Fröhliche Ostern 2018

Ich verbringe gerade ein paar Tage in London und schicke daher ein Osterbild von der Themse. – Alles, was ich sonst schon zu diesem christlichen Fest gesagt habe, kann man hier nachlesen:

Warum die Feiertage? – Meine Antwort für Marie

Marie fragt mich, warum wir Ostern feiern. Das Kind besucht mich manchmal, wenn Papa und Mama überall Unruhe verbreiten. Stress haben.   Finde ich jetzt die schnelle Antwort? Nein. Doch dann zieht Marie meine Kinderbibel aus dem Bücherregal. Und ganz am Ende finden wir die Antwort. Zusammen lesen wir, dass Jesus in der großen Stadt Jerusalem Geschichten vom Himmelreich erzählte. Und dass das den Hohen Priestern  nicht gefiel. Sie wollten Jesus töten lassen. Judas, einer von Jesus zwölf Jüngern, wollte den Hohen Priestern verraten, wo sie Jesus leicht festnehmen konnten. Dafür sollte Judas  dreißig Silberstücke bekommen.

Gründonnerstag

Gründonnerstag, der Tag vor Karfreitag, erinnert daran, dass Jesus, einen Tag bevor er ans Kreuz geschlagen wurde, noch einmal mit seinen Jüngern zusammen gegessen hat. „Einer von euch, der hier mit am Tisch sitzt, wird mich verraten“, hat er bei diesem Abendmahl gesagt.

Karfreitag

Nach dem Essen ging Jesus mit drei Jüngern auf den Ölberg, um zu beten. Dort nahmen ihn bewaffnete Männer fest. Judas hatte ihnen  gesagt: „Ich küsse Jesus, dann wisst ihr, wen ihr festnehmen müsst.“ Und so geschah es. Als Jesus vor den Hohen Priestern stand, fragte man ihn, ob er wirklich der Sohn Gottes sei. „Ja, ich bin es“, antwortete Jesus. „Das ist Gotteslästerung,  niemand kann der Sohn Gottes sein“, erklärten die Priester. Dann wurde Jesus zu Pilatus gebracht, der den römischen Kaiser in Jerusalem vertrat. Nur Pilatus durfte jemanden zum Tod verurteilen. Doch Pilatus wollte die Hohen Priester nicht  verärgern und gab den Befehl, Jesus an das Kreuz zu schlagen . So geschah es. Abends war Jesus am Kreuz gestorben. Ein reicher Mann kam und nahm, zusammen mit Freunden, Jesus vom  Kreuz, wickelte in ein weißes Laken und legte ihn in ein Grab.

Ostern

Zwei Tage später, es war Sonntag, machten  sich drei Frauen auf den Weg, um das Grab von Jesus zu besuchen. Doch als sie ankamen, war das Grab leer. Ein Engel stand dort: „Fürchtet euch nicht“, sagte er, “ Jesus ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden.“

Darum ist Ostern  ein Fest, an dem man sich freuen darf. Und lachen darf. Und Witze erzählen darf. Vor Jahren hat das ein Pastor von der Kanzel verkündet. „Zur Osterfreude gehörte früher das Osterlachen. Auch im Gottesdienst“,  erklärte er und erzählte dazu lustige Geschichten von der Kanzel.

Das gefällt Marie und mir, und wir fangen an, uns Witze zu erzählen. Marie ist dieser eingefallen:

„Anna fragt: „Papi, Papi, wo ist denn Australien?“ „Keine Ahnung. Deine Mutter hat aufgeräumt.“

Mein Lieblingswitz aus Kindertagen: „Die Mutter ruft: Klein Erna, komm, Füße waschen. Ich brauch die Schüssel für Salat.“

Marie hat den Witz nicht verstanden. Füße in der Schüssel waschen? Wer macht denn das?

Zusammen angesehen haben wir uns „Die große Ravensburger Kinderbibel“. Erzählt von Thomas Erne, mit Bildern von Ulises Wensell.

