Ein Ausflug und ein Ferienrätsel für Kinder

Dieser kleine Esel erinnert an die Bremer Stadtmusikanten .

Er steht am Vegesacker Hafen, an der Weser.

 

Meine Freundin hat Besuch: Marie, ihre Enkelin, verbringt ihre Ferien bei ihr. Marie liebt Märchen und will wissen, warum die Bremer Stadtmusikanten nie bis Bremen gekommen sind. Meine Freundin hat sich eine Antwort ausgedacht. Um die Lösung zu finden, ist sie mit ihrer Enkelin von Bremen mit dem Ausflugsdampfer Oceana nach Vegesack gefahren. In Vegesack steht nämlich eine kleine Eselfigur am Hafen und die soll Marie fragen. Ob der Esel das wahre Ende des Märchens kennt?

Das Gespräch:

Ich heiße Marie. Meine Großmutter sagt, wenn ich dein Ohr anfasse, kann ich mit dir reden. Stimmt das?

    I A.

Hast du ja gesagt?

    I A.

Ich fasse dein Ohr ganz vorsichtig an. Denn zweimal haben sie Dir beide Ohren abgebrochen. Hat das weh getan?

Ach, das ist lange her. Das war 1985. Ich war aus Beton gegossen. Dann haben ein paar Lümmel mir ein Ohr abgebrochen. Als das wieder dran war, haben sie sich das andere vorgenommen. Ein böser Schabernack, der richtig weh getan hat.

Meine Oma sagt, dass du jetzt aus Bronze bist. Sind nun die Schmerzen weg?

    I A.

Bist du der Esel von den „Bremer Stadtmusikanten“?

    I A.

Dann lese ich dir jetzt mal was vor: Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende gingen…

(Gähnt)…I A, I A. Diese alte Geschichte kann ich schon nicht mehr hören. Sie ist 200 Jahre alt. Frag deine Oma mal, ob das stimmt?

Meine Oma nickt. Das Märchen haben die Gebrüder Grimm 1812 veröffentlicht, sagt sie. Und ich soll dich fragen, ob du weißt, dass die Bremer das Ende immer falsch erzählen. Nur weil sie mit dir und deiner Rentnerband Reklame machen wollen.

I A. Ich bin mit Packan, meinem Hundefreund, Bartputzer, der Katze und Rotkopf, dem Hahn nie bis Bremen gekommen. Dort wollten wir hin und als Stadtmusikanten Musik machen, doch dann hat es uns hier, am Vegesacker Hafen, viel besser gefallen…

Oma sagt, dass Bremen schon damals eine schöne und große Stadt war. Deine Band hat jetzt ein Denkmal vor dem Rathaus. Und alle Touristen wollen erst euch sehen und dann erst alles andere.

Eine schöne Eselei. Wir konnten gar nicht an einem Tag bis Bremen kommen und mussten in einem Wald übernachten. Dort stand ein Haus, in dem Räuber wohnten und die haben wir hinaus gejagt… I A .I A. Und von da an getrauten sich die Räuber nicht wieder in das Haus; uns gefiel es aber so wohl darin, dass wir nicht wieder heraus wollten…

Und warum stehst du nun hier so allein am Vegesacker Hafen?

Ich stehe hier gar nicht allein. Denn hinter mir steht das kleine Haus, in dem wir gewohnt haben.

Äh? Das ist doch eine Gaststätte und kein Räuberhaus?

I A. I A. Das ist ja das Ende der Geschichte. Ich habe bis zuletzt in diesem Haus gelebt. Meine drei Freunde sind vor mir gestorben. Dann kam eines Tages ein Räuber und hat mich untertänig gefragt, ob er nicht zurückkommen dürfe. Er wollte ein besserer Mensch werden und nicht mehr räubern. Er wollte in dem Haus ein Gasthaus einrichten. Und ich sollte mein Gnadenbrot bei ihm bekommen und seine Schänke sollte auch noch meinen Namen tragen. Das konnte ich doch nicht ausschlagen. Und darum bin ich hiergeblieben und wir Stadtmusikanten sind nie bis Bremen gekommen. Genau, wie es in dem Märchen erzählt wird.

Oh, so war das?! Und das Gasthaus „Grauer Esel“ –  mit Deinem Namen –  gibt es immer noch. Meine Oma sagt, du bist ein Schlingel. Einen Wald hätte es an dieser Stelle nie gegeben. Stimmt das? Lügen darf man nicht, grauer Esel!

