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Archiv für Februar, 2017

Schachtelsätze – aber nicht von mir!

Ein Schachtelsatz, den Heinrich v. Kleist an seine Schwester Ulrike geschrieben hat.

Ein Brief mit Schachtelsatz, den Heinrich v. Kleist an seine Schwester  geschrieben hat.

Am Sonnabend,  25. Februar, ist der „Tag der Schachtelsätze“. Noch nie davon gehört? Ich bis heute auch nicht, doch Google hat mich schlau gemacht. Und das ist dabei herausgekommen:

Der Tag der Schachtelsätze“ gehört meiner Ansicht nach zu den kuriosen Gedenktagen, die sich Leute einfach ausgedacht haben. Diese ungewöhnlichen Gedenktage sind daher auch nicht sehr bekannt. So hätte ich am 22. Februar an den „Sei bescheiden Tag“ erinnern können. Auch der „Tag der Muttersprache“ hat schon stattgefunden. Und nun  der „Tag der Schachtelsätze“.  Was ein Schachtelsatz ist? Alltagstauglich ausgedrückt: Es ist ein Satz mit vielen Einschüben, die durch Kommata und Semikola unterbrochen werden. Misslungen ist so ein Satz, wenn man am Ende nicht mehr weiß, wie der Satz anfing. Gute Beispiele dafür liefern juristische Texte. Aber auch in der Literatur findet man diese Satzform. Ein Meister darin ist Heinrich v. Kleist. Im ersten Absatz seiner Erzählung „Michael Kohlhaas“ habe ich diesen einen (!) Satz gefunden:

Er (Michael Kohlhaas)  besaß in einem Dorf, das noch von ihm den Namen führt, einen Meier-Hof, auf welchem er sich durch sein Gewerbe ruhig ernährte; die Kinder, die ihm sein Weib schenkte, erzog er in der Furcht Gottes, zur Arbeitssamkeit und Treue;  nicht einer war unter seinen Nachbarn, der sich nicht seiner Wohltätigkeit, oder seiner Gerechtigkeit erfreut hätte; kurz, die Welt würde sein Andenken haben segnen müssen, wenn er in einer Tugend nicht ausgeschweift hätte….

Ich habe gar nicht erst versucht, selbst einen Bandwurmsatz zu formulieren. Das wollte ich auch nie lernen. Warum? Aus Sicherheitsgründen,  denn ich konnte zwar immer gut Aufsätze schreiben, nur gab es oft eine schlechte Note – wegen der vielen Fehler. Also lernte ich schon früh, mich kurz zu fassen. Mein Wortschatz ist allerdings ansehnlich, denn ich brauche manchmal Ersatzwörter; zum Beispiel, wenn ich nicht sicher bin, wie man ein bisschen schreibt. In solch einem Fall hilft mir dann ein wenig ( ein wenig) aus der Patsche.

Für mich war die Vorbereitung auf den „Tag der Schachtelsätze sehr unterhaltsam. Meine Heinrich v.Kleist-Ausgabe ist wieder staubfrei, und ich habe diesen ganzen Artikel gern geschrieben.

Hier findet man mehr zum Thema: http://www.kleiner-kalender.de/event/tag-der-schachtelsaetze/60924.html

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Kaum zu glauben: Karneval im Bremer Norden

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Ja, ich kann es kaum glauben: An meinem Haus ist gerade  ein Karnevalsumzug vorbeigekommen, und ich hätte dieses bunte Ereignis fast verschlafen ( Mittagsschlaf, lang). Doch die bunte Schar trommelte  Samba-Musik  und marschierte auch nicht besonders schnell, so dass ich dem Zug – rasch aufgestanden –   gut folgen konnte. Organisiert hatte alles die Initiative Bremer Karneval e.V.. In diesem Jahr mit dem Motto „Wunderwelten“ . In Vegesack  fand der erste Umzug statt.

Zum großen Umzug am 18. Februar, der am Bremer Marktplatz beginnt, haben sich über hundert Samba-Gruppen aus Deutschland und über seine Grenzen hinaus angemeldet. In Vegesack konnte man auch – schön verkleidet – allein mitlaufen. Ob  die beiden Stelzenläufer zur Samba-Gruppe gehörten oder nicht, weiß ich nicht. Ich habe sie bewundert: ihre schönen Kostüme und ihre Stelzenlauf-Akrobatik.

Alltagsgeschichten, neue Folge

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Keine Bildunterschrift. Erklärt wird das Foto im Absatz „Scherbengericht“.

„Und jetzt wie meine Oma“. Die Enkelin feiert ihren zehnten Geburtstag, und zehn Mädchen feiern mit. Ich darf dabei sein und einspringen, wenn Hilfe gebraucht wird. Doch die Mädchenrunde amüsiert sich ganz allein. Als  alle am Kaffeetisch sitzen, geht der Spaß schon los: „Jetzt essen wir alle wie die Schweine“, schlägt eine vor und schon beugen sich alle über ihren Kuchenteller und verschlingen laut schmatzend ihr Tortenstück.