Advertisements

Vor 70 Jahren – Sommerferien auf dem Bauernhof

Wenn man  alt ist, kann man sich ruhig einmal fragen, was schön im Leben war. Ich habe eine Menge Glücksgefühle gefunden. Von meinen ältesten soll hier die Rede sein: Das waren meine Sommerferien in Eitzendorf bei Tante Luise und Onkel Henry. Von 1949 bis 1952 bin ich jedes Jahr bei ihnen gewesen. Sie wohnten in einem Bauernhaus, mit allen ihren Tieren unter einem Dach. Mit zur Familie gehörten Tante Martha und Knecht Johannes. Später kam Wilhelm dazu, der einzige Sohn, der aus dem Krieg zurück gekommen war. Seine beiden Brüder blieben verschollen. Wilhelm war krank. Er konnte nicht arbeiten. Dafür fotografierte er. Alle Bilder, die ich von meinen Ferien in Eitzendorf habe, hat er gemacht. Meine Eltern freuten sich auch, dass ich in Eitzendorf meine Ferien verbrachte, denn sie wussten, dass ich dort gut zu essen bekam. In Bremen war das – auch Jahre nach dem Krieg – immer noch nicht selbstverständlich.

Auf meinem Lieblingsfoto (oben) sitze ich mit Hündin Flora auf dem Brunnenschacht vor dem Haus. Flora wollte nicht fotografiert werden. Ich erinnere mich genau daran. Ich musste sie festhalten.

Holzschuhe und Schürze gehörten zu meiner Hofkleidung. 

Kinder durften toben

Onkel Henry und Tante Luise waren kinderfreundlich. Sie ließen die Flüchtlingskinder, die auf ihrem Hof mit ihren Eltern einquartiert waren, und mich ungehindert spielen und toben. Beliebt war zum Beispiel Schweineärgern: Wir schoben im Stall die Stallwände zurück, so dass die Schweine meinten, sie würden gefüttert. Das endete immer mit einem ohrenbetäubenden Quietschen. Tante Luise machte alles wieder gut, denn sie wusch die Tiere und ließ sie anschließend in frischem Stroh ihr Nickerchen machen. War das ein schönes Schweineleben….

Ich durfte auch bei der Ernte mithelfen. Die Mähmaschine wurde noch von Pferden gezogen. Ich führte die Pferde, Onkel Henry schob das Schnittgut auf das Feld, wo meine Tanten es bündelten. Wenn die Augustäpfel reif waren, sind wir mit der Kutsche nach Hoya gefahren, um die Äpfel dort auf dem Markt zu verkaufen. Auch dabei konnten sie mich gebrauchen. (Niemals habe ich mit größeren Vergnügen Erwachsenen geholfen.) Die Pferde vor der Kutsche waren auch ein besonderes Gespann. Nach Hoya hin mußte man ihnen manchmal „Beine machen“. Zurück liefen sie fast von allein…

Nicht alles war erlaubt

An das erinnere ich mich auch noch: Hühner und Gänse durften wir Kinder nicht jagen. Das war schade, denn sie machten beim Davonlaufen und Hochflattern einen so schönen Lärm. Freitags wurde ich mit einem Blumenstrauß aus dem Garten zum Friedhof geschickt, um das Familiengrab zu schmücken. Was waren das noch für schöne Familienbande: Das denke ich manchmal, wenn ich wieder eine Rechnung für die Pflege von unserem Familiengrab bezahle. Das Familiengrab liegt in einer anderen Stadt. Ich habe es schon lange nicht mehr besucht.

Hausarbeit sah damals auch ein bisschen anders aus. Tante Martha buck noch das Brot für die Familie. Dafür mussten die Männer jedesmal den Ofen im Backhaus heizen. Dafür nahmen sie Holz vom Hof. Mich hatten sie einen Tag vorher zu den Nachbarn geschickt. „Henry backt“, brauchte ich nur zu sagen und jeder wusste, dass er seinen Kuchen zum Backen bringen konnte.
Melken und reiten habe ich nicht gelernt. Ich hatte Angst vor den großen Tieren.
Froh war ich immer, wenn die Bremer Sommerferien im August waren, denn dann konnte ich Tante Luises Geburtstag mitfeiern. Dort habe ich zum ersten Mal einen Kaffeetisch voller Torten gesehen. Diese Auswahl! Gäste waren meist Verwandte, denn Tante Luise und Onkel Henry hatten eine große Zahl von Brüdern, Schwestern mit Kindern und Enkelkindern. Der evangelische Pastor war in diesem Haus auch ein gern gesehener Gast. Er hatte es erlaubt, dass die Flüchtlinge, die meist katholisch waren, in seiner Kirche ihr Gemeindeleben führen konnten. Ich bin bei ihnen gern in den Kindergottesdienst gegangen. Das war ein bisschen ungewöhnlich, denn Katholiken wurden nicht überall mit offenen Armen empfangen…

Das waren meine glücklichen Tage in Eitzendorf. Die Nachfahren der Familie leben immer noch in dem Bauernhaus. Tiere sind nicht mehr auf dem Hof. Wiesen und Äcker sind verpachtet. Das Geld zum Leben wird in der Stadt verdient. Manchmal besuchen wir uns. So, wie es zu einer lebenslangen Liebe passt.

