Für Johanna und Johann zum Geburtstag

Freitag, 28. August. Heute hat meine jüngste Enkelin Johanna Geburtstag. Es ist ihr siebter. Sie ist genau an dem Tag geboren, an dem auch unser deutscher Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe 1749 auf die Welt kam. Die Süddeutsche Zeitung erinnert heute daran, dass Goethes Geburtstag noch lange nach seinem Tod (1832) gefeiert wurde. Heute nicht mehr. Wenn meine Informationen stimmen, bekommt Johanna in der Schule nur noch wenig von Goethe zu hören. Seine Sprache ist nicht mehr verständlich. Im Deutschunterricht haben andere Themen Vorrang. So habe ich noch mit meinen Klassenkameradinnen sein Trauerspiel Egmont mit verteilten Rollen gelesen. Auch  über seine schönsten Gedichte haben wir gesprochen und die Wahlverwandschaften gelesen.

Seine Literatur soll nicht mehr verständlich sein? Johanna, wie findest du dieses Gedicht? Das verstehst du doch?

Woher sind wir geboren?

Woher sind wir geboren?
Aus Lieb.
Wie wären wir verloren?
Ohn‘ Lieb.
Was hilft uns überwinden?
Die Lieb.
Kann man auch Liebe finden?
Durch Lieb.
Was läßt nicht lange weinen?
Die Lieb.
Was soll uns stets vereinen?
Die Lieb.

Anmerkung für Mama und Papa: Ich habe den Titel geändert. Richtig muss es heißen: „An Charlotte von Stein“. Erinnert ihr euch, welche Rolle die Dame in Goethes Leben gespielt hat?

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„Viel Rummel mag sie gern“

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Das ist Pudeldame Kreva. Neun Jahre alt. Ich bin ihr auf der Sail in Bremerhaven begegnet. Betreut und geschoben von ihrem Frauchen. 81 Jahre alt. „Kreva braucht Unterhaltung. Rummel mag sie gern“, erzählte mir ihre Besitzerin, gestützt auf ihren Rollator. Und wie man sieht, geht es Kreva gut: Sie sitzt weich und luftig, vor sich ein gut gefüllter Trinknapf. Um sie herum so viele Menschen wie noch nie, denn am Ende waren es über eine Million Besucher, die sich das große Schiffetreffen (12.-16. August) angesehen haben.

Segelschiffe aus aller Welt in Bremerhaven

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Ich war wieder unterwegs. Gestern war mein Ziel Bremerhaven , denn dort fand die  Sail Bremerhaven 2015  statt. Wer nicht viel weiß vom Leben auf See, kann sich darunter vielleicht nichts Besonderes vorstellen. Doch ich wusste, was mich erwartet: Über 200 stolze, große Segelschiffe  aus aller Welt, zu bewundern und zu besichtigen in drei Häfen.  Und wieder habe ich Herzklopfen bekommen, von dem was ich sah:  Alle Segler, die in den Häfen lagen, waren der Beweis von großer Schiffbauerkunst und  Ausdruck von Schönheit. Gesegelt von Mannschaften, die sich von überall auf der Welt auf den Weg nach Bremerhaven gemacht haben. Und das auch noch: Einige Großsegler auf der Sail sind einst auf Werften in Bremerhaven gebaut worden.

Eine Trauerfeier ohne Trost

Birgit ist tot. Sie war meine Nachbarin. Sie ist 76 Jahre alt geworden. Sie hatte Lungenkrebs. Das sollte aber keiner wissen. Birgit wollte ihren Tod mit sich alleine ausmachen. Ein paar Tage vor ihrem Tod habe ich sie noch gesehen. Sie wurde auf einem Stuhl aus dem Haus getragen und in einen Krankenwagen gesetzt. Sie sah freundlich aus. Wie immer. Sie hat gewinkt.

Dann machte die Nachricht von ihrem Tod die Runde. Gestern hat in einem Beerdigungsinstitut die Trauerfeier stattgefunden. Rund achtzig Familienmitglieder, Freunde und Bekannte hatten sich für Birgit auf den Weg gemacht. Ihr Sarg stand vor einem großen bunten Fensterbild,  geschmückt mit Blumen und Kränzen. Ich begriff: Birgit hatte keiner Kirche angehört.  Sie war zwar mit mir konfirmiert worden, muss aber irgendwann der Kirche den Rücken gekehrt haben.

So kam zu Birgits Trauerfeier auch nicht der Pastor der Gemeinde, sondern eine Trauerrednerin. Sie trat in einem zerknitterten weißen Sommerkleid hinter das Mikrofon, um den Hals einen grünen dicken Schal,  modisch zu einer Rolle verschlungen. Bevor sie ihre Trauerrede begann, schaltete sie die Musik ab, um sie dann, nach der ersten Hälfte ihres Berichtes,  wieder einzuschalten, denn wir – die Trauergäste –  sollten uns ein paar Minuten  unsere eigenen Gedanken machen. Stehend. Dann erfuhren wir den zweiten Teil des Lebensberichtes . Am Ende wurden wir wieder aufgefordert, uns zu erheben und die Trauerrednerin sprach einen Text, der sich wie ein Gebet anhörte. Aber er schloss nicht mit einem Amen. Die Trauerrednerin fand ihren eigenen Schluss. Sie verließ mit langsamen Schritten den Raum, und wir folgten ihr. Am Sarg vorbei. Kein Hinweis, ob Birgit in ihrem Sarg beerdigt wird oder in einem Krematorium verbrannt wird. Kein Segenswunsch war zu hören.

Ein bisschen verloren standen wir später auf der Straße. Mich hat diese weltliche Trauerfeier traurig gemacht. Traurig, weil Birgit in  ihrem Sarg allein zurück blieb, ohne Fürbitte und Segen. Ungesagt blieb auch, wo ihr Grab sein wird. Dafür hat sie uns ihren eigenen Trost mit auf den Weg gegeben. In ihrer Traueranzeige stand ein Spruch von Konfuzius:

Leuchtende Tage.

Nicht weinen, dass sie vorüber.

Lächeln, das sie gewesen.