„Und jetzt wie meine Oma!“, ruft ein Mädchen in die Runde und fängt an am Kuchen zu mäkeln: „Der schmeckt ja seltsam. Haste wieder ne Kuchenmischung genommen, Annemarie?“ Auch den anderen fallen jetzt Sprüche ein, die ihre Großmütter von sich geben. „Viel zu matschig…Ist das auch Bio?…Sind da Nüsse drin? Ich bin allergisch gegen Nüsse… .“ Ich stehle mich leise davon. Den Kuchen hatte ich gebacken. Aus einer Backmischung.

Zeitvertreib im Zug. Ich sitze im Großraumwagen. Hinter mir hat ein älteres Paar Platz genommen. Er sieht ein bisschen wie Karl Marx aus, sie wie eine biedere Hausfrau (gibt es die eigentlich noch?). Bei Tempo 240 Kilometer pro Stunde liest er ihr Gedichte vor. Eins erkenne ich wieder: Ich ging im Walde / so für mich hin…von Goethe. Sie guckt in ihren Rucksack. Er langweilt sie. Ist das ein Wunder? Immerhin sind fast 250 Jahre vergangen als Goethe seine ersten Gedichte schrieb. Ich finde, etwas anderes ist ein Wunder: Es gibt immer wieder Menschen, die Goethes Gedichte lesen. Gäbe es sie nicht, wäre Goethe längst vergessen.

Bestimmt kein  Scherbengericht. Zu meinem Garten gehört ein Hanggrundstück. An seinem Rand stand über 200 Jahre eine Bäckerei. Sie wurde abgerissen. Alle Spuren sind getilgt. Nein, nicht ganz, denn ich finde immer wieder alte Scherben von Schüsseln, Tassen und Tellern am Hang, hinter den ehemaligen Gebäuden. Hier muss also die Müllhalde meiner Vorfahren gewesen sein, denn es sind auch Scherben von Geschirr dabei, das sich noch immer in Familienbesitz befindet.

 

In Athen wurde das Scherbengericht  507 v. Chr. als Maßregel eingeführt. Die Athener konnten auf einer Scherbe einritzen, welche Bürger für zehn Jahre aus der Stadt verbannt werden sollten.

Kein Scherbengericht am hohen Ufer? Vielleicht  haben meine Ur(ur)-großmütter ja hin und wieder doch mit  Tellern geworfen, weil sie die ganze mehlbestaubte Männergesellschaft im Haus satt hatten?

 

Das Rollenbild. Ich soll meine Freundin auf einer Versammlung vertreten, an der ich nur mit ihrer Vollmacht teilnehmen kann. Die Kontrolle findet am Saaleingang statt. Vor mir steht ein Herr, der einen Extrawunsch erfüllt haben möchte. Alle Kontrolldamen sind mit ihm beschäftigt. Ich stehe und warte. Ich stehe und warte. Schließlich kommt der Chef und übernimmt die Verhandlung. Die Kontrolldamen wenden sich erschöpft ab. Ich stehe und warte nicht mehr. „Kann mich jetzt jemand bedienen?“, frage ich. „Oh, selbstverständlich“, rufen die Kontrolldamen. „Wir dachten, Sie wären zusammen mit dem Herrn gekommen“. „Ja, ja, das alte Rollenbild“, sage ich. „Ja, ja“, sagen die jungen Frauen und lachen.

Schöne Langeweile. Es ist ein fürchterlicher Tag. Es stürmt und regnet. Doch zum Glück gibt es das Internet und Telefon. Ich suche mir Gesellschaft in diesen Milieus.

Erst einmal ist mein Lieblingsversandhaus an der Reihe. Dort kann man rund um die Uhr (tatsächlich!) kostenlos (!) anrufen, und immer meldet sich am anderen Ende der Leitung eine freundliche Stimme. Heute will ich wissen, ob die angegebene Jeansgröße für mich richtig ist. „Wie stramm soll die Hose denn sitzen?“, fragt die junge Männerstimme. „Omamäßig“, antworte ich. „Bei uns sind alle Kundinnen jung und schön“, antwortet er. „Omamäßig führen wir nicht“. Was für ein schöner Satz. Ich gebe tapfer meine Omamaße an. Zwei Tage später wird die Hose geliefert und tatsächlich: Sie sitzt wie angegossen.

Altersbeschwerden. Mein Körper zwickt und zwackt. Der Weg zum Arzt ist weit. Ich mache es mir lieber bequem,  rufe Google auf und lasse nach „Altersbeschwerden“ suchen. Das Resultat weckt Heiterkeit, denn das bietet man mir zur Auswahl an:

Altersbeschwerden beim Hund

Altersbeschwerden bei Katzen

Altersbeschwerden beim Mann

Ich habe meine gute Laune wieder. Kein Extraplatz für Frauen. Wehe, es verlangt  hier jemand nach der Frauenquote!

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