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Archiv für die Kategorie ‘Kunstausstellung’

Ein Sonntag ohne Langeweile

Ein Frühschoppen –  Zwei Ausstellungen –  Ich war schnell zu Fuß

Ich war am letzten Sonntag im Januar zu einem Neujahrsfrühschoppen und zu zwei Ausstellungseröffnungen eingeladen. Weil alle drei Veranstaltungen am Vormittag stattfanden, musste ich schnell sein, zum einen zu Fuß, zum anderen mit den Augen. Hier mein kleines Mitbringsel:

Fotos und Bilder in den Ausstellungen hatten zum Teil keine Titel, sondern wurden mit Zitaten von Rainer Marie Rilke und Manfred Hausmann erklärt. Ein Zitat von Rainer Maria Rilke unter einem Foto hat mir besonders gefallen. Das passende Foto kann ich hier nicht zeigen, aber eins aus  meinem Vorrat. Ich finde, es hat Rilke auch verdient.

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Rainer Maria Rilke schreibt:…“Es scheint immer wieder, dass die Natur nichts davon weiß, dass wir sie bebauen und  uns  eines  kleinen Teiles  ihrer  Kräfte  ängstlich bedienen. Wir steigern in manchen Teilen ihre Fruchtbarkeit und ersticken an anderen Stellen mit dem Pflaster unserer Städte wundervolle Frühlinge….“

Zuhause habe ich nach der Stelle mit dem Zitat gesucht, und es in dem kleinen Rilke-Band  „ Monographie einer Landschaft und ihrer Maler“ gefunden.

Beim Neujahrsfrühschoppen hat man mir ein schönes Zitat von Wilhelm von Humboldt ( 1767-1835) mit auf den Weg gegeben:

Im Grunde sind es immer

 die Verbindungen der Menschen, die dem Leben einen Wert geben.

Was dieser Gelehrte vor rund zweihundert Jahren notiert hat, habe ich an diesem Sontagmorgen auch  erfahren, denn ich habe Bekannte getroffen, und wir haben uns gefreut, dass wir uns wieder eimal zu Gesicht bekamen. Wir haben uns vorgenommen, uns auch weiter unter das Publikum zu mischen. Auch wenn wir schon bald zu den richtig Alten gehören werden.

PS: Das war fast die ganze Beute.  Übrig ist noch der Satz: „Ich liebe das Leben, auch wenn es mich umbringt“.  Gesagt hat ihn Danny Crane, Darsteller in der Anwaltsserie „Boston Legal“. Ich habe von beiden noch nie gehört. Doch der Satz gefällt mir.  Ein Redner hat ihn an diesem Sonntagmorgen zitiert.

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Blond und mit Pferdeschwanz

„Sylvette“ von Pablo Picasso hängt seit 1955 in der Bremer Kunsthalle – Meine Erinnerung

Die Bremer Kunsthalle bereitet sich auf die Ausstellung „Sylvette“ vor,  die am 22. Februar eröffnet wird. Im Mittelpunkt der Ausstellung werden die P0rträts stehen,  die Picasso 1954 von seinem Modell, der neunzehnjährigen Sylvette David, malte. Sylvette David lebt heute in London. Sie hat zugesagt, dass sie zur Ausstellungseröffnung kommen wird. Warum ich das hier berichte? Ich bin Mitglied im Kunstverein und habe bereits eine Einladung zur Ausstellungseröffnung im Musical Theater Bremen bekommen. Und eine alte Erinnerung zu diesem Bild ist damit auch verbunden. Das ist fast sechzig Jahre her.
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Aus rechtlichen Gründen kann ich Sylvette nur so zeigen
Fräulein Alfken nahm uns mit

Bremen 1955. Ich hatte es gerade in die Oberstufe des Gymnasiums geschafft. Und war voller guter Vorsätze. Auf das Fach „Kunstgeschichte“ war ich besonders gespannt. Dann kam Fräulein Alfken( den Begriff „Fräulein“ gab es damals noch) und warf alle meine Erwartungen über den Haufen. „Wir fangen nicht im Mittelalter an, sondern mit der modernen Kunst. In der nächsten Stunde fahren wir in die Bremer Kunsthalle“.

