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Archiv für die Kategorie ‘Bücher’

Vor 127 Jahren: Eine Frau ruft zum Frieden auf

Bertha von Suttner – Mein Gedankensprung zum Volkstrauertag

Im November gedenken wir unserer Toten. Die Katholiken zuerst mit ihrem Fest „Allerheiligen“, danach –  am Totensonntag – schmücken die Protestanten  ihre Gräber. Ein Tag ist für alle gedacht: der Volkstrauertag. In diesem Jahr wird er am zweiten Novembersonntag  begangen. Doch für wen? Der Tag wurde 1919 eingeführt, um an die Toten des Ersten Weltkriegs zu erinnern. In der Bundesrepublik kam das Erinnern an die Toten des zweiten Weltkrieges dazu. Doch wer lebt heute noch, um sich an einen Soldaten zu erinnern, der im letzten Krieg gefallen ist?  Wieviel Witwen und Waisen leben noch und erinnern sich an  Menschen, die vor fast achtzig Jahren im Bombenhagel und auf der Flucht ums Leben kamen? Die meisten von ihnen sind vermutlich längst gestorben.

Brauchen wir den Tag also noch? Ja, denn an diesem Volkstrauertag wird im Bundestag auch der 65 Millionen Flüchtlinge gedacht, die täglich durch Gewalt, Krieg und Unterdrückung vertrieben werden.

Doch warum gibt es längst wieder Kriege? Wo ist ein weltweite Protest gegen Krieg und Vernichtung? Ich kenne keine Antwort. Aber ich bin beim Fragen und Antwortsuchen auf eine Frau gestoßen, die schon 1889 mit ihrem Roman „“Die Waffen nieder“ als Pazifistin weltweit Aufmerksamkeit erfuhr: Es ist Österreicherin Bertha Freifrau von Suttner (1843-1914).

„Ein frischer, fröhlicher…Krieg“

In ihrem Roman schildert sie – in Form einer Autobiografie – die Geschichte einer jungen Witwe, deren erster Mann im Krieg fällt. Beschrieben wird auch, welche Begeisterung man im  19. Jahrhundert für das Militär empfand. Ein Beispiel daraus:

Aber an jenem 1. April sagte mir mein Mann allen Ernstes: „Weißt du, Schatz – es wird bald losgehen.“ „Was wird losgehen, mein Liebling!“ „Der Krieg mit Sardinien.“ Ich erschrak. „Um Gotteswillen – das wäre furchtbar! Und musst du mit?“ „Hoffentlich.“ „Wie kannst du so etwas sagen? Hoffentlich fort von Weib und Kind?“ „Wenn die Pflicht ruft …“ „Dann kann man sich fügen. Aber hoffen – das heißt also wünschen, dass einem solch bittere Pflicht erwachse –.“ „Bitter? So ein frischer, fröhlicher Krieg muss ja was Herrliches sein. Du bist eine Soldatenfrauvergiss das nicht –.“

Ich kann mir kaum noch vorstellen, dass es diese Begeisterung für einen Krieg gab. Doch  mein Onkel Heinz Bormann (1912 – ?) muss das noch gefühlt haben, denn ich weiß, dass er sich als Abiturient freiwillig als Soldat für den zweiten Weltkrieg gemeldet hat. Bis heute weiß  niemand,  wann und wo er gestorben ist.

Mit Alfred Nobel im Gespräch

Bertha von Suttner hat als Pazifistin weltweit Anerkennung und Zuspruch erfahren. Sie hat zahlreich Schriften verfasst und weitere Romane geschrieben. In Paris lernte sie Alfred Nobel kennen, den sie anregte, zu seinem Nobelpreisen  auch noch einen Friedenspreis hinzuzufügen. 1905 wurde sie selbst damit ausgezeichnet. Sie starb in Wien am 21. Juni 1914, ein paar Tage bevor der Erste Weltkrieg ausbrach.

