Bilder, die das Herz erwärmen

 

Ulla Deetz in ihrer Ausstellung im „Haus am Wasser“

In Bremen-Vegesack, direkt an der Weser, kurz vor Bremen, steht das „Haus am Wasser“. Es gehört Bremen. Das Haus ist unbewohnt. Es war Arbeitsplatz für Künstler. Der Ausstellungsraum wird hin und wieder  von  Künstlern und Künstlerinnen genutzt, die hier ihre Arbeiten zeigen. Viele sind es nicht. Eine von ihnen ist die Malerin Ulla Deetz. Sie lebt und arbeitet abwechselnd in Vegesack und auf Kreta und zeigt jetzt im Haus am Wasser ihre neuen Bilder unter dem Titel „Flotte Lotte“.

„Flotte Lotte“ so lernt man schnell bei ihr, ist keine flotte Eva, sondern ein nützliches Küchengerät zum Passieren von Gemüse und Früchten. Was dann in der „Flotten Lotte“ übrig bleibt, schubst die normale Hausfrau in die Biotonne. Nicht so Ulla Deetz, sie fotografiert die Reste, so dass sie wie Stilleben aussehen und lässt die Fotos auf Leinwand drucken. Danach bearbeitet sie den Druck mit eigenen Farben. Dabei geht sie behutsam vor. Als unbefangene Betrachterin habe ich die „Korrekturen“ nicht bemerkt. Erst ein Blick ganz nah auf die Oberfläche zeigte mir, wo die Künstlerin eingegriffen hat.

Alle Bilder drehen sich nur um eine Frucht: die Opuntia ficus-indica, ein Kakteengewächs, das stachelige Früchte trägt. Geerntet werden sie von Ulla Deetz in ihrem Garten auf Kreta. Sie kocht aus den Früchten Marmelade. Das ist nicht ganz ungefährlich, denn die Früchte haben kleine häßliche Stacheln. Ulla Deetz hält sie sich mit Gabel und Messer vom Leib, denn nur mit diesen Gerätschaften  kann sie die Früchte bearbeiten. Eine Kostprobe von der Marmelade gibt es dazu in ihrer Ausstellung. Ich durfte auch probieren. Mich hat Aussehen und Geschmack an Hollunderblütenmarmelade erinnert, die bei uns gerade gekocht wird.

Die Öffnungszeiten: Nur vom 15. – 22. Juli 2018,  Freitag-Sonntag , 15 bis 18 Uhr.

So kann man die Künstlerin  erreichen: mobil +49 170 90 92 347 und deetzulla@web.de

Hier spielt Ulla Deetz auch eine Rolle:

https://kleinebrise.wordpress.com/2012/05/02/mein-ausflug-an-die-elbe/

Die Adresse vom „Haus am Wasser“:

Vegesacker Weserpromenade 2,  28757 Bremen

Zwei Bilder in der Ausstellung


 

Advertisements

Aus meinem Alltag – Neue Folge

Kleine Lüge. Meine Freundin ist 79 Jahre alt, sie sagt aber, sie sei 80. Warum? Sie lacht. „Wenn ich 80 sage, heißt es meistens: Das hätte ich nicht gedacht! Sie sehen jünger aus. Einmal wurde ich sogar gefragt, ob ich mich habe liften lassen! Wenn ich nun behaupte, ich sei 80 , kann ich mir das Kompliment ein Jahr länger anhören.“

Biotonne. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Scheibe Brot in die Biotonne geworfen. Die Erklärung dafür ist, dass ich als Kriegskind gelernt habe, kein Essen wegzuwerfen. Es wurde alles aufgegessen. Nahrung war knapp. Die Generation meiner Enkelkinder versteht das nicht. Nahrung muss einen hohen Nährwert haben, Reste haben das nicht und werden …weggeworfen. Neulich habe ich wieder einmal an einem Rest Kartoffelsalat gewürgt und da kam mir plötzlich der Gedanke: Du bist doch keine Biotonne. Der Kartoffelsalat schmeckt nicht mehr. Also iss ihn nicht! Und darum erkläre ich jetzt hier:  Ich bin keine Biotonne! Die Biotonne steht im Keller.

