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Archiv für die Kategorie ‘Bremen’

Advent

Pünktlich zum 1. Advent hat sich der Weihnachtsmarkt vor meiner Haustür in ein Lichtermeer verwandelt. Mir gefällt das. Ich mag die dunkle Winterzeit nicht.

Doch gestern hat mich ein evangelischer Pastor auf einen neuen Gedanken gebracht. Wir waren an einem Bratwurststand  ins Gespräch gekommen. Er gestand mir, dass er den Rummel in der Vorweihnachtszeit nicht mag. Für ihn ist die Vorweihnachtszeit eine Fasten- und Bußzeit, so wie sie in der katholischen Kirche begangen wird. Ihn treibt es jetzt um, dass er vor einer Weihnachtsfeier, die sein Club veranstaltet, eine Andacht halten soll. In einer Kirche. Mit Weihnachtslieder singen. Er holt tief Luft: „Hoffentlich verlangen die nicht von mir, dass wir „Stille Nacht, heilige Nacht singen… Das geht doch gar nicht. In der Adventszeit….Und dazu noch ein üppiges Essen.“

Fasten und Büßen – in der Vorweihnachtszeit? Der Pastor könnte in seiner Andacht seine Clubfreunde daran erinnern, dass genau das jetzt in der Vorweihnachtszeit mit den vier Adventssonntagen möglich ist. –  Ob die ihm zuhören?

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Allein im Krankenhaus

 

Zwei Krankenhausaufenthalte haben mich gerade das Fürchten gelehrt. Das betrifft nicht die ärztliche Versorgung, mit der ich zufrieden war, sondern die Betreuung für mich im Bett.

Das war die tägliche Vorstellung:

Es zeigt sich keine freundliche Krankenschwester, die sich nach meinem Befinden erkundigt, sondern es kommt eine gelehrte Person mit einem Computer herein gefahren, die kompetent den Ärzten assistiert, mich aber wie ein Stück Holz behandelt. Niemand hilft beim Waschen, Betten werden nicht mehr aufgeschüttelt, das Essen wird im Pappkarton auf den Tisch gestellt. Meine Zusatzversicherung ( für ein Einzelzimmer), für die ich rund vierzig Jahre gezahlt habe, hilft mir nicht. Ich liege in einem Zweibettzimmer. Zum Glück mit einer netten alten Dame. Wir vertragen uns gut. Vorgesehen war das nicht, denn ich hatte einen Termin im Krankenhaus für meine Behandlung. Das Einzelzimmer war bestellt, doch – leider, leider, leider – auf der Station wusste man nichts von meiner Ankunft. Daher meine Aufnahme in einem Zweibettzimmer.

Es wird gestreikt

Das Pflegepersonal streikt. Es will mehr Zeit für die Patienten haben.  
Meine Frage: Was wollt ihr denn mit der Mehr-Zeit anfangen? Wirklich wieder Betten aufschütteln und Essen austeilen?
Mein Vorschlag: Lasst euch ruhig weiter zu (Arzt)Assistenten ausbilden. Empathie ist dafür nicht so wichtig. Aber sorgt dafür, dass es wieder eine Ausbildung zur guten alten Krankenschwester gibt, für die ein einfacher Schulabschluss genügt. Wer Freundlichkeit und Zuversicht ausstrahlt, kann Kranken auch guttun. Einfühlung und Zuwendung bekommt man nicht durch hohe Schulabschlüsse zensiert. Lasst die gute alte Krankenschwester wieder arbeiten. Sie war ein Segen für die Kranken.

 

Ich habe es übrigens auch ein bisschen lustig gehabt. Zwei Tage habe ich auf der Normalstation in einem Vier-Bett-Zimmer geschlafen. Wir waren eine fröhliche Gang, mit Herz-Schmerz-Problemen –  und fast ohne Krankenschwestern. Und ganz ohne Chefarztbesuch.

Das Glöckchen mit Eigensinn

Ein starker Frühlingsbote               Im März                            Mein Lieblingsfoto

Weil ich im Herbst nicht alles Laub vom Beet gefegt habe, mussten sich diese kleinen Schneeglöckchen mächtig anstrengen, um ihre Blüten hervorzutreiben. Ich mag dieses Foto sehr. Es zeigt mir, wie unbekümmert die Natur sein kann.

