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Archiv für Januar, 2016

„Punkt 11“ – Immer sonnabends um 11 Uhr

 Autoren und Autorinnen lesen vor

 

In der Stadtbibliothek Bremen kann man nicht nur Bücher ausleihen. Dort gibt man auch Literaturschaffenden aus der Region ein Forum. Ein gutes Beispiel ist dafür die Reihe „Punkt 11“. Immer sonnabends. Immer um 11 Uhr in der Stadtbibliothek Bremen-Vegesack.

Ich habe dort  der Bremerin Irmtraud Hansemann zugehört. Sie las eigene Lyrik und Prosa unter dem Titel „Ganz  nah am Alltag“  vor. Mit überraschenden Einsichten und feinem Humor bewies sie,  dass ihr Alltag unser aller Alltag ist.

Ihre Geschichten und Gedichte hat sie bereits in einem kleinen Band veröffentlicht, dazu im Hebus-Verlag Cartoons und  den Roman „Die Begleiterin“. Während ihrer Stunde für die Literatur führte Irmtraud Hansemann ihre Zuhörer und Zuhörerinnen zum Beispiel in ein Kaffeehaus, auf einen  Friedhof, erfand den Herr der Ringe neu und beschrieb, wie sie an einer Supermarktkasse betrogen wurde. Notiert habe ich mir diese Sätze: …Auch ewige Jugend geht vorbei…,Rohstoff für Literatur blüht im Alltag…Wird Sehnsucht erwachsen, wenn ich sie stille?…

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Irmtraud Hansemann hat die Lesung gehalten, obwohl sie an Parkinson erkrankt ist. Seit 1990 wird ihr Leben von der Krankheit bestimmt. In einem Flyer schildert sie das so: …Lebensqualität- Eigenbestimmung- genau die ist mir genommen. Ich kann nicht mehr über meinen Körper bestimmen. Spontanität, Zukunftspläne, Entwicklungen!  Wünsche reduzieren sich auf die genau berechnete Medikamenteneinnahme. Ich richte mich nicht mehr nach der Uhr, sondern nach meinen „on/off-Zeiten“. „Off“ heißt Fegefeuer aus Starre und Krampf. „On“ heißt: In  genau zugeteilter Zeit so bewusst wie möglich aktiv zu leben.“

An diesem Morgen wurde ihr mit herzlichem Beifall gedankt.

Alle Informationen zu den Lesungen bekommt man unter : http://www.stabi-hb.de/Veranstaltungen-Punkt-11. Der Eintritt ist frei.

Am Donnerstag, 11. Februar, 18.30 Uhr, hat Irmtraud Hansemann ihren nächsten Termin:

In der Bremer Zentralbibliothek/Kriminalbibliothek trifft sich die Gruppe WORTLAUT. Irmtraud Hansemann, Heide Marie Voigt, Hanna Scotti, Eberhard Pfleiderer und Jens-Ulrich Davids lesen Texte zum Thema „Flaschenpost“. Eintritt frei.

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Was bedeutet „Seniorenalltag“ ?

Ich bin eine Seniorin (70+). Ich schreibe für diesen Blog  Kleine Brise aus Bremen.  Ich wollte mit diesem Blog einen Einblick in mein Seniorenleben geben, doch ich stelle fest, dass ich wenig über Dinge berichte, die nur im Seniorenalltag passieren. Mein Alltag ist weiter mein Alltag, so wie er sich fügte, nachdem ich meinen sechzigsten Geburtstag gefeiert hatte: Die Kinder waren  aus dem Haus und ich konnte mich neu einrichten. Aber mein Alltag zeigt nun doch  gewisse Einschränkungen. Was  mir beim Nachdenken über dieses Thema eingefallen ist, folgt hier:

  • Beim Fernsehen benutze ich jetzt Kopfhörer, denn die Schauspieler verstehe ich oft schlecht.
  • Das Licht im Badezimmer habe ich mit einer neuen Lampe heller werden lassen.
  • Saubermachen dauert jetzt länger als früher.
  • Alles, was gerade als „neue Mode“ vorgestellt wird, habe ich bereits im Schrank oder früher schon getragen..
  • Eine schwere Erkrankung hat mir das Schicksal bis jetzt erspart. Meine Medikamente bezahlt die Kasse anstandslos
  • Meine Haare sind nicht mehr strohig, sondern leicht gewellt.
  • Im Fitnessstudio kann ich alle Geräte bedienen.
  • Gute Laune bekomme ich, wenn ich nicht zu kochen brauche, weil es genug Fertiggerichte zum Auswählen gibt.
  •  Bügeln ist einfacher geworden . Schuhe putzen auch.
  • Romane lese ich nicht mehr. Ich habe keine Lust mehr, mich in fremdes Leben einzufühlen.
  • Meine Freundin ist kleiner geworden, Sie schaut jetzt zu mir auf. „Du schrumpfst auch“, stellte meine Tochter darauf hin gnadenlos fest.
  • Gute Freunde sind gestorben. Sie fehlen mir. Eine Freundin, die vor ein paar Jahren das Zeitliche segnete, fehlt mir dagegen nicht. Sie hatte sich im Alter in eine Furie verwandelt.
  • Finger- und Fußnägel wachsen viel zu schnell. Manchmal gehe ich zu einer Fußpflegerin.
  • Die Enkel und Enkelinnen gehen jetzt alle in die Schule. Kein Grund mehr, dass ich mich um sie kümmern muss. Mich stimmt das nicht traurig.
  • Politik interessiert mich immer noch. Nur eins sage ich nicht mehr: „Das haben wir nach dem Krieg doch auch erlebt…Meine Gesprächspartner kontern dann meist: Ich  war da noch nicht geboren..
  • Mein Gehirn arbeitet zunehmend eigenständig. Namen von Menschen, die vor mir stehen, gibt es nur zögerlich frei. Manchmal erst am nächsten Morgen.
  • Hoffentlich muss ich diese Liste nicht so bald fortsetzen.

Hallo, ich bin wieder da!

Meine Weihnachts- und Neujahrsgäste sind  abgereist und so kann ich nun wieder ganz allein zu Wort kommen. Damit keine Langeweile aufkommt, habe ich mir ein  Ratespiel ausgedacht. Wer spielt mit? Die  Regeln sind  einfach: Ich zitiere die ersten Sätze aus Büchern , die ich in den Jahrzehnten meines Lebens gelesen habe, und man muss herausfinden, zu welchem Werk sie gehören. Ich gehe chronologisch vor und beginne im  18. Jahrhundert.

Das 1. Zitat

Eduard- so nennen wir einen reichen Baron im besten Mannesalter – Eduard hatte in seiner Baumschule die schönste Stunde eines Aprilnachmittags zugebracht, um frisch erhaltene Pfropfreiser auf junge Stämme zu bringen…

Beginnt so

a) der Roman „Die Wahlverwandtschaften“ von Johann Wolfgang von Goethe?

b) Die Novelle „Brigitta“ von Adalbert Stifter?

c) Der Roman „Die Gräfin von  Rudolstadt“ von Georg Sand?

Das 2. Zitat

Wir waren im Arbeitszimmer bei den Schulaufgaben, als der Direktor eintrat. Ihm folgte ein „Neuer“, noch in „Zivil“, und ein Schuldiener mit einem großen Pult. Wer gerade schlief, wachte auf, und alle sprangen von den Plätzen….

Beginnt so

a) der Roman „Bel Ami“ von Guy de Maupassant?

b) der Roman „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert?

c) die Erzählung „Die Kur des Monsieur Chabre“ von Emile Zola?

Das 3. Zitat

In Front des schon seit Kurfürst Georg Wilhelm von der Familie von Briest bewohnten Herrenhauses zu Hohen-Cremmen fiel heller Sonnenschein auf die mittagsstille Dorfstraße….

Beginnt so

a) die Novelle „Das Gemeindekind“ von Marie von Ebner-Eschenbach?

b) der Roman „Der Nachsommer“ von Adalbert Stifter?

c) der Roman „Effi  Briest“ von Theodor Fontane?

Das 4. Zitat

Er war ein alter Mann, der allein in einem kleinen Boot im Golfstrom fischte, und er war jetzt vierundachtzig Tage hintereinander hinausgefahren, ohne einen Fisch zu fangen…

Beginnt so

a) der Roman „Moby-Dik“ von Hermann Melville?

b) der Roman „Der alte Mann und das Meer“ von Ernest Hemingway?

c) der Roman „Fähnrich zur See Hornblower“ von C.S. Forester?

Das 5. Zitat

Gravitätisch kam der dicke Buck Mulligan vom  Austritt am oberen Ende der Treppe: er trug ein Rasierbecken, auf dem kreuzweise ein  Spiegel und ein Rasiermesser lagen…

Beginnt so

a) der Roman „Ulysses“ von James Joyes ?

b) die Erzählung „Montauk“ von  Max Frisch?

c) die Novelle „Der Opfergang“ von Rudolf G. Binding?

Die Bücher, aus denen die Zitate stammen, stehen alle noch in meinem Bücherschrank. Es hat mich fast fröhlich gemacht, dass ich genug zur Auswahl für dieses Rätsel hatte.  Ein großer Teil stammt aus den Nachlässen meiner Familie. Dass ich vielleicht die letzte bin, die diesen Bücherschatz hütet, befürchte ich. Im Internet findet man all dieses Schätze auch. Viel einfacher und schneller. Kinder und Enkel sind gut eingespielte Nutzer.

Auflösung: 1a,2b,3c,4b,5a

 

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