Das weiß ich. Ich flunkere nicht. Der große Platz neben dem Haus, siehst du, dort, wo das Spielschiff steht, heißt nämlich Hafenwald. Auch zur Erinnerung an dieses schöne Märchen der Gebrüder Grimm.

Jetzt hat meine Oma sich in den Gasthausgarten gesetzt. Ich soll mit ihr Apfelschorle trinken. Sie sagt, dass du von Knacki…

Stopp. Das sagt man nicht. Aber das stimmt: Ich bin in der Jugendvollzugsanstalt in Oslebshausen geschaffen worden. Und weil ich als Betonfigur nicht standhaft genug war und man mir die Ohren abgebrochen hat, wurde ich fünf Jahre später wieder aufgestellt. Eine Berliner Gießerei hatte mich aus Bronze gegossen. 11 000 Mark Spendengelder sind dafür ausgegeben worden. So gerne wollten mich die Vegesacker haben.

Ich sag auch noch was: „Und der das zuletzt erzählt hat, dem ist der Mund noch warm.“ So endet das Märchen bei den Gebrüder Grimm.

Und nun die babyleichte Frage:

Wann wurde die kleine Eselfigur aus Bronze gegossen und wieder aufgestellt?
1985?
1990?
2005?

Danke, dass Sie alles gelesen haben! Eine Auflösung gibt es  nicht, denn die lässt sich ganz einfach ausrechnen (sagt Marie).

Bremen-Vegesack gehört zu Bremen-Nord und  ist von Bremen aus auf vielen Wegen zu erreichen: mit dem Schiff ab Martini-Anleger, mit Bahn oder Straßenbahn und Bus und natürlich auch mit dem Fahrrad durch das Blockland, an der Lesum entlang.

Hier steht der kleine Esel im Wasser:

https://kleinebrise.wordpress.com/2017/11/02/wasser-genug/

Die Homepage von Bremen: https://www.bremen.de/

Ganz zum Schluss gesagt…..

„Einmal im Jahr solltest Du einen Ort besuchen, an dem Du noch nie warst.“

Ein Satz vom Dalai Lama

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Mit 1000 Stimmen

Ich habe in der Berliner Philharmonie gesungen

Ich habe gerade in der Berliner Philharmonie in einem Konzert mitgesungen. Das war möglich, weil alle Darsteller nicht nur auf der Bühne sangen, sondern sich auch zwischen den Zuschauern bewegten, die aber auch nicht auf ihren Plätzen saßen.

Wie bekommt dieses Gewusel einen Sinn? Der New Yorker Komponist David Lang hat es für mich geschafft: Ich habe eine Lärmorgie erlebt, doch ich habe mir nicht die Ohren zugehalten und bin nicht davon gelaufen. Nein, ich  habe mit gesungen und zwar textsicher und ohne falschen Ton und das ging so:

Wir hatten Kärtchen in verschiedenen Farben in  der Hand. Ich war eine Grüne und hatte eine grüne  Vorsängerin und die sang zum Beispiel von Dingen, die wir teilen: unsere Liebe zur Musik, unsere eigene Erfahrung, unsere Lieblingscurrywurst…und ich klatschte und fügte hinzu – wie es auf meinem grünen Kärtchen stand –  ...unsere Freiheit, unsere Freiheit…. Auch in den anderen Gruppen – im ganzen Konzerthaus, oben, unten, in der Mitte – wurde das gesungen und obwohl es sich wie Lärm anhörte, sahen wir vergnügt aus. Wir zusammen waren eine einmalige fröhliche Klanglandschaft!

Mich hat meine Freundin zu diesem Konzert eingeladen. Sie hat in einem Projektchor mitgesungen und lange für dieses Konzert geprobt. Jetzt will sie weiter in  diesem Chor singen. Für sie hat sich das Projekt damit gelohnt. Für mich auch, denn ich war beeindruckt (und bin es immer noch) wieviel Energie entstehen kann, wenn eine Idee  Menschen überzeugt und begeistert. An diesem Abend waren es 1000 Stimmen!