Noch zwei Fotos von Wilhelm Bormann: Ich als Erntehelferin und mit Onkel Henry und Tante Martha in der Kutsche, auf dem Weg nach Hoya zum Wochenmarkt.

Eitzendorf ist (heute) ein Ortsteil der Gemeinde Hilgermissen in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen. (Wikipedia)

 

Kaum zu glauben: Karneval im Bremer Norden

tgb017021150k

Ja, ich kann es kaum glauben: An meinem Haus ist gerade  ein Karnevalsumzug vorbeigekommen, und ich hätte dieses bunte Ereignis fast verschlafen ( Mittagsschlaf, lang). Doch die bunte Schar trommelte  Samba-Musik  und marschierte auch nicht besonders schnell, so dass ich dem Zug – rasch aufgestanden –   gut folgen konnte. Organisiert hatte alles die Initiative Bremer Karneval e.V.. In diesem Jahr mit dem Motto „Wunderwelten“ . In Vegesack  fand der erste Umzug statt.

Zum großen Umzug am 18. Februar, der am Bremer Marktplatz beginnt, haben sich über hundert Samba-Gruppen aus Deutschland und über seine Grenzen hinaus angemeldet. In Vegesack konnte man auch – schön verkleidet – allein mitlaufen. Ob  die beiden Stelzenläufer zur Samba-Gruppe gehörten oder nicht, weiß ich nicht. Ich habe sie bewundert: ihre schönen Kostüme und ihre Stelzenlauf-Akrobatik.

Ischa Freimaak

tgb016102289k

Die Bremer sind in Feiertagslaune

Ja, es ist wieder soweit: In Bremen kann man sich ganz prima auf einem riesigen Rummelplatz vergnügen. Allerdings nur noch bis zum letzten Sonntag im Oktober. Danach wird  der Vergnügungspark vollständig geräumt und auf der Bürgerweide parken wieder Autos.

Ich bin schon lange nicht mehr auf dem  Bremer Freimarkt gewesen. Doch  neulich waren Charlotte (8) und Marie (10)  bei mir zu Besuch und die hüpften vor Begeisterung um mich herum, als ich sagte, dass wir zusammen auf den Freimarkt gehen. Rasch ließ ich mich von dieser Vorfreude anstecken  und nach einer kurzen Fahrt mit der Bahn tauchte ich mit beiden in das Getümmel ein.

Alles um uns herum war bunt und in Bewegung. Marie und Charlotte schenkten mir von da immer wieder ihre schönsten Bettelblicke – ich musste nur nicken – und schon kletterten sie in ein Karussell nach dem anderen. Frei nach dem Motto: wild, wilder, am wildesten. Alle diese Freudenbringer fuhren mit hoher Geschwindigkeit im Kreis herum, ließen ihre Gondeln kippen oder drehten sie durch die Luft. Du lieber Himmel – niemals hätte ich mich in  eins von diesen Gefährten gesetzt. Doch die beiden strahlten nach jeder Fahrt vor Begeisterung –  Bettelblick –  Nicken – dann fuhren noch einmal los und stürzten sich danach in die nächste bunte Bahn.

Ich hatte in meiner Wartezeit ein  Kettenkarussell entdeckt, dass an einem Mast rund fünfzig Meter in die Höhe geschoben wird, um dort oben seine Runden zu drehen. Wollt ihr das? Die beiden wollten das. Doch als ich dann ihre kleine Beine dort oben in der Höhe wippen sah, holte ich tief Luft: War das nicht zu gefährlich für die beiden? Nein, sie sind heil gelandet. Aber eine zweite Fahrt wollten sie nicht. In die Geisterbahn trauten sie sich auch, doch besonders gruselig fanden sie die Fahrt nicht. Danach lockten Los- und Spielbuden. Glück wurde aber nur verteilt, wenn vorher das Portemonnaie weit geöffnet worden war.

Was gibt es noch zu erzählen?

Am Montag, 24. Oktober, ist Oma-Opa-Enkeltag mit vielen Ermäßigungen. Beginn 14 Uhr bis in die Abendstunden. Am Infostand (gleich rechts, wenn man aus dem Bahnhof kommt)  erhält man u.a. die Ausweise dafür.

