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Archiv für November, 2016

Frauenkrawall *

tgb016112912rk Die Krachmacher

Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Veranstaltung mit Polizeischutz verlassen. Und das kam so:

Ich wollte die Journalistin und Buchautorin Birgit Kelle (41) kennenlernen, die im Bremer Presse-Club im Schnoor über ihre Ansichten zum Feminismus sprechen wollte. Eingeladen hatte sie die CDU. Am selben Tag war im  „Weser-Kurier“ ein Interview mit Birgit Kelle erschienen. Ihre Ansichten, die sie vertrat, gefielen mir. Ganz klar ging aus dem Interview aber auch hervor, dass Feministinnen  sie wegen ihrer Frauensicht anfeinden. Ob die Bremer Frauenbeauftragte wohl ein paar Vertreterinnen schicken würde, um Birgit Kelle die Leviten zu lesen? Die CDU schien damit gerechnet zu haben, denn ich musste am Eingang meine Handtasche öffnen und im Saal standen ein Mann und eine Frau, die wie Aufpasser aussahen.

Als Jens Eckhoff, CDU-Kreisvorsitzender, um 18.30 Uhr die Veranstaltung eröffnen wollte, wurde er plötzlich von einem Pulk junger Frauen* hinten im Saal angebrüllt und mit Trillerpfeifengetöse unterbrochen. Die Frauen* zeigten zwei Banner, ließen Flugblätter fallen und lärmten ununterbrochen. Auf einem Tisch im Hintergrund küsste sich ein Pärchen* heftig, doch die, die offensichtlich die Verantwortung für diese Veranstaltung hatten, standen zögerlich herum. Das, so habe ich mit überlegt, nennt man wohl „Deeskalation“, denn die wild gewordene Horde verließ erst nach einer viertel Stunde  den Saal, ohne das Fetzen  flogen. Dafür randalierten sie draußen weiter und hämmerten heftig gegen die Saaltür. Nach einer halben Stunde hörte man sie unten auf der Straße weiter lärmen. Inzwischen hatte wohl die Polizei dafür gesorgt, dass sie aus dem Treppenhaus verschwanden.

Fazit: Birgit Kelle hat ihren Vortrag gehalten, doch einen lebendigen Meinungsaustausch hat es nicht gegeben.

Krawallmacher war – laut „Weser-Kurier – die Linksjugend-solid Bremen. Die hatte auch im Internet zu dieser Demonstration aufgerufen.

Erreicht haben die Demonstranten bei mir, dass ich mich mit ihrem Weltbild beschäftigt habe, denn Birgit Kelles Sicht über den Feminismus stimme ich ja zu. Gelernt habe ich durch das Internet, dass es seit zwei bis drei Jahren bestimmten Feministinnen nicht mehr  allein um Emanzipation geht, sondern sie wollen, dass wir die verschiedenen sexuellen Bedürfnisse des Menschen anerkennen (wieviel das sind, weiß man nicht genau). Dazu soll das Sternchen* dienen, das ich (zur Anschauung) hier auch eingesetzt habe. Aber nur dieses eine Mal!

Was soll das Sternchen? Es ist ein Symbol und soll sprachlich sichtbar machen, dass  nur männliche und weibliche Zuordnungen nicht reichen. Das Sternchen * ist also ein sprachliches Hilfsmittel, um auf verschiedene Geschlechter und Identitäten hinzuweisen, ohne sie nennen zu müssen.

Als die Veranstaltung zu Ende war, konnten wir uns aussuchen, ob wir über den Balkon oder die Eingangstür das Haus verlassen wollten. Vor dem Haus wurde nämlich immer noch gelärmt. Die meisten haben sich – wie ich – für die Haustür entschieden, denn dort standen freundliche Polizisten und zeigten uns den Weg.

Im Zug nach Hause setzte sich ein freundlicher junger Mann neben mich. Er zeigte mir zwei Kopfhörer, die er für seinen Vater als Geschenk gekauft hatte. „Seine sind nämlich gerade kaputt gegangen und er hört so gerne CDs.“ erklärte er. Wie gut, dass es die normale Welt auch noch gibt, dachte ich

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„…Apfel, Nuss und Mandelkern fressen fromme Kinder gern…“

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Advent: Die erste Kerze wird angezündet  / Ein Gedicht dazu  / Theodor Storm sagt es deutlich

