seniorenfreundlich – norddeutsch – weiblich – alt und jung

Archiv für die Kategorie ‘Frühling’

Das Glöckchen mit Eigensinn

Ein starker Frühlingsbote               Im März                            Mein Lieblingsfoto

Weil ich im Herbst nicht alles Laub vom Beet gefegt habe, mussten sich diese kleinen Schneeglöckchen mächtig anstrengen, um ihre Blüten hervorzutreiben. Ich mag dieses Foto sehr. Es zeigt mir, wie unbekümmert die Natur sein kann.

Eine schöne Beschreibung der kleinen Pflanze habe ich in dem Schulbuch „Schmeils Leitfaden der Pflanzenkunde“ gefunden. Es ist ein „Hilfsbuch für den Unterricht an höheren Lehranstalten. Nach den Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen Preußens bearbeitet.“ – Erschienen 1929. Darin heißt es :

Das Schneeglöckchen bringt wie die Tulpe alljährig nur eine einzelne Blüte hervor, die aber verhältnismäßig lange, bei schlechtem Wetter sogar wochenlang, erhalten bleibt… Gegen Abend schließt sie sich, und an kalten, unfreundlichen Tagen öffnet sie sich überhaupt nicht…

Google hat mich noch mit ein paar Neuigkeiten versorgt. Das Schneeglöckchen hat inzwischen viele Liebhaber gefunden:  Es wurden  neue Sorten gezüchtet, es steht unter Naturschutz, und es werden Feste gefeiert, bei denen das Schneeglöckchen im Mittelpunkt steht. Das letzte Fest hat am 4. und 5. März in Hamburg stattgefunden.

Weil auf meinen Foto (oben) alle Blüten geschlossen sind, habe ich mir ein paar Schneeglöckchen ins Wohnzimmer gestellt und siehe da: In der Wohnzimmerwärme haben sich die kleinen Blüten geöffnet. Die Kätzchen vom Korkenzieherhasel waren schon aufgeblüht.

Advertisements

Sonntag im Frühling

tgb016040320k

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;

Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.

Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

Das Gedicht stammt von Eduard Mörike (1804 – 1875). Es ist mir wieder eingefallen, als ich  auf meinem Spaziergang im Stadtgarten am Weserufer dieses Foto gemacht habe. Doch wer war Eduard Mörike? Ich habe alles, was ich jetzt erzähle im Großen Brockhaus von 1929 nachgelesen. (Mein Schulwissen ist doch schon ziemlich verbraucht).

Also: Eduard Mörike war Pfarrer, wurde aber schon früh in den Ruhestand geschickt,  „weil er sein ungeliebtes Amt völlig vernachlässigte…“. Dafür betätigte er sich als Schriftsteller. Extra erwähnt wird, dass er eine geheimnisvolle Frau geliebt haben soll. Dann aber doch wieder in die Arme seiner Muter geflohen ist. Geheiratet hat er 1851 die 27jährige Margarethe von Speeth. Doch die Ehe war nicht glücklich, so “ dass das alternde Paar 1873 wieder auseinander ging“. Zwei Jahre später ist Eduard Mörike –  kurz von seinem 71. Geburtstag –  gestorben. Ein Lebenslauf, der auch in unsere Zeit gepasst hätte.

Kein Aprilscherz: Strandgebühr im Winter

tgb016032812T

Mein Besuch zu Ostern möchte  gern windige norddeutsche Luft einatmen. Mein Vorschlag: Fahrt an die Nordsee. Nach Duhnen oder Cuxhaven. Als die große Familie abends zurück kommt, haben sie dieses Foto mitgebracht. Wie man sieht, ist der Deich vor dem Strand eingezäunt. Vor dem Strandkorb steht ein Wärter, der von jedem Erwachsenen drei Euro kassiert, bevor der an den Strand gehen  kann.

