Sommerferien in Bremen und Niedersachsen

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Vom 27. Juni bis 7. August bleiben in Bremen und Niedersachsen die Schulen geschlossen. Es sind Sommerferien. Nun können Lehrer und Schüler ihre freie Zeit nach Herzenslust genießen.

Der Weser-Kurier hat nachgezählt: Knapp 65 000 Jungen und Mädchen haben heute, 26. Juni, in Bremen das Schuljahr beendet und Zeugnisse bekommen.

Mein Foto zeigt den Strand einer Nordseeinsel.

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Ausflug in den Herbstferien

Besuch im Museum Schloss Schönebeck – Ein Ziel für Groß und Klein

Das Museum Schloss Schönebeck,   Im Dorfe 3,   28757 Bremen

Wer in den Bremer Herbstferien noch nach einem schönen Ziel sucht, freut sich vielleicht über diesen Tip: Ich bin mit meinen Enkelinnen Hannah (10) und Pauline (7) im Museum Schloss Schönebeck gewesen. Das Schloss steht in Bremen-Nord. In dem großen herrschaftlichen Fachwerkhaus zeigt der Heimat- und Museumsverein für Vegesack und Umgebung seine Sammlungen. Obwohl der Begriff im Namen des Museums nicht mehr auftaucht, ist es bis heute ein „Heimatmuseum“ geblieben, und das immer noch im guten alten Sinn. Wer es besucht, kann seinen Kindern und Enkeln zeigen, wie früher in unserer Region der Alltag aussah, und wer allein kommt, findet rasch Gesprächspartner zum Austauschen von Erinnerungen.

Mit Hannah und Pauline an der Hand

Ich bin einem Sonntag mit Hannah und Pauline im Heimatmuseum gewesen. Wir drei haben uns dort fast eine Stunde ganz prima unterhalten.

Am besten hat es uns im Schlosskeller gefallen, denn dort liegt die Schlossküche, und es gibt es dort auch noch einen Raum, in dem nur altes Spielzeug gezeigt wird: zum Beispiel verschiedene Puppenstuben, ein Kaufmannsladen und Vitrinen, voll mit Puppengeschirr.

Die Mädchen schüttelten über die Puppen den Kopf und freuten sich über die Wäsche, die an einer   Leine hing. Gar nicht satt sehen konnten sie sich an dem schönen Puppengeschirr und stellten am Ende fest, dass sich die Formen von Teller und Tassen bis heute kaum geändert haben.

Ich war entzückt (hier passt das Wort) über die Detailfreude der Vereinsmitglieder, die das alles aufgebaut haben: einmal haben sie eine winzige Schublade ein bisschen aufstehen lassen, ein anderes Mal eine kleine Katze in Szene gesetzt.

Heute verboten

Doch dann hieß es plötzlich: „Oma lies!“ Die Enkelinnen standen vor einer Vitrine und zeigten auf ein kleines Kochbuch für Kinder, gedruckt in alten Buchstaben, und ich buchstabierte:

„Bierkaltschale:

Auf jede kleine Person eine kleine Tasse Bier, zwei Tassen Wasser, ein gehäufter Teelöffel Zucker und ein halber Zwieback oder eine halbe Schnitte Weißbrot. Zwieback oder Weißbrot brockt in Eure Terrine, thut Bier, Wasser und Zucker dazu, und rührt es gut durch.“

Bier für Kinder? Wir haben uns alle drei ungläubig angesehen. Das ist heute verboten. Später hat mir jemand erklärt, dass das Bier früher weniger Alkohol hatte…

 Die Küche  im Erdgeschoss. Hier werden bei Älteren sicher Kindheitserinnerungen wach. Der Herd ist immer noch eine Augenweide.

Man kann viel erzählen

Doch das Wundern sollte noch weitergehen: in der alten Schloßküche im Keller konnte ich beschreiben, wie  Wäschemangel und Bügeleisen früher genutzt wurden und – wieder im Erdgeschoss – vor dem Kohleherd, dem Butterfass, der Speisekammer oder den Betten im Schrank meine Geschichten erzählen. Hannah und Pauline kamen aus dem Staunen nicht heraus.

Als wir endlich das Museum verließen, waren wir vergnügt und munter. Wir hatten uns gut unterhalten und waren am Ende doch alle drei froh, dass wir heute leben und nicht im mühevollen Alltag unserer Vorfahren.