Gut für die Seele. Ein Garten ist gut für die Seele. Das haben meine Freundin und ich heraus gefunden. Meine Freundin ist Witwe und lebt allein in ihrem großen Haus, will es aber nicht verkaufen, weil sie gern in ihrem Garten arbeitet. Mir geht es auch so. Beide fragen wir uns, ob Pflanzen uns die Aufmerksamkeit, die wir ihnen schenken, zurückgeben?

Wir glauben das. Warum sonst blüht der kleine Rhododendronbusch schon wieder so schön? Obwohl er auf einem Platz im Beet steht, auf den die Mittagssonne brennt? Weil ich ihn immer im Blick habe und ihn gieße, wenn er die Blätter hängen läßt! Und meine Freundin freut sich über ihren Perückenstrauch, den sie sich aus Bayreuth mitgebracht hat, vor 20 Jahren, als sie dort mit ihrem Mann die Festspiele besucht hat. Der Busch hat sich bei ihr in seiner ganzen Pracht entfaltet.

 

Vor 70 Jahren – Sommerferien auf dem Bauernhof

Wenn man  alt ist, kann man sich ruhig einmal fragen, was schön im Leben war. Ich habe eine Menge Glücksgefühle gefunden. Von meinen ältesten soll hier die Rede sein: Das waren meine Sommerferien in Eitzendorf bei Tante Luise und Onkel Henry. Von 1949 bis 1952 bin ich jedes Jahr bei ihnen gewesen. Sie wohnten in einem Bauernhaus, mit allen ihren Tieren unter einem Dach. Mit zur Familie gehörten Tante Martha und Knecht Johannes. Später kam Wilhelm dazu, der einzige Sohn, der aus dem Krieg zurück gekommen war. Seine beiden Brüder blieben verschollen. Wilhelm war krank. Er konnte nicht arbeiten. Dafür fotografierte er. Alle Bilder, die ich von meinen Ferien in Eitzendorf habe, hat er gemacht. Meine Eltern freuten sich auch, dass ich in Eitzendorf meine Ferien verbrachte, denn sie wussten, dass ich dort gut zu essen bekam. In Bremen war das – auch Jahre nach dem Krieg – immer noch nicht selbstverständlich.

Auf meinem Lieblingsfoto (oben) sitze ich mit Hündin Flora auf dem Brunnenschacht vor dem Haus. Flora wollte nicht fotografiert werden. Ich erinnere mich genau daran. Ich musste sie festhalten.

Holzschuhe und Schürze gehörten zu meiner Hofkleidung. 

Kinder durften toben

Onkel Henry und Tante Luise waren kinderfreundlich. Sie ließen die Flüchtlingskinder, die auf ihrem Hof mit ihren Eltern einquartiert waren, und mich ungehindert spielen und toben. Beliebt war zum Beispiel Schweineärgern: Wir schoben im Stall die Stallwände zurück, so dass die Schweine meinten, sie würden gefüttert. Das endete immer mit einem ohrenbetäubenden Quietschen. Tante Luise machte alles wieder gut, denn sie wusch die Tiere und ließ sie anschließend in frischem Stroh ihr Nickerchen machen. War das ein schönes Schweineleben….

Ich durfte auch bei der Ernte mithelfen. Die Mähmaschine wurde noch von Pferden gezogen. Ich führte die Pferde, Onkel Henry schob das Schnittgut auf das Feld, wo meine Tanten es bündelten. Wenn die Augustäpfel reif waren, sind wir mit der Kutsche nach Hoya gefahren, um die Äpfel dort auf dem Markt zu verkaufen. Auch dabei konnten sie mich gebrauchen. (Niemals habe ich mit größeren Vergnügen Erwachsenen geholfen.) Die Pferde vor der Kutsche waren auch ein besonderes Gespann. Nach Hoya hin mußte man ihnen manchmal „Beine machen“. Zurück liefen sie fast von allein…