Strandgebühr im Winter?  Ein Ostfriesenwitz? Nein, Strandeintritt ist das ganze Jahr überfällig. Das ist erlaubt und wurde gerade durch ein Gerichtsurteil bekräftigt. Die Begründung: Die Nordseeküste mit ihren Stränden wird von den Gemeinden gepflegt und das kostet. Daher gilt in Duhnen: Freier Zugang nirgendwo. Dass längst nicht jeder Besucher Lust zum Zahlen hatte, zeigt das Foto auch. Meine Vermutung: Die auf dem Deich spazieren, haben  nur bezahlt, weil sie sehen wollen, ob der Ostfriesenwitz tatsächlich stimmt:

Warum gibt es Ebbe und Flut?        Die See hat sich vor den Friesen gefürchtet und guckt nun jeden Tag zweimal nach, ob sie weg sind. 

Zwei Feiertage

 

_DSC2853r

Es ist Pfingsten. Fünfzig Tage nach Ostern feiern die Christen dieses Fest, das auch als Geburtstag der Kirche gilt. In Bremen finden in vielen Kirchen am Pfingstsonntag und -montag besondere Gottesdienste statt. Das Fest wird aber auch als Frühlingsfest gefeiert. In diesem Jahr sollen es zwei schöne Sonnentage werden. Das ist ein guter Grund, um einen Spaziergang zu machen. Ein lohnendes Ziel ist der Stadtgarten in Bremen-Vegesack. Dort blühen jetzt die ersten Rosen und man blickt  von dort aus direkt  auf die Weser und ihre Ufer. Auf dem Foto ist es der Blick in Richtung Bremen. Ein bisschen  weite Welt bekommt man an dieser Stelle  auch geboten, denn oft liegen  vor den Werften große Privatyachten, die hier für Kunden in aller Welt gebaut werden.

Frohe Pfingsten !

 

 

 

 

Wo blühen diese Tulpen?

 

2014-04-18 002 007k

 

Meine amerikanische Freundin ist wieder auf Reisen gewesen. Manchmal schickt sie mir von ihren Sehnsuchtsorten rund um die Erde ein Foto. Gestern kam wieder einmal eine Mail von ihr.  Als ich sie öffnete und das Foto sah, dachte ich: „Wie schön, Anna war  in…..“ Ganz falsch! Natürlich hat sie mich nicht rätseln lassen, wo sie gewesen ist. Doch mich hat die Lösung überrascht. Und so habe ich ein Sonntagsrätsel daraus gemacht:

Wo  kann man sich dieses Blütenmeer jetzt ansehen?

In der niederländischen Gartenanlage Keukenhof?

oder

In den Duke University Gardens in Durham, North Carolina, USA?

Die Lösung verrate ich nicht, denn die findet man bei Wikipedia, wenn man die beiden Orte angibt.

 

Meine Übersetzung für Anna, die leider kein Deutsch spricht:

My American friend has been travelling again. Sometimes she sends me photos of  her places of longing around the world. Yesterday once again an email arrived from her. When I opened it and saw the photo, I thought: “How nice, Anna was in. ….”

Completely wrong! Of course she did not leave me guessing where she had been. But the answer surprised me. And so I thought of a Sunday riddle:

Where can these ​​flowers be seen right now?

In the Dutch Keukenhof Gardens or  in the Duke University Gardens in Durham?

Wikipedia has the answer.

 

 

An den Frühling

tgb014032318

An den Frühling

1781

Willkommen, schöner Jüngling,

Du Wonne der Natur!

Mit deinem Blumenkörbchen

Willkommen auf der Flur!

*

Ei ! ei ! da bist ja wieder!

Und bist so lieb und schön!

Und freun wir uns so herzlich,

Entgegen dir zu gehn.

*

Denkst auch noch an mein Mädchen?

Ei, Lieber, denke doch!

Dort liebte mich das Mädchen,

Und `s Mädchen liebt mich noch!

