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Archiv für die Kategorie ‘krankenhaus’

Allein im Krankenhaus

 

Zwei Krankenhausaufenthalte haben mich gerade das Fürchten gelehrt. Das betrifft nicht die ärztliche Versorgung, mit der ich zufrieden war, sondern die Betreuung für mich im Bett.

Das war die tägliche Vorstellung:

Es zeigt sich keine freundliche Krankenschwester, die sich nach meinem Befinden erkundigt, sondern es kommt eine gelehrte Person mit einem Computer herein gefahren, die kompetent den Ärzten assistiert, mich aber wie ein Stück Holz behandelt. Niemand hilft beim Waschen, Betten werden nicht mehr aufgeschüttelt, das Essen wird im Pappkarton auf den Tisch gestellt. Meine Zusatzversicherung ( für ein Einzelzimmer), für die ich rund vierzig Jahre gezahlt habe, hilft mir nicht. Ich liege in einem Zweibettzimmer. Zum Glück mit einer netten alten Dame. Wir vertragen uns gut. Vorgesehen war das nicht, denn ich hatte einen Termin im Krankenhaus für meine Behandlung. Das Einzelzimmer war bestellt, doch – leider, leider, leider – auf der Station wusste man nichts von meiner Ankunft. Daher meine Aufnahme in einem Zweibettzimmer.

Es wird gestreikt

Das Pflegepersonal streikt. Es will mehr Zeit für die Patienten haben.  
Meine Frage: Was wollt ihr denn mit der Mehr-Zeit anfangen? Wirklich wieder Betten aufschütteln und Essen austeilen?
Mein Vorschlag: Lasst euch ruhig weiter zu (Arzt)Assistenten ausbilden. Empathie ist dafür nicht so wichtig. Aber sorgt dafür, dass es wieder eine Ausbildung zur guten alten Krankenschwester gibt, für die ein einfacher Schulabschluss genügt. Wer Freundlichkeit und Zuversicht ausstrahlt, kann Kranken auch guttun. Einfühlung und Zuwendung bekommt man nicht durch hohe Schulabschlüsse zensiert. Lasst die gute alte Krankenschwester wieder arbeiten. Sie war ein Segen für die Kranken.

 

Ich habe es übrigens auch ein bisschen lustig gehabt. Zwei Tage habe ich auf der Normalstation in einem Vier-Bett-Zimmer geschlafen. Wir waren eine fröhliche Gang, mit Herz-Schmerz-Problemen –  und fast ohne Krankenschwestern. Und ganz ohne Chefarztbesuch.
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sturz in den frühling

1. tag. frau marie (70+) liegt im krankenhaus. sie hat rosen in ihrem hochbeet gedüngt, ist dabei aus dem beet gefallen und auf einer steintreppe gelandet. danach war  ihr handgelenk zertrümmert. sie hat dann einfach den kaputten arm auf ein tablett gelegt und hat sich von ihrem mann in die notaufnahme im nächsten krankenhaus fahren lassen. aufgewacht ist sie dann auf der intensivstation. herzprobleme, erklärte man ihr. aus dem arm ragten zwei lange schrauben.  neben ihr saß ein freundlicher junger mann in grünen anzug. ich bin ihr krankenpfleger,  stellte er sich vor und verschwand dann für eine weile hinter einer schiebetür. die nacht war kurzweilig, denn der junge mann kam immer wieder vorbei, sah frau marie  aufmerksam an und erzählte ein bisschen aus seinem leben.

2. tag. heute ist sie zum zweiten mal operiert worden und hat danach den aufwachraum kennengelernt. dort standen neun betten mit menschen darin, die sich nicht rührten. diesmal dauerte es nicht lange und frau marie wurde im bett durch viele flure und fahrstühle in ihr zimmer geschoben. dort lernt sie nun langsam den krankenhausalltag kennen.

3. tag. es kommen immer neue schwestern durch die tür. meistens in eile. ihre offizielle berufsbezeichnung heute: gesundheits- und krankenpflegerin. sie bringen dreimal am tag essen, räumen alles wieder ab, kümmern sich um die medikamente und erzählen manchmal von ihren männern, kindern oder arbeitsfreien tagen. das essen erinnert frau marie an ihre kindertage: hühnersuppe, roulade, hühnerfrikassee, gemüse, kartoffeln…

4. tag. routine ist eingekehrt. blumensträuße schmücken das zimmer. das handy ist warm gelaufen und besucher kommen auch vorbei. frau marie weiß, dass die ärzte an ihr ein bewunderugswürdiges kunststück vollbracht haben. es soll auch nicht mehr lange dauern, bis sie ihre linken finger wieder gebrauchen kann. bis dahin wird sie aber ihre alltagsgeschichten ohne große anfangsbuchstaben schreiben müssen.

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drei karten mit genesungswünschen von den kolleginnen. und alles dabei, was frau marie sich wünscht. blühende bäume, stille zeiten am meer und die heilende energie-strahlensonne.

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