Nicht alles war erlaubt

An das erinnere ich mich auch noch: Hühner und Gänse durften wir Kinder nicht jagen. Das war schade, denn sie machten beim Davonlaufen und Hochflattern einen so schönen Lärm. Freitags wurde ich mit einem Blumenstrauß aus dem Garten zum Friedhof geschickt, um das Familiengrab zu schmücken. Was waren das noch für schöne Familienbande: Das denke ich manchmal, wenn ich wieder eine Rechnung für die Pflege von unserem Familiengrab bezahle. Das Familiengrab liegt in einer anderen Stadt. Ich habe es schon lange nicht mehr besucht.

Hausarbeit sah damals auch ein bisschen anders aus. Tante Martha buck noch das Brot für die Familie. Dafür mussten die Männer jedesmal den Ofen im Backhaus heizen. Dafür nahmen sie Holz vom Hof. Mich hatten sie einen Tag vorher zu den Nachbarn geschickt. „Henry backt“, brauchte ich nur zu sagen und jeder wusste, dass er seinen Kuchen zum Backen bringen konnte.
Melken und reiten habe ich nicht gelernt. Ich hatte Angst vor den großen Tieren.
Froh war ich immer, wenn die Bremer Sommerferien im August waren, denn dann konnte ich Tante Luises Geburtstag mitfeiern. Dort habe ich zum ersten Mal einen Kaffeetisch voller Torten gesehen. Diese Auswahl! Gäste waren meist Verwandte, denn Tante Luise und Onkel Henry hatten eine große Zahl von Brüdern, Schwestern mit Kindern und Enkelkindern. Der evangelische Pastor war in diesem Haus auch ein gern gesehener Gast. Er hatte es erlaubt, dass die Flüchtlinge, die meist katholisch waren, in seiner Kirche ihr Gemeindeleben führen konnten. Ich bin bei ihnen gern in den Kindergottesdienst gegangen. Das war ein bisschen ungewöhnlich, denn Katholiken wurden nicht überall mit offenen Armen empfangen…

Das waren meine glücklichen Tage in Eitzendorf. Die Nachfahren der Familie leben immer noch in dem Bauernhaus. Tiere sind nicht mehr auf dem Hof. Wiesen und Äcker sind verpachtet. Das Geld zum Leben wird in der Stadt verdient. Manchmal besuchen wir uns. So, wie es zu einer lebenslangen Liebe passt.

Noch zwei Fotos von Wilhelm Bormann: Ich als Erntehelferin und mit Onkel Henry und Tante Martha in der Kutsche, auf dem Weg nach Hoya zum Wochenmarkt.

Eitzendorf ist (heute) ein Ortsteil der Gemeinde Hilgermissen in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen. (Wikipedia)

 

Allein im Krankenhaus

 

Zwei Krankenhausaufenthalte haben mich gerade das Fürchten gelehrt. Das betrifft nicht die ärztliche Versorgung, mit der ich zufrieden war, sondern die Betreuung für mich im Bett.

Das war die tägliche Vorstellung:

Es zeigt sich keine freundliche Krankenschwester, die sich nach meinem Befinden erkundigt, sondern es kommt eine gelehrte Person mit einem Computer herein gefahren, die kompetent den Ärzten assistiert, mich aber wie ein Stück Holz behandelt. Niemand hilft beim Waschen, Betten werden nicht mehr aufgeschüttelt, das Essen wird im Pappkarton auf den Tisch gestellt. Meine Zusatzversicherung ( für ein Einzelzimmer), für die ich rund vierzig Jahre gezahlt habe, hilft mir nicht. Ich liege in einem Zweibettzimmer. Zum Glück mit einer netten alten Dame. Wir vertragen uns gut. Vorgesehen war das nicht, denn ich hatte einen Termin im Krankenhaus für meine Behandlung. Das Einzelzimmer war bestellt, doch – leider, leider, leider – auf der Station wusste man nichts von meiner Ankunft. Daher meine Aufnahme in einem Zweibettzimmer.