Eine schöne Beschreibung der kleinen Pflanze habe ich in dem Schulbuch „Schmeils Leitfaden der Pflanzenkunde“ gefunden. Es ist ein „Hilfsbuch für den Unterricht an höheren Lehranstalten. Nach den Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen Preußens bearbeitet.“ – Erschienen 1929. Darin heißt es :

Das Schneeglöckchen bringt wie die Tulpe alljährig nur eine einzelne Blüte hervor, die aber verhältnismäßig lange, bei schlechtem Wetter sogar wochenlang, erhalten bleibt… Gegen Abend schließt sie sich, und an kalten, unfreundlichen Tagen öffnet sie sich überhaupt nicht…

Google hat mich noch mit ein paar Neuigkeiten versorgt. Das Schneeglöckchen hat inzwischen viele Liebhaber gefunden:  Es wurden  neue Sorten gezüchtet, es steht unter Naturschutz, und es werden Feste gefeiert, bei denen das Schneeglöckchen im Mittelpunkt steht. Das letzte Fest hat am 4. und 5. März in Hamburg stattgefunden.

Weil auf meinen Foto (oben) alle Blüten geschlossen sind, habe ich mir ein paar Schneeglöckchen ins Wohnzimmer gestellt und siehe da: In der Wohnzimmerwärme haben sich die kleinen Blüten geöffnet. Die Kätzchen vom Korkenzieherhasel waren schon aufgeblüht.

Kaum zu glauben: Karneval im Bremer Norden

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Ja, ich kann es kaum glauben: An meinem Haus ist gerade  ein Karnevalsumzug vorbeigekommen, und ich hätte dieses bunte Ereignis fast verschlafen ( Mittagsschlaf, lang). Doch die bunte Schar trommelte  Samba-Musik  und marschierte auch nicht besonders schnell, so dass ich dem Zug – rasch aufgestanden –   gut folgen konnte. Organisiert hatte alles die Initiative Bremer Karneval e.V.. In diesem Jahr mit dem Motto „Wunderwelten“ . In Vegesack  fand der erste Umzug statt.

Zum großen Umzug am 18. Februar, der am Bremer Marktplatz beginnt, haben sich über hundert Samba-Gruppen aus Deutschland und über seine Grenzen hinaus angemeldet. In Vegesack konnte man auch – schön verkleidet – allein mitlaufen. Ob  die beiden Stelzenläufer zur Samba-Gruppe gehörten oder nicht, weiß ich nicht. Ich habe sie bewundert: ihre schönen Kostüme und ihre Stelzenlauf-Akrobatik.

Ischa Freimaak

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Die Bremer sind in Feiertagslaune

Ja, es ist wieder soweit: In Bremen kann man sich ganz prima auf einem riesigen Rummelplatz vergnügen. Allerdings nur noch bis zum letzten Sonntag im Oktober. Danach wird  der Vergnügungspark vollständig geräumt und auf der Bürgerweide parken wieder Autos.

Ich bin schon lange nicht mehr auf dem  Bremer Freimarkt gewesen. Doch  neulich waren Charlotte (8) und Marie (10)  bei mir zu Besuch und die hüpften vor Begeisterung um mich herum, als ich sagte, dass wir zusammen auf den Freimarkt gehen. Rasch ließ ich mich von dieser Vorfreude anstecken  und nach einer kurzen Fahrt mit der Bahn tauchte ich mit beiden in das Getümmel ein.

Alles um uns herum war bunt und in Bewegung. Marie und Charlotte schenkten mir von da immer wieder ihre schönsten Bettelblicke – ich musste nur nicken – und schon kletterten sie in ein Karussell nach dem anderen. Frei nach dem Motto: wild, wilder, am wildesten. Alle diese Freudenbringer fuhren mit hoher Geschwindigkeit im Kreis herum, ließen ihre Gondeln kippen oder drehten sie durch die Luft. Du lieber Himmel – niemals hätte ich mich in  eins von diesen Gefährten gesetzt. Doch die beiden strahlten nach jeder Fahrt vor Begeisterung –  Bettelblick –  Nicken – dann fuhren noch einmal los und stürzten sich danach in die nächste bunte Bahn.

Ich hatte in meiner Wartezeit ein  Kettenkarussell entdeckt, dass an einem Mast rund fünfzig Meter in die Höhe geschoben wird, um dort oben seine Runden zu drehen. Wollt ihr das? Die beiden wollten das. Doch als ich dann ihre kleine Beine dort oben in der Höhe wippen sah, holte ich tief Luft: War das nicht zu gefährlich für die beiden? Nein, sie sind heil gelandet. Aber eine zweite Fahrt wollten sie nicht. In die Geisterbahn trauten sie sich auch, doch besonders gruselig fanden sie die Fahrt nicht. Danach lockten Los- und Spielbuden. Glück wurde aber nur verteilt, wenn vorher das Portemonnaie weit geöffnet worden war.

