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Archiv für die Kategorie ‘Ehrenamt’

Klasse-Frauen: Lernen mal anders

Klasse Fortsetzung zu meinem letzten Artikel über das Frauenbild, das Adolf Freiherrn von Knigge in seinem berühmten Buch „Über den Umgang mit Menschen“ vor 228   Jahren beschrieben hat. Die Pressestelle des Bremer Senats hat nämlich gerade veröffentlicht, dass die Schulaktion „Klasse-Frauen: Lernen mal anders“, die seit fünf Jahren zum Frauentag am 8. März stattfindet, mit einem Rekord beginnt, denn die Aktion verzeichnet so viele teilnehmendes Schulen wie noch nie.

In der Pressemitteilung heißt es weiter:

Im Rahmen der einwöchigen Aktion berichten Bremerinnen mit den unterschiedlichsten Berufskarrieren im Unterricht von sich und ihrem Werdegang, von Hürden und offenen Türen. Mädchen und auch Jungen sollen so ermutigt werden, Wege jenseits möglicherweise schon geprägter Rollenvorstellungen zu entdecken. Das ist die Idee hinter „Klasse-Frauen: Lernen mal anders„. „Das Berufswahlverhalten junger Menschen ändert sich nur sehr langsam, Mädchen bevorzugen unverändert dienstleistungsbezogene Berufe oder Studiengänge, Jungen dominieren Naturwissenschaft und Technik“, erklärt Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan. „Hier den Fokus zu erweitern und die ganze Bandbreite der Berufe für beide Geschlechter erfahrbar zu machen, ist eine zentrale Herausforderung der Berufsorientierung. Die Aktion ‚Klasse-Frauen‘ ist in diesem Rahmen ein feiner Mosaikstein, der Akzente setzen kann. Deshalb freue ich mich, dass wir von Jahr zu Jahr mehr Interesse der Schulen verzeichnen können.“

In diesem Jahr beteiligen sich 50 Klassen und Kurse aus dem gesamten Stadtgebiet von der Grund- bis zur Erwachsenenschule an der Aktion. In dieser Zeit besuchen 34 Frauen die verschiedenen Klassen für zwei Schulstunden, sämtlich ehrenamtlich, und stellen sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler. Mit dabei sind u.a. eine Feuerwehrfrau, eine Kfz-Gutachterin, die Landesdatenschutzbeauftragte, die Stadtbibliotheksdirektorin, einige Hochschulprofessorinnen mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Profilen oder Geschäftsführerinnen verschiedenster Unternehmen und Institutionen.

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„Comfort Doppel-/Zweibettzimmer“

Überraschung für mich am späten Abend: Ich schlafe in einem „geräumigen Designzimmer“

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Jeder, der gern (ein bisschen) komfortabel reist, weiß, wie ein normales Hotelzimmer aussieht. Er erwartet ein ordentliches Bett, ein kleines Badezimmer, einen Schrank, einen Nachtisch mit Lampe. Doch als ich kürzlich die Tür zu diesem Zimmer öffnete, wollte ich meinen Augen nicht trauen , denn vor dem Bett (die Ecke links im Foto) stand ein Waschtisch mit zwei Becken. Die Lampen konnte man wechselseitig zum Waschen drehen oder zum Lesen im Bett einschalten . Dusche und WC waren durch zwei Milchglastüren getrennt, direkt hinter dem Waschtisch. Wer gerade vor dem Waschtisch stand, musste seinem Partner Platz machen, wenn er die Türen öffnen wollte. Einen Schrank gab  es nicht. Dafür aber einen Garderobenhaken mit fünf Bügeln und einen großen Spiegel, der mich von Kopf bis Fuß schön schlank aussehen lies.

Ist dieses Zimmer nicht ein schöner Beweis dafür, dass man immer mal wieder auf Reisen gehen soll. Vor Überraschungen ist man nie sicher. Dieses Zimmer werde ich so schnell nicht  vergessen!

Noch etwas: Die Anführungszeichen im Titel markieren Beschreibungen aus dem Hotelprospekt.

Genau im Trend

Hotels ohne Badezimmer sind gar nicht so ungewöhnlich, wie ich gerade gelesen habe. Jennifer Wiebking beschreibt in  einem Magazin der Frankfurter Allgemeinen , dass  diese Raum-in-Raum-Lösung Designer schon eine Weile beschäftigt. Ihre  Vermutung: Mehr Betten bringen mehr Geld, also spart man am Raum und setzt die Waschbecken neben die Betten. Man könnte sogar noch weiter sparen und Gemeinschaftsduschen anbieten, schlägt sie vor. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, dass vor fünfzig Jahren kein  Zimmer eine eigene Toilette hatte. Toiletten lagen am Hotelflur.