Es wird gestreikt

Das Pflegepersonal streikt. Es will mehr Zeit für die Patienten haben.  
Meine Frage: Was wollt ihr denn mit der Mehr-Zeit anfangen? Wirklich wieder Betten aufschütteln und Essen austeilen?
Mein Vorschlag: Lasst euch ruhig weiter zu (Arzt)Assistenten ausbilden. Empathie ist dafür nicht so wichtig. Aber sorgt dafür, dass es wieder eine Ausbildung zur guten alten Krankenschwester gibt, für die ein einfacher Schulabschluss genügt. Wer Freundlichkeit und Zuversicht ausstrahlt, kann Kranken auch guttun. Einfühlung und Zuwendung bekommt man nicht durch hohe Schulabschlüsse zensiert. Lasst die gute alte Krankenschwester wieder arbeiten. Sie war ein Segen für die Kranken.

 

Ich habe es übrigens auch ein bisschen lustig gehabt. Zwei Tage habe ich auf der Normalstation in einem Vier-Bett-Zimmer geschlafen. Wir waren eine fröhliche Gang, mit Herz-Schmerz-Problemen –  und fast ohne Krankenschwestern. Und ganz ohne Chefarztbesuch.

Frack und Lack und Claque

unbenann-kopie

Susanne Schnatmeyer, eine erfolgreiche Bloggerin, hat ihr zweites Nachschlagewerk über textile Redewendungen veröffentlicht. In der neuen Sammlung „Am Rockzipfel“ werden 400 Redensarten rund um Kleidung und Stoff erklärt.

Die meisten Redensarten in diesem hübschen kleinen Nachschlagewerk kennen wir alle. Sprachbilder aus dem Bereich der Kleidung und Stoffe sind allgegenwärtig und geben doch oft Rätsel auf. Wieso ist Jacke wie Hose? Wer nagt am Hungertuch und was haben Manschetten mit Muffensausen zu tun? Dieses Buch geht den Redensarten auf den Grund und stellt damit auch eine  Kulturgeschichte unserer Kleidungsstücke und textilen Gebrauchsgegenstände vor.

Es ist eine umfangreiche Ergänzung zu der ersten Sammlung „Verflixt & Zugenäht“, die 2015 erschienen ist. Auch in ihrem neuen  Buch beschreibt die Autorin genau, sachlich, verständlich und anregend, woher die Redewendungen kommen und was es mit jeder Redewendung auf sich hat. Eine spezielle Sammlung solcher Redewendungen fehlte bisher. Doch Susanne Schnatmeyer hat damit nicht nur eine Lücke in der Reihe der Nachschlagewerke geschlossen, sondern sie erinnert auch daran, welche Wertschätzung Textilherstellung früher gehabt hat.

Es ist wieder ein Buch für die ganze Familie geworden, für alle Generationen, für Mode- und Handarbeitsbegeisterte, Sprachliebhaber, Geschichtsfans, Textilberufe und – das habe ich gerade erfahren – auch für Frühstücksrunden und Kaffeekränzchen. Wer es verschenkt, braucht kein Muffensausen  zu haben, dass er damit Kinkerlitzchen überreicht. (Siehe Seiten 73 und 82).

Weitere Informationen findet man im Blog „Textile Geshichten“ auf einer Extraseite.

Am Rockzipfel  
Redensarten rund um
Kleidung und Stoff

Text + Illustration: Susanne Schnatmeyer
ISBN 978-3-00-052981-8
Auflage 1, November 2016, 160 Seiten, 15 Abbildungen
Maße 19 x 12 x 1,5 cm, Hardcover mit Lesebändchen

Ladenpreis 16 Euro

Erhältlich über:

  • Email an info@textilegeschichten.net (Büchersendung, Versandkosten in Deutschland 1 Euro)
  • Im Onlineshop Machwerk
  • Bestellung im Buchhandel (über das Verzeichnis lieferbarer Bücher kann jede Buchhandlung das Buch ordern)

http://textilegeschichten.net/edition/ Der Link zum Blog der Autorin.