In Ihrem Roman „Die Waffen nieder“ lässt sie ihre Ich-Erzählerin in einem Gespräch sagen: „Der bewaffnete Friede ist keine Wohltat … und nicht lange soll uns der Krieg verhütet bleiben, sondern immer. Wenn man sich auf die Meerfahrt macht, soll die Zusicherung nicht genügen, dass das Schiff an keiner Klippe zerschelle. Dass die ganze Fahrt glücklich überstanden werde, danach wird der ehrliche Kapitän trachten.“

Der Volkstrauertag

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge  zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt und organisiert. Der Volksbund betreut heute im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von etwa 2,7 Millionen Kriegstoten auf über 832 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten. Er wird dabei unterstützt von mehr als einer Million Mitgliedern und Förderern sowie der Bundesregierung. Das Leitwort ist: Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden.

 

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Frack und Lack und Claque

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Susanne Schnatmeyer, eine erfolgreiche Bloggerin, hat ihr zweites Nachschlagewerk über textile Redewendungen veröffentlicht. In der neuen Sammlung „Am Rockzipfel“ werden 400 Redensarten rund um Kleidung und Stoff erklärt.

Die meisten Redensarten in diesem hübschen kleinen Nachschlagewerk kennen wir alle. Sprachbilder aus dem Bereich der Kleidung und Stoffe sind allgegenwärtig und geben doch oft Rätsel auf. Wieso ist Jacke wie Hose? Wer nagt am Hungertuch und was haben Manschetten mit Muffensausen zu tun? Dieses Buch geht den Redensarten auf den Grund und stellt damit auch eine  Kulturgeschichte unserer Kleidungsstücke und textilen Gebrauchsgegenstände vor.

Es ist eine umfangreiche Ergänzung zu der ersten Sammlung „Verflixt & Zugenäht“, die 2015 erschienen ist. Auch in ihrem neuen  Buch beschreibt die Autorin genau, sachlich, verständlich und anregend, woher die Redewendungen kommen und was es mit jeder Redewendung auf sich hat. Eine spezielle Sammlung solcher Redewendungen fehlte bisher. Doch Susanne Schnatmeyer hat damit nicht nur eine Lücke in der Reihe der Nachschlagewerke geschlossen, sondern sie erinnert auch daran, welche Wertschätzung Textilherstellung früher gehabt hat.

Es ist wieder ein Buch für die ganze Familie geworden, für alle Generationen, für Mode- und Handarbeitsbegeisterte, Sprachliebhaber, Geschichtsfans, Textilberufe und – das habe ich gerade erfahren – auch für Frühstücksrunden und Kaffeekränzchen. Wer es verschenkt, braucht kein Muffensausen  zu haben, dass er damit Kinkerlitzchen überreicht. (Siehe Seiten 73 und 82).

Weitere Informationen findet man im Blog „Textile Geshichten“ auf einer Extraseite.

Am Rockzipfel  
Redensarten rund um
Kleidung und Stoff

Text + Illustration: Susanne Schnatmeyer
ISBN 978-3-00-052981-8
Auflage 1, November 2016, 160 Seiten, 15 Abbildungen
Maße 19 x 12 x 1,5 cm, Hardcover mit Lesebändchen

Ladenpreis 16 Euro

Erhältlich über:

  • Email an info@textilegeschichten.net (Büchersendung, Versandkosten in Deutschland 1 Euro)
  • Im Onlineshop Machwerk
  • Bestellung im Buchhandel (über das Verzeichnis lieferbarer Bücher kann jede Buchhandlung das Buch ordern)

http://textilegeschichten.net/edition/ Der Link zum Blog der Autorin.

 

 

„Punkt 11“ – Immer sonnabends um 11 Uhr

 Autoren und Autorinnen lesen vor

 

In der Stadtbibliothek Bremen kann man nicht nur Bücher ausleihen. Dort gibt man auch Literaturschaffenden aus der Region ein Forum. Ein gutes Beispiel ist dafür die Reihe „Punkt 11“. Immer sonnabends. Immer um 11 Uhr in der Stadtbibliothek Bremen-Vegesack.