 Die regulären Öffnungszeiten stehen hier:http://www.museum-schloss-schoenebeck.de/

Email aus Maryland an Helga

Helga oder Dorothee? – So ein Kuddelmuddel – Greetings from my friend

Ich habe zwei Vornamen. Helga ist mein Rufname. Doch irgendwann habe ich mir gemerkt, dass heute alle Vornamen gleichberechtigt sind. Also habe ich angefangen mich Dorothee zu nennen. Der Klang gefällt mir besser als der von Helga. Im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis lasse ich mich allerdings weiter Helga nennen. Wer sollte schon Lust haben, mich mit meinem zweiten Vornamen anzureden?

Den Anfang habe ich im Fitnessstudio und in Volkshochschulkursen gemacht. „Wie heißt du?“ „Dorothee“. Doch schnell merkte ich, dass ich umlernen musste: Denn ich – Dorothee – reagierte nicht. Inzwischen habe ich mich an meinen neuen Namen gewöhnt. Wer mich so nennt, weiß natürlich nichts von meiner „Taufe“. Dafür habe ich jetzt eine Ergänzung zu diesem Namentausch bekommen. Meine Freundin aus den USA ruft mich mit beiden Vornamen.  Sie findet das…so lala.. „You make a fool of yourself…..“ Gestern hat sie mir zwei Fotos mit einer Widmung geschickt:

I have a place for you to live – you will have nice long days in the summer.
There is also a picture of your neighbors.Dieser Wegweiser steht in Island. Mein Name. Ein Ziel für mich?

Wegweiser in Island mit meinem Namen. Meine Freundin hat ihn gefunden. Sie meint, dass das für mich ein Platz zum Leben wäre. Mit schönen Sommern und langen Nächten. Und diesen Nachbarn:

Ich hoffe, dass es nicht noch mehr Nachbarn von dieser Sorte gibt.

Mit Googles Hilfe habe ich herausgefunden, dass es Helgafell an neun verschiedenen Orten in Island gibt. Ein Moor heißt so, aber auch Berge tragen den Namen. Übersetzt heißt das „Heiliger Berg“. Wer ihn das erste Mal betritt, hat drei Wünsche frei.

Ann Dorsey, liebe Freundin, ich werde Deinen Vorschlag aufgreifen und dort hinfahren. Aber nicht als Dorothee, sondern als Helga. Mit drei Wünschen im Herzen.

Kleine Frage zum Schluss: Muß ich die Ziegen füttern?

 

 

 

 

Ferien an der Weser – Mein letzter Blick

Die Aussicht vom Stauwehr Lade über die Weser

Für Fußgänger und Radfahrer ist das Stauwehr in Lahde ein bequemer Übergang über die Weser, um nach Lade oder Petershagen zu kommen. Barrierefrei sind die Treppen allerdings nicht. Doch wer es geschafft hat, wird mit einem schönen Blick über die Weser belohnt. Man blickt auf die Fischtreppe und die Bootstreppe für Kanufahrer herunter und kann sich auch noch ansehen, was am Wehr alles aus der Weser „gekämmt“ wird. Umeltschlingel gibt es eben immer noch.

Ferien an der Weser

Zwischen Bremen und Petershagen – Ich treffe eine Anglerin

Wir sind auf der Weser unterwegs. Von Bremen aus hat uns unsere kleine Motoryacht bis nach Petershagen gebracht. Nun sind wir auf dem Rückweg. Wenn keine Schleuse den Weg unterbricht,  ist diese Fahrt das reinste Vergnügen, denn die Weserufer säumen Sandstrände und Viehweiden. Nirgends liegt Müll herum. Nur selten stehen Häuser am Rand. Hin und wieder sitzen Angler am Ufer. Nur Männer. Haben Frauen diese Bastion noch nicht gestürmt? Diese Frage behalte ich im Kopf. Und bekomme eine Antwort, als wir am nächsten Tag einen Ausflug auf dem Weserradweg machen. In der Nähe von Petershagen steht eine junge Frau mit einer Angel in der Hand. An der Schnur zappelt ein Fisch. Ich springe vom Rad und schaue ihr zu. Es ist Regina Gieseking. Später erzählt sie mir, dass es nicht viele Anglerinnen gibt. „Aber es gibt sie“.

Regina ist Mitglied im Fischereiverein Petershagen/Weser. Schon als Kind hat sie sich von der Angelleidenschaft ihres Vaters anstecken lassen. Auf einer Hochseeangeltour hat sie schon mit 16 Jahren einen Blauhai (oder war es ein Heringshai?) gefangen . „Den haben wir aber wieder freigelassen. Er war nicht verletzt“, erzählen die beiden. „Und Vereinsmeisterin ist sie auch“, ergänzt der Vater. „Vizemeisterin“, wird er verbessert. In der Homepage des Vereins steht auch noch, dass Regina Jugendwartin ist. Im Frühjahr hat sie mit ihrer Gruppe eine Strecke am Weserufer gereinigt. Andere Fischreivereine halten es genauso. Dafür werden sie aber auch belohnt, denn es gibt eine Menge Fisch in der Weser. „Bloß keine Aale mehr“, seufzt der Vater. Und was hängt bei Regina an der Angelleine? Ein Aland. Ein Karpfenfisch. Den bekommt die Nachbarin. Sie möchte zum Mittagessen Fisch servieren.

