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Archiv für die Kategorie ‘2. Weltkrieg’

Vor 127 Jahren: Eine Frau ruft zum Frieden auf

Bertha von Suttner – Mein Gedankensprung zum Volkstrauertag

Im November gedenken wir unserer Toten. Die Katholiken zuerst mit ihrem Fest „Allerheiligen“, danach –  am Totensonntag – schmücken die Protestanten  ihre Gräber. Ein Tag ist für alle gedacht: der Volkstrauertag. In diesem Jahr wird er am zweiten Novembersonntag  begangen. Doch für wen? Der Tag wurde 1919 eingeführt, um an die Toten des Ersten Weltkriegs zu erinnern. In der Bundesrepublik kam das Erinnern an die Toten des zweiten Weltkrieges dazu. Doch wer lebt heute noch, um sich an einen Soldaten zu erinnern, der im letzten Krieg gefallen ist?  Wieviel Witwen und Waisen leben noch und erinnern sich an  Menschen, die vor fast achtzig Jahren im Bombenhagel und auf der Flucht ums Leben kamen? Die meisten von ihnen sind vermutlich längst gestorben.

Brauchen wir den Tag also noch? Ja, denn an diesem Volkstrauertag wird im Bundestag auch der 65 Millionen Flüchtlinge gedacht, die täglich durch Gewalt, Krieg und Unterdrückung vertrieben werden.

Doch warum gibt es längst wieder Kriege? Wo ist ein weltweite Protest gegen Krieg und Vernichtung? Ich kenne keine Antwort. Aber ich bin beim Fragen und Antwortsuchen auf eine Frau gestoßen, die schon 1889 mit ihrem Roman „“Die Waffen nieder“ als Pazifistin weltweit Aufmerksamkeit erfuhr: Es ist Österreicherin Bertha Freifrau von Suttner (1843-1914).

„Ein frischer, fröhlicher…Krieg“

In ihrem Roman schildert sie – in Form einer Autobiografie – die Geschichte einer jungen Witwe, deren erster Mann im Krieg fällt. Beschrieben wird auch, welche Begeisterung man im  19. Jahrhundert für das Militär empfand. Ein Beispiel daraus:

Aber an jenem 1. April sagte mir mein Mann allen Ernstes: „Weißt du, Schatz – es wird bald losgehen.“ „Was wird losgehen, mein Liebling!“ „Der Krieg mit Sardinien.“ Ich erschrak. „Um Gotteswillen – das wäre furchtbar! Und musst du mit?“ „Hoffentlich.“ „Wie kannst du so etwas sagen? Hoffentlich fort von Weib und Kind?“ „Wenn die Pflicht ruft …“ „Dann kann man sich fügen. Aber hoffen – das heißt also wünschen, dass einem solch bittere Pflicht erwachse –.“ „Bitter? So ein frischer, fröhlicher Krieg muss ja was Herrliches sein. Du bist eine Soldatenfrauvergiss das nicht –.“

Ich kann mir kaum noch vorstellen, dass es diese Begeisterung für einen Krieg gab. Doch  mein Onkel Heinz Bormann (1912 – ?) muss das noch gefühlt haben, denn ich weiß, dass er sich als Abiturient freiwillig als Soldat für den zweiten Weltkrieg gemeldet hat. Bis heute weiß  niemand,  wann und wo er gestorben ist.

Mit Alfred Nobel im Gespräch

Bertha von Suttner hat als Pazifistin weltweit Anerkennung und Zuspruch erfahren. Sie hat zahlreich Schriften verfasst und weitere Romane geschrieben. In Paris lernte sie Alfred Nobel kennen, den sie anregte, zu seinem Nobelpreisen  auch noch einen Friedenspreis hinzuzufügen. 1905 wurde sie selbst damit ausgezeichnet. Sie starb in Wien am 21. Juni 1914, ein paar Tage bevor der Erste Weltkrieg ausbrach.