Durch sie kam ich zum ersten Mal in die Bremer Kunsthalle. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob sie mit uns die einzelnen Räume angesehen hat. Aber ein Moment ist mir bis heute vor Augen: Wir standen oben im Treppenhaus und dort hing „Sylvette“ von Pablo Picasso. Das Bild hatte die Kunsthalle gerade erworben.

„Was halten Sie davon, meine Damen?,“ fragte Clara Alfken und sah uns herausfordernd an. Ich zögerte einen Moment und platzte dann heraus: „Das ist das Mädchen unserer Zeit“. Sie sah mich überrascht an und stellte fest: „Genau das hat gestern jemand in meiner anderen Klasse gesagt“.
Ich habe diese Szene nicht vergessen, weil sie für mich bis heute ein Beleg dafür ist, dass man über Kunst zwar sprechen kann, dass aber immer ein Rest bleibt, den man für sich allein deutet, und es kann sogar jemanden geben, der das gleiche empfindet. Und noch etwas habe ich durch sie gelernt: Dinge müssen hin und wieder in Frage gestellt werden. So wie sie es unbekümmert 1955 mit dem Bremer Lehrplan getan hat. Und Picasso letzten Endes auch mit seinem Werk.

Das Bild der „Sylvette“ in der Bremer Kunsthalle habe ich übrigens damals ganz anders gesehen als heute. Damals hat es mich eher abgestoßen, heute fasziniert mich, dass Picasso ein Gesicht als geometrische Flächen sehen konnte und damit etwas Neues schuf. Damals war mein Haar noch dauergewellt, ich trug artige Röcke und bekam Herzklopfen, wenn ich mit hochhackigen Schuhen in die Schule ging, denn das konnte die Direktorin nicht leiden.

Clara Alfken hat es nicht lange an unserer Schule ausgehalten. Sie verschwand nach einem Jahr, um wieder in einem Internat zu unterrichten. Kunstgeschichte stand von da an nicht mehr auf unserem Stundenplan.

Zwei Künstler in einem leeren Haus

Ulla Deetz und Peter KF Krueger sind nach Blumenthal gezogen

Gestern bin ich den beiden Künstlern  Ulla Deetz und  Peter KF Krueger begegnet. Diese beiden sorgen in Bremen-Nord immer wieder für Überraschungen. Oft dort, wo Räume leer stehen und Menschen sich nichts mehr zu sagen haben, tauchen sie auf und bringen einen traurigen Ort in Bewegung.

Nun also Blumenthal

Blumenthal liegt an der Weser und gehört zu Bremen. Der Ort hat in den letzten Jahren viel von seinem guten Ruf verloren. Menschen, die daran etwas ändern könnten, sind weggezogen oder haben resigniert. Doch jetzt machen Ulla Deetz und Peter KF Krueger vor, was man tun kann. Sie haben ihre Arbeitsplätze in der ehemaligen Bibliothek an der Landrat- Christian-Straße eingerichtet. Sie nennen es  ihr „Zwischenzeit Atelier“.

Bewegung und Kunst

Es ist ein großer, heller Raum mit einer hohen Decke. An der einen Wand hängen die farbenfrohen Bilder von Peter KF Krueger und  gegenüber die eher zurückhaltenden  Bilder (oder sind es Objekte?) aus den Serien „Raff-Rollos“ und „Fragile Fetzen“ von Ulla Deetz.

Ruhe und Gelassenheit

Doch die beiden nutzen den weiten Raum auch noch auf andere Art und Weise. Sie setzen ihn in Bewegung.  Ulla Deetz  ist Taijiquanlehrerin und gibt hier Tai Chi Kurse. Peter KF Krueger bildet Bogenschützen aus. Doch was er trainiert ist mehr: Es ist die Konzentration auf bestimmte Bewegungsabläufe und nennt sich „Instinktives Bogentraining“. Wie beim  Tai Chi übt man dabei Körperhaltung, Ruhe und Gelassenheit.

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Peter KF Krueger hat einen Pfeil abgeschossen, entlang der Linie auf dem Boden, scharf am Publikum vorbei.