Geschichten aus meinem Alltag, neue Folge

Altersrisiko / Im Wartezimmer / Spendergelder / Tatkräftige Senioren 

Altersrisiko. Der Nachbar ( 80+) , Golfspieler, hat Trainerstunden genommen. Beim Ausholen mit dem Schläger hat er sich in der Schulter eine Sehne gerissen. Die Folge: ohne Schmerzen kann er den rechten Arm nur bis in Taillenhöhe heben. Und Fazit der Ärzte: Bei Menschen in einem so hohen Alter kann man die Sehne nicht mehr zusammenfügen. Jetzt hat der Nachbar seinem Golflehrer einen Brief geschrieben, in dem er fragt, ob der Trainer  gegen solche Schäden versichert ist?  Er möchte Schmerzensgeld haben. Ich bin gespannt auf die Antwort.

Im Wartezimmer.  Es ist 7.30 Uhr. Mein Termin beim Arzt. Ich sitze pünktlich im Wartezimmer. Ich grüble: „Warum fängt man in dieser Praxis so früh an?„Damit die Berufstätigen rechtzeitig zur Arbeit kommen“, erklärt man mir. Tatsächlich. Ich habe in dieser Praxis noch nie so viele Normaljunge (zwischen 30 und 50) wie an diesem Morgen gesehen. Ein junger Mann will gerade die Sprechstundenhilfe bezirzen: „Ich brauche für meinen Chef die Bestätigung,  dass ich hier von sieben bis elf Uhr gewesen bin.“ Die Sprechstundenhilfe lacht: „Jetzt ist es gerade mal kurz vor acht.“ Er trollt sich. Sein Gesicht zeigt, dass sein Wunsch nicht erfüllt wurde. Wie konnte er nur auf diese Idee kommen? 

Spendengelder für nix. Die Kindernothilfe hat wohl zu viel Geld. Auch in diesem Jahr hat sie mir wieder Aufkleber geschickt, die nicht zu gebrauchen sind, denn sie sind mit falschem Vornamen und falscher Adresse bedruckt. Mit einer Spende soll ich das bezahlen. Das Geld möchte Ute Luhr verteilen. Sie ist Koordinatorin Östliches Afrika.

Hilfe können Kinder  auch bei uns gebrauchen. Heute steht in unserer Tageszeitung, dass in Bremen besonders viele Kinder in Armut leben. Eine Wohnanlage, die als Brennpunkt gilt,  ist gerade mal 500 Meter von meiner Wohnung entfernt. Ich habe dort vor ein paar Jahren Kindern beim Lesenlernen geholfen.

Tatkräftige Senioren. Die elf Senioren und Seniorinnen treffen sich regelmäßig zum Diskutieren. Sie haben eine Dozentin engagiert, die für Gesprächsstoff  sorgt. Ihr  erste Thema im neuen Jahr: Engagieren sie sich ehrenamtlich?

Es stellt sich schnell heraus, dass alle eine Aufgabe gefunden haben. Zwei sind in Vereinen im Vorstand aktiv. Eine kümmert sich um die Finanzen eines Vereins, eine andere organisiert den  freiwilligen Besuchsdienst in einem Krankenhaus, auch regelmäßige Besuche in einem Altenheim und Lesestunden mit Kindern werden aufgezählt.

Richtig fröhlich wird die Runde, als Franz von seiner Freiwilligenarbeit erzählt. Er singt mit zwei Freunden Volkslieder in Kindergärten und Seniorenanlagen und spielt dazu Gitarre. Wünsche werden auch erfüllt. Doch als  neulich in einem Seniorenheim jemand singen will Wir kommen alle, alle in den Himmel… sind ihm Zweifel gekommen, ob das ein passendes Lied für Senioren ist. „Aber ja“, erzählt er, „alle haben voller Begeisterung mitgesungen“.

Die Nazi-Opfer sind nicht vergessen

Späte Erinnerung – Friedenspreis für Wiltrud Ahlers

Wiltrud Ahlers hat am 11. Mai den Franco-Paselli-Friedenspreis (www.friedensschule-bremen.de) erhalten. Sie wurde  ausgezeichnet, weil sie sich seit 2004 für das Projekt „Stolpersteine“ einsetzt, durch das an Nazi-Opfer in Bremen-Nord erinnert wird.

Wiltrud Ahlers und ich waren Klassenkameradinnen. Durch den Bericht über ihre Auszeichnung kam ich wieder auf eine Frage zurück, die ich mir zum ersten Mal 1984 gestellt habe, als meine achtzehnjährige Tochter  ihre Arbeit  „Jüdische Familien in Bremen-Nord“ für ihren Geschichtsunterricht ablieferte. Warum, fragte ich mich damals immer wieder, habe ich als Schülerin  im selben Alter das nicht  gefragt? Warum?