Was heißt: Ischa Freimaak ?

Das ist bremisch. Übersetzt:

Ischa = es ist ja

Freimaak= Freimarkt, ein alter Begriff für einen Platz, auf dem etwas verkauft wird.

Mein Portemonnaie war am Ende leer. So sah die Rechnung aus:

14 Karussellfahrten: 55 Euro

2 Tüten Zuckerwatte: 4 Euro

1/2 m Bratwurst: 4,50 Euro

30 Lose: 5 Euro (Einzeleinkauf war nicht möglich). Gewinn: zwei kleine Kuscheltiere.

tgb016102286rk

Schön und kostenlos anzusehen: Das Lichtermeer auf dem Freimarkt.

 

Alltag in meiner Umgebung

Von Tag zu Tag – Fußball EM 2016 – Rabatt beim cker

Brot und Spiele.  Wer jetzt in Bremen in Beckmann´s Bäckerland Brot einkauft, bekommt einen besonderen Rabat: Für jedes Tor, das unsere Nationalmannschaft während der Europameisterschaft in Frankreich schießt, reduziert sich der Brotpreis  beim Bäcker Beckmann um 20 Cent. Zu meiner Überraschung habe ich daher gestern statt 3,90 € nur 3,30 € bezahlt. Und wenn ich schnell an diesem Wochenende das ganze Brot aufesse, reduziert sich der Preis Montag weiter. Wie heißt es so schön in seiner Homepage: 

Daumen drücken – jubeln – sparen !

Tor für Bäcker Beckmann !

Zuviel des Guten. Ich habe am Wochenende noch mehr eingekauft. Fünf Teile beim Marken-Discounter Netto. Dafür habe ich 3,09  bezahlt. Bekommen habe ich dafür:

250 Gramm Kerrygold Butter, einen Liter Frischmilch, 200 Gramm  saure Sahne, 250 Gramm Schmand und 200 Gramm Schlagsahne. Alles Milcherzeugnisse.

Das sind keine fairen Preise mehr! Mir ist es egal, wie der Milchpreis entstanden ist, ich finde es einfach unfair, wie man mit den Milchbauern  umgeht. Rund 3400 Höfe, knapp 5 Prozent, so wurde auf dem Deutschen Bauerntag letzte Woche in Hannover berichtet, haben im letzten Jahr ihren landwirtschaftlichen Betrieb aufgegeben.

Tagesspruch: Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Zu weit geflogen. Die beiden Jungen spielen im Park Fußball. Nah an meinem Garten. Irgendwann  klingelt es. Die beiden Jungen stehen vor der Tür. „Mein Ball ist in ihren Garten geflogen. Dürfen wir ihn suchen?“. Natürlich. Ich gucke mit, doch wir finden ihn nicht. „Du kannst mir ja deine Adresse geben“, schlage ich vor. „Ich melde mich, wenn ich den Ball finde.“ „Meine Eltern sind geschieden,“ erklärt der kleine Ballbesitzer, „ich sage ihnen die Adresse von meinem Vater. Da bin ich heute.“

Wie viel Kummer sich wohl hinter dieser Adresse verbirgt?

Jürgen. Die Einladung kam schon vor sechs Wochen: Am 7. Juli will Jürgen mit uns seinen 70. Geburtstag feiern. Am 7. Juli spielt bei der Fußball-EM Deutschland gegen Frankreich. Du lieber Himmel, was für ein Konflikt! Ich bin gespannt, wie Jürgen ihn lösen wird. Vielleicht kommt er aber auch gar nicht auf die Idee, seine Geburtstagsfeier dem Spiel im Halbfinale anzupassen, denn Jürgen ist ein Bildungsbürger. Fußball interessiert ihn nicht.

 

Endlich Sommerferien

tgb008100824k

Ferientag an der Ostsee.

In Bremen und Niedersachsen haben die Schulferien begonnen. Bis zum 3. August dauert die schöne Zeit. Doch zum Ferienanfang werden in beiden Bundesländern auch Zeugnisse verteilt. Nicht für alle Schüler und Schülerinnen bedeutet das die helle Freude. Wie soll man seinen Eltern die schlechten Noten erklären? Darüber haben sich in Bremen auch die Schulpsychologen der Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren (ReBUZ)  Gedanken gemacht. Sie haben ein Zeugnistelefon eingerichtet. In allen Fragen, Nöten und Ängsten rund ums Zeugnis können sich Schülerinnen und Schüler, Erziehungsberechtigte und andere Ratsuchende am letzten Schultag und ersten Ferientag an die „Helfer am heißen Draht“ wenden.