*

Fürs Mädchen manches Blümchen

erbat ich mir von dir –

Ich komm´ und bitte wieder,

Und du? – du gibst es mir?

*

Willkommen, schöner Jüngling,

Du Wonne der Natur!

Mit deinem Blumenkörbchen

Willkommen auf der Flur!

*

Dieses Gedicht hat Friedrich Schiller vor 233 Jahren geschrieben. Und ich spüre – genau wie der Dichter –  die Freude, die er mit diesem Gedicht ausgedrückt hat. Vielleicht hat er seinen Frühlingsspaziergang  an der Ilm gemacht. Ich habe meinen Frühling im Vegesacker Stadtgarten gefunden. Der Park liegt an der Weser. Dort blühen jetzt die Narzissen. Zum ersten Mal in diesem Jahr in einem großen Feld. Diese Frühlingsschönheiten stehen dort, weil der Förderverein, der den Park unterstützt, sie gespendet hat.

Dieser Hinweis muss auch noch sein: Am 21. März war der „Welttag der Poesie“. Leider habe ich das erst jetzt herausgefunden.

Der erste Frühlingssonntag

tgb014030415k

9. März 2014. Die Sonne scheint. Es ist warm.  Ein gelber Schmetterling fliegt in den blauen Himmel. Das Rotkehlchen huscht über das leergeräumte Blumenbeet. Im Park leuchten die Frühlingsblüher um die Wette. Die Amsel singt ihr erstes Abendlied.  Schöner kann ein Vorfrühlingstag nicht sein.

Der Mai Ist gekommen

Im Sauseschritt –  Jetzt blüht es überall

tgb013050551k

In meinem Garten ist Frühling. Tulpen und Narzissen blühen an Plätzen, die sie sich selbst ausgesucht haben. Sie sind gewandert. Der Rhododendronbusch  hat kaum noch Platz für alle seine Blüten. In seinem Schatten haben sich  Buschwindröschen  angesiedelt und überall – wie vom Winde verweht – leuchten die himmelblauen Vergissmeinnicht. Auch im Bild: Ein Zweig vom Mandelbaum,  über und über mit rosa Blüten geschmückt.

sturz in den frühling

1. tag. frau marie (70+) liegt im krankenhaus. sie hat rosen in ihrem hochbeet gedüngt, ist dabei aus dem beet gefallen und auf einer steintreppe gelandet. danach war  ihr handgelenk zertrümmert. sie hat dann einfach den kaputten arm auf ein tablett gelegt und hat sich von ihrem mann in die notaufnahme im nächsten krankenhaus fahren lassen. aufgewacht ist sie dann auf der intensivstation. herzprobleme, erklärte man ihr. aus dem arm ragten zwei lange schrauben.  neben ihr saß ein freundlicher junger mann in grünen anzug. ich bin ihr krankenpfleger,  stellte er sich vor und verschwand dann für eine weile hinter einer schiebetür. die nacht war kurzweilig, denn der junge mann kam immer wieder vorbei, sah frau marie  aufmerksam an und erzählte ein bisschen aus seinem leben.

2. tag. heute ist sie zum zweiten mal operiert worden und hat danach den aufwachraum kennengelernt. dort standen neun betten mit menschen darin, die sich nicht rührten. diesmal dauerte es nicht lange und frau marie wurde im bett durch viele flure und fahrstühle in ihr zimmer geschoben. dort lernt sie nun langsam den krankenhausalltag kennen.

3. tag. es kommen immer neue schwestern durch die tür. meistens in eile. ihre offizielle berufsbezeichnung heute: gesundheits- und krankenpflegerin. sie bringen dreimal am tag essen, räumen alles wieder ab, kümmern sich um die medikamente und erzählen manchmal von ihren männern, kindern oder arbeitsfreien tagen. das essen erinnert frau marie an ihre kindertage: hühnersuppe, roulade, hühnerfrikassee, gemüse, kartoffeln…

4. tag. routine ist eingekehrt. blumensträuße schmücken das zimmer. das handy ist warm gelaufen und besucher kommen auch vorbei. frau marie weiß, dass die ärzte an ihr ein bewunderugswürdiges kunststück vollbracht haben. es soll auch nicht mehr lange dauern, bis sie ihre linken finger wieder gebrauchen kann. bis dahin wird sie aber ihre alltagsgeschichten ohne große anfangsbuchstaben schreiben müssen.

