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Archiv für Januar, 2015

Ich war heute Nacht in der Kunsthalle

Kein Krimi – Ein Besuch im Internet – Was online möglich ist

Es ist Sonntagnacht, 1.30 Uhr. Ich bin nicht müde. Früher war das die schönste Partytime. Heute muß ich mir mein Vergnügen zu dieser nachtschlafenden  Zeit selber machen. Gut geeignet dafür ist mein  Tablet, denn über Google kann ich die ganze Welt erreichen.

Heute will ich in Bremen bleiben. Doch wohin soll ich mich bewegen? Mir fällt ein, dass die Sammlung der Kunsthalle jetzt auch online zugänglich ist. Kann ich tatsächlich alle Gemälde und Skulpturen, die in  dem großen Haus gezeigt werden, zu jeder Tages- und Nachzeit ansehen? Ich hole mir die Adresse und – siehe da- es funktioniert! In das Suchfeld gebe ich „Overbeck“ ein. Ich denke dabei an das Gemälde „Die Findung Mosis“, vor dem ich häufig gestanden habe, weil mich die Geschichte von der Rettung des neugeborenen jüdischen Jungen durch die Tochter des Pharaos immer wieder anrührt und weil sie vom  Maler Johann Friedrich Overbeck besonders schön in Szene gesetzt wurde. Weil ich den Namen ohne Vornamen eingegeben habe, bietet mir die Kunsthalle in ihrer Trefferliste 16 Künstler und Künstlerinnen an, die für meine Suche in Frage kommen könnten. Doch ich weiß sofort, wen ich suche und schon  habe ich das Gemälde vor mir auf dem Bildschirm! Es ist Sonntag, 2 Uhr nachts!

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Friedrich Overbeck , Die Findung Mosis ,1823, Öl auf Holz, 44x59cm, Copyright: Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen/ Foto: Lars Lorisch.  http://www.kunsthalle-bremen.de/sammlung/online-Katalog/

Wenn ich wollte,  könnte ich mir jetzt Meisterwerke aus über 600 Jahre Kunstgeschichte ansehen. Ein Werk will ich mir noch holen. Es ist Pablo Picassos „Sylvette“. Die Trefferliste zeigt mir 49 Ergebnisse, doch eine gute Abbildung ist nicht dabei. Ich erinnere mich: Für Sylvette gilt noch das Urheberrecht. Das Bild darf nicht in seiner ganzen Größe und Schönheit veröffentlicht werden. Um es zu sehen, müsste ich in die Kunsthalle gehen.  Das, finde ich, ist ein guter Schluss für meinen nächtlichen Besuch in der Kunsthalle: Kunst online ist kein Ersatz für das Original im Museum.

Drei  Frauen retten ein Baby

Die Geschichte zu dem Bild

Vor einigen Jahren habe ich in einer Kindertagesstätte Kindern Geschichten aus dem Alten Testament erzählt. Ich habe die Geschichten in meinen Worten erzählt und dazu Bilder gezeigt, damit das Geschehen anschaulich wurde. „Die Findung Mosis “ haben wir uns auch immer zusammen angesehen. Das ist meine Geschichte dazu:

Moses hat vor vielen, vielen Jahrn gelebt. Es gibt in der Bibel viele Geschichten über ihn. Als Moses geboren wurde, lebten schon viele Menschen auf der Erde. Nicht jeder hatte einen guten Platz zum Leben und zog darum umher, um Arbeit zu finden. Viele kamen nach Ägypten. Doch diese Fremden waren dort nicht gern gesehen, denn man verstand ihre Sprache nicht. Und als es immer mehr wurden, fürchtete man sich sogar vor ihnen. „Wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie gegen uns kämpfen“, sagte der König. Und er befahl seinen Untertanen, diesen Fremden das Leben so schwer wie möglich zu machen: Sie mussten die härtesten Arbeiten verrichten und niemand hatte Mitleid mit ihnen, wenn sie bei der Arbeit krank wurden oder vor Erschöpfung umfielen. Doch der König wurde noch grausamer, denn er sagte: „Alle Söhne, die in meinem Land geboren werden, werft in den Nil, aber alle Töchter lasst leben.“

