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Archiv für Juni, 2015

Ein Sonntag voller Überraschungen

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Ausstellung eröffnet. Ulla Deetz zeigt ihre neuen Arbeiten im „Haus am Wasser“ – An der Vegesacker Weserpromenade

Das war ein schöner Sonntag, denn alles, was mir begegnete, fügte sich an diesem Tag zu einem guten Ganzen zusammen. Die Langeweile, die sich gerade um mich herum aufgebaut hatte, verscheuchte als erste Ulla Deetz, die mich zu ihrer Ausstellungseröffnung im  „Haus am Wasser“, direkt an der Vegesacker Weserpromenade, eingeladen hatte. Ihre  dreizehn neuen Arbeiten waren auch diesmal keine gemalten Bilder im herkömmlichen Sinn, sondern „Geschichtungen“. Was das bedeutet? Ulla Deetz sammelt Material, schichtet es und lässt dabei ihre Erinnerungen fließen. Durch ihre Titel konnte ich mich gut in ihre Arbeiten hineinversetzen. Besonders angesprochen fühlte ich mich durch ihre beiden Bilder „Unterwegs I“ und Unterwegs II“. Die passten zu diesem Sonntag, an dem an Flucht und Vertreibung weltweit in  Vergangenheit und Gegenwart erinnert wurde. Ulla Deetz hatte meine Erinnerungen in Bilder verwandelt.

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Ulla Deetz: „Unterwegs I“, 2015, Tinten, Papier, Strukturpaste, Pastell auf Leinwand, von altem Lehrmaterial

Bei uns angekommen

Draußen, vor dem Eingang, kam es für mich zu einer zweiten guten Begegnung. Dort saßen Djamal Ali und Jagroof Singh und spielten auf ihren Trommeln afrikanische Musik. In einer Pause erzählten sie mir ein bisschen aus ihrem Leben. Djamal Ali stammt aus Togo. Er lebt seit fünf Jahren in Deutschland, fühlt sich wohl und will hier bleiben. Jagroof Singh kommt aus Indien und lebt ebenfalls seit fünf Jahren in Deutschland. Auch er hat hier Fuß gefasst. Beide haben zusammen gerade eine Musikgruppe gegründet, die sie „Rolling Souls“ genannt haben. Sie wollen Konzerte für Kinder geben.

Zwei junge Männer, die hier gut angekommen sind und sich um Kinder kümmern. Das war die zweite gute Begegnung an diesem Sonntag für mich.

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Mehr über Ulla Deetz:

https://kleinebrise.wordpress.com/2012/05/02/mein-ausflug-an-die-elbe/

https://kleinebrise.wordpress.com/2013/06/09/zwei-kunstler-in-einem-leeren-haus/

 

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„Vergessen haben wir nichts“

Zum ersten Mal: „Gedenktag für Opfer von Flucht und Vertreibung“

Heute, am 20. Juni 2015, wird in Deutschland zum ersten Mal der Gedenktag für alle Deutschen begangen, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden und in der Bundesrepublik und der ehemaligen DDR  ein neues Zuhause fanden (finden mussten). Die meisten kamen aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien und Böhmen. Der Zufall  wollte es, dass ich mich gerade gestern mit ein paar ehemaligen Klassenkameradinnen getroffen habe.

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Meine Schulklasse 1950. Wer von diesen Mädchen wurde im Krieg aus seiner Heimat vertrieben? Damals wurde darüber nicht geredet.

Man blieb unter sich

Zuerst haben wir Ehemaligen uns über Enkelkinder, Reisen und Krankheiten unterhalten. Dann brachte jemand den neuen Gedenktag ins Gespräch und schon folgte mein Eingeständnis: „Es tut mir heute leid, dass ich nie gefragt habe, wo ihre alle herkommt. Die meisten von euch waren doch sicher Vertriebene?“ Waltraud und Edith nickten. Ihre Mütter waren mit ihnen und ihren Geschwistern aus Schlesien geflüchtet und schließlich in Bremen gelandet. Ediths Mutter war offensichtlich eine „Macherin „, denn beide Töchter erinnerten sich,  dass Ediths Mutter immer schnell herausfand, wo es Hilfsmöglichkeiten für Flüchtlinge gab.