Bunter Nachmittag

 Anfang Juni war alles eingerichtet und vorbereitet, so dass die beiden Künstler ihr erstes offenes Wochenende veranstalten konnten. Eine Menge Freunde waren gekommen, doch Blumenthaler machten sich rar. Wie schade. Denn ich habe zusehen können, wie man Tai Chi und instinktives Bogentraining praktiziert und mich dann auch noch amüsiert, als Uwe Niewerth seine neue Geschichte über „Bewegung und Kunst“  vorlas.

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Alles fügt sich zusammen. Links im Hintergund Peter KF Krueger, im Fernseher ein Mensch mit Bildern, der Autor und ein Hund aus dem Publikum. Ein Stück vom Musikertisch ist auch noch zu sehen.

Uwe Niewerths Rolle rückwärts

 Er beschrieb, wie eine Bewegung rückwärts in die Vergangenheit aussehen könnte. So erlebte der Ich-Erzähler zum Beispiel dies: Das Benzin in seinem LKW fließt wieder zurück und kann an der Tankstelle verkauft werden, auch der teure Wein sprudelt wieder aus ihm heraus und findet einen neuen Käufer. Der Erzähler schrumpft und liest  sträwkcür…. bis zum skurrilen Ende.

 Alles mit Musik

Der musikalische Rahmen für diesen  fröhlichen Unsinn kam von Uwe Möring .Er spielte mit Hackbrett, Gong, singender Säge und  Glocken. Im Fernsehrahmen zeigte die Freundin Grafiken von Axel Rosenbaum. Auch extra für die Geschichte entworfen.

Wer Interesse an einem Atelierbesuch hat oder an einem der Kurse teilnehmen möchte, kann sich  bei den beiden Künstlern melden.

http://www.ulladeetz.de

http://www.pkfkrueger.de

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Ulla Deetz mit einer neuen Arbeit. Peter KF Krueger als Bogenschütze. Ein Selbstporträt.

„Halte dich an alte Gesetze, aber an frische Speisen“

Zur Weiterbildung im Antikenmuseum im Schnoor – Zwei Besuche

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Ich bin im Antikenmuseum im Schnoor gewesen. Es ist ein kleines Museum. Vielleicht das kleinste in Bremen? Es ist leicht zu finden, denn das Haus steht in der Nähe vom Altenwall und Ostertorstraße.

Mein erster Besuch

Wer die Eingangstür öffnet, hat das ganze Museum schon fast im Blick: In großen Glasvitrinen stehen atemberaubend schöne alte griechische Vasen, die alle in Athen  entstanden sind.  Vor rund 2500 Jahren hatten sie Griechen in Gebrauch, um darin Wein und Öl aufzubewahren oder daraus zu trinken. Gesammelt hat sie der Bremer Bauunternehmer Manfred Zimmermann. Er eröffnete 2005 das Museum, weil sein Haus für die Sammlung zu klein geworden war.

Leider habe ich bis zu meinem Abitur (1959) nichts über die Kultur der alten Griechen erfahren. Ihre Geschichte gehörte damals nicht zum Lehrplan einer Mädchenoberschule. Diese Wissenslücke trage ich  bis heute mit mir herum. Doch mit Hilfe des Museumswegweisers habe ich einen guten Einstieg gefunden.

Mein zweiter Besuch

Ich bin noch ein zweites Mal im Museum gewesen, um mir einen Vortrag anzuhören. Den Hinweis darauf habe ich auf der Internetseite des Museums gefunden. Auf dem Programm stand das Thema „Lebensklugheit und Weisheit – Die Botschaf 0t der Alten Griechen“, über das Regine Villinger sprechen wollte.