Aus meinem Alltag – Neue Folge

Kleine Lüge. Meine Freundin ist 79 Jahre alt, sie sagt aber, sie sei 80. Warum? Sie lacht. „Wenn ich 80 sage, heißt es meistens: Das hätte ich nicht gedacht! Sie sehen jünger aus. Einmal wurde ich sogar gefragt, ob ich mich habe liften lassen! Wenn ich nun behaupte, ich sei 80 , kann ich mir das Kompliment ein Jahr länger anhören.“

Biotonne. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Scheibe Brot in die Biotonne geworfen. Die Erklärung dafür ist, dass ich als Kriegskind gelernt habe, kein Essen wegzuwerfen. Es wurde alles aufgegessen. Nahrung war knapp. Die Generation meiner Enkelkinder versteht das nicht. Nahrung muss einen hohen Nährwert haben, Reste haben das nicht und werden …weggeworfen. Neulich habe ich wieder einmal an einem Rest Kartoffelsalat gewürgt und da kam mir plötzlich der Gedanke: Du bist doch keine Biotonne. Der Kartoffelsalat schmeckt nicht mehr. Also iss ihn nicht! Und darum erkläre ich jetzt hier:  Ich bin keine Biotonne! Die Biotonne steht im Keller.

Gut für die Seele. Ein Garten ist gut für die Seele. Das haben meine Freundin und ich heraus gefunden. Meine Freundin ist Witwe und lebt allein in ihrem großen Haus, will es aber nicht verkaufen, weil sie gern in ihrem Garten arbeitet. Mir geht es auch so. Beide fragen wir uns, ob Pflanzen uns die Aufmerksamkeit, die wir ihnen schenken, zurückgeben?

Wir glauben das. Warum sonst blüht der kleine Rhododendronbusch schon wieder so schön? Obwohl er auf einem Platz im Beet steht, auf den die Mittagssonne brennt? Weil ich ihn immer im Blick habe und ihn gieße, wenn er die Blätter hängen läßt! Und meine Freundin freut sich über ihren Perückenstrauch, den sie sich aus Bayreuth mitgebracht hat, vor 20 Jahren, als sie dort mit ihrem Mann die Festspiele besucht hat. Der Busch hat sich bei ihr in seiner ganzen Pracht entfaltet.

 

Vor 70 Jahren – Sommerferien auf dem Bauernhof

Wenn man  alt ist, kann man sich ruhig einmal fragen, was schön im Leben war. Ich habe eine Menge Glücksgefühle gefunden. Von meinen ältesten soll hier die Rede sein: Das waren meine Sommerferien in Eitzendorf bei Tante Luise und Onkel Henry. Von 1949 bis 1952 bin ich jedes Jahr bei ihnen gewesen. Sie wohnten in einem Bauernhaus, mit allen ihren Tieren unter einem Dach. Mit zur Familie gehörten Tante Martha und Knecht Johannes. Später kam Wilhelm dazu, der einzige Sohn, der aus dem Krieg zurück gekommen war. Seine beiden Brüder blieben verschollen. Wilhelm war krank. Er konnte nicht arbeiten. Dafür fotografierte er. Alle Bilder, die ich von meinen Ferien in Eitzendorf habe, hat er gemacht. Meine Eltern freuten sich auch, dass ich in Eitzendorf meine Ferien verbrachte, denn sie wussten, dass ich dort gut zu essen bekam. In Bremen war das – auch Jahre nach dem Krieg – immer noch nicht selbstverständlich.

Auf meinem Lieblingsfoto (oben) sitze ich mit Hündin Flora auf dem Brunnenschacht vor dem Haus. Flora wollte nicht fotografiert werden. Ich erinnere mich genau daran. Ich musste sie festhalten.

Holzschuhe und Schürze gehörten zu meiner Hofkleidung. 

Kinder durften toben

Onkel Henry und Tante Luise waren kinderfreundlich. Sie ließen die Flüchtlingskinder, die auf ihrem Hof mit ihren Eltern einquartiert waren, und mich ungehindert spielen und toben. Beliebt war zum Beispiel Schweineärgern: Wir schoben im Stall die Stallwände zurück, so dass die Schweine meinten, sie würden gefüttert. Das endete immer mit einem ohrenbetäubenden Quietschen. Tante Luise machte alles wieder gut, denn sie wusch die Tiere und ließ sie anschließend in frischem Stroh ihr Nickerchen machen. War das ein schönes Schweineleben….