 

 

Klasse-Frauen: Lernen mal anders

Klasse Fortsetzung zu meinem letzten Artikel über das Frauenbild, das Adolf Freiherrn von Knigge in seinem berühmten Buch „Über den Umgang mit Menschen“ vor 228   Jahren beschrieben hat. Die Pressestelle des Bremer Senats hat nämlich gerade veröffentlicht, dass die Schulaktion „Klasse-Frauen: Lernen mal anders“, die seit fünf Jahren zum Frauentag am 8. März stattfindet, mit einem Rekord beginnt, denn die Aktion verzeichnet so viele teilnehmendes Schulen wie noch nie.

In der Pressemitteilung heißt es weiter:

Im Rahmen der einwöchigen Aktion berichten Bremerinnen mit den unterschiedlichsten Berufskarrieren im Unterricht von sich und ihrem Werdegang, von Hürden und offenen Türen. Mädchen und auch Jungen sollen so ermutigt werden, Wege jenseits möglicherweise schon geprägter Rollenvorstellungen zu entdecken. Das ist die Idee hinter „Klasse-Frauen: Lernen mal anders„. „Das Berufswahlverhalten junger Menschen ändert sich nur sehr langsam, Mädchen bevorzugen unverändert dienstleistungsbezogene Berufe oder Studiengänge, Jungen dominieren Naturwissenschaft und Technik“, erklärt Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan. „Hier den Fokus zu erweitern und die ganze Bandbreite der Berufe für beide Geschlechter erfahrbar zu machen, ist eine zentrale Herausforderung der Berufsorientierung. Die Aktion ‚Klasse-Frauen‘ ist in diesem Rahmen ein feiner Mosaikstein, der Akzente setzen kann. Deshalb freue ich mich, dass wir von Jahr zu Jahr mehr Interesse der Schulen verzeichnen können.“

In diesem Jahr beteiligen sich 50 Klassen und Kurse aus dem gesamten Stadtgebiet von der Grund- bis zur Erwachsenenschule an der Aktion. In dieser Zeit besuchen 34 Frauen die verschiedenen Klassen für zwei Schulstunden, sämtlich ehrenamtlich, und stellen sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler. Mit dabei sind u.a. eine Feuerwehrfrau, eine Kfz-Gutachterin, die Landesdatenschutzbeauftragte, die Stadtbibliotheksdirektorin, einige Hochschulprofessorinnen mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Profilen oder Geschäftsführerinnen verschiedenster Unternehmen und Institutionen.

Fit wie ein Turnschuh – Im Fitnessstudio

tgb016021205k

Dies ist ein Erfahrungsbericht. Kann aber auch als Empfehlung gelesen werden. Als Empfehlung für Senioren, regelmäßig Sport zu treiben.

              Halt

Nicht aufhören zu lesen. Ich beschreibe nämlich nur, warum ich seit fast 25 Jahren regelmäßig in ein Fitnessstudio gehe und wie ich dadurch (fast) gesund, beweglich und munter alt geworden bin. 

Begonnen hat alles, als meine Freundinnen und ich anfingen, fünfzig Jahre alt zu werden. Tennisspielen war manchmal schon beschwerlich, so kamen einige auf die Idee, in einen Golfklub einzutreten. Ich nicht. Ich wählte stattdessen einen Schnupperkursus in einem Fitnessstudio und ließ mir Bodybuilding für Frauen zeigen. Ich fand es reizvoll, dass ich dort meine Übungen machen konnte, wann ich wollte. Ohne Termin und Partner oder Partnerin. Und mit Hilfe von Bodybuilding sollte ich auch noch einen schöneren Körper bekommen. (Die Verheißung hat sich nicht erfüllt.)

Leider mochte mir niemand in  die „Muckibude“ folgen und dabei ist es bis heute geblieben.

