seniorenfreundlich – norddeutsch – weiblich – alt und jung

Archiv für Oktober, 2015

Er wollte keine neue Kirche gründen

Auf Martin Luthers Spuren in Wittenberg

tgb015102143k

Wittenbergs Stadtkirche St. Marien. Hier hat Martin Luther die ersten Gottesdienste in deutscher Sprache gefeiert.

Am Sonnabend,  31. Oktober, feiern die evangelischen Christen den Reformationstag. Mit diesem Gedenktag  wird an das Thesenpapier erinnert, das Martin Luther   im Jahre 1517 in Wittenberg  am Portal der Schlosskirche veröffentlicht haben soll. Mit seinen 95 Thesen kritisierte Martin Luther den Ablasshandel in der damaligen Kirche. 2017 jährt sich der Tag zum 500. Mal und soll natürlich von der Evangelischen Kirche gebührend gefeiert werden. Ich war jetzt schon neugierig und bin  nach Wittenberg gefahren . Dabei habe ich eine Menge Neues gelernt. So fing es an:

  • Wittenberg heißt seit 1938 amtlich Lutherstadt Wittenberg. Dieses Lehrstück hat mich eine Menge Zeit gekostet, denn Wittenberg ohne Zusatz habe ich in unserem Autoatlas nicht gefunden.
  • In Wittenberg laufen die Vorbereitungen zum Jubiläumsjahr auf vollen Touren. Die Schlosskirche ist wegen Renovierungsarbeiten  geschlossen, auch der Bahnhof wird umgeräumt. Dafür ist die Stadtkirche fast fertig saniert.
  • Beide Kirchen haben in Martin Luthers Leben eine große Rolle gespielt. An der Schlosskirchentür soll er am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen angeschlagen haben. Doch heute ist sich die Forschung ziemlich sicher, dass das gar nicht passiert ist. Sicher ist, dass Luther sein zorniges Thesenpapier an den zuständigen Erzbischof Albrecht sandte.

Was empörte den Mönch Martin Luther so? Es war das Ablassgeschäft der Kirche. Sie versprach zum Beispiel den reuigen Sündern, dass ihre Strafen vor Gott  gelindert würden, wenn sie Geld spendeten. Strafnachlass konnte es aber auch auf andere Weise geben: So konnte man  die Strafe im Fegefeuer verringern, wenn man in der Wittenberger Schlosskirche den Gottesdienst besuchte (hundert Tage pro Kirchenbesuch). Ein Satz  aus dem Protestschreiben: Man soll die Christen lehren: Wer einen Bedürftigen sieht und ihm nicht hilft, und statt dessen sein Geld für Ablass gibt, der hat sich nicht des Papstes Ablass, sondern Gottes Zorn erworben…

  • Seine Thesen wurden in kurzer Zeit in vielen europäischen Städten bekannt. Auch Hanseatische Kaufleute verbreiteten seine Schriften. Das muss ich hier erwähnen, weil schon 1522 – fünf Jahre später – ein Augustinermönch in Bremen in der St. Ansgarikirche eine Predigt hielt und dabei die Gedanken Luthers erläuterte. Bremer Ratsherren hatten ihn dazu eingeladen. Die Domherren haben protestiert.
  • Luthers Anliegen sprach viele Menschen an. Er wollte keine neue Konfession gründen, sondern nur den Anspruch erfüllt sehen, dass alle Christen gleich sind. Sie sollten am Kirchenleben teilnehmen. In der Wittenberger Stadtkirche predigte er in  Deutsch, in der Muttersprache der Gläubigen, nicht in Latein, erfand das  Gemeindelied und vereinfachte die Gottesdienstabläufe, die nun alle verstehen konnten.
  • Luther hat die Bibel ins Deutsche übersetzt. Neu für mich: Die übersetzten Bibeln standen lange Zeit auf dem Index der verbotenen Bücher der katholischen Kirche.
  • Nicht in jedem Bundesland ist der Reformationstag ein Feiertag, aber im Jubiläumsjahr 2017 .
  • Angereichert hat mein Wissen Christian Feldmann. Seine Monographie über Martin Luther habe ich mit großem Interesse gelesen. Das Buch ist im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienen . Dazu bemerkt er: „…hier kann nur eine gedrängte Auswahl im Miniaturformat geboten werden,  die nicht für Lutherforscher gedacht ist, sondern für interessierte Leser mit ein wenig Vorbildung…“ Das bin ich!
  • Ich bin ihm gern gefolgt. Schließe aber mit Luther, der gesagt haben soll:
  •  …Ein Christ ist ein seltener Vogel…
Advertisements

Es ist wieder soweit: Wir bekommen eine Stunde geschenkt

In ein paar Stunden beginnt die Winterzeit. Wir können eine Stunde länger schlafen

IMG_3346wk

So will es das Gesetz: Am letzten Sonntag im Oktober beginnt in allen Staaten der Europäischen Union die Winterzeit. In der Nacht werden die Uhren von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Damit sind wir wieder bei der Normalzeit angekommen. Erst am letzten Sonntag im März müssen wir uns wieder auf die Sommerzeit einstellen.