Ich bin froh, dass es die Vorweihnachtszeit gibt. Ich mag es, wenn in den Straßen  vor den Geschäften kleine Tannenbäume stehen und die Schaufenster weihnachtlich geschmückt sind. Am schönsten aber ist es, dass überall Lichter leuchten und die Dunkelheit vergessen lassen. Bei mir zuhause sieht es noch nicht besonders weihnachtlich aus. Nur der Adventskranz ist schon geschmückt. Dafür habe ich gestern nach Gedichten zum Advent gesucht und – fast nichts gefunden, was mir gefiel. Dafür kamen Erinnerungen hoch, wie ich als Kind jedes Jahr ein Weihnachtsgedicht aufgesagt habe. Am besten war, als meine Eltern einverstanden waren, dass ich einige Jahre vor dem Tannenbaum immer wieder „Knecht Ruprecht“ von Theodor Storm aufsagte. Es war das einzige Gedicht, das ich ohne Stocken, aber mit guter Betonung vortragen konnte. Ich kann es auch heute noch fast auswendig. Das ist der Text:

 Knecht Ruprecht

Von drauss´vom Walde komm ich her,

Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen

Sah´ich goldene Lichtlein sitzen;

Und droben aus dem Himmelstor

sah mit grossen Augen das Christkind hervor,

Und wie ich so strolcht durch den finsteren Tann,

da rief´s mich mit heller Stimme an,

„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,

Hebe die Beine und spute dich schnell!

Die Kerzen fangen zu brennen an,

Das Himmelstor ist aufgetan,

Alt´ und Junge sollen nun

Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;

Und morgen flieg ich herab zur Erden,

denn es soll wieder Weihnachten werden!“

Ich sprach:“O lieber Herre Christ,

meine Reise fast zu Ende ist;

Ich soll nur noch in diese Stadt,

Wo´s eitel gute Kinder hat.“

„Hast denn das Säcklein auch bei dir?“

Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier;

Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern

Fressen fromme Kinder gern.“

„Hast denn die Rute auch bei dir?“

Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;

Doch für die Kinder nur, die schlechten,

Die trifft sie auf den Teil, den rechten.“

Christkindlein sprach:“So ist es recht;

So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“

Von drauss´vom WAlde komm ich her;

Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Nun sprecht, wie ich´s hierinnen find!

Sind´s gute Kind, sind´s böse Kind?

Das Gedicht habe ich in meiner Theodor- Storm-Ausgabe gefunden, die 1980 im Nymphenburger Verlag erschienen ist. Dass die Kinder bei Storm fressen, nicht essen, ist mir jetzt erst aufgefallen. In einigen Veröffentlichungen im Internet haben ordentliche Menschen das auch korrigiert. Vermutlich habe ich meinen Eltern auch die korrigierte Fassung vorgetragen.

 

 

Vor 127 Jahren: Eine Frau ruft zum Frieden auf

Bertha von Suttner – Mein Gedankensprung zum Volkstrauertag

Im November gedenken wir unserer Toten. Die Katholiken zuerst mit ihrem Fest „Allerheiligen“, danach –  am Totensonntag – schmücken die Protestanten  ihre Gräber. Ein Tag ist für alle gedacht: der Volkstrauertag. In diesem Jahr wird er am zweiten Novembersonntag  begangen. Doch für wen? Der Tag wurde 1919 eingeführt, um an die Toten des Ersten Weltkriegs zu erinnern. In der Bundesrepublik kam das Erinnern an die Toten des zweiten Weltkrieges dazu. Doch wer lebt heute noch, um sich an einen Soldaten zu erinnern, der im letzten Krieg gefallen ist?  Wieviel Witwen und Waisen leben noch und erinnern sich an  Menschen, die vor fast achtzig Jahren im Bombenhagel und auf der Flucht ums Leben kamen? Die meisten von ihnen sind vermutlich längst gestorben.

Brauchen wir den Tag also noch? Ja, denn an diesem Volkstrauertag wird im Bundestag auch der 65 Millionen Flüchtlinge gedacht, die täglich durch Gewalt, Krieg und Unterdrückung vertrieben werden.

Doch warum gibt es längst wieder Kriege? Wo ist ein weltweite Protest gegen Krieg und Vernichtung? Ich kenne keine Antwort. Aber ich bin beim Fragen und Antwortsuchen auf eine Frau gestoßen, die schon 1889 mit ihrem Roman „“Die Waffen nieder“ als Pazifistin weltweit Aufmerksamkeit erfuhr: Es ist Österreicherin Bertha Freifrau von Suttner (1843-1914).

„Ein frischer, fröhlicher…Krieg“

In ihrem Roman schildert sie – in Form einer Autobiografie – die Geschichte einer jungen Witwe, deren erster Mann im Krieg fällt. Beschrieben wird auch, welche Begeisterung man im  19. Jahrhundert für das Militär empfand. Ein Beispiel daraus:

Aber an jenem 1. April sagte mir mein Mann allen Ernstes: „Weißt du, Schatz – es wird bald losgehen.“ „Was wird losgehen, mein Liebling!“ „Der Krieg mit Sardinien.“ Ich erschrak. „Um Gotteswillen – das wäre furchtbar! Und musst du mit?“ „Hoffentlich.“ „Wie kannst du so etwas sagen? Hoffentlich fort von Weib und Kind?“ „Wenn die Pflicht ruft …“ „Dann kann man sich fügen. Aber hoffen – das heißt also wünschen, dass einem solch bittere Pflicht erwachse –.“ „Bitter? So ein frischer, fröhlicher Krieg muss ja was Herrliches sein. Du bist eine Soldatenfrauvergiss das nicht –.“

Ich kann mir kaum noch vorstellen, dass es diese Begeisterung für einen Krieg gab. Doch  mein Onkel Heinz Bormann (1912 – ?) muss das noch gefühlt haben, denn ich weiß, dass er sich als Abiturient freiwillig als Soldat für den zweiten Weltkrieg gemeldet hat. Bis heute weiß  niemand,  wann und wo er gestorben ist.