Ich durfte auch bei der Ernte mithelfen. Die Mähmaschine wurde noch von Pferden gezogen. Ich führte die Pferde, Onkel Henry schob das Schnittgut auf das Feld, wo meine Tanten es bündelten. Wenn die Augustäpfel reif waren, sind wir mit der Kutsche nach Hoya gefahren, um die Äpfel dort auf dem Markt zu verkaufen. Auch dabei konnten sie mich gebrauchen. (Niemals habe ich mit größeren Vergnügen Erwachsenen geholfen.) Die Pferde vor der Kutsche waren auch ein besonderes Gespann. Nach Hoya hin mußte man ihnen manchmal „Beine machen“. Zurück liefen sie fast von allein…

Nicht alles war erlaubt

An das erinnere ich mich auch noch: Hühner und Gänse durften wir Kinder nicht jagen. Das war schade, denn sie machten beim Davonlaufen und Hochflattern einen so schönen Lärm. Freitags wurde ich mit einem Blumenstrauß aus dem Garten zum Friedhof geschickt, um das Familiengrab zu schmücken. Was waren das noch für schöne Familienbande: Das denke ich manchmal, wenn ich wieder eine Rechnung für die Pflege von unserem Familiengrab bezahle. Das Familiengrab liegt in einer anderen Stadt. Ich habe es schon lange nicht mehr besucht.

Hausarbeit sah damals auch ein bisschen anders aus. Tante Martha buck noch das Brot für die Familie. Dafür mussten die Männer jedesmal den Ofen im Backhaus heizen. Dafür nahmen sie Holz vom Hof. Mich hatten sie einen Tag vorher zu den Nachbarn geschickt. „Henry backt“, brauchte ich nur zu sagen und jeder wusste, dass er seinen Kuchen zum Backen bringen konnte.
Melken und reiten habe ich nicht gelernt. Ich hatte Angst vor den großen Tieren.
Froh war ich immer, wenn die Bremer Sommerferien im August waren, denn dann konnte ich Tante Luises Geburtstag mitfeiern. Dort habe ich zum ersten Mal einen Kaffeetisch voller Torten gesehen. Diese Auswahl! Gäste waren meist Verwandte, denn Tante Luise und Onkel Henry hatten eine große Zahl von Brüdern, Schwestern mit Kindern und Enkelkindern. Der evangelische Pastor war in diesem Haus auch ein gern gesehener Gast. Er hatte es erlaubt, dass die Flüchtlinge, die meist katholisch waren, in seiner Kirche ihr Gemeindeleben führen konnten. Ich bin bei ihnen gern in den Kindergottesdienst gegangen. Das war ein bisschen ungewöhnlich, denn Katholiken wurden nicht überall mit offenen Armen empfangen…

Das waren meine glücklichen Tage in Eitzendorf. Die Nachfahren der Familie leben immer noch in dem Bauernhaus. Tiere sind nicht mehr auf dem Hof. Wiesen und Äcker sind verpachtet. Das Geld zum Leben wird in der Stadt verdient. Manchmal besuchen wir uns. So, wie es zu einer lebenslangen Liebe passt.

Noch zwei Fotos von Wilhelm Bormann: Ich als Erntehelferin und mit Onkel Henry und Tante Martha in der Kutsche, auf dem Weg nach Hoya zum Wochenmarkt.

Eitzendorf ist (heute) ein Ortsteil der Gemeinde Hilgermissen in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen. (Wikipedia)

 

Mühevoller Weg zum Arzt

Barrierefrei? –   Nicht überall  –  Was ich erlebt habe

Meine Freundin Elke ist krank. Sie leidet an Morbus Parkinson. Ihr Gang ist unsicher. Hinsetzen und Aufstehen gelingt ihr nur, wenn ihr jemand dabei hilft. Sie lebt in einem Altenheim auf der Pflegestation . Sie hat ihr eigenes Apartment. Morgens und abends wird ihr beim Aufstehen und zu Bett gehen geholfen. Langsam kann sie sich auch frei mit ihrem Rollator bewegen. Alles andere, zum Einkaufen gehen oder mit dem Bus fahren, kann sie nur noch mit Hilfe anderer bewerkstelligen. Gestern bin ich mit ihr beim Augenarzt gewesen und habe hautnah erlebt, was es heißt, wenn man auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Doch der Reihe nach:

Im Seniorenheim hatte man einen Termin beim  Augenarzt vereinbart. Morgens um 10 Uhr. Ich war um 9 Uhr zur Stelle. Meine Freundin stand schon mit ihrem Rollator an der Tür. Eine Schwester überreichte uns die Tabletten,  die meine Freundin jeden Morgen um 10 Uhr einnehmen muss. Wasser zum Nachspülen würden wir bim Arzt bekommen, wurden uns versichert.

