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Archiv für die Kategorie ‘Lyrik’

Sonntag im Frühling

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Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;

Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.

Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

Das Gedicht stammt von Eduard Mörike (1804 – 1875). Es ist mir wieder eingefallen, als ich  auf meinem Spaziergang im Stadtgarten am Weserufer dieses Foto gemacht habe. Doch wer war Eduard Mörike? Ich habe alles, was ich jetzt erzähle im Großen Brockhaus von 1929 nachgelesen. (Mein Schulwissen ist doch schon ziemlich verbraucht).

Also: Eduard Mörike war Pfarrer, wurde aber schon früh in den Ruhestand geschickt,  „weil er sein ungeliebtes Amt völlig vernachlässigte…“. Dafür betätigte er sich als Schriftsteller. Extra erwähnt wird, dass er eine geheimnisvolle Frau geliebt haben soll. Dann aber doch wieder in die Arme seiner Muter geflohen ist. Geheiratet hat er 1851 die 27jährige Margarethe von Speeth. Doch die Ehe war nicht glücklich, so “ dass das alternde Paar 1873 wieder auseinander ging“. Zwei Jahre später ist Eduard Mörike –  kurz von seinem 71. Geburtstag –  gestorben. Ein Lebenslauf, der auch in unsere Zeit gepasst hätte.

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Du bist mîn, ich bin dîn….

Brücken voller Liebesschlösser – An der Brücke über dem Vegesacker Hafen hängen sie auch

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Was vermutlich in Italien begann, macht seit 2008 auch in Deutschland die Runde: Verliebte schließen ein Schloss an ein Brückengeländer und lassen  dann den Schlüssel ins Wasser fallen. Ein Symbol für immer währende Liebe. Wenn alles stimmt, was ich im Internet über die Liebesschlösser gelesen habe, wurden im Sommer 2008 die ersten Schlösser an der Hohenzollernbrücke in Köln angebracht. Und jetzt hängen sie auch an der Klappbrücke über dem Vegesacker Hafen!

Mir ist dabei wieder das kleine mittelalterliche Gedicht aus dem 12. Jahrhundert eingefallen, das am Schluss eines lateinischen Liebesbriefes einer Nonne steht und in einer Tegernseer Briefsammlung gefunden wurde. Ich war fünfzehn, als wir es im Deutschunterricht gelesen haben. Ich konnte es sofort auswendig, denn ich war zum ersten Mal unsterblich verliebt und dieser kleine Liebesgruß drückte genau das aus, was ich empfand. So schnell und mühelos habe ich übrigens nie wieder ein Gedicht behalten. Natürlich steht es auch in meinem Bücherregal, in „Deutsche Lyrik des Mittelalters“, 1955 im Manesse Verlag erschienen. Genau so habe ich es behalten:

Dû bist mîn, ich bin dîn:

des solt dû gewis sîn.

 dû bist beslozzen

 in mînem herzen:

verlorn ist daz slüzzelîn:

dû muost  immer drinne sîn.

Übersetzung:

Du bist mein, ich bin dein:

dessen sollst du gewiss sein.

Du bist verschlossen in meinem Herzen:

verloren ist das Schlüsselein: du musst für immer drinnen sein.

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