Nicht jedem behagt das. Im Internet findet man genug Hinweise, dass viele gegen  die Zeitumstellung sind.

Es gab noch andere Zeiten

Dabei können wir froh sein, dass es diese klare Regelung gibt. Früher mussten sich die Menschen  in einem regelrechten Zeitwirrwarr zurechtfinden. Es gab nämlich in Deutschland bis Ende des 19. Jahrhunderts keine einheitliche Uhrzeit. Stattdessen gliederten an vielen Orten  die Kirchen mit ihrem Glockengeläut die Tageszeit.  Das änderte sich erst allmählich, als die Eisenbahn erfunden war und die Industriearbeiter nicht mehr kommen und gehen sollten, wie es ihnen passte.

Die Atomuhr funkt

 Ich wäre nicht traurig, wenn die Zeitumstellung  ausbliebe. Mir macht sie zu schaffen. Doch ich weiß schon jetzt, dass ich am Sonntag wieder ganz gespannt durch die Wohnung laufen werde, um zu sehen, ob unsere Funkuhren die neue Zeit anzeigen. Ohne mein Zutun. Ausgelöst durch die Atomuhr in Braunschweig.

Eine kleine Eselsbrücke, die mir eine Freundin verraten hat

Wie werden die Uhren umgestellt? Ganz einfach zu merken: Zur Sommerzeit werden  die Uhren vorgestellt, weil auch die Gartenstühle nach draußen gestellt werden, zum Winter ist es umgekehrt: Die Stühle kommen ins Haus , die Uhren werden zurückgestellt.


 

Keine noble Behandlung

In der Tageszeitung hatte alles gestanden, was man über den Literaturnobelpreis wissen sollte. Rechtzeitig am Tag der Bekanntgabe –  am 8. Oktober gegen 13 Uhr –  sollte das Ergebnis der Wahl bekannt gegeben werden. Und eine Favoritin wurde auch schon genannt: Die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch könnte es sein, denn sie stand bei den britischen Buchmachern an der Spitze. Ich schalte daher um 13 Uhr das Radio ein. Doch die Nachrichten geben noch nichts bekannt. Aber um 13.30 Uhr kommt die Meldung: Swetlana Alexijewitsch bekommt in diesem Jahr den Literaturnobelpreis.

Nachmittags gehe ich in unsere altehrwürdige Buchhandlung. Bei ihr finde ich sicher die Bücher der Preisträgerin. „Leider nein“, erklärt mir die Buchhändlerin , “ alle ihre Bücher sind vergriffen. Wir haben keins am Lager.“ Wie schade.

Ähnliches erfahre ich in der Thalia-Filiale, die erst seit ein paar Wochen vor Ort ist und meiner alten Buchhandlung Konkurrenz macht. Der junge Mann an der Tür, der mich nach meinen Wünschen fragt, hat offensichtlich keine Ahnung, dass es eine neue Literaturnobelpreisträgerin gibt. Seine Kollegin muss den Namen auch erst im Internet suchen und findet im großen Laden auch kein Buch von der weißrussischen Schriftstellerin.

Fazit: Beide Buchhandlungen sind schlafmützig. Im Internet – bei Amazon  – kann ich mir sofort alle Wünsche erfüllen lassen: Probelesen  und alle Bücher bestellen. Meine Fundstelle:

http://www.amazon.de/Secondhand-Zeit-Tr%C3%BCmmern-Sozialismus-suhrkamp-taschenbuch/dp/3518465724/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1444682686&sr=8-1&keywords=swetlana+alexijewitsch

Lieber Horst, liebe Traudel

Ein Brief zum Tag der deutschen Einheit

Heute sind es 25 Jahre her – lieber Horst und liebe Traudel – dass wir zum ersten Mal den Tag der deutschen Einheit gefeiert haben. Als 1989 die Mauer fiel, war ich mit meinen Freundinnen in Spanien. Der Fahrer unseres Ausflugbusses erzählte uns von dem Ereignis und weinte dabei vor Freude. Auch von Zuhause kam die Botschaft, dass überall ein großer Jubel herrschte. „Christian hat seinen Kofferraum voll Sekt gepackt und ist damit an die Grenze gefahren,“ erzählte eine Freundin. Und als wir ein paar Tage später nach Hause kamen, waren Jubel und  Freude immer noch nicht verklungen. Unser Kneipenwirt hatte zwei Busse organisiert, die uns nach Rostock fahren sollten. Diese Busse waren im Nu ausgebucht. Hans und ich saßen auch darin. Und ich habe nie vergessen, dass der Rostocker Marktplatz, als wir ankamen,  voll von Menschen war, die uns begrüßten. Ihr habt auch dazugehört. Und Ihr habt uns eingeladen, mit in Eure Wohnung zu kommen. Zur großen Freude von Hans seit ihr mit uns im  Trabi nach Warnemünde gefahren.