Kein Thema im Geschichtsunterricht

Dazu muss ich sechzig Jahre zurückdenken. Bis 1953.  Der verlorene Krieg lag noch nicht lange zurück und war kein Thema im Geschichtsunterricht. Auch über die Judenverfolgung wurde nicht gesprochen. Was wir über die Vernichtungslager wussten, war wage und weit weg. Auf den Gedanken zu fragen, ob auch Juden in unserer Nachbarschaft gelebt hatten und vertrieben wurden,  bin ich nicht gekommen.  Warum? Warum auch niemand anderes in unserem Unterricht? Warum unser Geschichtslehrer nicht? Auch Wiltrud Ahlers nicht, wenn sie im Zeitungsartikel richtig zitiert wird?

Dreißig Jahre später

1983. Dreißig Jahre sind verstrichen. Jetzt stößt meine Tochter auf das Thema. Wieder sind es nicht Erwachsene, niemand in der Familie, auch ihr Lehrer nicht, die das Thema vorgeben. Sie findet es allein. Zur Erklärung schreibt sie in ihrer Einführung:

„Ich habe im März 1983 mit meinen Nachforschungen begonnen. Ursprünglich wollte ich nur mehr über den Alltag in Vegesack 1933-45 erfahren, und von  diesem Thema bin ich dann zu der Frage gelangt: „Was geschah mit den Vegesacker Juden im Nationalsozialismus?“

Verwandte antworteten

Ich habe zuerst Verwandte gefragt, die diese Zeit miterlebt haben. Mir wurden Namen und Adressen von jüdischen Mitbürgern  genannt. Der erste Schritt war getan…. Jede Woche ging ich ins Archiv des Vegesacker Heimat- und Museumsvereins im Schönebecker Schloss. Ich traf dort viele ältere Menschen, die bereit waren, mir mit ihren Erinnerungen weiter zu helfen… Nicht immer waren solche Interviews sehr ergiebig – „damals hatten wir so viele andere Dinge, die uns beschäftigten“ – ein oft gehörter Satz.

Über mein Thema gab es fast keine schriftlichen Informationen…“

Wozu Menschen fähig waren

Meine Tochter hat daher zahlreiche Interviews geführt, hauptsächlich mit älteren Vegesacker. Sie schreibt am Ende ihrer Einführung:

„Mein Ziel war es, lediglich allen, die diese Zeit nicht miterlebt haben, vor Augen zu führen, dass auch in unser unmittelbaren Umgebung Menschen jüdischen Glaubens und jüdischer Herkunft gelebt haben und dass auch sie unvorstellbar unter dem Terror der Nationalsozialisten und dem Opportunismus der Bevölkerung gelitten haben. Vielleicht kann ich mit dieser Arbeit beim Leser ein Stück Betroffenheit hervorrufen und, wenn es auch unmöglich ist, wieder gut zu machen, so doch dazu beitragen, dass niemals vergessen wird, wozu Menschen damals fähig waren und dass sie unter bestimmten Umständen auch wieder dazu fähig wären.“                Januar 1984

1998 wurde der Franco-Paselli-Friedenspreis zum ersten Mal verliehen.

Am Tisch mit meinen Enkelkindern

 Messer und Gabel sind keine Besen – Was ist eine Postkarte?

Ich sitze mit meinen Enkelkindern im Restaurant. Ich habe sie zum Essen eingeladen. Es geht leise und sehr gesittet zu. Franziska hat einen Seniorenteller vor sich stehen. Sie wollte gern Cordon bleu essen. „Aber nicht so groß“. „Dann machen wir daraus einen Seniorenteller“, sagt die Bedienung und zwinkert lustig mit den Augen.

Die anderen haben auch alle etwas gefunden. „Zeig ihnen doch mal, wie man ordentlich und manierlich ißt“, hatte mir meine Tohter noch mit auf den Weg gegeben. Tja, wie denn, liebe Tochter? Kein Kind hat schon die Größe eines Erwachsenen erreicht. Wie soll man da Messer und Gabel anmutig halten und die Ellenbogen unter dem Tisch lassen? Aber versprochen: Wenn alle richtig groß sind, ermahne ich sie, die Ellenbogen beim Essen nicht auf den Tisch zu legen und Messer und Gabel nicht wie Besen in der Faust zu halten.