Mit Alfred Nobel im Gespräch

Bertha von Suttner hat als Pazifistin weltweit Anerkennung und Zuspruch erfahren. Sie hat zahlreich Schriften verfasst und weitere Romane geschrieben. In Paris lernte sie Alfred Nobel kennen, den sie anregte, zu seinem Nobelpreisen  auch noch einen Friedenspreis hinzuzufügen. 1905 wurde sie selbst damit ausgezeichnet. Sie starb in Wien am 21. Juni 1914, ein paar Tage bevor der Erste Weltkrieg ausbrach.

In Ihrem Roman „Die Waffen nieder“ lässt sie ihre Ich-Erzählerin in einem Gespräch sagen: „Der bewaffnete Friede ist keine Wohltat … und nicht lange soll uns der Krieg verhütet bleiben, sondern immer. Wenn man sich auf die Meerfahrt macht, soll die Zusicherung nicht genügen, dass das Schiff an keiner Klippe zerschelle. Dass die ganze Fahrt glücklich überstanden werde, danach wird der ehrliche Kapitän trachten.“

Der Volkstrauertag

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge  zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt und organisiert. Der Volksbund betreut heute im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von etwa 2,7 Millionen Kriegstoten auf über 832 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten. Er wird dabei unterstützt von mehr als einer Million Mitgliedern und Förderern sowie der Bundesregierung. Das Leitwort ist: Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden.

 

Frack und Lack und Claque

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Susanne Schnatmeyer, eine erfolgreiche Bloggerin, hat ihr zweites Nachschlagewerk über textile Redewendungen veröffentlicht. In der neuen Sammlung „Am Rockzipfel“ werden 400 Redensarten rund um Kleidung und Stoff erklärt.

Die meisten Redensarten in diesem hübschen kleinen Nachschlagewerk kennen wir alle. Sprachbilder aus dem Bereich der Kleidung und Stoffe sind allgegenwärtig und geben doch oft Rätsel auf. Wieso ist Jacke wie Hose? Wer nagt am Hungertuch und was haben Manschetten mit Muffensausen zu tun? Dieses Buch geht den Redensarten auf den Grund und stellt damit auch eine  Kulturgeschichte unserer Kleidungsstücke und textilen Gebrauchsgegenstände vor.

Es ist eine umfangreiche Ergänzung zu der ersten Sammlung „Verflixt & Zugenäht“, die 2015 erschienen ist. Auch in ihrem neuen  Buch beschreibt die Autorin genau, sachlich, verständlich und anregend, woher die Redewendungen kommen und was es mit jeder Redewendung auf sich hat. Eine spezielle Sammlung solcher Redewendungen fehlte bisher. Doch Susanne Schnatmeyer hat damit nicht nur eine Lücke in der Reihe der Nachschlagewerke geschlossen, sondern sie erinnert auch daran, welche Wertschätzung Textilherstellung früher gehabt hat.

Es ist wieder ein Buch für die ganze Familie geworden, für alle Generationen, für Mode- und Handarbeitsbegeisterte, Sprachliebhaber, Geschichtsfans, Textilberufe und – das habe ich gerade erfahren – auch für Frühstücksrunden und Kaffeekränzchen. Wer es verschenkt, braucht kein Muffensausen  zu haben, dass er damit Kinkerlitzchen überreicht. (Siehe Seiten 73 und 82).

Weitere Informationen findet man im Blog „Textile Geshichten“ auf einer Extraseite.

Am Rockzipfel  
Redensarten rund um
Kleidung und Stoff

Text + Illustration: Susanne Schnatmeyer
ISBN 978-3-00-052981-8
Auflage 1, November 2016, 160 Seiten, 15 Abbildungen
Maße 19 x 12 x 1,5 cm, Hardcover mit Lesebändchen

Ladenpreis 16 Euro

Erhältlich über:

  • Email an info@textilegeschichten.net (Büchersendung, Versandkosten in Deutschland 1 Euro)
  • Im Onlineshop Machwerk
  • Bestellung im Buchhandel (über das Verzeichnis lieferbarer Bücher kann jede Buchhandlung das Buch ordern)

http://textilegeschichten.net/edition/ Der Link zum Blog der Autorin.

 

 

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