Dafür habe ich eine Menge neuer Leute kennengelernt. Die meisten sind berufstätig und erinnern mich an die Welt draußen, zu der ich  keinen Zutritt mehr habe. Für sie wird das Studio ständig erweitert und verbessert. Die Auswahl der Geräte wird immer vielfältiger und die Bedienung einfacher. Jetzt stehen – zum Beispiel –  die sieben Geräte, die zum Zirkeltraining gehören, in einem Kreis. Ich habe meinen persönlichen Schlüssel und kann damit jedes Gerät aufrufen, alles passend für mich einzurichten. Präzise wird gemessen, wieviel Kraft ich aufgewendet habe und wieviel es beim Mal davor war. Nur lesen muss man können. So wurde ich gestern zum ersten Mal gefragt, ob ich an das Aufwärmen an einem Ausdauergerät gedacht habe? Hatte ich. Ich war 30 Minuten auf einem Fahrrad unterwegs. Fünf standen dafür zur Auswahl. Früher war das Laufband mein Lieblingsgerät. Doch inzwischen sitze ich lieber auf einem Fahrradsattel und lasse mich beim Treten vom Computerprogramm über Berg und Tal führen.

Das Beste zum Schluss  

Fröhlich im Rudel kann man in diesem Fitnessstudio auch  sein. Inzwischen werden nämlich zwölf verschiedene  Gymnastikkurse angeboten. An allen kann man ohne Voranmeldung teilnehmen. Angefangen habe ich mit Aerobic , als ich ( 60+) beim rasanten Rhythmus nicht mehr mithalten konnte, bin ich zur gerade populären  Zumba Fitness gewechselt. Auch in diesem Kursus mußte ich mich bald geschlagen gegeben. Zu schnelle Bewegungen. Danach versuchte ich es mit Pilates, einem Übungsprogramm auf der Matte. Ohne heiße Rhythmen, dafür  ruhig und besonnen. In diesen Kursus gehe ich bis heute und wenn ich mich manchmal verstohlen umschaue, stelle ich voller Vergnügen fest, dass es Jüngere um mich herum gibt, die ihre Beine auch nicht besser kreisen lassen können als ich.

Gibt es noch etwas, dass ich gerne probieren möchte? Im Augenblick nicht. Doch da wartet noch ein Kursus auf mich:  Fit bis 100,  immer freitags um zehn.

Noch nichts für mich, denn freitags mache ich meine Wohnung sauber.

 

tgb016021206k

Diese Tafel am Fahrrad zeigt mir genau an, wie weit ich im Training bin: Schweregrad 4, Berg- und Talfahrt, 63,1 Kilokalorien verbraucht, Zeit: 48 Sekunden, sehr korrekt, denn die Uhr zeigt an, dass meine Trainingszeit in 48 Sekunden vorbei ist.

Die Fotos durfte ich um Club Sportiv machen. http://www.ulc-fitness.de

„Punkt 11“ – Immer sonnabends um 11 Uhr

 Autoren und Autorinnen lesen vor

 

In der Stadtbibliothek Bremen kann man nicht nur Bücher ausleihen. Dort gibt man auch Literaturschaffenden aus der Region ein Forum. Ein gutes Beispiel ist dafür die Reihe „Punkt 11“. Immer sonnabends. Immer um 11 Uhr in der Stadtbibliothek Bremen-Vegesack.

Ich habe dort  der Bremerin Irmtraud Hansemann zugehört. Sie las eigene Lyrik und Prosa unter dem Titel „Ganz  nah am Alltag“  vor. Mit überraschenden Einsichten und feinem Humor bewies sie,  dass ihr Alltag unser aller Alltag ist.