Ich habe dort  der Bremerin Irmtraud Hansemann zugehört. Sie las eigene Lyrik und Prosa unter dem Titel „Ganz  nah am Alltag“  vor. Mit überraschenden Einsichten und feinem Humor bewies sie,  dass ihr Alltag unser aller Alltag ist.

Ihre Geschichten und Gedichte hat sie bereits in einem kleinen Band veröffentlicht, dazu im Hebus-Verlag Cartoons und  den Roman „Die Begleiterin“. Während ihrer Stunde für die Literatur führte Irmtraud Hansemann ihre Zuhörer und Zuhörerinnen zum Beispiel in ein Kaffeehaus, auf einen  Friedhof, erfand den Herr der Ringe neu und beschrieb, wie sie an einer Supermarktkasse betrogen wurde. Notiert habe ich mir diese Sätze: …Auch ewige Jugend geht vorbei…,Rohstoff für Literatur blüht im Alltag…Wird Sehnsucht erwachsen, wenn ich sie stille?…

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Irmtraud Hansemann hat die Lesung gehalten, obwohl sie an Parkinson erkrankt ist. Seit 1990 wird ihr Leben von der Krankheit bestimmt. In einem Flyer schildert sie das so: …Lebensqualität- Eigenbestimmung- genau die ist mir genommen. Ich kann nicht mehr über meinen Körper bestimmen. Spontanität, Zukunftspläne, Entwicklungen!  Wünsche reduzieren sich auf die genau berechnete Medikamenteneinnahme. Ich richte mich nicht mehr nach der Uhr, sondern nach meinen „on/off-Zeiten“. „Off“ heißt Fegefeuer aus Starre und Krampf. „On“ heißt: In  genau zugeteilter Zeit so bewusst wie möglich aktiv zu leben.“

An diesem Morgen wurde ihr mit herzlichem Beifall gedankt.

Alle Informationen zu den Lesungen bekommt man unter : http://www.stabi-hb.de/Veranstaltungen-Punkt-11. Der Eintritt ist frei.

Am Donnerstag, 11. Februar, 18.30 Uhr, hat Irmtraud Hansemann ihren nächsten Termin:

In der Bremer Zentralbibliothek/Kriminalbibliothek trifft sich die Gruppe WORTLAUT. Irmtraud Hansemann, Heide Marie Voigt, Hanna Scotti, Eberhard Pfleiderer und Jens-Ulrich Davids lesen Texte zum Thema „Flaschenpost“. Eintritt frei.

Was bedeutet „Seniorenalltag“ ?

Ich bin eine Seniorin (70+). Ich schreibe für diesen Blog  Kleine Brise aus Bremen.  Ich wollte mit diesem Blog einen Einblick in mein Seniorenleben geben, doch ich stelle fest, dass ich wenig über Dinge berichte, die nur im Seniorenalltag passieren. Mein Alltag ist weiter mein Alltag, so wie er sich fügte, nachdem ich meinen sechzigsten Geburtstag gefeiert hatte: Die Kinder waren  aus dem Haus und ich konnte mich neu einrichten. Aber mein Alltag zeigt nun doch  gewisse Einschränkungen. Was  mir beim Nachdenken über dieses Thema eingefallen ist, folgt hier:

  • Beim Fernsehen benutze ich jetzt Kopfhörer, denn die Schauspieler verstehe ich oft schlecht.
  • Das Licht im Badezimmer habe ich mit einer neuen Lampe heller werden lassen.
  • Saubermachen dauert jetzt länger als früher.
  • Alles, was gerade als „neue Mode“ vorgestellt wird, habe ich bereits im Schrank oder früher schon getragen..
  • Eine schwere Erkrankung hat mir das Schicksal bis jetzt erspart. Meine Medikamente bezahlt die Kasse anstandslos
  • Meine Haare sind nicht mehr strohig, sondern leicht gewellt.
  • Im Fitnessstudio kann ich alle Geräte bedienen.
  • Gute Laune bekomme ich, wenn ich nicht zu kochen brauche, weil es genug Fertiggerichte zum Auswählen gibt.
  •  Bügeln ist einfacher geworden . Schuhe putzen auch.
  • Romane lese ich nicht mehr. Ich habe keine Lust mehr, mich in fremdes Leben einzufühlen.
  • Meine Freundin ist kleiner geworden, Sie schaut jetzt zu mir auf. „Du schrumpfst auch“, stellte meine Tochter darauf hin gnadenlos fest.
  • Gute Freunde sind gestorben. Sie fehlen mir. Eine Freundin, die vor ein paar Jahren das Zeitliche segnete, fehlt mir dagegen nicht. Sie hatte sich im Alter in eine Furie verwandelt.
  • Finger- und Fußnägel wachsen viel zu schnell. Manchmal gehe ich zu einer Fußpflegerin.
  • Die Enkel und Enkelinnen gehen jetzt alle in die Schule. Kein Grund mehr, dass ich mich um sie kümmern muss. Mich stimmt das nicht traurig.
  • Politik interessiert mich immer noch. Nur eins sage ich nicht mehr: „Das haben wir nach dem Krieg doch auch erlebt…Meine Gesprächspartner kontern dann meist: Ich  war da noch nicht geboren..
  • Mein Gehirn arbeitet zunehmend eigenständig. Namen von Menschen, die vor mir stehen, gibt es nur zögerlich frei. Manchmal erst am nächsten Morgen.
  • Hoffentlich muss ich diese Liste nicht so bald fortsetzen.

Verflixt & Zugenäht

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150 Redewendungen – Gesammelt und erklärt

Susanne Schnatmeyer, eine erfolgreiche Bloggerin, hat ein Nachschlagewerk  über textile Redewendungen geschrieben. Zum ersten Mal nicht als Text in ihrem Blog „Textile Geschichten“, sondern als Buch. Verflixt &  Zugenäht“ hat sie ihre kleine, handliche,  schön eingebundene Enzyklopädie genannt.

Erklärt werden einem 150 Redensarten, in denen sich alles um Nähen, Schneidern, Spinnen und Weben, Garn und Bänder dreht. Die meisten sind von Generation zu Generation weiter benutzt worden.

Man kann die kleine Enzyklopädie auf zwei Arten nutzen: Man fängt einfach an zu lesen und liest – Kapitel für Kapitel – weiter, ohne alphabetische Reihenfolge. Und freut sich über die liebevoll und sorgfältig recherchierten Erklärungen. Wer rasch wissen möchte, was ein bestimmtes Sprichwort bedeutet oder woher es kommt, findet die passende Stelle über das Stichwortverzeichnis am Ende des Buches.

Aufgelockert werden  die Texte durch bunte Abbildungen von Stoffmustern  aus drei Jahrhunderten.

Auf eine weitere Möglichkeit, dieses kleine unterhaltsame Buch zu nutzen, möchte ich an dieser Stelle auch noch hinweisen: Man verschenkt es und hat damit  alle Fäden in der Hand, für gute Unterhaltung zu sorgen.

Verflixt und Zugenäht
Textile Redewendungen
gesammelt und erklärt

Edition Textile Geschichten, 2015
ISBN 978-3-00-050969-8
144 Seiten, 11 farbige Abbildungen
Maße ≈ 13 x 19 cm, Hardcover mit Lesebändchen. Preis 15 Euro

Erhältlich über:

  • Email an info@textilegeschichten.net (Büchersendung, Versandkosten in Deutschland 1 Euro)
  • Im Onlineshop Machwerk
  • Bestellung im Buchhandel (über das Verzeichnis lieferbarer Bücher kann jede Buchhandlung das Buch ordern)

http://textilegeschichten.net/edition/ Der Link zum Blog der Autorin. Am 26. Oktober berichtet sie darin, wie das Buch entstanden ist.