In Ihrem Roman „Die Waffen nieder“ lässt sie ihre Ich-Erzählerin in einem Gespräch sagen: „Der bewaffnete Friede ist keine Wohltat … und nicht lange soll uns der Krieg verhütet bleiben, sondern immer. Wenn man sich auf die Meerfahrt macht, soll die Zusicherung nicht genügen, dass das Schiff an keiner Klippe zerschelle. Dass die ganze Fahrt glücklich überstanden werde, danach wird der ehrliche Kapitän trachten.“

Der Volkstrauertag

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge  zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt und organisiert. Der Volksbund betreut heute im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von etwa 2,7 Millionen Kriegstoten auf über 832 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten. Er wird dabei unterstützt von mehr als einer Million Mitgliedern und Förderern sowie der Bundesregierung. Das Leitwort ist: Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden.

 

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Der Bunker ist jetzt ein „Denkort“

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Am Weserufer – zwischen Bremen und Bremerhaven – liegt der U-Boot-Bunker „Valentin“.  33 Meter hoch, 426 Meter lang und  97 Meter breit.

Wir haben in Bremen eine neue Gedenkstätte für Opfer des NS-Regimes.  Mit einem Festakt mit mehr als 400 geladenen Gästen aus dem In- und Ausland ist am 8. November 2015 die Gedenkstätte Denkort Bunker Valentin eröffnet worden.

Ich kenne den Bunker seit meiner Jugendzeit. Ich habe mich dort mit Freunden getroffen. Auch Camper stellten am Weserufer, in seiner Nähe, ihre Wagen ab. Von seiner Geschichte wusste ich nichts. Danach gefragt habe ich nicht.

Über sechzig Jahre später hat mich nun das Grauen eingeholt. In dem neuen Dokumentationszentrum und auf dem Lehrpfad am „Valentin“ entlang erfahre ich, dass der riesige Betonklotz eine Bunkerwerft für den Bau von U-Booten werden sollte. Dreiundzwanzig Monate  (Mai 1943-März 1945) schufteten auf dem Bau  mehr als zehntausend Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene, deutsche Soldaten und Zivielarbeiter aus ganz Europa unter unmenschlichen Bedingungen,  bis zu 1800 von ihnen kamen ums Leben. Nach Bombenangriffen der Alliierten Anfang 1945 wurden die Bauarbeiten eingestellt. Der Bunker war fast fertig. In ihm ist nie ein U-Boot gebaut worden.

Mich hat die Gestaltung dieser Gedenkstätte beeindruckt. Auch die Website: www.denkort-bunker-valentin.de . hat mir gefallen, denn ich bekam auf alle meine Fragen, die ich nach dem Besuch hatte, eine Antwort.

Die Öffnungszeiten

Das Informationszentrum und das neu gestaltete Gelände sowie die Informationssysteme, die in den vergangenen fünf Jahren entwickelt wurden, sind  von 10 bis 16 Uhr – außer Montag und Samstag – geöffnet. Der Eintritt ist frei. Dazu werden Führungen angeboten und man kann auch einen Multimedia-Guide oder einen Audio-Guide ausleihen.

Nach einem Jahr teilt die Pressestelle des Senats mit, dass sich fast 28000 Besucher die Ausstellung angesehen haben.

 

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Blick in den Bunker.

„Flut und Boden“

Per Leo erzählt vom Leben seines Nazi-Opas – Ich kenne die Familie

Mein Kopf ist voller Gedanken. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen Roman gelesen, dessen Inhalt ich in großen Zügen kenne, weil mir fast alle Personen, die darin geschildert werden, schon einmal begegnet sind. Per Leo hat ihn geschrieben. Sein Titel: „Flut und Boden“. Der Roman einer Familie ist im Frühjahr bei Klett-Cotta erschienen und mit viel Lob bedacht worden.

Per Leo hat wenig verschlüsselt. Die prachtvolle alte Villa, in der die Familie lebte, kann sich jeder ansehen, denn die Adresse steht gleich am Anfang der Geschichte. Es ist das Haus Weserstraße 84 in Bremen-Vegesack. Das Haus wurde um 1900 gebaut und hat nichts von seinem Glanz innen und außen verloren.