Was gibt es noch zu erzählen?

Am Montag, 24. Oktober, ist Oma-Opa-Enkeltag mit vielen Ermäßigungen. Beginn 14 Uhr bis in die Abendstunden. Am Infostand (gleich rechts, wenn man aus dem Bahnhof kommt)  erhält man u.a. die Ausweise dafür.

Was heißt: Ischa Freimaak ?

Das ist bremisch. Übersetzt:

Ischa = es ist ja

Freimaak= Freimarkt, ein alter Begriff für einen Platz, auf dem etwas verkauft wird.

Mein Portemonnaie war am Ende leer. So sah die Rechnung aus:

14 Karussellfahrten: 55 Euro

2 Tüten Zuckerwatte: 4 Euro

1/2 m Bratwurst: 4,50 Euro

30 Lose: 5 Euro (Einzeleinkauf war nicht möglich). Gewinn: zwei kleine Kuscheltiere.

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Schön und kostenlos anzusehen: Das Lichtermeer auf dem Freimarkt.

 

Ferien – allüberall

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Hurra! Jetzt sind in allen 16 Bundesländern Schulferien. Für mich eine gute Gelegenheit, allen, die zu Besuch nach Bremen kommen, ein paar Ausflugsziele anzubieten.

Mein erster Vorschlag

Ganz viele Open-air-Konzerte besuchen

Eintritt frei

Und das geht so: Vom Freitag, 5. August, bis Sonntag, 7. August, wird in Bremen-Nord das Internationale Festival Maritim  am Vegesacker Hafen, direkt an der Weser, gefeiert. Es findet zum 18. Mal statt.

Auf diesem „deutschlandweit einzigartigen Seamusic-Spektakel“ , wie die Senatspressestelle mitteilt, treten in diesem Jahr rund 32 Bands  und Chöre aus Europa und Übersee bei 170 Konzerten auf neun Open-Air-Bühnen auf. Eine zusätzliche Besonderheit: Eine Partnerstadt gehört  jedesmal zu dem Festival. In diesem Jahr ist Danzig die Partnerstadt. Hintergrund: Die Städtepartnerschaft zwischen Bremen und Danzig feiert in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag – und auf dieses Ereignis wird während des Festivals immer wieder aufmerksam gemacht (zum Beispiel wird eine Bernsteinausstellung gezeigt).

Der Bremer Bürgermeister Carsten Sieling ist Schirmherr des Festivals. Sieling: „Ich freue mich auf das Internationale Festival in Vegesack. Die Partnerschaft gilt als historische Wegbereiterin für die späteren deutsch-polnischen Verträge und war ein Beitrag zur Überwindung des Ost-West-Konflikts. “

Die Festplätze am Vegesacker Hafen, in den Fußgängerzonen und an der Weserpromenade sind leicht mit Auto, Bahn, Bus, Fähre und Fahrrad zu erreichen. Der Vegesacker Bahnhof für Zug und Bus liegt direkt am Hafen. Ein großes Parkhaus gibt dort auch.

Mehr Informationen zum Festival gibt es unter: www.festival-maritim.de

Foto: Archiv 2015 Festival Maritim

Mein Himmelfahrtstag

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Ich habe den Himmelfahrtstag heute ruhig verbracht. Weil in meiner Familie  der Vatertag nicht gefeiert wird, haben die Männer in meiner Familie auch keinen Alkohol  fließen lassen und sitzen nun friedlich vor dem Fernseher und warten darauf, dass die neue Folge von „Donna Leon“ kommt. Ich setze mich gleich dazu, doch vorher möchte auf das kleine Heft „Das Vaterunser“ hinweisen, das gut als Botschaft für diesen christlichen Feiertag passt. „Das Vaterunser“, das bekannteste Gebet der Christen,  ist in diesem Heft in über zehn Sprachen abgedruckt. Dazu fühlt man auf Vorder- und Rückseite  das Vaterunser in Blindenschrift (Taktildruck).

