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Archiv für Januar, 2017

Zweimal aufgestanden

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Hier landete der Hubschrauber in der Neujahrsnacht.

Das erste Mal. Ich habe Silvester und Neujahr auf einem Schiff gefeiert und  verschlafen. Ich bin dabei zwischen Kiel und Oslo hin und her gefahren. In der Neujahrsnacht bin ich plötzlich aufgewacht, weil das Schiff einen Höllenlärm machte: Es hatte den Rückwärtsgang eingelegt. Das konnte ich durch das große Bullauge in meiner Heckkabine sehen. Du lieber Himmel? Rammen wir jetzt ein Schiff oder fahren gegen eine Insel? Ich suchte nach meiner Rettungsweste. Fand sie aber nicht. Mist, wir sollten uns doch am Fernseher über die Rettungsmaßnahmen informieren. Hatte ich aber nicht….Am dunklen Nachthimmel tauchte plötzlich ein Hubschrauber auf. Ein Hubschrauberdeck hatten wir an Bord. Es lärmte noch einmal über dem Schiff. Dann hatte ich den Eindruck, dass der Hubschrauber landete und kurz darauf wieder startete. Ich kroch wieder in  meine Koje, mit dem festen Vorsatz, mich morgen um die Rettungsvorschriften zu kümmern.

Was war in dieser Nacht passiert? Am nächsten Morgen erfuhr ich, dass ein Passagier krank geworden war,  und der Hubschrauber hatte ihn zum Krankenhaus geflogen. Für mich war das ein guter Start in das neue Jahr, denn es hat mich daran erinnert, dass sich in unserer Gesellschaft Menschen bereit halten, um zu helfen, wenn jemand in Not ist.

Das zweite Mal. Ich habe zu Weihnachten eine Karte zum Neujahrskonzert in der Philharmonie in  Luxemburg  bekommen.  Ich habe mich darüber sehr gefreut, denn mir gefällt das großartige Philharmonie-Gebäude sehr und das Programm paßte auch zu meiner Stimmung, denn es begann mit einer Ouvertüre von Rossini und endete mit dem Johann Strauss Walzer An der schönen blauen  Donau. Warum ich das hier erzähle, kommt jetzt:

Konzertanfang sollte um 20 Uhr sein. Doch Gustavo Gimeno hob nicht den Taktstock, stattdessen erhob sich das Publikum. „Ist das eine Rettungsübung?“, dachte ich sofort und stand auch auf,  doch meine Nachbarin flüsterte mir zu: „Der Großherzog von Luxemburg  hat Platz genommen“.

So ein kleines Land mit soviel Tradition! Diesmal kam mir mein Aufstehen ein bisschen überflüssig vor. Oder fehlt mir als Deutsche etwas? Sollte ich mir vielleicht unseren alten Kaiser Wilhelm ( nicht den letzten, den ersten) zurück wünschen?

Zweimal bin ich zu Anfang dieses Jahres aufgestanden und zwei Mal gab es gute Gründe. Über den letzten Grund denke ich noch ein bisschen weiter nach.

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Mit Martin Luther ins neue Jahr

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In diesem kleinen Buch steht manches, was Martin Luther gesagt hat.

Mein erster Artikel im neuen Jahr sollte eigentlich ein Rückblick auf 2016  sein.  Doch dann ist mir eingefallen, dass wir in diesem Jahr daran erinnern, dass vor 500 Jahren die Reformation begann. Martin Luther verschickte im Oktober 1617 an die zuständigen Bischöfe seine 95 Thesen zur Ablassfrage und setzte damit eine öffentliche Auseinandersetzung in Gang, die schließlich zur Spaltung der Kirche führte. Doch ich verbinde noch mehr mit seinem Namen: Martin Luther hat sich in mein ganzes Leben eingemischt! Er war es nämlich, der vor 500 Jahren festlegte, wie  Protestanten leben sollen, und weil  meine Vorfahren  seiner Lehre folgten, bin ich auch mit seinen Leitbildern aufgewachsen:

Protestanten sollen fleißig sein. Bin ich, wenn ich im Garten arbeite. Wir sollen sparsam sein. Bin ich, wenn ich wieder einmal mit einem Sonderangebot nach Hause komme.  Wir sollen uns bilden. Mache ich. Bücher dazu stehen im Schrank und Google kenne ich auch. Luther liebte die Musik. Ich bin ihr zugetan, denn ich besuche Oper und Konzert  für mein Leben gern.

Sonst noch was? Ein  paar Luther-Zitate fehlen noch. Aber woher nehmen?

Ich habe vor ein paar Jahren das kleine Reclam-Buch „Luther zum Vergnügen“ in einer Buchhandlung gefunden, und es ist zum freundlichen Begleiter für mich geworden. Diese Zitate über Frauen habe ich darin gefunden:

Bei der Frau finden sich viele gute Eigenschaften zugleich: der Segen des Herrn, Nachkommen, die Vertrautheit mit den Dingen, welche alle so groß sind, dass sie einen Menschen erdrücken könnten…

Es ist kein Rock, der einer Frau oder Jungfrau so übel ansteht, als wenn sie klug sein will.

Wieso beschäftige ich mich eigentlich mit diesem Mann? – – Weil es diese Sorte Mann immer noch gibt und weil sie immer noch von Frauen geliebt werden.

Hier mache ich erst einmal Schluss. Mit diesem Zitat:

Man dient Gott auch durch Nichtstun, ja durch nichts mehr als durch Nichtstun.

Haben Sie in diesem Punkt wirklich Recht, Herr Luther?

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