vorbei gefahren werden. (§20)

Das bekannte runde blaue Schild mit dem weißen Fahrrad ist ein strenges Schild. Es bedeutet: Radfahrer müssen den Radweg benutzen und dürfen nicht auf der Fahrbahn  fahren. Sind Mutter und Kind auch auf dem Schild zu sehen, müssen sich beide Parteien auf dem Weg  vertragen.

Was Schilder mit vorgeschriebener Geschwindigkeitsangabe bedeuten, weiß ich natürlich. Wirklich? Der Moderator klärt auf:  Zwischen Tempoangaben auf einem Verkehrsschild mit rotem Kreis  und auf ein einem  blauem Schild gibt es  einen bemerkenswerten Unterscheid. Steht die Tempovorschrift auf blauem Grund, ist das die vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit. Steht die sie im roten Kreis, darf man  dort nicht schneller fahren, denn die Tempoangabe ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit (wusste ich!).

Auf der Autobahn muss ich jetzt auch diese Markierung kennen: drei weiße Pfeile auf   blauem Grund, der rechte Pfeil ist durch eine weiße Linie abgegrenzt, damit wird das Befahren eines Seitenstreifens ermöglicht.

Sonst noch was? Ja, die Punkte in Flensburg werden heute anders berechnet und das Bußgeld ist nicht billiger geworden. Kein Thema für mich. Maßgeblich für mich:

§ 1 Grundregel  hat sich in allen Jahren nicht geändert:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Wer jetzt noch sein Wissen testen möchte, kann das tun. Alle Verkehrszeichen, die ich besprochen habe, sind am Anfang des Artikels abgebildet. Nur das letzte Hinweisschild habe ich nicht extra gewürdigt, denn Sackgasse kenne ich schon lange, doch das für die durchlässige Sackgasse habe ich noch nie gesehen. Ich finde, dass es sich gut „lesen“ lässt.

Die Straßenverkehrsordnung zum Nachschlagen. Ein Vorschlag:

http://de.wikipedia.org/wiki/Stra%C3%9Fenverkehrs-Ordnung_(Deutschland)

 

 

 

Einladung zum „Tag der Komplimente“

Erster Termin:  24. Januar  2015 /  Zweiter Termin: 1. März 2015

Tatsächlich, das gibt es: Zwei Feiertage, an denen man seinen lieben Mitmenschen etwas Freundliches sagen sollte. Warum zwei Tage? Eine Antwort darauf habe ich nicht gefunden. Nur dies: Auf die Idee gekommen, solch einen Tag zu proklamieren, sind 1998  zwei US-Amerikanerinnen. Sie haben dafür den 24. Januar bestimmt. Das zweite Datum tauchte 2003 in Europa auf und wurde zum „World Compliment Day“ erklärt. Das ergibt natürlich einen schönen Spielraum, um diese Tage gut zu nutzen. Mein Vorschlag: Den 24. Januar nehmen wir als Übungstag, damit wir am 1. März (noch fünf Wochen bis dahin), für jeden lieben Menschen, der uns über den Weg läuft, das passende Kompliment auf der Zunge  haben.

Wer bis hier gelesen hat (Kompliment!), fragt sich jetzt vielleicht auch, wie man Kompliment am besten erklärt? Die ausführlichste Antwort habe ich im 5. Band in Meyers Konversations-Lexikon von 1895 gefunden. Dort heißt es:

Komplimént (franz. comliment, spr.kongplimäng), eine höfliche Ausdrucksweise in Rede oder Schrift, um jemand seine Achtung, Verehrung oder Teilnahme zu bezeugen oder überhaupt etwas Schmeichelhaftes und Angenehmes zu sagen. Die Form des Kompliments wechselte nach Zeit und Nationalität. Seit Ludwig XIV. (1643-1715) hat besonders Frankreich für den größten Teil Europas den Ton angegeben…..

Ein Kompliment wird also nicht nur so dahin gesagt, sondern man kann es auch schriftlich äußern. Ein feiner Platz dafür ist ein Gästebuch. In unserem finden sich ein paar hübsche Beispiele. Mein schönstes Kompilment stammt von drei Makah-Indianern aus den USA. Sie haben am 19. September 1996 geschrieben…..

Helga, thank you so very much for our visit of your home. You are a very kind heartet Lady. May God bless you always.

Die jungen Leute waren auf Einladung von UNICEF nach Bremen gekommen. Ich habe ihnen im Heimatmuseum Schloss Schönebeck gezeigt, wie bis in das 19. Jahrhundert Walfang von der Weser aus betrieben wurde, denn auch ihre Vorfahren haben vom Walfang gelebt. Anschließend waren wir bei mir zu Hause.

Nun zurück zu meiner Einladung, den Tag der Komplimente auszuprobieren. Dafür zum Schluss ein paar Vorschläge:

Alltagstauglich finde ich diese Komplimente: Sie werden von Mal zu Mal jünger……Ich bewundere Sie, wie Sie Ihr Leben gemeistert haben….Sie können stolz auf ihre Kinder sein…….Sie sehen bezaubernd aus…..Ihre Kondition möchte ich haben…

Kein Kompliment für Seniorinnen: Junge Frau, was wünschen Sie?…..

Ab hier sind der Phantasie keine Grenzen mehr gesetzt. Aber wem sage ich das? Senioren wissen meist, wie sie Damen mit ihren Artigkeiten und Schmeicheleien erfreuen, doch sei ihnen an dieser Stelle gesagt, dass alte Damen sich auch noch darüber freuen .

Einen großen Vorteil haben diese beiden kuriosen Feirtage übrigens auch noch: Sie kosten nix! Passende Geschenke werden noch nicht angeboten.

Grüße an alle

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Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern alles Gute und Schöne zum neuen Jahr 2015 ! Danke für das Interesse und ein Extradankeschön an alle, die mir Kommentare geschickt haben.

Mein Neujahrsbild heißt „Frühlings-Blüten – Eine Gabe für die junge Mädchenwelt“, das der lieben Annaluise Weihnachten 1908 geschenkt wurde.  Tante Annaluise ( 1896-1970)  war eine gute Freundin für mich. Sie hat nie geheiratet und war finanziell von der Familie abhängig. Am Ende ihres Lebens hat sie in einem schönen Altenheim gelebt. Den Unterhalt bezahlte die Stadt. Ihr Fazit dazu: „ich habe es noch nie so gut in meinem Leben gehabt.“

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