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Archiv für Juli, 2015

Ein paar Sommergeschichten

Über Essen und Trinken und griechische Weisheit auf einer Serviette

Im Biergarten

Ich sitze in der zweiten Reihe. Die meisten Gäste sind jünger als ich. Ich war schon oft hier und kann nun in Ruhe zuschauen, was um mich herum passiert.

Ein Paar setzt sich in die erste Reihe, freier Blick auf die Weser garantiert. Beide sind jung und schön. Und voller Disziplin: Sie ißt einen Brezel und trinkt in sechzig Minuten ein Bier. Er ißt eine Bratwurst und trinkt in sechzig Minuten auch nur ein Bier.

Das zweite Paar. Auch jung und schön. Aber ein bisschen anders: Sie guckt ihn liebevoll an als er ihr einen Wein, ein Wasser und einen Teller mit Hähnchensalat bringt. Er trinkt Bier und gibt sich mit einer Bratwurst zufrieden.

Einfach stumm. Dann fällt mein Blick auf ein ganz normales Paar. Er liest in einem Magazin, und sie isst stumm ihren Teller leer. Er liest und liest, während die Fähren hin und herfahren, Segler aufkreuzen und Binnenschiffe vorbei schieben. In welcher Welt mögen diese beiden wohl leben?

In meinem Ferienort

Beim Griechen. Die Griechen schimpfen gerade auf die Deutschen, am liebsten auf unsere Bundeskanzlerin und ihren Bundesfinanzminister. Nicht alle wollen einsehen, dass sie über ihre Verhältnisse  gelebt haben, weil ihre Politiker sie dazu verführt haben. Nun sollen sie sparen. Und das wollen ihnen ausgerechnet die Deutschen beibringen? Der griechische Restaurantbesitzer, bei dem wir gerade essen, hat eine bessere Antwort gefunden und hat sie auf seine Servietten drucken lassen. Unter der Karte von Griechenland lese ich dieses Zitat aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.:

Das Weltbild:

„Mit sichtbaren Zeichen“, erinnert Perikles die Athener, „zeigen wir wahrlich keine Macht den heutigen und den Künftigen zur Bewunderung,

wir brauchen keinen Homeros mehr als Sänger unseres Lobes

noch wer sonst mit schönen Worten für den Augenblick entzückt.

In der Wirklichkeit hält der Schein nicht der Wahrheit stand.“

 

Eine politische Botschaft auf einer Papierserviette. Das gefällt mir.

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Jetzt haben Bremer Schulkinder und Lehrer Ferien

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In Bremen und Niedersachsen haben die Schulferien begonnen. Mit zum schönsten Freizeitvergnügen gehört es hier im Norden,  mit einem Schiff  (hier die VERANDERING) auf Tour zu gehen. Einen schönen Eindruck, wie Sommerferien vor rund hundert Jahren verbracht wurden, kann man hier nachlesen: Strohwitwerzug und Kinderkolonie. Berlin macht Ferien 1900.

http://textilegeschichten.net/

Sommerspaß in Vegesack

5000 bunte Bälle kullerten durch die Fußgängerzone – Wie eine Idee für Vergnügen sorgte

Der Lions Club Bremen-Lesmona  hat kürzlich mit einer guten Idee für viel Spaß in der Vegesacker Fußgängerzone gesorgt. Am Anfang stand der Wunsch, Geld für einen guten Zweck zu sammeln.  Aber wie? Etwas Neues sollte es sein.  Einfach zu verstehen sollte es sein. Viele sollten Spaß dabei haben. Ja, und dann war sie plötzlich da, die Idee:

Wir machen aus  der Reeder-Bischoff-Straße in Vegesack eine Rollbahn für kleine, bunte Plastikbälle. Die Fußgängerzone ist leicht abschüssig. Das müsste funktionieren. Für jeden Ball vergeben wir eine Nummer, für die man zwei Euro zahlt und – wenn man Glück hat – einen Gewinn bekommt.

Aber woher die Gewinne nehmen? Die Einzelhändler aus der Umgebung werden um Spenden gebeten. Gut gedacht, denn die freundlichen Kaufleute stellten 387 Gewinne im Wert von 3500 Euro zur Verfügung. Hauptgewinn: Ein Fahrrad. Und weil die Mitglieder und Mitgliederinnen des Lions-Clubs wussten, dass gute Ideen nicht immer funktionieren, ließen sie zur Probe eine handvoll Bälle die Straße herunterkullern – und siehe da – die Bälle rollten und rollten ohne Pause die ganze Straße hinunter….

