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Archiv für die Kategorie ‘Australien’

Weihnachten vor der Tür

Die Suche nach einem Happy End . Sieben Vorschläge

Die Senioren treffen sich regelmäßig, um ihre Englischkenntnisse aufzufrischen. Die Sieben haben eine Lehrerin engagiert, die für den Gesprächsstoff sorgen soll. Heute soll es weihnachtlich zugehen. Frau G., die Lehrerin, liest ihnen eine weihnachtliche Geschichte vor,  die in Australien spielt.

Erzählt wird von einer Familie, die in die Brüche geht, weil der Vater trinkt und sich weder um seine Frau, noch um seine beiden Töchter kümmert. Eines Tages verläßt die Frau mit den Töchtern das Haus. Ohne Vorwarnung und ohne ihre neue Adresse anzugeben. Der Mann fällt in eine tiefe Krise und entschließt sich, einen Alkoholentzug zu machen. Als er clean ist, versucht er seine Familie zu finden. Doch vergeblich, bis er ein paar Tage vor Weihnachten auf dem Titelbild seiner Zeitung seine Frau sieht, die in Sydney als Sportlerin geehrt worden war. Es dauert nicht lange, und er hat ihre Adresse herausgefunden. Heiligabend klingelt er an ihrer Haustür und als seine Frau ihm öffnet, sagt er nur: “ Entscheide du, ob ich herein kommen darf.“

Hier läßt Frau G. die Geschichte enden und fragt die sieben Senioren, was die Frau tun soll.  Zur Überraschung aller fallen die Urteile ganz unterschiedlich aus. Übersetzt aus dem Englischen klingt das so:

 „Nicht hereinlassen. Er wird wieder rückfällig“

 „Die Frau weiß gar nicht, das er clean ist. Sie soll ein neues Treffen vereinbaren“.

 „Sie sollte ihn herein lassen“.

 „Ja, herein lassen und in den Arm nehmen. Schließlich ist Weihnachten.“

 „Ach, was, das ist doch nur der Trick, am Weihnachtsabend an die Tür zu klopfen….“

„Richtig. Aber – wenn sie die Tür zu macht, ist auch ihr Weihnachtsfest verdorben.“

Das Ende lassen die Senioren offen, denn die Englisch-Sprechzeit ist um.  Sie wünschen sich „Happy Christmas“  und gehen nach Hause. Schließlich ist ihre Welt in Ordnung.

Ob jemand die richtige Antwort weiß?

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Ich habe ein Häubchen für Nancy genäht

Wie die australische Künstlerin Christina Henri  an  25.566 vertriebene Frauen erinnert

Ich habe  heute eine Haube genäht, die ganz bestimmt keine Frau tragen wird. Sie hat einen ganz anderen Zweck: Sie soll an eine Frau erinnern, die im 18. oder 19. Jahrhundert gegen ihren Willen von England oder Irland aus nach  Australien ausgewiesen wurde. Der Grund: Sie hatte eine Straftat begangen. Genauso wie die 25.565 anderen Frauen auch, die damals ihre Heimat verlassen mußten. Die australische Künstlerin Christina Henri hat sich mit dem Schicksal dieser Frauen beschäftigt und möchte, dass wir uns an sie  erinnern.Dafür hat sie das Projekt  „Roses from the Heart“ gestartet. Ihr Ziel ist es, 25.566 Hauben zu sammeln, für jede der vertriebenen Frauen eine.

Über 20000 Hauben hat sie schon weltweit eingesammelt. Es fehlen noch etwa 5000. Das alles habe ich durch einen Artikel im Weser-Kurier (21. Juni 2011) erfahren. In ihrem Artikel berichtet Erika Thies ausführlich über das Projekt und bittet um Mithilfe. Mich hat die Idee angesprochen, und ich habe mich gemeldet. Nur einen Tag dauerte es, bis ich die Nähanleitung und den Namen meiner Vertriebenen vorliegen hatte. Einen verregneten Nachmittag dazu gerechnet und schon war die Haube fertig. Sie trägt den Namen Nancy Wrenn und den Schiffsnamen „John Calvin“. Mehr weiß man über Nancy nicht.

Ich stelle mir vor, dass sie 16 Jahre alt war. Sie hat als Hausmädchen auf einem Gutshof in Südengland gearbeitet. Sie ist die  Älteste von fünf Geschwistern.  Zuhause herrscht Not und Armut. Eines Tages stiehlt Nancy das Stück Schweinebraten, das ihre Herrschaft nicht gegessen hat. Doch sie wird erwischt und aus dem Haus geworfen. Sie traut sich nicht nach Hause, denn sie weiß, dass sie ihrer Familie Schande bereitet hat. Sie lebt auf der Straße. Dort wird sie eines Tages aufgegriffen, vom Gericht wegen „Streunerei“ verurteilt und in Cork am 27. August 1827 auf die „John Calvin“ (früher „Elizabeth“) verfrachtet, mit der sie am 12. Januar 1828 In New South Wales in Australien ankommt. Mit an Bord sind 138 straffällig gewordene Frauen und 37 Kinder. Drei sind während der Überfahrt geboren worden, fünf Frauen sind gestorben und eine unbekannte Zahl von Frauen ist von der Mannschaft mißbraucht worden.

Nancy kommt mit den anderen Frauen zunächst in ein Auffanglager. Manche müssen in einer Fabrik arbeiten. Doch Nancy gehört zu denen, die als kostenlose Arbeiterin an einen Farmer vermittelt wird. Sie hat Glück, denn sie wird gut behandelt. Später heiratet sie…

Hier hört ihre Geschichte erst einmal auf, denn ich bin mit meiner Phantasie am Ende. Vielleicht schreibe ich bald weiter.

Heute schicke ich die Haube nach Köln zu Heike Baier-Lueck, denn sie hat eine Sammelstelle für das Projekt eingerichtet.

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