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Blick aus Nachbars Garten auf den Turm der Leo-Villa. Gemalt von einer Freundin.

Per Leo erzählt die Geschichte seiner Familie, in dem er den Lebensweg seines Großvaters Friedrich Leo beschreibt. Friedrich Leo war Nazi. Vielleicht wäre er erfolglos geblieben, denn er ist ein Schulabbrecher und vermutlich das Sorgenkind der Familie. Doch bei den Nazis macht er Karriere. Er wird Abteilungsleiter im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS. Mit dieser festen Anstellung kann er heiraten und eine Familie gründen. Seine Kinder bekommen schöne deutsche Namen. Im Roman sind ihre Namen durch die Buchstaben M oder W ersetzt. Hinter einem W versteckt sich meine Freundin Elke. Elke war meine Schulfreundin. Über sie habe ich die ganze Familie kennengelernt. Sie zog 1957 von einem Dorf in der Heide zu ihrer Großmutter in der Haus an der Weserstraße. Sie wollte in Vegesack ihr Abitur machen, weil das in ihrem Heimatort nicht möglich war. Auch ich war neu in der Klasse. So freundeten wir uns an.

Die zweite wichtige Person in diesem Roman ist Martin Leo, ein Bruder Friedrichs. Seine Entwicklung verlief anders. Er wurde Wissenschaftler und lebte in der DDR.

Für mich ist das Buch kein Roman im herkömmlichen Sinn. Eher eine Beschreibung der Leben zweier Brüder und ihrer Vorbilder, geprägt durch zwei Weltkriege und zwei Diktaturen. Es ist ein gedankenvolles und manchmal kompliziertes Buch. Wer das Leben in der Nazi-Diktatur verstehen will und sich fragt, wie diese Zeit die Menschen prägte, für den ist dieses Buch ein guter Wegweiser.

 

Auch ein Buch für Senioren

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Kinderglück und Elternsorgen – Vor 60 Jahren in der DDR

 

Bärbel Stasch hat ihrem neuen Buch den Titel „Nichts wie weg von zu Haus !“ gegeben. Sie schildert darin, wie ihre Eltern mit ihr und ihrer Schwester 1958 aus der DDR in die Bundesrepublik geflüchtet sind. Doch über dieses dramatische Ereignis berichtet sie erst im letzten Teil ihres Buches. Zu Anfang erzählt sie von ihrer Kindheit in dem kleinen Dorf Möllenstein, wo ihre Eltern 1954 als Lehrer eingestellt werden. Und diese kleinen und großen Erlebnisse sind es, die mich gefesselt haben. Vieles davon habe ich nämlich auch erlebt: Die grenzenlose Freiheit draußen vor der Tür, Spiele wie „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“, Spaß im Heu, der Besuch im Schweinestall, Angst vor einer Gertrud oder Eltern, die plötzlich Französisch sprechen, weil sie ein Geheimnis haben.

Vor 60 Jahren

Die Bremer Autorin (Jahrgang 1951) erzählt aber nicht nur, sondern erklärt ihren jungen Lesern und Leserinnen auch, warum Kinderalltag vor sechzig Jahren anders aussah und was damals in Ost und West für politische Verhältnisse herrschten. Das findet man in den kursiv gedruckten Passagen. Mich hat das auf den Gedanken gebracht, das Buch zusammen mit meinen Enkelkindern zu lesen und darüber zu reden. Ich habe dabei meine eigenen Erlebnisse eingeflochten und mein „Wessi-Wissen“ dazu getan.

West- und Ostzone

Die Autorin und ich waren beide noch Kinder, als nach dem zweiten Weltkrieg Deutschland geteilt wurde. In eine West- und Ostzone. Und wir waren schon erwachsen, als später daraus zwei Staaten wurden. Wer in der Bundesrepublik lebte, konnte gleich nach dem Krieg beim Wiederaufbau der zerstörten Städte und Landschaften mitarbeiten. Dafür sorgten die Westmächte.  Russland beherrschte die Ostzone. Dort begann der Wiederaufbau viel später.