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Am Tag des Wettbewerbs waren es aber nicht nur ein paar Bälle, die ausgeschüttet wurden, sondern ein ganzer Anhänger mit 5000 Bällen. Und die rollten gar nicht gerade die Straße hinunter, sondern verteilten sich überall hin, vor Geschäftseingänge, unter Kaffeestühle und zwischen die Beine der zahlreichen Zuschauer und Wettbewerbsteilnehmer. Doch wie das Foto zeigt, gab es genug Helfer und Helferinnen mit Besen, die die Bälle auf den rechten Pfad brachten. Am Straßenende  mussten sich alle bunten Kugeln durch einen Trichter quetschen, denn wie sonst hätte man die 1800 Lizenzen, die verkauft wurden, gerecht verteilen können?

Die Spendensumme bekommt der Förderverein Stadtgarten Vegesack. Das Geld für den guten Zweck wird der Verein für ein neues Spielgerät ausgeben.

Wie waren wir doch damals lieb……

Meine Freundin Elke weiß, dass ich gern  schreibe und ständig nach Themen suche. Neulich hat sie  mir  ein  dünnes Heft in die Hand gedrückt. „Ist das nicht Stoff für dich? Der Inhalt passt zu unserem Thema ‚Wie es damals war‘. Das Heft wurde  in der Handelsschule an uns Mädchen verteilt.“

Und was sehe und lese ich auf dem blauen Umschlag?  Das halbe lächelnde Gesicht einer jungen Frau, ihren makellosen Körper in Gymnastikposen und eine griechische Schönheitsstatue.

Der Titel: „So gefällst Du mir…Gespräch mit einem jungen Mädchen über Schönheit und Gesundheit“.

Autor: Dr Heinz Graupner.

Ach nee. Bitte kein Gesülze aus den fünfziger Jahren. Daran war ich selbst beteiligt. Das „Gutmenschentum“ ist auch in  meinen Artikeln  in unserer Schülerzeitung heute noch deutlich herauszulesen. Aber gut. Ich verspreche eine Leseprobe zu machen. Die ist nun  fertig. Das ist meine Zusammenfassung:

In fast zwanzig Kapiteln (ohne Inhaltsverzeichnis) gibt Dr. Graupner einem jungen Mädchen Ratschläge für seine Schönheit und Gesundheit. Einen breiten Raum nimmt die Beschreibung des weiblichen Körpers ein. Der Autor erklärt genau, wie die Keimdrüsen arbeiten, er beschreibt den Weg des Eis in die Gebärmutter und erklärt die Regel, die entsteht, wenn das Ei sich nicht mit einer männlichen Keimzelle verschmelzen kann..

Über Sex wird an keiner Stelle geredet. Männer spielen keine Rolle. Dafür rät der Autor davon ab, zuviel Sport zu treiben. Rekordjagt hält er für ungesund. Dafür findet er, dass Gymnastik als die körperlich-seelische Grundschule der Frau gelten kann. Immer schön Zähneputzen ist auch wichtig. Hohe Absätze sind ungesund und Fußnägel rund schneiden ist  gefährlich…

So, das reicht. Ich komme zum Schluss und zitiere den letzten Absatz aus dieser freundlichen, harmlosen Schrift :

Heranreifende Mädchen stehen dem Rhythmus des fraulichen Lebens zunächst oft ratlos gegenüber. Deshalb sind sie dankbar für jede taktvolle Hilfe, die ihnen den gefahrlosen Weg zeigt über alle Hemmnisse gewisser Tage hinweg zur Lebensbejahung und Freude. Die millionenfach bewährte Camelia-Hygiene ist die sichere Brücke, um ihnen immer – ja auch dann – jene bezaubernde Unbekümmertheit zu bewahren, die Backfische zu so beneidenswerten Menschenkindern macht.“:

Ganz klar: So bescheiden – wie hier Camelia – macht heute niemand mehr Reklame für sich. Das ist alles heile Welt von Gestern.

Sorry, Elke, leider kein Thema, zu dem ich Lust habe. Buche es unter „Freundschaft“.

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Mädchenwelt in den fünfziger Jahren: Gymnastik ist gesund und macht schön…..

Aus dem besprochenen Heft.

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