Ihre Geschichten und Gedichte hat sie bereits in einem kleinen Band veröffentlicht, dazu im Hebus-Verlag Cartoons und  den Roman „Die Begleiterin“. Während ihrer Stunde für die Literatur führte Irmtraud Hansemann ihre Zuhörer und Zuhörerinnen zum Beispiel in ein Kaffeehaus, auf einen  Friedhof, erfand den Herr der Ringe neu und beschrieb, wie sie an einer Supermarktkasse betrogen wurde. Notiert habe ich mir diese Sätze: …Auch ewige Jugend geht vorbei…,Rohstoff für Literatur blüht im Alltag…Wird Sehnsucht erwachsen, wenn ich sie stille?…

DSCF1441V

Irmtraud Hansemann hat die Lesung gehalten, obwohl sie an Parkinson erkrankt ist. Seit 1990 wird ihr Leben von der Krankheit bestimmt. In einem Flyer schildert sie das so: …Lebensqualität- Eigenbestimmung- genau die ist mir genommen. Ich kann nicht mehr über meinen Körper bestimmen. Spontanität, Zukunftspläne, Entwicklungen!  Wünsche reduzieren sich auf die genau berechnete Medikamenteneinnahme. Ich richte mich nicht mehr nach der Uhr, sondern nach meinen „on/off-Zeiten“. „Off“ heißt Fegefeuer aus Starre und Krampf. „On“ heißt: In  genau zugeteilter Zeit so bewusst wie möglich aktiv zu leben.“

An diesem Morgen wurde ihr mit herzlichem Beifall gedankt.

Alle Informationen zu den Lesungen bekommt man unter : http://www.stabi-hb.de/Veranstaltungen-Punkt-11. Der Eintritt ist frei.

Am Donnerstag, 11. Februar, 18.30 Uhr, hat Irmtraud Hansemann ihren nächsten Termin:

In der Bremer Zentralbibliothek/Kriminalbibliothek trifft sich die Gruppe WORTLAUT. Irmtraud Hansemann, Heide Marie Voigt, Hanna Scotti, Eberhard Pfleiderer und Jens-Ulrich Davids lesen Texte zum Thema „Flaschenpost“. Eintritt frei.

Eine Trauerfeier ohne Trost

Birgit ist tot. Sie war meine Nachbarin. Sie ist 76 Jahre alt geworden. Sie hatte Lungenkrebs. Das sollte aber keiner wissen. Birgit wollte ihren Tod mit sich alleine ausmachen. Ein paar Tage vor ihrem Tod habe ich sie noch gesehen. Sie wurde auf einem Stuhl aus dem Haus getragen und in einen Krankenwagen gesetzt. Sie sah freundlich aus. Wie immer. Sie hat gewinkt.

Dann machte die Nachricht von ihrem Tod die Runde. Gestern hat in einem Beerdigungsinstitut die Trauerfeier stattgefunden. Rund achtzig Familienmitglieder, Freunde und Bekannte hatten sich für Birgit auf den Weg gemacht. Ihr Sarg stand vor einem großen bunten Fensterbild,  geschmückt mit Blumen und Kränzen. Ich begriff: Birgit hatte keiner Kirche angehört.  Sie war zwar mit mir konfirmiert worden, muss aber irgendwann der Kirche den Rücken gekehrt haben.

So kam zu Birgits Trauerfeier auch nicht der Pastor der Gemeinde, sondern eine Trauerrednerin. Sie trat in einem zerknitterten weißen Sommerkleid hinter das Mikrofon, um den Hals einen grünen dicken Schal,  modisch zu einer Rolle verschlungen. Bevor sie ihre Trauerrede begann, schaltete sie die Musik ab, um sie dann, nach der ersten Hälfte ihres Berichtes,  wieder einzuschalten, denn wir – die Trauergäste –  sollten uns ein paar Minuten  unsere eigenen Gedanken machen. Stehend. Dann erfuhren wir den zweiten Teil des Lebensberichtes . Am Ende wurden wir wieder aufgefordert, uns zu erheben und die Trauerrednerin sprach einen Text, der sich wie ein Gebet anhörte. Aber er schloss nicht mit einem Amen. Die Trauerrednerin fand ihren eigenen Schluss. Sie verließ mit langsamen Schritten den Raum, und wir folgten ihr. Am Sarg vorbei. Kein Hinweis, ob Birgit in ihrem Sarg beerdigt wird oder in einem Krematorium verbrannt wird. Kein Segenswunsch war zu hören.

