Ferienzeit: Mit Kindern unterwegs

Jetzt haben fast alle Kinder Osterferien. In den meisten Bundesländern bis Anfang April. Ist das nicht ein guter Grund, Kinderbesuch zu bekommen? Wer Besuch hat, für den sollte es natürlich Ehrensache sein, den Kindern  zu zeigen, wie alt und schön Bremen ist!

Hier mache ich ein paar Vorschläge, wie man die kleinen und großen Besucher und Besucherinnen Bremens Hauptsehenswürdigkeiten rund um den Marktplatz am besten erklärt.

Keiner will mitkommen? Dann muss man sie neugierig machen! Und das geht so: Man verspricht ihnen schon vorher , dass man ihnen am Bremer Marktplatz einen Riesen, sieben faule Brüder, die Bremer Stadtmusikanten, ein Huhn im Nest  und einen Dino zeigen wird. Das hilft.

Wer sich auf den Weg machen will, muss allerdings ein bisschen vorausdenken, denn der Marktplatz – Bremens gute Stube – ist oft genug voller Besuch.  Schön ist es immer wieder am Sonntag morgen, wenn der Himmel blau ist, und die Sonne scheint.

Der beste Ausgangspunkt für diese Mini-Tour ist das Rathaus, denn dort findet man gleich  zwei  Attraktionen: Die Bremer Stadtmusikanten und die Gluckhenne.

Doch erst einmal sehen wir uns den Riesen vor dem Rathaus an. Er heißt:

Roland

An ihm kann man betrachten, wie die Ritter gekleidet waren, und erzählen, dass sie vor vielen hundert Jahren lebten. Ritter lebten auf Burgen und mussten oft in den Krieg ziehen. Daher mussten sie sportlich sein und sich auch immer gut benehmen ( zum Beispiel durften sie am Tisch nicht „wie ein Schwein schnaufen und schmatzen, nicht rülpsen und die Nase nicht im Tischtuch abputzen“). Und man kann ihnen vormachen, wie die Bremer früher plattdeutsch mit ihrem Roland sprachen und scherzhaft fragten:“ Roland mit dat spitze Knee, segg mi, deit di dat nich weh?“

Und natürlich darf der Hinweis nicht fehlen, dass Roland an diesem Platz stehen muss, damit jeder weiß, dass in Bremen nur Bremer das Sagen haben.

Die Gluckhenne

Wenn man vom Roland aus auf die Rathausfassade blickt, kann man versuchen, die Gluckhenne zu finden: Die Glucke sitzt in einem Körbchen im Steinrelief im rechten Zwickel über dem zweiten Rathausbogen von links. Das Körbchen liegt auf dem Arm einer Frau, die schon ein bisschen verwittert aussieht. In dem Körbchen sitzt eine Henne mit ihren Küken,  dabei kann man die Geschichte von der Gründung der Stadt erzählen, die Friedrich Wagenfeld in seinem Buch „Bremens Volkssagen“ veröffentlicht hat.

Vor vielen, vielen Jahren haben in paar Schiffer auf der hohen Düne, wo heute der Dom steht, übernachtet. Warum? Weil sie Angst vor dem Hochwasser  der Weser hatten. Auf der Düne hatte ein Vogel sein Nest gebaut. „Wenn der Vogel sich sicher fühlt, können wir auch bleiben“, sagten  sich die Fischer und lebten dort bis an ihr gutes Ende. Sie waren die ersten Bremer.

In der Böttcherstraße gibt es auch noch eine Skulptur mit einer Henne im Nest. Aber wo? Das kommt später…

Jetzt bleiben wir erst einmal auf dem Marktplatz.

 

Die Bremer Stadtmusikanten

Die bekannteste Abbildung der Stadtmusikanten steht an der Westseite des Rathauses. Die Geschichte kennen die Kinder vermutlich. Aber auch ihr Geheimnis? Warum hat der Esel wohl so blanke Füße und eine goldige Schnauze? Psst:… Wer dort anfasst, darf sich etwas wünschen. Und bei jedem Wunsch, der in Erfüllung geht, leuchten die Füße ein bisschen heller….

Tja, und wer findet nun noch die anderen Stadtmusikanten, die ganz in der Nähe über den Straßenbahnschienen schweben? Richtig, sie sitzen im Laternenausleger am Deutschen Haus. Und wo sitzen sie in einem Loch und singen, wenn man ihnen ein bisschen Kleingeld auf den Kopf fallen lässt? Such, such… genau: links vor der Treppe zum Bürgerschaftsgebäude.

Danach fällt der Blick auf den Dom. Er steht auf dem Platz, der als Gründungsort von Bremen gilt. Hier ließ Karl der Große 787 für die ersten Christen eine Kirche bauen. So groß und eindrucksvoll wie heute war die Kirche damals natürlich noch nicht. Ob die Baugeschichte die Kinder interessviert? Vielleicht kommen sie mit in den Dom, wenn man ihnen verspricht, dass man dort – im Bleikeller- Tote sehen kann? Mumifizierte Leichen!

Dom-Besuch hin oder her. Was kommt danach?

Wir suchen  den Dino  und gucken uns die sieben faulen Brüder an. Der Weg dahin ist kurz: Wir überqueren den Marktplatz und finden neben dem Schütting, dem Haus der Kaufleute, den Eingang zur Böttcherstraße. Und dort leuchtet auch schon

Der Lichtbringer

„Guck, Dinos habt Ihr hier auch“, hat ein Junge einmal auf einer Stadtführung gerufen und auf den Drachen gezeigt, mit dem der Lichtbringer kämpft und damit jede ernsthafte Beschreibung des großen Eingansreliefs über der Böttcherstraße überflüssig gemacht.

Dafür war der Junge neugierig auf

Sieben faule Brüder

Man findet sie gleich zweimal in der Böttcherstraße: Einmal direkt über dem Eingang stehen sie auf dem Dach und gucken zum Rathaus hinüber, und im Handwerkerhof  liegen die Sieben ganz faul um den Brunnen herum, auf dem auch noch die Bremer Stadtmusikanten einen Marsch machen.

Dort ist ein guter Platz, um die Geschichte von den sieben faulen Brüdern zu erzählen.  Man hat ihnen hier ein Denkmal gesetzt, weil die Sieben intelligente Faule waren. So sollen sie zum Beispiel Deiche gebaut haben, weil sie trockenes Heu ernten wollten, und sie zogen Dornenhecken um ihre Gärten, weil sie zu faul waren, nachts die Kaninchen aus dem Kohl zu vertreiben…Durch ihr Nachdenken hatten sie viel freie Zeit und konnten ihren Nachbarn oft bei der Arbeit zusehen. Doch die Nachbarn begriffen das nicht und nannten die Brüder „die sieben Faulen“!

Mich haben sie inspiriert, folgenden Schluss für diese Mini-Märchen-Tour vorzuschlagen:

Alle Kinder, die mitgekommen sind, werden zum Kuchenessen in ein Cafe eingeladen. Dort macht man es wie einst die sieben Faulen: Man ruht sich aus, denn man hat ja gut zugehört und auch nicht rumgetrödelt. Bloß vergessen hat man was: Man hat sich nicht die Gluckhenne in der Böttcherstraße angekuckt: Die sitzt oben unter dem Glockenspiel. Und was hatte die überhaupt mit Bremen zu tun?

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