Nach diesem Besuch ist der Kontakt zwischen uns nie abgebrochen. Über das, was ihr verloren und gewonnen habt, haben wir gesprochen. Als beispielhaft habe ich es empfunden, wie Ihr für den Familienzusammenhalt gesorgt habt. Ihr konntet kein Eigentum erwerben so wie wir im Westen. Aber Eure Kinder hatten nach der Wende die Chance dazu und haben sie ergriffen. Immer unterstützt von Euch, wenn es darum ging, Alltagsprobleme zu bewältigen. Heute lebt Ihr immer noch in der Mietwohnung aus der DDR-Zeit. Inzwischen gehört Ihr zu dem guten Geist des Hauses. Ihr pflegt den Garten. Ganz ohne Auftrag.

Ihr habt nie vergessen, uns zum Geburtstag zu gratulieren und unser Besuch bei Euch war auch immer willkommen. Daraus wurden 25 Jahre gelebte Wiedervereinigung. Wir haben in kaum einem anderen Bundesland so liebe Freunde.

Danke dafür.

Eure Hans und Helga

Die Antwort  – nur ein paar Stunden später

Liebe Helga und lieber Hans !

Heute mal eine kleine Brise aus Rostock. Danke für Eure lieben und zu Herzen gehenden Zeilen. Ja, wie aufregend waren doch all diese Monate bis es soweit war, dass wir uns alle in die Arme fallen konnten. Wir wollen vor allem an die vielen Menschen denken, die bei uns gewagt haben auf die Straße zu gehen und an die großen Politiker , die es dann in der Folge zur Wiedervereinigung umgesetzt haben.

Wir werden auch den Tag nicht vergessen, wie wir beide mit meinem Schwager und meiner Schwester im Skoda das 1. Mal nach Lübeck gefahren sind. Starker Verkehr in beiden Richtungen und ein Jubeln und Winken , dass mir am Abend die Arme vom Winken weh taten. Aber wir waren alle glücklich. dass es nun wieder ein Deutschland war. Auch unser Kennenlernen auf dem Rostocker Markt , die Fahrt mit dem Trabi nach Warnemünde und die ganzen 25 Jahre danach mit Euch möchten wir auch nicht mehr missen. Es waren immer schöne Tage und wir konnten uns über alles unterhalten, ohne dass irgend wo einer stand , den man nicht sehen konnte!! Wir können auf alle Fälle sagen – eine echte Freundschaft durch die Einheit , die bis heute gehalten hat. Wir wollen es auch weiter so halten und haben dabei nur einen Wunsch, dass wir alle weiter schön gesund bleiben, denn dass ist der größte Schatz, den wir in unserem Alter besitzen können. Wir sagen immer, was nutzen mir Reichtum, Geld und Gut, wenn ich krank bin – gar nichts.

Zum Tag der Einheit ( so kann man sagen) haben wir eine wunderschöne Busreise nach Bad Dürkheim in der Pfalz vom 20.-26.9. gemacht. Ein tolles Hotel (80 Zimmer, 40 Angestellte und ein super angelegter Japanischer Garten am Hotel) .Im großen Teehaus in diesem Garten wurden wir vom Chef des Hauses mit einem Glas Sekt begrüßt. Solche großen Kois in einem Teich haben wir noch nicht gesehen – und so hübsche Farben. Tolles Essen am Morgen und zum Abend. Es waren noch im Programm: ein Rundgang in Bad -Dürkheim, eine Fahrt nach Worms, Speyer und Heidelberg.

Ich habe das noch mit zum Schluß geschrieben- wo hätten wir das ohne unsere liebe Einheit machen können? Übrigens, die Weinstraße. ist 80 km lang. Wir haben sie nördlich und südlich befahren. Wein ,Wein so weit das Auge sehen konnte. Auch eine Weinprobe war mit drin und am Ende auch etwas lustig. So, morgen trinken wir einen auf die Einheit und denken dabei aneinander und grüßen Euch beide recht herzlich.

Traudchen und H o r s t aus dem schönen Rostock.

Schlagwörter-Wolke