Ein bisschen verloren standen wir später auf der Straße. Mich hat diese weltliche Trauerfeier traurig gemacht. Traurig, weil Birgit in  ihrem Sarg allein zurück blieb, ohne Fürbitte und Segen. Ungesagt blieb auch, wo ihr Grab sein wird. Dafür hat sie uns ihren eigenen Trost mit auf den Weg gegeben. In ihrer Traueranzeige stand ein Spruch von Konfuzius:

Leuchtende Tage.

Nicht weinen, dass sie vorüber.

Lächeln, das sie gewesen.

Wie waren wir doch damals lieb……

Meine Freundin Elke weiß, dass ich gern  schreibe und ständig nach Themen suche. Neulich hat sie  mir  ein  dünnes Heft in die Hand gedrückt. „Ist das nicht Stoff für dich? Der Inhalt passt zu unserem Thema ‚Wie es damals war‘. Das Heft wurde  in der Handelsschule an uns Mädchen verteilt.“

Und was sehe und lese ich auf dem blauen Umschlag?  Das halbe lächelnde Gesicht einer jungen Frau, ihren makellosen Körper in Gymnastikposen und eine griechische Schönheitsstatue.

Der Titel: „So gefällst Du mir…Gespräch mit einem jungen Mädchen über Schönheit und Gesundheit“.

Autor: Dr Heinz Graupner.

Ach nee. Bitte kein Gesülze aus den fünfziger Jahren. Daran war ich selbst beteiligt. Das „Gutmenschentum“ ist auch in  meinen Artikeln  in unserer Schülerzeitung heute noch deutlich herauszulesen. Aber gut. Ich verspreche eine Leseprobe zu machen. Die ist nun  fertig. Das ist meine Zusammenfassung:

In fast zwanzig Kapiteln (ohne Inhaltsverzeichnis) gibt Dr. Graupner einem jungen Mädchen Ratschläge für seine Schönheit und Gesundheit. Einen breiten Raum nimmt die Beschreibung des weiblichen Körpers ein. Der Autor erklärt genau, wie die Keimdrüsen arbeiten, er beschreibt den Weg des Eis in die Gebärmutter und erklärt die Regel, die entsteht, wenn das Ei sich nicht mit einer männlichen Keimzelle verschmelzen kann..

Über Sex wird an keiner Stelle geredet. Männer spielen keine Rolle. Dafür rät der Autor davon ab, zuviel Sport zu treiben. Rekordjagt hält er für ungesund. Dafür findet er, dass Gymnastik als die körperlich-seelische Grundschule der Frau gelten kann. Immer schön Zähneputzen ist auch wichtig. Hohe Absätze sind ungesund und Fußnägel rund schneiden ist  gefährlich…

So, das reicht. Ich komme zum Schluss und zitiere den letzten Absatz aus dieser freundlichen, harmlosen Schrift :

Heranreifende Mädchen stehen dem Rhythmus des fraulichen Lebens zunächst oft ratlos gegenüber. Deshalb sind sie dankbar für jede taktvolle Hilfe, die ihnen den gefahrlosen Weg zeigt über alle Hemmnisse gewisser Tage hinweg zur Lebensbejahung und Freude. Die millionenfach bewährte Camelia-Hygiene ist die sichere Brücke, um ihnen immer – ja auch dann – jene bezaubernde Unbekümmertheit zu bewahren, die Backfische zu so beneidenswerten Menschenkindern macht.“:

Ganz klar: So bescheiden – wie hier Camelia – macht heute niemand mehr Reklame für sich. Das ist alles heile Welt von Gestern.

Sorry, Elke, leider kein Thema, zu dem ich Lust habe. Buche es unter „Freundschaft“.

img125

Mädchenwelt in den fünfziger Jahren: Gymnastik ist gesund und macht schön…..

Aus dem besprochenen Heft.