Meine Erinnerungen gingen in die andere Richtung, denn meine Familie musste nicht flüchten, auch den Bombenkrieg auf die deutschen Großstädte erlebte sie nicht mit. Dafür beobachtete ich, wie die Erwachsenen Kinderbetten zusammensetzten und in Zimmern verteilten, um den Behördenvertretern klar zu machen, dass in ihren Wohnungen kein Platz für Flüchtlinge war. Doch ich erinnere mich auch, dass in unsere Wohnung in W. Flüchtlinge eingewiesen wurden. Meine Mutter hat mir damals ein gutes Beispiel gegeben, denn sie hat den Flüchtlingen Bettzeug und Handtücher geschenkt. Schwierig wurde es für sie, als sie plötzlich ihre Küche mit Fremden teilen musste. Doch  das haben die Erwachsen wohl gemeistert, denn ich kann mich nur an ein fröhliches Chaos erinnern, nicht an Streit.

Mehr Erinnerungen an persönliche Begegnungen habe ich nicht. Freundinnen fand ich nur in Familien, die auch meine Eltern kannten. Zufall?  „Das bedaure ich heute,“ sagte ich zu Waltraud, die neben mir saß. Sie sah mich aufmerksam an. „Dann hast du auch nicht gewusst, dass ich bis zum Abitur in einem Zimmer mit meiner Mutter und Tante schlafen musste?“ Nein.

Danach war das Treffen zu Ende.

Zugleich mit dem „Gedenktag für Opfer von Flucht und Vertreibung“ wird auch der „Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen“ begangen. Dieser Gedenktag fand 2001 zum ersten Mal statt. Der Bundespräsident hat heute zu beiden Erinnerungstagen  im Deutschen Historischen Museum in Berlin eine Rede gehalten.

Das ist „leichte Sprache“

Kein Behörden-Deutsch  /  Wort-Ungetüme gibt es nicht

Ich bekomme regelmäßig Nachrichten von der Senatspressestelle in Bremen. Ich kenne diese Nachrichtenquelle, weil ich in meiner Zeit als Redakteurin  den Dienst gern genutzt habe. Und ich nutze die Informationen immer noch, weil ich auch Artikel für den Bremer „Seniorenlotsen“ schreibe.Heute ist mir aufgefallen, dass man die Artikel von der Senatspressestelle auch in Leichter Sprache aufrufen kann.

Leichte Sprache? Was ist das? Die Idee stammt aus den USA. Dort „übersetzt“ man Texte in einfache Sätze, die auch von „Menschen mit Beeinträchtigungen“ verstanden werden.

In Deutschland gibt es seit 2006 das “ Netzwerk  leichte Sprache“. In Bremen ist  das Büro der „Lebenshilfe Bremen e.V.“ federführend, das zum Beispiel Übersetzungen  für Mietverträge, Arbeitsverträge oder Gebrauchsanweisungen anbietet. Alle wahlberechtigten Bremer und Bremerinnen haben übrigens die leichte Sprache gerade kennengelernt, denn die Wahllisten zur Bürgerschaftswahl im Mai waren in leichter Sprache verfasst.

Auch Bremer Behörden benutzen inzwischen die leichte Sprache. So kann man im Internetauftritt der Senatspressestelle die Rubrik „Leichte Sprache“ anklicken und bekommt sofort die Übersetzung.

Hier als  Beispiel die Startseite der Senatspressestelle. Zuerst der Originaltext. Sachlich und kurz. Danach die „Übersetzung“. Schlank und lang.

Das Original

Herzlich willkommen

Wir haben mit dieser Internet-Präsenz ein Angebot erarbeitet, das zum einen informativ für die Bürgerinnen und Bürger ist. Zugleich soll es die alltägliche Arbeit der Journalistinnen und Journalisten erleichtern.

Nachstehend sehen Sie die aktuellsten Pressemitteilungen. Es besteht eine Recherche-Möglichkeit in allen Pressemitteilungen rückwirkend bis in das Jahr 1999 nach Themen, Ressorts und Schlagwörtern. Hier finden Sie eine Auflistung der Ansprechpartner in den Senatsressorts und hier stellt sich auch meine Abteilung, die Senatspressestelle, vor.

Gerne möchte ich Sie ermutigen, mit mir in Kontakt zu treten. Ich freue mich über Ergänzungswünsche genauso wie über konstruktive Kritik!

Hermann Kleen
Sprecher des Senats
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Die Übersetzung in „Leichte Sprache“

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