Keine noble Behandlung

In der Tageszeitung hatte alles gestanden, was man über den Literaturnobelpreis wissen sollte. Rechtzeitig am Tag der Bekanntgabe –  am 8. Oktober gegen 13 Uhr –  sollte das Ergebnis der Wahl bekannt gegeben werden. Und eine Favoritin wurde auch schon genannt: Die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch könnte es sein, denn sie stand bei den britischen Buchmachern an der Spitze. Ich schalte daher um 13 Uhr das Radio ein. Doch die Nachrichten geben noch nichts bekannt. Aber um 13.30 Uhr kommt die Meldung: Swetlana Alexijewitsch bekommt in diesem Jahr den Literaturnobelpreis.

Nachmittags gehe ich in unsere altehrwürdige Buchhandlung. Bei ihr finde ich sicher die Bücher der Preisträgerin. „Leider nein“, erklärt mir die Buchhändlerin , “ alle ihre Bücher sind vergriffen. Wir haben keins am Lager.“ Wie schade.

Ähnliches erfahre ich in der Thalia-Filiale, die erst seit ein paar Wochen vor Ort ist und meiner alten Buchhandlung Konkurrenz macht. Der junge Mann an der Tür, der mich nach meinen Wünschen fragt, hat offensichtlich keine Ahnung, dass es eine neue Literaturnobelpreisträgerin gibt. Seine Kollegin muss den Namen auch erst im Internet suchen und findet im großen Laden auch kein Buch von der weißrussischen Schriftstellerin.

Fazit: Beide Buchhandlungen sind schlafmützig. Im Internet – bei Amazon  – kann ich mir sofort alle Wünsche erfüllen lassen: Probelesen  und alle Bücher bestellen. Meine Fundstelle:

http://www.amazon.de/Secondhand-Zeit-Tr%C3%BCmmern-Sozialismus-suhrkamp-taschenbuch/dp/3518465724/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1444682686&sr=8-1&keywords=swetlana+alexijewitsch

Wie waren wir doch damals lieb……

Meine Freundin Elke weiß, dass ich gern  schreibe und ständig nach Themen suche. Neulich hat sie  mir  ein  dünnes Heft in die Hand gedrückt. „Ist das nicht Stoff für dich? Der Inhalt passt zu unserem Thema ‚Wie es damals war‘. Das Heft wurde  in der Handelsschule an uns Mädchen verteilt.“

Und was sehe und lese ich auf dem blauen Umschlag?  Das halbe lächelnde Gesicht einer jungen Frau, ihren makellosen Körper in Gymnastikposen und eine griechische Schönheitsstatue.

Der Titel: „So gefällst Du mir…Gespräch mit einem jungen Mädchen über Schönheit und Gesundheit“.

Autor: Dr Heinz Graupner.

Ach nee. Bitte kein Gesülze aus den fünfziger Jahren. Daran war ich selbst beteiligt. Das „Gutmenschentum“ ist auch in  meinen Artikeln  in unserer Schülerzeitung heute noch deutlich herauszulesen. Aber gut. Ich verspreche eine Leseprobe zu machen. Die ist nun  fertig. Das ist meine Zusammenfassung:

In fast zwanzig Kapiteln (ohne Inhaltsverzeichnis) gibt Dr. Graupner einem jungen Mädchen Ratschläge für seine Schönheit und Gesundheit. Einen breiten Raum nimmt die Beschreibung des weiblichen Körpers ein. Der Autor erklärt genau, wie die Keimdrüsen arbeiten, er beschreibt den Weg des Eis in die Gebärmutter und erklärt die Regel, die entsteht, wenn das Ei sich nicht mit einer männlichen Keimzelle verschmelzen kann..