Ich denke sechzig Jahre zurück, an meine Kinderzeit, als das Weserwasser noch eine dreckige Brühe war. Als die Fabriken noch ungestraft ihre Abwässer in den Fluß leiten konnten und davor gewarnt wurde, Fisch aus der Weser zu essen. Was für eine erstaunliche Wandlung hat sich hier an der Mittelweser vollzogen. Vervollständigt 2005 durch ein einheitlich ausgeschildertes Radverkehrsnetzt mit einer Streckenlänge von über tausendeinhundert Kilometern! Ich habe eine schöne Heimat.

Nachtrag zum Thema „Kein Aal mehr in der Weser“.

Am 22. Juni wird im Achimer Kurier berichtet, dass an der Weserbrücke in Uelzen sechshundert Kilo Jungaale von einer Pachtgemeinschaft ausgesetzt wurden, um die Aalbestände in Weser und Aller wieder aufzubauen.

17. Mai 2012 : Heute ist ein Feiertag

Christi Himmelfahrt. Der Name sagt, woran erinnert wird: Jesus kehrte in den Himmel zurück, nachdem er Ostern auferstanden war. So wird es jedenfalls in der Bibel erzählt.

Welches Datum der Feiertag im Kalender bekommt, ist genau festgelegt. Es sind immer 40 Tage nach Ostern, und es ist immer ein Donnerstag. Heute hat der Tag auch noch eine weltliche Bedeutung: Die Männer haben daraus einen Vatertag gemacht, an dem sie reichlich Alkohol fließen lassen. Aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, diesen Tag zu feiern und die zeigt mein Foto: Männer und Frauen machen sich gemeinsam auf den Weg, zu Fuß oder mit dem Rad – hier den Lesumdeich entlang, immer gerade aus, bis nach Bremen.

Geschichten aus meinem Alltag, neue Folge

Handygesprächgeschrei. Das Enkelkind wünscht sich  ein Karussell für seinen Weihnachtsmarkt im Kinderzimmer. Eine Verkäuferin ist so freundlich und sucht mir das passende Modell heraus. Doch es gefällt mir nicht.

Mit dem Handy rufe ich die Mutter an. Die sitzt auf dem Fahrrad in München und keucht. Ich schreie ihr meine Bedenken ins Telefon und bekomme das O.K etwas auszusuchen, was mir gefällt. Ich entscheide mich für zwei Weihnachtsbuden. „Die hat sich mein Enkel auch gerade ausgesucht“, sagt eine Kundin, die mein Handygesprächgeschrei sicher mit gehört hat. Auch die Verkäuferin an der Kasse erkennt mich wieder. „Na, soll es doch etwas anderes sein?“, fragt sie freundlich.“War die Mutter am Handy nicht zufrieden?“

Liebe Leute, ab sofort schreie ich nicht mehr ins Handy. Versprochen!

Nur in den Ferien. Ich bin wieder zum Einkaufen unterwegs. Und plötzlich fällt es mir auf: überall wuseln Kinder herum, große, kleine, dazu Männer und Frauen, die wie Großeltern aussehen oder wie ganz normale Väter und Mütter. Stimmt es vielleicht gar nicht, dass wir Alten immer mehr werden und die Jungen immer weniger? Doch dann fällt mir ein: Es sind Herbstferien, und ich bin mitten in die Familienausflüge geraten.

 

Das Ferienkind

Wir sitzen auf einer Restaurant-Terrasse. Jeder Tisch ist besetzt. Die Gäste sind heiter gestimmt. Nur an einem kleinen Tisch an der Wand beobachte ich  Zwei, die sich gar nichts zu sagen haben. Sie schweigen. Viele Minuten lang. Es sieht so aus, als ob eine Großmutter ihr Enkelkind zum Essen eingeladen hat. Es ist ein Mädchen. Vermutlich elf oder zwölf  Jahre alt. Ich muss es immer wieder anschauen, weil es das Schweigen mit freundlichem Gesicht und gefalteten Händen erträgt. Auch die Großmutter sitzt so da. Irgendwann schlenkern beide mit den Füßen unter dem Tisch. Ohne sich zu berühren. Dann kommt das Essen. Auch jetzt benimmt sich das Mädchen vorbildlich: Die Serviette liegt auf dem Schoß, Messer und Gabel machen die richtigen Bewegungen. Wieder vergeht die Zeit schweigend. Nur der Ober unterbricht es, denn beide antworten, als er fragt, ob es geschmeckt hat: „Ja“.  Das Mädchen sieht den Ober dabei freundlich an.