Plötzlich weint Anna bitterlich. Sie soll auf ihrem Stuhl sitzen bleiben, will aber nicht. Die freundliche Kellnerin nimmt das weinende Kind auf den Arm und verschwindet. Einen Augenblick später bringt sie Anna zurück. Das Kind strahlt, denn es hält eine Handvoll Süßigkeiten fest. „Du gibst etwas ab“, fordert die Schwerster. Anna schüttelt ernergisch den Kopf. „Dann bist du eine Zicke“. Anna schweigt.

Tom erzählt, dass er sich für Geburtstagsgeschenke bedanken soll, aber nicht weiß,  wie. „Schreib doch eine Postkarte!“ „Was ist das denn? – Ist das was man aus der Türkei schickt?“ „Du brauchst eine Briefmarke.“ „Die hat mein Opa. Der hat eine ganze Sammlung…“

Lena schweigt beharrlich und blickt vor sich hin. „Woran denkst du?, frage ich. „Weiß ich noch nicht.“

Anna hat ihre ganzen Süßigkeiten aufgefuttert. Sie rutscht wieder von ihrem Stuhl. Ich sehe, was kommen wird und bezahle die Rechnung.

Das war ein schönes und kurzweiliges Mittagessen.

Kostenloses Sonntagsessen für hungrige Kinder

„Nicht lange reden, einfach tun“  –  Das sagten vor vier Jahren ein Bremer Hoteldirektor und ein Pastor in der Neuen Vahr. Sie luden bedürftige  Kinder zu einem kostenlosen Mittagessen ein.

    Blick in die Heilig-Geist-Kirche – Neue Vahr, Bremen.

Marc Cantauw hat die Geschichte schon oft erzählt: Wie er im Autoradio ein Kind sagen hört:“ Ich wünsche mir zu Weihnachten ein warmes Mittagessen“. „Das gibt’s doch nicht“, dachte er, „Kinder, die nicht genug zu essen bekommen.“ Doch als er wieder zu Hause in Bremen ist, erfährt er: Doch das gibt es. Ganz bestimmt in der Neuen Vahr, rund um die August-Bebel-Alle, an der auch sein Hotel „balladins SUPERIOR Hotel Bremen“ liegt. Und er denkt daran, dass  in seiner Hotelküche manchmal Vorräte übrig bleiben.

 „Könnte man nicht von diesen Vorräten und neuen Zutaten sonntags Essen für hungrige Kinder kochen?“, fragt er sich und erzählt Heinz-Martin Krauß von seiner Idee. Heinz- Martin Krauß ist Pastor der Evangelischen Kirchengemeinde in der Neuen Vahr Heilig Geist und ist sofort begeistert. Sein Gemeindezentrum liegt auch an der August-Bebel-Allee, und im Gemeindesaal könnte gut ein Sonntagsessen aufgetischt werden.

Christian Seiler beim Vorbereiten des Sonntagsessens

Christian Seiler bereitet das Sonntagsessen vor.

Am 20. Januar 2008 geht’s wirklich los. Um 12.30 Uhr drängeln sich über 100 Kinder im Gemeindesaal und warten auf  die warme Mahlzeit, die die Köche des balladinsSUPERIOR Hotel Bremen gekocht und hergebracht haben.

Zwei  Fragen mussten vorher noch geklärt werden: Soll der, der mit isst, nachweisen, dass er bedürftig ist? Die Antwort: Nein. Dürfen auch Erwachsene mit essen? Die Antwort: Sie dürfen, sollten aber eine Spende in ein Sparschwein stecken.

Die Bilanz nach vier Jahren kann sich sehen lassen: Zur „MahlZeit“ in der Neuen Vahr kommen jeden Sonntag 60 bis 80 Kinder und Erwachsene. Ein Teil von ihnen besucht vorher den Gottesdienst. Achtundzwanzig ehrenamtliche Helfer und Helferinnen sorgen dafür, dass es immer ein fröhliches Treffen wird. Dazu betreuen sie auch noch eine Kleiderkammer, eine kleine Bibliothek und einen Fast-umsonst-Laden. Quatiermanager Dirk Stöver organisiert Ausflüge mit den Kindern, und es gibt auch immer wieder Spender, die das Projekt finanziell unterstützen. 2009 bekam „MahlZeit“ die Auszeichnung „Unternehmen für die Region“ von der Bertelmannstiftung.

Hinten auf dem MahlZeit-Faltblatt steht ein Zitat von John F. Kennedy:

„Einen Vorsprung im Leben hat, wer da anpackt, wo andere erst reden“

Ich habe selten eine Initiative kennengelernt, die dafür ein so bewunderungswürdiges Beispiel gibt wie dieses Projekt  für hungrige Bremer Kinder.

info@mahlzeit-bremen.de

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