Die Flucht

Die kleine Bärbel in der Ostzone hat das nicht berührt, denn sie hatte ihre heile Welt in Möllenstein gefunden, wie ich – zehn Jahre älter – in einem Dorf an der Weser. Doch sie musste dann erfahren, wie es sich anfühlt, wenn der Staat über den Bürgen wacht. Und wie seine Vertreter selbst Kinder nicht mit Verhören verschonen, wenn sie glauben, dass sich die Eltern nicht an Gesetze halten. Mich hat ihre Schilderung der Flucht sehr berührt. Die Autorin hat früh erlebt, was es heißt,  Eltern zu haben, die ihr Kind uneingeschränkt lieben und beschützen, wenn einen Angst und Panik überwältigen.

Krippenfiguren aus dem Erzgebirge

Ich Wessi habe von der Ostzone nur durch die Medien erfahren, denn wir hatten keine Verwandten oder Freunde, die dort lebten. Und wir hatten auch keine Angst vor der „Ostzone“. Wir dachten an die Menschen „drüben“ mit Mitgefühl. Ich habe in den sechziger Jahren an eine fremde Familie Pakete geschickt, mit Waschpulver und Nylonhemden. Dafür bekam ich zu Weihnachten Krippenfiguren aus dem Erzgebirge geschenkt. Nur irgendwann bat man mich, keine Pakete mehr zu schicken. Ohne Begründung. Als dann, wie durch ein Wunder, die Mauer fiel und aus zwei Staaten einer wurde, habe ich mich so gefreut, wie kaum vorher in meinem Leben.

Sabine Jaene hat die Bilder in diesem Buch gemalt. Auch das hat mich wieder an meine Kinderzeit erinnert. Ich war schon früh eine Leseratte. Doch die Bücher mussten Bilder haben! Als ich dann mein erstes Buch ganz ohne Bilder gelesen hatte, wusste ich: „Nun liest du wie die Großen“.

Aber – wie schon gesagt – dies ist ein Buch für  junge Leser und Leserinnen und Senioren. Ein Buch zum Vorlesen und Erzählen.

Bärbel Stasch „Nichts wie weg von zu Haus !“. Donat Verlag, Bremen. 168 Seiten. Empfohlenes Alter: 10-12 Jahre.

Puppenkleider für artige Mädchen

 Seniorinnen erinnern sich an ihre Kindheit – Ihr schönstes Weihnachtsgeschenk

Die Seniorinnen treffen sich regelmäßig, um ihre Englischkenntnisse aufzufrischen. Sie haben eine Lehrerin engagiert, die für Diskussionsstoff sorgt. Jetzt – vor Weihnachten – liegt das Thema in der Luft. „Was war für Sie das schönste Weihnachtsgeschenk in ihrer Kindheit?“, fragt sie die acht alten Damen. Das Schweigen zieht sich hin.

Dann meldet sich Anna zu Wort: „Das war nach dem Krieg. Meine Eltern hatten kein Geld. Wir waren sieben Kinder. Ich war  drei Jahre alt und wünschte mir ein Dreirad. Für meine Eltern ein unerfüllbarer Wunsch. Doch ich bekam ein Dreirad. Von meiner ältesten Schwester. Sie hatte Geld beim Kartoffellesen verdient. Dafür hat sie mir das Rad gekauft. Ich war selig und sehe mich noch heute meine Runden mit dem Dreirad drehen. Auf der Diele. Und meine Schwester sagt, dass das ihre schönste Freude gewesen wäre.“

Nun fällt auch Dorle etwas ein. „Meine Schwester und ich haben am Nikolaustag unsere Puppen immer nackedei auf die Treppe gesetzt. Meine Mutter versprach nämlich, dass die Puppen zu Weihnachten neue Kleider bekommen würden. Am nächsten Morgen waren die Puppen immer verschwunden. Und meine Mutter hatte ein gutes Faustpfand in der Hand, denn wenn wir in der Vorweihnachtszeit nicht artig waren, drohte sie: Der Weihnachtsmann bringt für eure Puppen keine neuen Kleider, wenn….“.