Das Taxi ließ  nicht lange auf sich warten. Der Taxifahrer war ein freundlicher Mann. Er setzte meine Freundin mit gekonnten Griff in sein Auto und verstaute auch den Rollator. Er kannte den Weg zum Arzt genau. Doch vor der Tür absetzen konnte er uns nicht. Der Eingang zum Ärztehaus lag in einer Fußgängerzone. Im Ärztehaus musste meine Freundin fünf Stufen überwinden, um in den Fahrstuhl zu kommen. Gemeinsam schafften wir das. Doch der Fahrstuhl war so eng, dass meine Freundin nur mit ihrem Rollator darin Platz hatte. Ich hastete also in den dritten Stock und war (jaha) genauso schnell wie der Fahrstuhl oben.

Nach einer Stunde Wartezeit war der Arztbesuch beendet. Gestört hat mich, dass in dieser Praxis auf die Behinderung meiner Freundin keine Rücksicht genommen wurde. Sie musste viel zu oft den Stuhl wechseln (was ihr schwerfällt) und die Wartezeit war auch eine Qual für sie.

Mein Fazit:

Behindertenfreundlich war man in dieser Arztpraxis nicht. Ich bin der Meinung, dass ein behinderter Patient Anspruch auf einen bequemen Platz hat und zum bestellten Termin behandelt  wird. Auch das Treppenhaus zu den Praxen erfüllt nicht mehr alle Ansprüche, die heute an eine behindertenfreundliche Umgebung gestellt werden.

Vorbildlich war der Taxifahrer. Er hat meiner Freundin beim Einsteigen geholfen, den Rollator eingeladen und zum Aussteigen wieder für sie bereit gestellt.

 

Alltag in meiner Umgebung

Von Tag zu Tag – Fußball EM 2016 – Rabatt beim cker

Brot und Spiele.  Wer jetzt in Bremen in Beckmann´s Bäckerland Brot einkauft, bekommt einen besonderen Rabat: Für jedes Tor, das unsere Nationalmannschaft während der Europameisterschaft in Frankreich schießt, reduziert sich der Brotpreis  beim Bäcker Beckmann um 20 Cent. Zu meiner Überraschung habe ich daher gestern statt 3,90 € nur 3,30 € bezahlt. Und wenn ich schnell an diesem Wochenende das ganze Brot aufesse, reduziert sich der Preis Montag weiter. Wie heißt es so schön in seiner Homepage: 

Daumen drücken – jubeln – sparen !

Tor für Bäcker Beckmann !

Zuviel des Guten. Ich habe am Wochenende noch mehr eingekauft. Fünf Teile beim Marken-Discounter Netto. Dafür habe ich 3,09  bezahlt. Bekommen habe ich dafür:

250 Gramm Kerrygold Butter, einen Liter Frischmilch, 200 Gramm  saure Sahne, 250 Gramm Schmand und 200 Gramm Schlagsahne. Alles Milcherzeugnisse.

Das sind keine fairen Preise mehr! Mir ist es egal, wie der Milchpreis entstanden ist, ich finde es einfach unfair, wie man mit den Milchbauern  umgeht. Rund 3400 Höfe, knapp 5 Prozent, so wurde auf dem Deutschen Bauerntag letzte Woche in Hannover berichtet, haben im letzten Jahr ihren landwirtschaftlichen Betrieb aufgegeben.

Tagesspruch: Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Zu weit geflogen. Die beiden Jungen spielen im Park Fußball. Nah an meinem Garten. Irgendwann  klingelt es. Die beiden Jungen stehen vor der Tür. „Mein Ball ist in ihren Garten geflogen. Dürfen wir ihn suchen?“. Natürlich. Ich gucke mit, doch wir finden ihn nicht. „Du kannst mir ja deine Adresse geben“, schlage ich vor. „Ich melde mich, wenn ich den Ball finde.“ „Meine Eltern sind geschieden,“ erklärt der kleine Ballbesitzer, „ich sage ihnen die Adresse von meinem Vater. Da bin ich heute.“

Wie viel Kummer sich wohl hinter dieser Adresse verbirgt?