Das kleine Heft hat die Bremische Evangelische Kirche herausgegeben. Die Bremer Gemeinden und Einrichtungen haben weltweit Kontakte zu Partnergemeinden. In Bremer Gemeinden sind Christen aus Ghana, Finnland, Korea, Indonesien, Russland, Siri Lanka oder Griechenland ständige Gäste.

Zum Schluss ein Beispiel aus dem Heft:

Vater unser im Himmel / ….heißt in Spanisch: Padre Nuestro que estas en los cielos / und

in Ewe: Mia fofo si le dzi fo /

Ewe ist eine afrikanische Sprache, die von etwa drei Millionen Menschen  gesprochen wird.

Klasse-Frauen: Lernen mal anders

Klasse Fortsetzung zu meinem letzten Artikel über das Frauenbild, das Adolf Freiherrn von Knigge in seinem berühmten Buch „Über den Umgang mit Menschen“ vor 228   Jahren beschrieben hat. Die Pressestelle des Bremer Senats hat nämlich gerade veröffentlicht, dass die Schulaktion „Klasse-Frauen: Lernen mal anders“, die seit fünf Jahren zum Frauentag am 8. März stattfindet, mit einem Rekord beginnt, denn die Aktion verzeichnet so viele teilnehmendes Schulen wie noch nie.

In der Pressemitteilung heißt es weiter:

Im Rahmen der einwöchigen Aktion berichten Bremerinnen mit den unterschiedlichsten Berufskarrieren im Unterricht von sich und ihrem Werdegang, von Hürden und offenen Türen. Mädchen und auch Jungen sollen so ermutigt werden, Wege jenseits möglicherweise schon geprägter Rollenvorstellungen zu entdecken. Das ist die Idee hinter „Klasse-Frauen: Lernen mal anders„. „Das Berufswahlverhalten junger Menschen ändert sich nur sehr langsam, Mädchen bevorzugen unverändert dienstleistungsbezogene Berufe oder Studiengänge, Jungen dominieren Naturwissenschaft und Technik“, erklärt Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan. „Hier den Fokus zu erweitern und die ganze Bandbreite der Berufe für beide Geschlechter erfahrbar zu machen, ist eine zentrale Herausforderung der Berufsorientierung. Die Aktion ‚Klasse-Frauen‘ ist in diesem Rahmen ein feiner Mosaikstein, der Akzente setzen kann. Deshalb freue ich mich, dass wir von Jahr zu Jahr mehr Interesse der Schulen verzeichnen können.“

In diesem Jahr beteiligen sich 50 Klassen und Kurse aus dem gesamten Stadtgebiet von der Grund- bis zur Erwachsenenschule an der Aktion. In dieser Zeit besuchen 34 Frauen die verschiedenen Klassen für zwei Schulstunden, sämtlich ehrenamtlich, und stellen sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler. Mit dabei sind u.a. eine Feuerwehrfrau, eine Kfz-Gutachterin, die Landesdatenschutzbeauftragte, die Stadtbibliotheksdirektorin, einige Hochschulprofessorinnen mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Profilen oder Geschäftsführerinnen verschiedenster Unternehmen und Institutionen.

„Punkt 11“ – Immer sonnabends um 11 Uhr

 Autoren und Autorinnen lesen vor

 

In der Stadtbibliothek Bremen kann man nicht nur Bücher ausleihen. Dort gibt man auch Literaturschaffenden aus der Region ein Forum. Ein gutes Beispiel ist dafür die Reihe „Punkt 11“. Immer sonnabends. Immer um 11 Uhr in der Stadtbibliothek Bremen-Vegesack.

Ich habe dort  der Bremerin Irmtraud Hansemann zugehört. Sie las eigene Lyrik und Prosa unter dem Titel „Ganz  nah am Alltag“  vor. Mit überraschenden Einsichten und feinem Humor bewies sie,  dass ihr Alltag unser aller Alltag ist.

