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Archiv für Mai, 2016

Großmüttergespräch

Verändert sich die Rolle der Großeltern in unserer Gesellschaft? Diesen Eindruck kann man jedenfalls bekommen, wenn man sich umhört: Großeltern sind gefragt, weil Vater und Mutter arbeiten und  sich jemand um die Kinder kümmern muss. Kitaplätze sind rar, teuer und zeitgebunden. Sind Großeltern darum die bessere Wahl? Darüber haben sich drei Großmütter unterhalten . Entstanden ist daraus dieses Gedächtnisprotokoll.

Am Tisch saßen:

Marga (84),

Brigitte ( 56),

Marie (77)

Marga: Ich lebe auf dem Land. Auf dem Bauernhof meiner Familie. Bei uns gab es nie Probleme, wenn Kinder betreut werden mussten. Irgend jemand war immer da. Das ist heute auch noch so.

Brigitte: Meine Tochter und ihr Mann sind beide berufstätig. Beide lieben ihren Beruf. Ich war nie berufstätig. Als die kleine Tochter geboren wurde, war es für mich selbstverständlich, dass ich mich um das Baby kümmerte. Auch mein Mann, im Ruhestand,  ist gern als Babysitter beschäftigt. So haben wir nie Langeweile. Das Leben mit unser kleinen Enkelin ist einfach schön. Und wird noch schöner, denn im nächsten Monat soll der kleine Bruder geboren werden.

Marie: Meine Kinder haben spät geheiratet und Kinder bekommen. Für mich war das ein Gewinn, denn so konnte ich – ohne Großmutterpflichten –  als Späteinsteigerin in meinem Beruf arbeiten. Zum Glück bin ich nie gefragt worden, ob ich zum Kinderhüten bereit wäre. Ich hätte zwar nicht nein gesagt, aber begeistert wäre ich nicht gewesen.

Marga: Wieviel Enkelkinder hast du denn?

Marie: Sechs. Alles Mädchen. Inzwischen  sechzehn, fünfzehn, zwölf, zehn und acht Jahre alt. Ihre Väter und Mütter sind  berufstätig. Alle sind im Kindergarten gewesen und hatten oder haben einen Platz im Hort.

Brigitte: Ich glaube, du weist gar nicht, was du alles verpasst hast. Als Großmutter hast du doch eine ganz anderen Platz im Leben der Kinder als die Eltern. Du freust dich, wenn sie kommen. Sie gehst auch ihre Wünsche ein und kannst sie verwöhnen…

Marie: Ich habe meinen Kindern zwanzig Jahre meines Lebens geschenkt. Ich war immer für sie da. Ob ich immer eine gute Mutter war? Ich bin mir nicht sicher. Aber noch einmal: nur für andere da sein, das möchte ich nicht mehr.

Marga: Deine Ansicht teilen die jüngeren Großeltern offensichtlich nicht. Sie nehmen die Herausforderung an und lassen sich zum Kinderhüten einspannen. Unser bestes Beispiel hier am Tisch ist Brigitte.

Brigitte (guckt vergnügt): Ja und im Trend sind  mein Mann und ich auch noch, denn es gibt jetzt sogar ein Gesetz, dass nicht nur Elternzeit sondern auch Großelternzeit möglich macht. Es gibt also sogar Großeltern, die noch berufstätig sind und Enkelkinder hüten.

Marie: Es ist aber ein Gesetz mit ziemlichen Einschränkungen.

Brigitte:  Mir genügt schon die Idee, denn dieses Gesetz ist doch eine Bestätigung für die Rolle, die wir Großeltern inzwischen spielen.

Marga: Ob das die Feministinnen bedacht haben, als sie anfingen,  mehr Freiheit für  Frauen zu fordern?  Mehr Freiheit auf Kosten anderer?

Marie: Eine Antwort auf diese Frage können wir uns sparen. Fakt ist nur, dass heute Frauen selbst für ihre Rente sorgen müssen. Wenn die Ehe nicht hält, bekommen sie Probleme.

Brigitte: Na, seht ihr wohl: Diese Gesetzesänderung ist doch schon ein Grund, warum wir als Großeltern einspringen sollten, wenn Enkelkinder behütet werden müssen.

Marga: Du sagst Enkelkinder sollen behütet werden. – Das gefällt mir. Behütet wird man am besten in der Familie. Da mögen die Frauen und Männer, die im Hort arbeiten, noch so gut sein. Eine liebevolle Familie ersetzen sie nicht.