Jürgen. Die Einladung kam schon vor sechs Wochen: Am 7. Juli will Jürgen mit uns seinen 70. Geburtstag feiern. Am 7. Juli spielt bei der Fußball-EM Deutschland gegen Frankreich. Du lieber Himmel, was für ein Konflikt! Ich bin gespannt, wie Jürgen ihn lösen wird. Vielleicht kommt er aber auch gar nicht auf die Idee, seine Geburtstagsfeier dem Spiel im Halbfinale anzupassen, denn Jürgen ist ein Bildungsbürger. Fußball interessiert ihn nicht.

 

Haus ohne Zeitung

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Das war meine Zeitungslektüre, als feststand, dass die Briten nicht in der EU bleiben wollen. Meine Freundin informierte sich anders.

Ich habe meine Freundin in Berlin besucht. Wir haben ein gemeinsames Hobby: Wir lesen jeden Tag gründlich Zeitung. Doch diesmal war alles anders: Meine Freundin hat alle Zeitungsabonnements gekündigt. Zeitungsstapel gibt es bei ihr nicht mehr. Sie informiert sich nur noch am Computer. „Jetzt kann ich selbst entscheiden, wann ich meine Zeitung lesen will. Und weltweit kann ich mir zusätzlich Informationen holen“, schwärmt sie. Und tatsächlich, morgens um acht am Frühstückstisch, als ich einen ersten Blick  in den Berliner Tagesspiegel werfe, ist sie schon bestens informiert: Sie weiß, was der Daily Telegraph zum Brexit sagt, welche Meinung die Journalisten in New York zum Veto der Briten haben und hat natürlich auch die deutschen überregionalen  Tageszeitungen auf ihrem Computer gelesen .

Ich bin noch lange nicht so weit und erst einmal froh, dass ich den Tagesspiegel und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung beim Bäcker kaufen konnte. Meine Freundin hat im Bett bequem vom Computer gelesen. Ich muss aufpassen, dass die großen Zeitungsblätter nicht auf mein Marmeladenbrötchen fallen. Doch ich bekomme Seite für Seite vorgelegt, was den Autoren zum Thema „Brexit“ eingefallen ist. Meine Freundin hat diesen Service nicht. Sie muss selbst die richtigen Fragen stellen  und recherchieren. Doch weiß sie am Ende,  ob sie ihren Quellen trauen kann?

Diese Skepsis kennt meine Freundin nicht.  Beide ahnen wir,  dass der bunte Zeitungsmarkt sich ändern wird. Gehöre ich dann zu den Verlierern? „Nein“, sagt meine Freundin. „Nur deine Gewohnheiten ändern sich. Du wünscht dir was und der Computer bedient dich. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Keine Zeitung bleibt mehr  in deinem Marmeladenbrötchen hängen oder verstopft dir die Abfalltonne.“

 

Fit wie ein Turnschuh – Im Fitnessstudio

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Dies ist ein Erfahrungsbericht. Kann aber auch als Empfehlung gelesen werden. Als Empfehlung für Senioren, regelmäßig Sport zu treiben.

              Halt

Nicht aufhören zu lesen. Ich beschreibe nämlich nur, warum ich seit fast 25 Jahren regelmäßig in ein Fitnessstudio gehe und wie ich dadurch (fast) gesund, beweglich und munter alt geworden bin. 

Begonnen hat alles, als meine Freundinnen und ich anfingen, fünfzig Jahre alt zu werden. Tennisspielen war manchmal schon beschwerlich, so kamen einige auf die Idee, in einen Golfklub einzutreten. Ich nicht. Ich wählte stattdessen einen Schnupperkursus in einem Fitnessstudio und ließ mir Bodybuilding für Frauen zeigen. Ich fand es reizvoll, dass ich dort meine Übungen machen konnte, wann ich wollte. Ohne Termin und Partner oder Partnerin. Und mit Hilfe von Bodybuilding sollte ich auch noch einen schöneren Körper bekommen. (Die Verheißung hat sich nicht erfüllt.)

Leider mochte mir niemand in  die „Muckibude“ folgen und dabei ist es bis heute geblieben.