Auch ich habe zu den  Schülerinnen gehört, die Zeugnissorgen hatten. Einmal hat sich das so angehört: Meine Französischlehrerin  fragt: Welche Zensur bekommst du im Deutschen?“ “ Ich vermute eine Zwei.“ “ Gut, dann gebe ich dir eine Fünf in Französisch. Den Ausgleich hast du ja mit der Deutschnote“. Mein Vater hat über diese Lösung gelacht. Ich habe heute kaum noch Französisch Kenntnisse. Nur einen Satz habe ich noch im  Kopf. Es war der beste, den meine Lehrerin sagen konnte, wenn ich  vorlesen musste: „Assez de paroles!“. Genug der Worte!

 

 

 

Mein letztes Foto in diesem Jahr

IMG_6581k

Ich widme es allen Kindern, die Weihnachten ihre Geschenke für Vater, Mutter, Opa, Oma, Onkel und Tanten selbst gebastelt haben. Schöner, finde ich, kann man gar nicht beschenkt werden.

Das ist mein Beweis: Das Bild gehört in einen Kalender, den Anna (7) ganz allein bemalt und beklebt hat. Zwölf Bilder sind es. Jedem sieht man an, dass Anna es sich nicht leicht gemacht hat. Zu jedem Monat ist ihr ein passendes Thema eingefallen. Im Januar steht zm Beispiel ein fröhlicher Schneemann im Schneegestöber, im August ziert das Blatt eine leckere Eistüte und im Oktober kann man sich über kunterbuntes Laub freuen. Auf dem letzten Blatt für den Monat Dezember, das ich hier zeige, hat sie sich noch einmal viel Mühe gemacht. Der Tannenbaum hängt voller Kugeln, Sterne sind zu sehen, und der Weihnachtsmann freut sich. Warum? Ich glaube, weil er ein Reh gesehen hat. Nur Anna konnte es nicht malen und hat darum einfach Ree dazu geschrieben.

Danke, Anna, für dieses schöne Weihnachtsgeschenk!

Jedes Kind war willkommen

tgb014120601rk

So sah es heute, am 6. Dezember, in Bremen vor vielen Geschäften aus: Kinder standen Schlange, um ein paar Süßigkeiten zu ergattern. In Bremen ist es nämlich Brauch, dass am Nikolaustag Kinder in vielen Läden herzlich willkommen sind. Wie hier – vor einem Geschäft in der Vegesacker Fußgängerzone – standen junge Frauen im Eingang und warteten auf die kleinen Besucher. Es war aber Ehrensache, dass jedes Kind erst einmal ein Gedicht aufsagen oder ein Lied singen musste. Und jedes Kind bekam die gleiche Aufmerksamkeit. Auch in diesem Jahr war dies das Lieblingsgedicht:

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,

dann steht das Christkind vor der Tür.

Der Heilige Nikolaus hätte sicher seine Freude an diesem Kinderzulauf zu seinem Fest gehabt, denn dieses religiöse Fest war für alle offen.

In Bremen haben die Schulferien begonnen

tgb013070309k

Erster Ferientag  in Bremen und Niedersachsen ist der letzte Tag im Juli. Am 10. September ist die schöne Zeit vorbei. Als Urlaubsfoto habe ich den Neptunbrunnen auf dem Domshof in  Bremen ausgesucht. Wie man sieht, kann man dort gut seine Zeit vertreiben. Und nachdenken. Neptun? Wer war das noch? Der Gott der Meere. Und weiter? Ich habe es nachgelesen:  Der Sage nach stürmt er mit Pferd und Wagen über die Wellen und kann mit seinem Dreizack, dem Zepter seiner Macht, Stürme erzeugen, Felsen sprengen, aber auch genauso schnell alles zur Ruhe bringen. Wer etwas über die Bilderfolge wissen möchte, kann das auf einer Bronzeplatte am Brunnen nachlesen. Der Brunnen wurde 1991  aufgestellt, von Waldemar Otto entworfen und gestaltet.  Die Bremer haben sich übrigens schon früh ein Bild von diesem Meeresgott gemacht, denn im Renaissance-Fries über  den Rathausarkaden findet man ihn auch  mit seinem Dreizack in der Hand.