Als ich ankam, war der Raum schon bis auf den letzten Platz besetzt. Es herrschte eine heitere Stimmung, denn es wurden auch Getränke und Gebäck gereicht. Leider nahm Regine Villinger diese freundliche Stimmung nicht auf. Was sie vorlas, hörte sich eher wie eine Seminararbeit an. Natürlich habe ich dabei auch etwas gelernt. Zum Beispiel, dass die Zahl 7 schon bei den Griechen eine große Rolle spielte. Geradezu beindruckt war ich von dem, was die „Sieben Weisen“ der Griechen schon vor über 2500 Jahren ihren Zuhörern und Zuhörerinnen zu sagen hatten. Ein paar Denkwürdigkeiten habe ich mir gemerkt:

Thales von Milet: Was du den Eltern Gutes tust, das erwarte selbst im Alter von deinen Kindern.

Chilon von Sparta: Lass deine Zunge nicht deinem Verstand vorauslaufen.

Bias: Die meisten Menschen sind schlecht.

Periandros: Halte dich an alte Gesetze, aber an frische Speisen.

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Blick in das Museum. Im Vordergrund eine Preisamphora. Mit Olivenöl gefüllt, erhielt sie der Sieger beim Laufwettbewerb in Athen.

Mein Ausflug an die Elbe

 Freundliche Gedanken an einem  Sonntagmorgen – Cuxhaven –  Schloss Ritzebüttel –  Bilder und Objekte von Ulla Deetz

Von Bremen aus ist Cuxhaven ein schönes Ziel für einen Tagesausflug. Zum Verdruss meiner Familie habe ich nicht immer Lust auf Deich, Watt und Alte Liebe. Man muss mich also immer ein bisschen überreden, mit nach Cuxhaven zu fahren. Doch beim letzten Mal war es anders, denn  ich hatte eine Einladung von Ulla Deetz zu ihrer Vernissage im Schloß Ritzebüttel bekommen.

Schloß Ritzebüttel kannte ich nicht. Ich nahm die Einladung an und wurde für die kleine Reise mehr als belohnt: Schloss Ritzebüttel steht am Rand von Cuxhaven in einem schönen Park. Der alte Backsteinbau hat eher die Größe eines Herrenhauses. Alle Räume sind stimmungsvoll eingerichtet und weit geöffnet. Ich konnte mir in Ruhe alles ansehen und gut vorstellen, wie vor einigen hundert Jahren hier gelebt wurde. Das hat mir sehr gefallen!

Zum Träumen und Nachdenken regt auch die Ausstellung von Ulla Deetz an. Auf den ersten Blick scheinen ihre Bilder und Objekte die Wände des großen Ausstellungsraum im Schloss  eher zurükhaltend zu schmücken. Doch beim näheren Hinsehen entdeckt man, dass die meisten Bilder und Objekte aus feinem Papier geschichtet wurden. Nirgends ein grober Pinselstrich. Keine grellen Farben. Doch! Ein paar kleine rote Figürchen in einer Bilderfolge springen einem förmlich ins Auge. Was machen die da? „Die haben Spaß“, sagt Ulla Deetz. Doch was in dieser Bilderfolge noch zu sehen ist, überläßt die Künsterlin dem Betrachter. Er kann in den Bildern nach Empfindungen der Künstlerin suchen oder  eigene Empfindungen sprechen lassen.  So soll man es mit allen gezeigten Bildern halten, wünscht sich die Künstlerin. Sich einfühlen und nachdenken. Ja, Nachdenken  ist ein gutes Wort für diese Ausstellung.

 Zur Vernissage waren zahlreiche Besucher und Besucherinnen aus Bremen und Cuxhaven gekommen. Bürgermeisterin Erika Fischer begrüßte die Gäste.  Auch die lokale Presse war erschienen und berichtete am nächsten Tag ausführlich über diesen ereignisreichen Sonntagmorgen im Schloss Ritzebüttel. Ich fuhr anschließend beschwingt nach Hause.

Die Ausstellung ist bis zum 10. Juni zu sehen. Die Öffnungszeiten: montags 10 bis 13 Uhr, dienstags bis donnerstags 10 bis 13 Uhr und  14 bis 17 Uhr und sonnabends und sonntags von 11 bis 15 Uhr. Himmelfahrt, Pfingstsonntag und  freitags geschlossen.

Augenblicke – meine Fotos von der Vernissage.

Auf dem letzten Foto: Bürgermeisterin Erika Fischer und Ulla Deetz.

www.ulladeetz.de

www.cuxhaven.de

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