Dafür habe ich eine Menge neuer Leute kennengelernt. Die meisten sind berufstätig und erinnern mich an die Welt draußen, zu der ich  keinen Zutritt mehr habe. Für sie wird das Studio ständig erweitert und verbessert. Die Auswahl der Geräte wird immer vielfältiger und die Bedienung einfacher. Jetzt stehen – zum Beispiel –  die sieben Geräte, die zum Zirkeltraining gehören, in einem Kreis. Ich habe meinen persönlichen Schlüssel und kann damit jedes Gerät aufrufen, alles passend für mich einzurichten. Präzise wird gemessen, wieviel Kraft ich aufgewendet habe und wieviel es beim Mal davor war. Nur lesen muss man können. So wurde ich gestern zum ersten Mal gefragt, ob ich an das Aufwärmen an einem Ausdauergerät gedacht habe? Hatte ich. Ich war 30 Minuten auf einem Fahrrad unterwegs. Fünf standen dafür zur Auswahl. Früher war das Laufband mein Lieblingsgerät. Doch inzwischen sitze ich lieber auf einem Fahrradsattel und lasse mich beim Treten vom Computerprogramm über Berg und Tal führen.

Das Beste zum Schluss  

Fröhlich im Rudel kann man in diesem Fitnessstudio auch  sein. Inzwischen werden nämlich zwölf verschiedene  Gymnastikkurse angeboten. An allen kann man ohne Voranmeldung teilnehmen. Angefangen habe ich mit Aerobic , als ich ( 60+) beim rasanten Rhythmus nicht mehr mithalten konnte, bin ich zur gerade populären  Zumba Fitness gewechselt. Auch in diesem Kursus mußte ich mich bald geschlagen gegeben. Zu schnelle Bewegungen. Danach versuchte ich es mit Pilates, einem Übungsprogramm auf der Matte. Ohne heiße Rhythmen, dafür  ruhig und besonnen. In diesen Kursus gehe ich bis heute und wenn ich mich manchmal verstohlen umschaue, stelle ich voller Vergnügen fest, dass es Jüngere um mich herum gibt, die ihre Beine auch nicht besser kreisen lassen können als ich.

Gibt es noch etwas, dass ich gerne probieren möchte? Im Augenblick nicht. Doch da wartet noch ein Kursus auf mich:  Fit bis 100,  immer freitags um zehn.

Noch nichts für mich, denn freitags mache ich meine Wohnung sauber.

 

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Diese Tafel am Fahrrad zeigt mir genau an, wie weit ich im Training bin: Schweregrad 4, Berg- und Talfahrt, 63,1 Kilokalorien verbraucht, Zeit: 48 Sekunden, sehr korrekt, denn die Uhr zeigt an, dass meine Trainingszeit in 48 Sekunden vorbei ist.

Die Fotos durfte ich um Club Sportiv machen. http://www.ulc-fitness.de

„Punkt 11“ – Immer sonnabends um 11 Uhr

 Autoren und Autorinnen lesen vor

 

In der Stadtbibliothek Bremen kann man nicht nur Bücher ausleihen. Dort gibt man auch Literaturschaffenden aus der Region ein Forum. Ein gutes Beispiel ist dafür die Reihe „Punkt 11“. Immer sonnabends. Immer um 11 Uhr in der Stadtbibliothek Bremen-Vegesack.

Ich habe dort  der Bremerin Irmtraud Hansemann zugehört. Sie las eigene Lyrik und Prosa unter dem Titel „Ganz  nah am Alltag“  vor. Mit überraschenden Einsichten und feinem Humor bewies sie,  dass ihr Alltag unser aller Alltag ist.

Ihre Geschichten und Gedichte hat sie bereits in einem kleinen Band veröffentlicht, dazu im Hebus-Verlag Cartoons und  den Roman „Die Begleiterin“. Während ihrer Stunde für die Literatur führte Irmtraud Hansemann ihre Zuhörer und Zuhörerinnen zum Beispiel in ein Kaffeehaus, auf einen  Friedhof, erfand den Herr der Ringe neu und beschrieb, wie sie an einer Supermarktkasse betrogen wurde. Notiert habe ich mir diese Sätze: …Auch ewige Jugend geht vorbei…,Rohstoff für Literatur blüht im Alltag…Wird Sehnsucht erwachsen, wenn ich sie stille?…