Ilses Geschichte muss auch noch erzählt werden: „Ich war wohl drei Jahre alt. Ich hatte zu Weihnachten einen Bilderbaukasten bekommen. Quadratische Blöcke, mit verschiedenen Bildern, die wie ein Puzzle zusammengesetzt werden mussten. Ein schönes Geschenk. Mitten im Krieg. Das konnte ich natürlich nicht ahnen. Ich fand den Baukasten nämlich erst spannend, als sich mein Onkel – Soldat im Weihnachtsurlaub –   zu mir unter den Weihnachtsbaum setzte, und die Blöcke so aufeinander schichtete,  dass ein Brunnen entstand. Jetzt fehlte nur noch Wasser. Auch dafür hatte er eine Lösung: Er ließ Lametta vom Baum in den Brunnen rieseln, das wie Wasser im Sonnenschein glitzerte. Ich habe dieses schöne Spiel bis heute nicht vergessen.“

Leider ist mein Englisch immer noch nicht so gut, dass ich flüssig sprechen und schreiben kann, darum habe ich diese kleine Geschichte nicht in Englisch geschrieben, wie es doch eigentlich passend gewesen wäre. Dieser Gedanke hat mich aber nicht in Ruhe gelassen, und ich  habe den Google-Übersetze in Anspruch genommen. Ich finde, er hat seine Sache gut gemacht. Hier das Ergebnis:

Dolldresses for brave Girls.  Seniors remember their childhood – The best Christmas presents

The seniors meet regularly to refresh their knowledge of English . They have hired a teacher who provides material for discussion . Now – before Christmas – is the theme in the air. “ What was the best Christmas present in her childhood ? “ She asks the eight old ladies .

Then Anna speaks up : „That was after the war , my parents had no money , we were seven children. I was three years old and wished me a tricycle, for my parents an impossible request , but I got a tricycle from . . . my oldest sister.  She was earning. She  bought me the tricyclel . I was blessed . And my sister says that it would have been her greatest joy . “

Now also Dorle thinks of something . “ My sister and I have our dolls set on St. Nicholas always nacked on the stairs. My mother promised  that the dolls would get for Christmas new clothes. The next morning the dolls were gone forever . And my mother had a good bargaining chip in the hand , because if we were not nice during the festive season , she threatened that Santa does not bring any new clothes for our dolls if …. “ .

Margaret’s story must also be told :
„I was probably three years old, I had received for Christmas  picture modular square blocks , with different images that had to be assembled like a jigsaw puzzle. I found the kit in fact only exciting, as my uncle –  a soldier in the Christmas holiday –   puts bloks and piled one another so that a fountain was formed. „Now we need water“, he said and put pieces from the  tinsel on the tree  into the fountain , which sparkled like water in sunshine. I have not forgotten the beautiful game. „

1942 – Winter im Schnee

Krieg in Deutschland – Ferien im Harz – Wie war das möglich?

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Das Foto hat meine Mutter in mein Kinderalbum geklebt. Darunter steht:

Winterfreuden – trotz Krieg – in Schierke. Mit der Omi und der Mutti.

Die Gesichter der beiden Frauen sehen sorgenvoll aus, denn alle Männer in der Familie sind als Soldaten im Krieg. Am 26. Januar 1942 wurde Bremen von britischen Bombern angegriffen. Im Mai 1940 waren die ersten Bomben gefallen. Häuser wurden zerstört und Menschen getötet. Doch die Erwachsenen sorgten dafür, dass meine Welt nicht gestört wurde. Ich kann mich nur noch an das Heulen der Sirenen erinnern, wenn wieder ein Bombenangriff drohte und mich die Erwachsenen in den Luftschutzbunken trugen. Warum konnten  meine Mutter und Großmutter es wagen, mit mir in den Harz zu fahren? Wieso fanden sie ein Quartier für uns und einen Fotografen, der schöne Fotos machen konnte? Ich weiß es nicht.

Schierke ist vom Krieg weitgehend verschont geblieben. Bis zur Wiedervereinigung gehörte der Ferienort zur DDR, heute ist er ein Stadtteil von Wernigerode und gehört zum Bundesland Sachsen-Anhalt.