Auch ein Buch für Senioren

tgb014050589

Kinderglück und Elternsorgen – Vor 60 Jahren in der DDR

 

Bärbel Stasch hat ihrem neuen Buch den Titel „Nichts wie weg von zu Haus !“ gegeben. Sie schildert darin, wie ihre Eltern mit ihr und ihrer Schwester 1958 aus der DDR in die Bundesrepublik geflüchtet sind. Doch über dieses dramatische Ereignis berichtet sie erst im letzten Teil ihres Buches. Zu Anfang erzählt sie von ihrer Kindheit in dem kleinen Dorf Möllenstein, wo ihre Eltern 1954 als Lehrer eingestellt werden. Und diese kleinen und großen Erlebnisse sind es, die mich gefesselt haben. Vieles davon habe ich nämlich auch erlebt: Die grenzenlose Freiheit draußen vor der Tür, Spiele wie „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“, Spaß im Heu, der Besuch im Schweinestall, Angst vor einer Gertrud oder Eltern, die plötzlich Französisch sprechen, weil sie ein Geheimnis haben.

Vor 60 Jahren

Die Bremer Autorin (Jahrgang 1951) erzählt aber nicht nur, sondern erklärt ihren jungen Lesern und Leserinnen auch, warum Kinderalltag vor sechzig Jahren anders aussah und was damals in Ost und West für politische Verhältnisse herrschten. Das findet man in den kursiv gedruckten Passagen. Mich hat das auf den Gedanken gebracht, das Buch zusammen mit meinen Enkelkindern zu lesen und darüber zu reden. Ich habe dabei meine eigenen Erlebnisse eingeflochten und mein „Wessi-Wissen“ dazu getan.

West- und Ostzone

Die Autorin und ich waren beide noch Kinder, als nach dem zweiten Weltkrieg Deutschland geteilt wurde. In eine West- und Ostzone. Und wir waren schon erwachsen, als später daraus zwei Staaten wurden. Wer in der Bundesrepublik lebte, konnte gleich nach dem Krieg beim Wiederaufbau der zerstörten Städte und Landschaften mitarbeiten. Dafür sorgten die Westmächte.  Russland beherrschte die Ostzone. Dort begann der Wiederaufbau viel später.

Die Flucht

Die kleine Bärbel in der Ostzone hat das nicht berührt, denn sie hatte ihre heile Welt in Möllenstein gefunden, wie ich – zehn Jahre älter – in einem Dorf an der Weser. Doch sie musste dann erfahren, wie es sich anfühlt, wenn der Staat über den Bürgen wacht. Und wie seine Vertreter selbst Kinder nicht mit Verhören verschonen, wenn sie glauben, dass sich die Eltern nicht an Gesetze halten. Mich hat ihre Schilderung der Flucht sehr berührt. Die Autorin hat früh erlebt, was es heißt,  Eltern zu haben, die ihr Kind uneingeschränkt lieben und beschützen, wenn einen Angst und Panik überwältigen.

Krippenfiguren aus dem Erzgebirge

Ich Wessi habe von der Ostzone nur durch die Medien erfahren, denn wir hatten keine Verwandten oder Freunde, die dort lebten. Und wir hatten auch keine Angst vor der „Ostzone“. Wir dachten an die Menschen „drüben“ mit Mitgefühl. Ich habe in den sechziger Jahren an eine fremde Familie Pakete geschickt, mit Waschpulver und Nylonhemden. Dafür bekam ich zu Weihnachten Krippenfiguren aus dem Erzgebirge geschenkt. Nur irgendwann bat man mich, keine Pakete mehr zu schicken. Ohne Begründung. Als dann, wie durch ein Wunder, die Mauer fiel und aus zwei Staaten einer wurde, habe ich mich so gefreut, wie kaum vorher in meinem Leben.

Sabine Jaene hat die Bilder in diesem Buch gemalt. Auch das hat mich wieder an meine Kinderzeit erinnert. Ich war schon früh eine Leseratte. Doch die Bücher mussten Bilder haben! Als ich dann mein erstes Buch ganz ohne Bilder gelesen hatte, wusste ich: „Nun liest du wie die Großen“.

Aber – wie schon gesagt – dies ist ein Buch für  junge Leser und Leserinnen und Senioren. Ein Buch zum Vorlesen und Erzählen.

Bärbel Stasch „Nichts wie weg von zu Haus !“. Donat Verlag, Bremen. 168 Seiten. Empfohlenes Alter: 10-12 Jahre.