Marga: Was mir gerade auffällt: Die neuen Großeltern werden wieder zum Kern einer Großfamilie. So, wie ich das erlebt habe. Ich habe in meiner großen Familie ein erfülltes Leben gehabt. Und habe es immer noch. Ich fühle mich geborgen.

Brigitte: Das ist eine schöne Schlussfolgerung.

Marie: Vielleicht habe ich tatsächlich etwas in meinem Lebens verpasst. Ich werde wohl eines Tages in einem Altenheim landen und mich über die hohen Lebenserhaltungskosten ärgern..

 

 

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Maikäfer… flieg…!

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Viele Jahre habe ich keine Maikäfer mehr gesehen. Doch heute ist mir im Garten beim Umgraben einer auf den Spaten gekrabbelt. Als ich den kleinen Kerl vorsichtig hoch nahm, waren sofort meine Kindheitserinnerungen, in denen Maikäfer eine Rolle spielen, wieder da. Wir sammelten sie und ließen sie in Schachteln verschwinden, um in der Schule dann zu vergleichen, was wir gefunden hatten: zum Beispiel einen Bäcker (mit grauem Schimmer) oder einen Prinzen (mit dunklen Flügeln). Wichtig war auch, wie viele Maikäfer man mit in die Schule brachte. Von den Erwachsenen hörten wir dann immer wieder das kleine Lied:

Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg,

deine Mutter ist in Pommerland,

Pommerland ist abgebrannt,

Maikäfer flieg.

Weil fast alle unsere Väter im Krieg waren, passte die erste Zeile des Textes für uns Kinder. Dass die Mutter auch nicht da war, habe ich als Kind einfach überhört. Nicht so ein paar Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Erst einmal haben sie überrascht festgestellt, dass viele ältere Erwachsene das kleine Lied kennen. Es muss also ein altes Lied sein. Aber wie alt? Wann spielte im Krieg Pommerland eine Rolle? Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648)? Nein, dort gab es andere Kriegsschauplätze. Die Journalistin Lotta Wrieden wollte es genau wissen und hat schließlich eine Antwort bekommen: Es könnte der „Siebenjährige Krieg“ (1756-1763) gewesen sein… Doch bevor ich jetzt noch weiter bei Lotta Wrieden abschreibe, empfehle ich, ihren Artikel „Altes Kinderlied – Maikäfer, flieg!“  zu lesen. Sie stellt sich dort noch mehr Fragen und hat gute Antworten bekommen.

Der Maikäfer in meinem Garten ist übrigens einfach davon geflogen. Vielleicht sorgt er für Nachwuchs.

Fröhliche Pfingsten !

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wünsche ich heute allen, denen ich begegne und die meinen Blog besuchen. Das Foto ist gestern nicht weit von Eitzendorf entstanden, einem kleinen Dorf in der Nähe von Hoya an der Weser. Ich habe dort  als Kind meine schönsten Ferien verbracht.

Mein Himmelfahrtstag

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Ich habe den Himmelfahrtstag heute ruhig verbracht. Weil in meiner Familie  der Vatertag nicht gefeiert wird, haben die Männer in meiner Familie auch keinen Alkohol  fließen lassen und sitzen nun friedlich vor dem Fernseher und warten darauf, dass die neue Folge von „Donna Leon“ kommt. Ich setze mich gleich dazu, doch vorher möchte auf das kleine Heft „Das Vaterunser“ hinweisen, das gut als Botschaft für diesen christlichen Feiertag passt. „Das Vaterunser“, das bekannteste Gebet der Christen,  ist in diesem Heft in über zehn Sprachen abgedruckt. Dazu fühlt man auf Vorder- und Rückseite  das Vaterunser in Blindenschrift (Taktildruck).

Das kleine Heft hat die Bremische Evangelische Kirche herausgegeben. Die Bremer Gemeinden und Einrichtungen haben weltweit Kontakte zu Partnergemeinden. In Bremer Gemeinden sind Christen aus Ghana, Finnland, Korea, Indonesien, Russland, Siri Lanka oder Griechenland ständige Gäste.

Zum Schluss ein Beispiel aus dem Heft:

Vater unser im Himmel / ….heißt in Spanisch: Padre Nuestro que estas en los cielos / und

in Ewe: Mia fofo si le dzi fo /

Ewe ist eine afrikanische Sprache, die von etwa drei Millionen Menschen  gesprochen wird.

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