1939 : Advent in Norddeutschland

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Dieses Foto hat mein Vater vor 74 Jahren von seiner kleinen Familie gemacht. Ich sitze auf dem Schoß meiner Mutter. Sie hat den Kaffeetisch schön gedeckt.  Ein Adventskranz hängt über dem Tisch. Die Kerze darunter wird von einem großen Tannenzapfen gehalten. Was dieses Foto nicht zeigt: Deutchland befindet sich im Krieg. Am ersten September 1939 haben deutsche Soldaten Polen überfallen. Zwei Tage später erklärten die Westmächte dem Deutschen Reich den Krieg. Meine Eltern haben 1938 geheiratet. Alles war für ein schönes Leben eingerichtet. Doch trotz Krieg ist ihr Leben an diesem Adventssonntag 1939  noch vergleichsweise beschaulich . Wie es weiter geht, werde ich in diesem Monat erzählen.

Die Nazi-Opfer sind nicht vergessen

Späte Erinnerung – Friedenspreis für Wiltrud Ahlers

Wiltrud Ahlers hat am 11. Mai den Franco-Paselli-Friedenspreis (www.friedensschule-bremen.de) erhalten. Sie wurde  ausgezeichnet, weil sie sich seit 2004 für das Projekt „Stolpersteine“ einsetzt, durch das an Nazi-Opfer in Bremen-Nord erinnert wird.

Wiltrud Ahlers und ich waren Klassenkameradinnen. Durch den Bericht über ihre Auszeichnung kam ich wieder auf eine Frage zurück, die ich mir zum ersten Mal 1984 gestellt habe, als meine achtzehnjährige Tochter  ihre Arbeit  „Jüdische Familien in Bremen-Nord“ für ihren Geschichtsunterricht ablieferte. Warum, fragte ich mich damals immer wieder, habe ich als Schülerin  im selben Alter das nicht  gefragt? Warum?

Kein Thema im Geschichtsunterricht

Dazu muss ich sechzig Jahre zurückdenken. Bis 1953.  Der verlorene Krieg lag noch nicht lange zurück und war kein Thema im Geschichtsunterricht. Auch über die Judenverfolgung wurde nicht gesprochen. Was wir über die Vernichtungslager wussten, war wage und weit weg. Auf den Gedanken zu fragen, ob auch Juden in unserer Nachbarschaft gelebt hatten und vertrieben wurden,  bin ich nicht gekommen.  Warum? Warum auch niemand anderes in unserem Unterricht? Warum unser Geschichtslehrer nicht? Auch Wiltrud Ahlers nicht, wenn sie im Zeitungsartikel richtig zitiert wird?

Dreißig Jahre später

1983. Dreißig Jahre sind verstrichen. Jetzt stößt meine Tochter auf das Thema. Wieder sind es nicht Erwachsene, niemand in der Familie, auch ihr Lehrer nicht, die das Thema vorgeben. Sie findet es allein. Zur Erklärung schreibt sie in ihrer Einführung:

„Ich habe im März 1983 mit meinen Nachforschungen begonnen. Ursprünglich wollte ich nur mehr über den Alltag in Vegesack 1933-45 erfahren, und von  diesem Thema bin ich dann zu der Frage gelangt: „Was geschah mit den Vegesacker Juden im Nationalsozialismus?“

Verwandte antworteten

Ich habe zuerst Verwandte gefragt, die diese Zeit miterlebt haben. Mir wurden Namen und Adressen von jüdischen Mitbürgern  genannt. Der erste Schritt war getan…. Jede Woche ging ich ins Archiv des Vegesacker Heimat- und Museumsvereins im Schönebecker Schloss. Ich traf dort viele ältere Menschen, die bereit waren, mir mit ihren Erinnerungen weiter zu helfen… Nicht immer waren solche Interviews sehr ergiebig – „damals hatten wir so viele andere Dinge, die uns beschäftigten“ – ein oft gehörter Satz.