Ihre Geschichten und Gedichte hat sie bereits in einem kleinen Band veröffentlicht, dazu im Hebus-Verlag Cartoons und  den Roman „Die Begleiterin“. Während ihrer Stunde für die Literatur führte Irmtraud Hansemann ihre Zuhörer und Zuhörerinnen zum Beispiel in ein Kaffeehaus, auf einen  Friedhof, erfand den Herr der Ringe neu und beschrieb, wie sie an einer Supermarktkasse betrogen wurde. Notiert habe ich mir diese Sätze: …Auch ewige Jugend geht vorbei…,Rohstoff für Literatur blüht im Alltag…Wird Sehnsucht erwachsen, wenn ich sie stille?…

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Irmtraud Hansemann hat die Lesung gehalten, obwohl sie an Parkinson erkrankt ist. Seit 1990 wird ihr Leben von der Krankheit bestimmt. In einem Flyer schildert sie das so: …Lebensqualität- Eigenbestimmung- genau die ist mir genommen. Ich kann nicht mehr über meinen Körper bestimmen. Spontanität, Zukunftspläne, Entwicklungen!  Wünsche reduzieren sich auf die genau berechnete Medikamenteneinnahme. Ich richte mich nicht mehr nach der Uhr, sondern nach meinen „on/off-Zeiten“. „Off“ heißt Fegefeuer aus Starre und Krampf. „On“ heißt: In  genau zugeteilter Zeit so bewusst wie möglich aktiv zu leben.“

An diesem Morgen wurde ihr mit herzlichem Beifall gedankt.

Alle Informationen zu den Lesungen bekommt man unter : http://www.stabi-hb.de/Veranstaltungen-Punkt-11. Der Eintritt ist frei.

Am Donnerstag, 11. Februar, 18.30 Uhr, hat Irmtraud Hansemann ihren nächsten Termin:

In der Bremer Zentralbibliothek/Kriminalbibliothek trifft sich die Gruppe WORTLAUT. Irmtraud Hansemann, Heide Marie Voigt, Hanna Scotti, Eberhard Pfleiderer und Jens-Ulrich Davids lesen Texte zum Thema „Flaschenpost“. Eintritt frei.

Ein Theologe hatte die Idee

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Zum 1. Advent – Der Kranz und seine Geschichte

 

Wenn an diesem Sonntag die erste Kerze auf dem Adventskranz angezündet wird, beginnt die Vorweihnachtszeit. Jahrzehntelang galt das allerdings nur in Norddeutschland, denn hier wurde es zuerst Brauch, vor Weihnachten einen Lichterkranz aufzustellen.

Als Erfinder gilt der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern. Er gründete 1833 in Hamburg das „Rauhe Haus“, ein Heim für Straßenkinder. Um 1850 soll er dann auf die Idee gekommen sein, einen Kranz aufzuhängen, auf dem jeden Tag – bis Weihnachten – ein Licht angezündet wurde. „…Und je mehr Lichter brennen, desto näher rückt Weihnachten und desto froher werden Knaben und Mädchen; und brennt der volle Kranz mit allen 24 Lichtern, dann ist er da, der heilige Christ in all seiner Herrlichkeit…“ beschreibt er selbst seinen Schmuck.

Wann daraus der Adventskranz mit den vier Kerzen entstand, lässt sich nur vermuten. Meine Freundin hat vielleicht die Erklärung: „24 brennende Kerzen auf einem kleinen Leuchter werden viel zu heiß. Sie krümmen sich und schmelzen.“ Sie spricht aus Erfahrung, denn sie besitzt einen Holzkranz für 24 Kerzen, auf dem genau das passierte. Nun werden nur noch die vier Kerzen für jeden Sonntag angezündet.

Als das Versuchsstadium bei den Protestanten abgeschlossen war, haben  die Katholiken den Brauch aufgegriffen. 1925 soll in einer katholischen Kirche in Köln zum ersten Mal ein Adventskranz gehangen haben. In Österreich und Süddeutschland lernte man ihn erst ab 1930 kennen.

Dafür fiel den Katholiken eine hübsche neue Verzierung ein: Sie schmückten den grünen Kranz mit drei violetten und einer rosa Kerze. „Das ist ein liturgischer Kranz“, sagt der katholische Freund, „denn während des Kirchenjahres ändern sich im Gottesdienst die Farben der liturgischen Gewänder. In der Advents- und Fastenzeit wird Violett getragen. Die rosa Kerze  – verdünntes Violett –  wird am dritten Adventssonntag, an Gaudete,  angezündet, als Einladung zur Freude auf das Weihnachtsfest.“

Wird der Kranz bei den Bremer Katholiken so geschmückt? Der Freund schüttelt langsam den Kopf. „Nein, das glaube ich nicht. Der Brauch ist verschwunden. Ihr könnt hier ja schon froh sein, wenn die Katholiken die erste Kerze tatsächlich am 1. Advent anzünden. Manche glauben nämlich, dass die Beleuchtungszeremonie immer erst am 1. Dezember beginnt.“

                                                         

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