Über Sex wird an keiner Stelle geredet. Männer spielen keine Rolle. Dafür rät der Autor davon ab, zuviel Sport zu treiben. Rekordjagt hält er für ungesund. Dafür findet er, dass Gymnastik als die körperlich-seelische Grundschule der Frau gelten kann. Immer schön Zähneputzen ist auch wichtig. Hohe Absätze sind ungesund und Fußnägel rund schneiden ist  gefährlich…

So, das reicht. Ich komme zum Schluss und zitiere den letzten Absatz aus dieser freundlichen, harmlosen Schrift :

Heranreifende Mädchen stehen dem Rhythmus des fraulichen Lebens zunächst oft ratlos gegenüber. Deshalb sind sie dankbar für jede taktvolle Hilfe, die ihnen den gefahrlosen Weg zeigt über alle Hemmnisse gewisser Tage hinweg zur Lebensbejahung und Freude. Die millionenfach bewährte Camelia-Hygiene ist die sichere Brücke, um ihnen immer – ja auch dann – jene bezaubernde Unbekümmertheit zu bewahren, die Backfische zu so beneidenswerten Menschenkindern macht.“:

Ganz klar: So bescheiden – wie hier Camelia – macht heute niemand mehr Reklame für sich. Das ist alles heile Welt von Gestern.

Sorry, Elke, leider kein Thema, zu dem ich Lust habe. Buche es unter „Freundschaft“.

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Mädchenwelt in den fünfziger Jahren: Gymnastik ist gesund und macht schön…..

Aus dem besprochenen Heft.

„Flut und Boden“

Per Leo erzählt vom Leben seines Nazi-Opas – Ich kenne die Familie

Mein Kopf ist voller Gedanken. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen Roman gelesen, dessen Inhalt ich in großen Zügen kenne, weil mir fast alle Personen, die darin geschildert werden, schon einmal begegnet sind. Per Leo hat ihn geschrieben. Sein Titel: „Flut und Boden“. Der Roman einer Familie ist im Frühjahr bei Klett-Cotta erschienen und mit viel Lob bedacht worden.

Per Leo hat wenig verschlüsselt. Die prachtvolle alte Villa, in der die Familie lebte, kann sich jeder ansehen, denn die Adresse steht gleich am Anfang der Geschichte. Es ist das Haus Weserstraße 84 in Bremen-Vegesack. Das Haus wurde um 1900 gebaut und hat nichts von seinem Glanz innen und außen verloren.

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Blick aus Nachbars Garten auf den Turm der Leo-Villa. Gemalt von einer Freundin.

Per Leo erzählt die Geschichte seiner Familie, in dem er den Lebensweg seines Großvaters Friedrich Leo beschreibt. Friedrich Leo war Nazi. Vielleicht wäre er erfolglos geblieben, denn er ist ein Schulabbrecher und vermutlich das Sorgenkind der Familie. Doch bei den Nazis macht er Karriere. Er wird Abteilungsleiter im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS. Mit dieser festen Anstellung kann er heiraten und eine Familie gründen. Seine Kinder bekommen schöne deutsche Namen. Im Roman sind ihre Namen durch die Buchstaben M oder W ersetzt. Hinter einem W versteckt sich meine Freundin Elke. Elke war meine Schulfreundin. Über sie habe ich die ganze Familie kennengelernt. Sie zog 1957 von einem Dorf in der Heide zu ihrer Großmutter in der Haus an der Weserstraße. Sie wollte in Vegesack ihr Abitur machen, weil das in ihrem Heimatort nicht möglich war. Auch ich war neu in der Klasse. So freundeten wir uns an.

Die zweite wichtige Person in diesem Roman ist Martin Leo, ein Bruder Friedrichs. Seine Entwicklung verlief anders. Er wurde Wissenschaftler und lebte in der DDR.

Für mich ist das Buch kein Roman im herkömmlichen Sinn. Eher eine Beschreibung der Leben zweier Brüder und ihrer Vorbilder, geprägt durch zwei Weltkriege und zwei Diktaturen. Es ist ein gedankenvolles und manchmal kompliziertes Buch. Wer das Leben in der Nazi-Diktatur verstehen will und sich fragt, wie diese Zeit die Menschen prägte, für den ist dieses Buch ein guter Wegweiser.

