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Archiv für November, 2015

Ein Theologe hatte die Idee

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Zum 1. Advent – Der Kranz und seine Geschichte

 

Wenn an diesem Sonntag die erste Kerze auf dem Adventskranz angezündet wird, beginnt die Vorweihnachtszeit. Jahrzehntelang galt das allerdings nur in Norddeutschland, denn hier wurde es zuerst Brauch, vor Weihnachten einen Lichterkranz aufzustellen.

Als Erfinder gilt der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern. Er gründete 1833 in Hamburg das „Rauhe Haus“, ein Heim für Straßenkinder. Um 1850 soll er dann auf die Idee gekommen sein, einen Kranz aufzuhängen, auf dem jeden Tag – bis Weihnachten – ein Licht angezündet wurde. „…Und je mehr Lichter brennen, desto näher rückt Weihnachten und desto froher werden Knaben und Mädchen; und brennt der volle Kranz mit allen 24 Lichtern, dann ist er da, der heilige Christ in all seiner Herrlichkeit…“ beschreibt er selbst seinen Schmuck.

Wann daraus der Adventskranz mit den vier Kerzen entstand, lässt sich nur vermuten. Meine Freundin hat vielleicht die Erklärung: „24 brennende Kerzen auf einem kleinen Leuchter werden viel zu heiß. Sie krümmen sich und schmelzen.“ Sie spricht aus Erfahrung, denn sie besitzt einen Holzkranz für 24 Kerzen, auf dem genau das passierte. Nun werden nur noch die vier Kerzen für jeden Sonntag angezündet.

Als das Versuchsstadium bei den Protestanten abgeschlossen war, haben  die Katholiken den Brauch aufgegriffen. 1925 soll in einer katholischen Kirche in Köln zum ersten Mal ein Adventskranz gehangen haben. In Österreich und Süddeutschland lernte man ihn erst ab 1930 kennen.

Dafür fiel den Katholiken eine hübsche neue Verzierung ein: Sie schmückten den grünen Kranz mit drei violetten und einer rosa Kerze. „Das ist ein liturgischer Kranz“, sagt der katholische Freund, „denn während des Kirchenjahres ändern sich im Gottesdienst die Farben der liturgischen Gewänder. In der Advents- und Fastenzeit wird Violett getragen. Die rosa Kerze  – verdünntes Violett –  wird am dritten Adventssonntag, an Gaudete,  angezündet, als Einladung zur Freude auf das Weihnachtsfest.“

Wird der Kranz bei den Bremer Katholiken so geschmückt? Der Freund schüttelt langsam den Kopf. „Nein, das glaube ich nicht. Der Brauch ist verschwunden. Ihr könnt hier ja schon froh sein, wenn die Katholiken die erste Kerze tatsächlich am 1. Advent anzünden. Manche glauben nämlich, dass die Beleuchtungszeremonie immer erst am 1. Dezember beginnt.“

                                                         

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Verflixt & Zugenäht

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150 Redewendungen – Gesammelt und erklärt

Susanne Schnatmeyer, eine erfolgreiche Bloggerin, hat ein Nachschlagewerk  über textile Redewendungen geschrieben. Zum ersten Mal nicht als Text in ihrem Blog „Textile Geschichten“, sondern als Buch. Verflixt &  Zugenäht“ hat sie ihre kleine, handliche,  schön eingebundene Enzyklopädie genannt.

Erklärt werden einem 150 Redensarten, in denen sich alles um Nähen, Schneidern, Spinnen und Weben, Garn und Bänder dreht. Die meisten sind von Generation zu Generation weiter benutzt worden.

Man kann die kleine Enzyklopädie auf zwei Arten nutzen: Man fängt einfach an zu lesen und liest – Kapitel für Kapitel – weiter, ohne alphabetische Reihenfolge. Und freut sich über die liebevoll und sorgfältig recherchierten Erklärungen. Wer rasch wissen möchte, was ein bestimmtes Sprichwort bedeutet oder woher es kommt, findet die passende Stelle über das Stichwortverzeichnis am Ende des Buches.

Aufgelockert werden  die Texte durch bunte Abbildungen von Stoffmustern  aus drei Jahrhunderten.

Auf eine weitere Möglichkeit, dieses kleine unterhaltsame Buch zu nutzen, möchte ich an dieser Stelle auch noch hinweisen: Man verschenkt es und hat damit  alle Fäden in der Hand, für gute Unterhaltung zu sorgen.

Verflixt und Zugenäht
Textile Redewendungen
gesammelt und erklärt

Edition Textile Geschichten, 2015
ISBN 978-3-00-050969-8
144 Seiten, 11 farbige Abbildungen
Maße ≈ 13 x 19 cm, Hardcover mit Lesebändchen. Preis 15 Euro

Erhältlich über:

  • Email an info@textilegeschichten.net (Büchersendung, Versandkosten in Deutschland 1 Euro)
  • Im Onlineshop Machwerk
  • Bestellung im Buchhandel (über das Verzeichnis lieferbarer Bücher kann jede Buchhandlung das Buch ordern)

http://textilegeschichten.net/edition/ Der Link zum Blog der Autorin. Am 26. Oktober berichtet sie darin, wie das Buch entstanden ist.

Der Bunker ist jetzt ein „Denkort“

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Am Weserufer – zwischen Bremen und Bremerhaven – liegt der U-Boot-Bunker „Valentin“.  33 Meter hoch, 426 Meter lang und  97 Meter breit.

Wir haben in Bremen eine neue Gedenkstätte für Opfer des NS-Regimes.  Mit einem Festakt mit mehr als 400 geladenen Gästen aus dem In- und Ausland ist am 8. November 2015 die Gedenkstätte Denkort Bunker Valentin eröffnet worden.

Ich kenne den Bunker seit meiner Jugendzeit. Ich habe mich dort mit Freunden getroffen. Auch Camper stellten am Weserufer, in seiner Nähe, ihre Wagen ab. Von seiner Geschichte wusste ich nichts. Danach gefragt habe ich nicht.

Über sechzig Jahre später hat mich nun das Grauen eingeholt. In dem neuen Dokumentationszentrum und auf dem Lehrpfad am „Valentin“ entlang erfahre ich, dass der riesige Betonklotz eine Bunkerwerft für den Bau von U-Booten werden sollte. Dreiundzwanzig Monate  (Mai 1943-März 1945) schufteten auf dem Bau  mehr als zehntausend Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene, deutsche Soldaten und Zivielarbeiter aus ganz Europa unter unmenschlichen Bedingungen,  bis zu 1800 von ihnen kamen ums Leben. Nach Bombenangriffen der Alliierten Anfang 1945 wurden die Bauarbeiten eingestellt. Der Bunker war fast fertig. In ihm ist nie ein U-Boot gebaut worden.

Mich hat die Gestaltung dieser Gedenkstätte beeindruckt. Auch die Website: www.denkort-bunker-valentin.de . hat mir gefallen, denn ich bekam auf alle meine Fragen, die ich nach dem Besuch hatte, eine Antwort.

Die Öffnungszeiten

Das Informationszentrum und das neu gestaltete Gelände sowie die Informationssysteme, die in den vergangenen fünf Jahren entwickelt wurden, sind  von 10 bis 16 Uhr – außer Montag und Samstag – geöffnet. Der Eintritt ist frei. Dazu werden Führungen angeboten und man kann auch einen Multimedia-Guide oder einen Audio-Guide ausleihen.

Nach einem Jahr teilt die Pressestelle des Senats mit, dass sich fast 28000 Besucher die Ausstellung angesehen haben.

 

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Blick in den Bunker.

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