Vermutlich haben die Eltern ihr Kind zu der Großmutter in die Ferien geschickt. Ob sie ahnen, dass ihr Kind dort gar kein Kind mehr ist?

Geschichten aus meinem Alltag

Neue Folge

Hitzefrei. Unser Freund hat uns zu seinem 70. Geburtstag eingeladen. Als Geschenk wünscht er sich eine Spende für eine Elternaktion in einer kleinen Schule in Niedersachsen. Dort geht seine  Enkelin zur Schule, und sie wird in einem Klassenraum unterrichtet, der bei schönstem Sommerwetter der wärmste Raum in der ganzen Schule ist. Früher hätten die Kinder einfach hitzefrei bekommen. Doch diese Möglichkeit  ist in Niedersachsen nur erlaubt, wenn alle Eltern vorher informiert werden. Da das nahezu unmöglich ist, haben die Eltern gefordert, dass eine Aussenjalousie angebracht wird. Doch auch das ist nicht möglich, weil dafür die erforderlichen 4700 Euro nicht zur Verfügung stehen. Darum haben die Eltern im letzten Jahr die Initiative ergriffen und angefangen für den Sonnenschutz Geld zu sammeln. 1800 Euro sind schon in der Kasse.

Vor rund 30 Jahren, als meine Kinder zur Schule gingen, hatten wir diese Probleme nicht. Eigentlich hatten wir Eltern gar keine Probleme: Die Lehrer kamen aus der 68iger Generation, denen war alles egal. Wir Eltern entschieden, auf welche weiterführenden Schulen unsere Kinder gingen. Bücher und Schulhefte gab es in Bremen gratis und hitzefrei gab es, wenn es nötig war. Die Mütter waren ja zu Hause (und kochten das Mittagessen).

Personalfrei. Das Hotel hat drei Sterne. Man kann also keinen großen Luxus erwarten. Die Überraschung: Die Zimmer sind modern und komfortabel eingerichtet. Doch bis man dahin kommt, muß man als Gast erst einmal ein bisschen arbeiten: Die Rezeption ist nicht besetzt. Das sieht man deutlich durch das Glas der Eingangstür, die abgeschlossen ist. Man wird gebeten, sich im Restaurant zu melden. Im Restaurant ist Betrieb. Die Ober sind alle beschäftigt. Bis sich einer ausbremsen läßt. Nach einigem Hin und Her händigt er uns einen Chip aus, an dem die Zimmernummer hängt. Mit diesem Chip lassen sich alle Türen öffnen. Doch welche Türen müssen wir öffnen? Und warum funktioniert der Chip nicht? Beides finden wir nach einiger Zeit heraus. Dann müssen wir noch einmal unser Bestes geben und unser Gepäck über drei schmale Treppen zum Zimmer hochtragen. Hilfe gibt es nicht, denn das ganze Haus ist bis unter das Dach personalfrei !

Gastfreundlich ist das nicht. Aber vielleicht ein Zukunftsmodell?

Kinderfrei. Die Sonne scheint. An den Elbufern sind viele Radler unterwegs. Die Fahrgastschiffe haben gut zu tun, weil sie die Radler von Ufer zu Ufer bringen. In Wedel ist schon am Anleger großes Gedränge und die bange Frage liegt in der Luft: „Kommen wir alle mit?“ Der Bootsmann kennt das schon. Ohne Hast läßt er die Radler und Radlerinnen ihre Fahrräder an Bord rollen. Immer der Reihe nach. Eine alte Frau mit Stock hält er energisch zurück. Sie schreit Zetermordio. „Ich bin behindert und habe Vorrang“. „Im Augenblick zu gefährlich für Sie“, bekommt sie zu hören. „Warten sie bis zum Schluß.“ Und – kaum zu glauben – pünktlich zur Abfahrzeit sind alle an Bord. Unten im Schiff stehen rund 100 Fahrräder in Reih und Glied. Oben haben sich die Fahrgäste verteilt. Alle im wohlgesetzten Alter. Kein Kind weit und breit zu sehen, obwohl Ferien sind.

So sieht es also aus, wenn  Kinder fehlen. Niemand guckt neugierig über die Rehling, niemand drängelt durch die Sitzreihen und niemand versucht, gegen den Wind zu spucken. Ich habe auf dem Schiff in unsere Zukunft geblickt.

Gut verstaut im Schiffsbauch: Die Räder der Sonntagsausflügler.