Über mein Thema gab es fast keine schriftlichen Informationen…“

Wozu Menschen fähig waren

Meine Tochter hat daher zahlreiche Interviews geführt, hauptsächlich mit älteren Vegesacker. Sie schreibt am Ende ihrer Einführung:

„Mein Ziel war es, lediglich allen, die diese Zeit nicht miterlebt haben, vor Augen zu führen, dass auch in unser unmittelbaren Umgebung Menschen jüdischen Glaubens und jüdischer Herkunft gelebt haben und dass auch sie unvorstellbar unter dem Terror der Nationalsozialisten und dem Opportunismus der Bevölkerung gelitten haben. Vielleicht kann ich mit dieser Arbeit beim Leser ein Stück Betroffenheit hervorrufen und, wenn es auch unmöglich ist, wieder gut zu machen, so doch dazu beitragen, dass niemals vergessen wird, wozu Menschen damals fähig waren und dass sie unter bestimmten Umständen auch wieder dazu fähig wären.“                Januar 1984

1998 wurde der Franco-Paselli-Friedenspreis zum ersten Mal verliehen.

Ich war ein Kriegskind

Der ZDF-Film „Unsere Mütter, unsere Väter“, der in der letzten Woche im Fernsehen gezeigt wurde, beschäftigt die Journalisten weiter. Ihre Berichte und Analysen füllen immer noch die Zeitungsseiten. Der „Spiegel“ hat daraus in dieser Woche sogar eine Titelgeschichte gemacht. Ich habe alle drei Folgen des Films  gesehen. Kriegskinder und Flüchtlinge haben darin fast keine Rolle gespielt. Trotzdem kamen meine Erinnerungen zurück.

Meine Mutter weinte

Ich war 1945, bei Kriegsende, sechs Jahre alt. Mein Vater war aus Belgien, durch Holland, bei Kriegsende geflüchtet und in Gefangenschaft geraten. Die Kapitulation war Ende Mai. Es war schönes Wetter, als an unserem Haus die geschlagenen Soldaten vorbei zogen. Wir standen auf der Straße. Meine Mutter weinte. Unser kleiner Ort war nicht bombadiert worden. Wir waren gimpflich davon gekommen.

Arbeitslos

Doch was ich viel später, eigentlich erst in vollem Umfang nach dem Tod meiner Eltern, wahrgenommen habe, ist , dass mein Vater früh in die NSDAP eingetreten war und einem  langen Entnazifizierungsverfahren ausgesetzt war. Er wurde aus dem Dienst entlassen, war von jedem öffentlichen oder halböffentlichen Amt ausgeschlossen und alle seine Konto waren gesperrt. Erst 1948 hat er seine Entnazifizierung  als „ein Mitläufer ohne jede Beschränkung“ erhalten.

Wir waren arme Leute

Doch damit hörten die Sorgen nicht auf: Mein Vater hatte immer noch keinen Arbeitsplatz gefunden, seine Mutter lebte in Hamburg in einem Altenheim, mittellos.  Meine Eltern hatten bis weit in die sechziger Jahre finanzielle Sorgen. Sparsame Lebensführung war keine freiwillige Lebensform, sondern aufgezwungen und notwendig.

Das große Schweigen

Was ich mir heute vorwerfe, ist meine Zurückhaltung gegenüber den Flüchtlingskindern, mit denen wir unsere Wohnung nach dem Krieg teilen mussten und denen ich in meiner Schulzeit begegnet bin. Sie waren sicher in einer schwierigeren Lage als ich. Nie habe ich sie nach  ihren Erlebnissen gefragt oder mir von ihrer Heimat erzählen lassen. Selbst heute spüre ich noch eine eigentümliche Zurückhaltung zwischen uns, die ich gerne auflösen würde.

Mein Erinnern an die Trauer um einen Soldaten

Mein Ausflug zum Blog “ Mädchenmannschaft“ endet mit einer Trigger-Warnung – Haben tote Soldaten keine Trauer verdient?