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Irmtraud Hansemann hat die Lesung gehalten, obwohl sie an Parkinson erkrankt ist. Seit 1990 wird ihr Leben von der Krankheit bestimmt. In einem Flyer schildert sie das so: …Lebensqualität- Eigenbestimmung- genau die ist mir genommen. Ich kann nicht mehr über meinen Körper bestimmen. Spontanität, Zukunftspläne, Entwicklungen!  Wünsche reduzieren sich auf die genau berechnete Medikamenteneinnahme. Ich richte mich nicht mehr nach der Uhr, sondern nach meinen „on/off-Zeiten“. „Off“ heißt Fegefeuer aus Starre und Krampf. „On“ heißt: In  genau zugeteilter Zeit so bewusst wie möglich aktiv zu leben.“

An diesem Morgen wurde ihr mit herzlichem Beifall gedankt.

Alle Informationen zu den Lesungen bekommt man unter : http://www.stabi-hb.de/Veranstaltungen-Punkt-11. Der Eintritt ist frei.

Am Donnerstag, 11. Februar, 18.30 Uhr, hat Irmtraud Hansemann ihren nächsten Termin:

In der Bremer Zentralbibliothek/Kriminalbibliothek trifft sich die Gruppe WORTLAUT. Irmtraud Hansemann, Heide Marie Voigt, Hanna Scotti, Eberhard Pfleiderer und Jens-Ulrich Davids lesen Texte zum Thema „Flaschenpost“. Eintritt frei.

Was bedeutet „Seniorenalltag“ ?

Ich bin eine Seniorin (70+). Ich schreibe für diesen Blog  Kleine Brise aus Bremen.  Ich wollte mit diesem Blog einen Einblick in mein Seniorenleben geben, doch ich stelle fest, dass ich wenig über Dinge berichte, die nur im Seniorenalltag passieren. Mein Alltag ist weiter mein Alltag, so wie er sich fügte, nachdem ich meinen sechzigsten Geburtstag gefeiert hatte: Die Kinder waren  aus dem Haus und ich konnte mich neu einrichten. Aber mein Alltag zeigt nun doch  gewisse Einschränkungen. Was  mir beim Nachdenken über dieses Thema eingefallen ist, folgt hier:

  • Beim Fernsehen benutze ich jetzt Kopfhörer, denn die Schauspieler verstehe ich oft schlecht.
  • Das Licht im Badezimmer habe ich mit einer neuen Lampe heller werden lassen.
  • Saubermachen dauert jetzt länger als früher.
  • Alles, was gerade als „neue Mode“ vorgestellt wird, habe ich bereits im Schrank oder früher schon getragen..
  • Eine schwere Erkrankung hat mir das Schicksal bis jetzt erspart. Meine Medikamente bezahlt die Kasse anstandslos
  • Meine Haare sind nicht mehr strohig, sondern leicht gewellt.
  • Im Fitnessstudio kann ich alle Geräte bedienen.
  • Gute Laune bekomme ich, wenn ich nicht zu kochen brauche, weil es genug Fertiggerichte zum Auswählen gibt.
  •  Bügeln ist einfacher geworden . Schuhe putzen auch.
  • Romane lese ich nicht mehr. Ich habe keine Lust mehr, mich in fremdes Leben einzufühlen.
  • Meine Freundin ist kleiner geworden, Sie schaut jetzt zu mir auf. „Du schrumpfst auch“, stellte meine Tochter darauf hin gnadenlos fest.
  • Gute Freunde sind gestorben. Sie fehlen mir. Eine Freundin, die vor ein paar Jahren das Zeitliche segnete, fehlt mir dagegen nicht. Sie hatte sich im Alter in eine Furie verwandelt.
  • Finger- und Fußnägel wachsen viel zu schnell. Manchmal gehe ich zu einer Fußpflegerin.
  • Die Enkel und Enkelinnen gehen jetzt alle in die Schule. Kein Grund mehr, dass ich mich um sie kümmern muss. Mich stimmt das nicht traurig.
  • Politik interessiert mich immer noch. Nur eins sage ich nicht mehr: „Das haben wir nach dem Krieg doch auch erlebt…Meine Gesprächspartner kontern dann meist: Ich  war da noch nicht geboren..
  • Mein Gehirn arbeitet zunehmend eigenständig. Namen von Menschen, die vor mir stehen, gibt es nur zögerlich frei. Manchmal erst am nächsten Morgen.
  • Hoffentlich muss ich diese Liste nicht so bald fortsetzen.