 

Ein kleines Herz verschenken

Bastelvorschlag zu Weihnachten / „Für Knaben und Mädchen „

In meinem Bücherschrank steht ein Lese- und Bastelbuch, das über 100 Jahre alt ist. Leider ohne Erscheinungsdatum. Aber wenn mich nicht alles täuscht, ist es 1896 erschienen und hat da schon sein vierzigjähriges Jubiläum gefeiert. tgb012120907kEs trägt den Titel „Herzblättchens Zeitvertreib“, herausgegeben von Thekla Gumpert. Versprochen werden „Unterhaltungen für kleine Knaben und Mädchen zur Herzensbildung und Entwicklung der Begriffe“.

Zu meinem Erstaunen gibt es darüber auch schon einen Wikipedia-Eintrag. Danach war dieses Buch sehr erfolgreich und sehr modern. Weil ich gerade auf der Suche nach einem Bastelvorschlag zur Vorweihnachtszeit war, habe ich es noch einmal durchgeblättert und tatsächlich ein paar Vorschläge gefunden. Sie heißen „Beschäftigungstafeln“ und stammen von Marie Brückner. Auf einer schlägt sie vor, für Schokoladenplätzchen oder Bonbons eine Schachtel anzufertigen. Sie verspricht: „Sie ist nicht schwer herzustellen, wie du gleich sehen wirst“.tgb012120906k

Das soll das Kind tun: Zuerst aus Kartonpapier ein Herz ausschneiden (a). Dann einen 1 ½ Zentimeter breiten Kartonstreifen abmessen, so dass er einmal um das Herz passt (b). Den Streifen mit überwendlichen Stichen an das Herz nähen (c). „Nun hast du schon die Grundform der Schachtel. Das ging doch schnell, nicht wahr? Ganz ebenso, nur ein klein wenig größer, stellst du den Deckel her“, ermuntert Marie Brückner ihre kleinen Leser und Leserinnen.

Danach sollen sie gekrepptes Seidenpapier von außen nach innen über den Rand schlagen und von innen fest drücken. „Du kannst es bei (d) hergestellt sehen„. Damit die unregelmäßigen Ränder verdeckt sind, legt man ein Schreibpapier hinein. Dann schlägt sie vor, den Deckel noch mit einem Röschen aus Seidenpapier oder mit einem Bildchen zu schmücken. „So ist das kleine Werk fertig, und du kannst dein eigenes kleines Herz verschenken!“, heißt es am Ende der Anleitung.

Mein Herzblättchen will sich noch überlegen, ob es diese Schachtel bastelt. „Nur, wenn du den Rand annähst“, hat es zur Bedingung gemacht.

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Die Beschäftigungstafel

April, April…..

Meine Großmutter liebte deftige Späße.  Sie war es auch, die mich zum ersten Mal in meinem Leben in den April schickte. „Bäcker Meier backt heute Haumiblau. Du kannst mal zehn Stück holen“, sagte sie und schickte mich los. Beim Bäcker erntete ich natürlich fröhliches Gelächter. Zehnmal Hau -mi-blau wollte mir keiner geben. Ich weiß nicht, ob dieser Brauch – jemanden am 1. April mit einem Spaß zu necken – noch sehr lebendig ist. Damit er nicht ganz vergessen wird, habe ich ihn ein bisschen abgewandelt und daraus ein Rätselspiel gemacht. Ich habe mein literarisches Wissen auf die Probe gestellt und versucht, für ein paar Zitate die Autoren zu finden. Das Ergebnis: Meine Könnerschaft hat nachgelssen. Drei Zitate aus meinem Selbstversuch:

Und wenn ich wüsste, das morgen die Welt in tausend Stücke zerbräche, ich würde heute noch einen Baum pflanzen.                  Martin Luther

April, April…….?

Säen ist nicht so beschwerlich wie ernten.              J.W. Goethe

APRIL, April……..?

Wer einen Tag glücklich sein will, der trinke! Wer eine Woche glücklich sein will, schlachte ein Schwein! Wer ein Jahr glücklich sein will, heirate! Wer immer glücklich sein will, der werde Gärtner!       Wilhelm Busch

APRIL, APRIL…..?

Unter einem Zitat steht ein falscher Name. Richtig ist: Es ist ein chinesisches Sprichwort.

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