Die „Mädchenmannschaft“ hat vor einiger Zeit bei mir angefragt, ob sie etwas über meinen Blog veröffentlichen dürfen. Dann sollte ich einen Fragebogen beantworten. Das habe ich getan und der Fragebogen und der Link zu meinem Blog wurden kurz nach Weihnachten auch veröffentlicht. Dazu kam fast gleichzeitig ein Kommentar, in dem es u.a. hieß:  “ In dem Beitrag wird mit keinem Wort erwähnt, dass der Vermisste/“Gefallene“  der Wehrmacht des nationalsozialistischen Deutschland angehörte. Vielleicht nicht ganz nebensächlich.“

Darauf kam dann von der Redaktion die Triggerwarnung zu diesem Artikel.

 

Was „Triggerwarnung“ bedeutet? Bei Wikipediader, der freien Enzyklopädie, steht diese Erklärung:

Mit dem Begriff Triggerwarnung bezeichnet man in Internetforen, die der Selbsthilfe beiposttraumatischen Belastungsstörungen dienen, einen Warnhinweis auf mögliche Auslösereize (Auslöser, engl. trigger).Ein solcher Auslöser kann beispielsweise die Schilderung eines sexuellen Missbrauchs sein. Bei Personen, die selbst Opfer eines Missbrauchs geworden sind, können dadurch starke …..

Daraufhin habe ich die Redaktion aufgefordert, das Interview und den Link zu meinem Blog zu entfernen Ich nehme an, dass dieser Frauenklüngel richtig aufgeatmet hat. Mich Oma sind sie schnell los geworden.

Nun folgt mein Text, für den ich

im Blog „Mädchenmannschaft“ die Triggerwarnung bekommen habe.

 

Volkstrauertag

Beinahe hätte ich diesen Tag vergessen. Dabei hat meine Mutter mir vorgelebt, dass der Volkstrauertag in unserer Familie eine Bedeutung hat: Sie stand immer mit am Denkmal für die gefallenen Soldaten des zweiten Weltkrieges, wenn dort Kränze niedergelegt wurden und ein Posaunenchor spielte. Sie stand da für ihren Bruder Heinz Bormann, der in Polen im zweiten Weltkrieg vermutlich gefallen ist.

Meine Mutter lebt nicht mehr. Und ich habe mich nur einmal an ihrer Stelle auf den Weg gemacht. Trotzdem ist Heinz Bormann nicht ganz vergessen. Ich kann mich immer noch lebhaft daran erinnern, dass er mit mir als Kind über die Gartenforte gesprungen ist. Und in meinem Besitz sind auch seine rund 80 Feldpostbriefe an seine Eltern. Briefe in einer Schrift, die fast unleserlich ist. 2009 hat eine seiner Großnichten die Briefe entziffert. Der letzte ist vom 17. Januar 1945. Darin schreibt er: „Vielleicht ist die Ungewissheit des Vermisstwerdens schlimmer als die Gewissheit des Todes.“

Er gehört zu den vermissten Soldaten. Seine Eltern und seine Schwester haben über 30 Jahre keine Antwort darauf bekommen, wie und wann er gestorben ist. Erst 1977 heißt es im Gutachten des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes:

„Heinz Bormann ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen dem 14. Januar und dem 20. Februar 1945 während des Rückzugs von Warschau… gefallen.“

Die Großnichte hat weiter geforscht. Sie hat festgestellt, dass in dem Gutachten die Beschreibung der Kampfhandlungen „ Standardformulierungen sind, wie sie in vielen Gutachten dieser Zeit verwendet wurden..“

2008 teilt das deutsche Rote Kreuz, Suchdienst München, mir mit, dass „auch die inzwischen aus Moskau übermittelten Daten der in den Lagern der ehemaligen Sowjetunion verstorbenen Zivil- und Kriegsgefangenen nichts Neues ergeben.“ 

Heinz Bormann wäre heute, am 15. November 2011,  92 Jahre alt geworden.

Die Triggerwarnung hat der Artikel vermutlich bekommen, weil ich ein Foto von Heinz Bormann in Uniform veröffentlicht habe. Ich habe daher das Foto gelöscht.

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