IMG_0852k

drei karten mit genesungswünschen von den kolleginnen. und alles dabei, was frau marie sich wünscht. blühende bäume, stille zeiten am meer und die heilende energie-strahlensonne.

Lieber Besuch

Meine Enkelin zeigt mir, was Mode ist

Meine kleine Enkelin besucht mich. Einen Tag und zwei Nächte. Die kleine Person ist gerade fünf Jahre alt geworden und so reist sie an:

Von Kopf bis Fuß fast ganz in Rosa gekleidet. An ihrem Ärmchen hängt ein Täschchen. Auch in Pink. Die Mutter schleppt eine Reisetasche und hält fünf Bügel fest, auf denen Kleidchen und Blusen hängen. „Auf eigenen Wunsch“, sagt sie nur und verabschiedet sich rasch.

Ich staune. Bei mir ist eine kleine Modedame zu Besuch und sie gefällt mir von Kopf bis Fuß!  So stilsicher bin ich in meinem ganzen Leben nie gewesen.

Abends unterhalten wir uns lange darüber, welches Oberteil am besten zur Schlafanzugshose passt. Diesmal ist Hellgrün an der Reihe. Am nächsten Morgen kommt sie in einem Kleidchen zum Frühstück, das ich – bitte, bitte – umändern soll: Oben am Ausschnitt ein Stück raus schneiden und den Stoff unten an den Ärmeln als Manschetten wieder ansetzen. Ich stelle mich dumm. Damit ist das Thema schnell erledigt.

Danach gehen wir einkaufen. Sie mit ihrem Täschchen am Arm und in einer Jacke, die bestimmt nicht warm genug ist, aber zu Kleid und Schuhen passt. Im Supermarkt darf sie sich ihre Lieblingsspeise aussuchen. Doch sie findet nichts Passendes und gibt sich mit Schokoladenpudding zufrieden. Dafür sucht sie sich die Kasse aus. Die Süßigkeiten läßt sie brav liegen, taucht dann aber mit einem Stift auf, den ich ihr kaufen soll. Der Kassierer erklärt: „Das ist Lipgloss mit Himbeergeschmack“. Bestimmt kein Gift, denke ich und lege ihn auf das Laufband. Die Kundin hinter mir zeigt mir einen Vogel. Für den Topf Schokoladenpudding bezahle ich 19 Cent, für den Pflegestift 79 Cent.

Auf dem Weg durch die Fußgängerzone kommen wir an einem Modegeschäft für Mütter und Kinder vorbei, in dem ich noch nie gewesen bin. Meine kleine Enkelin geht darauf zu. „Du hast doch so schöne Kleider“, sage ich. „Nur schauen“, sagt sie und schreitet los. Ganz Dame. Das Täschchen immer noch stilvoll am Arm. Fingert hier ein bisschen und da ein bisschen. Und verläßt den Laden wieder. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus.

Als der Vater sie abholt, hat sie sich mindestens dreimal umgezogen. Alle Farben kunterbunt durcheinander, aber immer zusammen passend. Sie hat mir alles erklärt, was im Kika-Kanal passiert, hat sich vorlesen lassen und ist im Park fast einen Kilometer gelaufen, um zu ihrem Lieblingsspielplatz zu kommen.

Es war ein lieber Besuch. Ich bin dankbar dafür, dass sie so unbeschwert aufwachsen kann. Und versuche mir vorzustellen, wohin sie ihre Neugierde und ihr Sinn für Mode einmal bringen werden.

Schlagwörter-Wolke