Auch Moses Eltern waren keine Ägypter. Sie hatten Angst, dass auch Moses, der gerade geboren war, sterben sollte und darum versteckten sie ihn. Doch nach drei Monaten glaubte seine Mutter nicht mehr, dass das Versteck sicher war. Und so machte sie ein Körbchen aus Rohr, legte den kleinen Moses hinein und ließ das Körbchen den Nil hinuntertreiben, genau zu dem Platz, wo die Tochter des Königs jeden Tag mit ihren Freundinnen badete. Moses Schwester ging am Ufer mit, um aufzupassen, dass ihrem kleinen Bruder nichts passierte. Und tatsächlich, alles kam so, wie es die Mutter von Moses sich erträumt hatte:

Die Prinzessin fand den Korb mit dem Baby und sie war gut zu dem Kind. „Es ist ein Ausländer-Kind“, sagte sie zu ihren Freundinnen. „Es ist bis hier her geschwommen und soll darum leben. – Es ist hungrig. Es muß gestillt werden. Kennt jemand eine Frau, die stillen kann?“ Da meldete sich Moses Schwester: „Ich kenne eine Frau“, sagte sie, „soll ich die holen?“ „Lauf schnell“, sagte die Prinzessin.“ Und nimm das Baby gleich mit.“ Und das Mädchen nahm Moses und brachte ihn zur Mutter. Dort blieb Moses, bis er laufen konnte. Dann brachte ihn seine Mutter zur Prinzessin in den Palast, denn nun wollte die Prinzessin weiter für den kleinen Jungen sorgen.  

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Ganz frisch aus der Kamera

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24. Januar 2015. Am Weserufer. Bremen ist zum ersten Mal in diesem Winter weiß. Einen Tag später war die ganze Schönheit schon wieder geschmolzen.

Einladung zum „Tag der Komplimente“

Erster Termin:  24. Januar  2015 /  Zweiter Termin: 1. März 2015

Tatsächlich, das gibt es: Zwei Feiertage, an denen man seinen lieben Mitmenschen etwas Freundliches sagen sollte. Warum zwei Tage? Eine Antwort darauf habe ich nicht gefunden. Nur dies: Auf die Idee gekommen, solch einen Tag zu proklamieren, sind 1998  zwei US-Amerikanerinnen. Sie haben dafür den 24. Januar bestimmt. Das zweite Datum tauchte 2003 in Europa auf und wurde zum „World Compliment Day“ erklärt. Das ergibt natürlich einen schönen Spielraum, um diese Tage gut zu nutzen. Mein Vorschlag: Den 24. Januar nehmen wir als Übungstag, damit wir am 1. März (noch fünf Wochen bis dahin), für jeden lieben Menschen, der uns über den Weg läuft, das passende Kompliment auf der Zunge  haben.

Wer bis hier gelesen hat (Kompliment!), fragt sich jetzt vielleicht auch, wie man Kompliment am besten erklärt? Die ausführlichste Antwort habe ich im 5. Band in Meyers Konversations-Lexikon von 1895 gefunden. Dort heißt es:

Komplimént (franz. comliment, spr.kongplimäng), eine höfliche Ausdrucksweise in Rede oder Schrift, um jemand seine Achtung, Verehrung oder Teilnahme zu bezeugen oder überhaupt etwas Schmeichelhaftes und Angenehmes zu sagen. Die Form des Kompliments wechselte nach Zeit und Nationalität. Seit Ludwig XIV. (1643-1715) hat besonders Frankreich für den größten Teil Europas den Ton angegeben…..

Ein Kompliment wird also nicht nur so dahin gesagt, sondern man kann es auch schriftlich äußern. Ein feiner Platz dafür ist ein Gästebuch. In unserem finden sich ein paar hübsche Beispiele. Mein schönstes Kompilment stammt von drei Makah-Indianern aus den USA. Sie haben am 19. September 1996 geschrieben…..

Helga, thank you so very much for our visit of your home. You are a very kind heartet Lady. May God bless you always.

Die jungen Leute waren auf Einladung von UNICEF nach Bremen gekommen. Ich habe ihnen im Heimatmuseum Schloss Schönebeck gezeigt, wie bis in das 19. Jahrhundert Walfang von der Weser aus betrieben wurde, denn auch ihre Vorfahren haben vom Walfang gelebt. Anschließend waren wir bei mir zu Hause.

Nun zurück zu meiner Einladung, den Tag der Komplimente auszuprobieren. Dafür zum Schluss ein paar Vorschläge:

Alltagstauglich finde ich diese Komplimente: Sie werden von Mal zu Mal jünger……Ich bewundere Sie, wie Sie Ihr Leben gemeistert haben….Sie können stolz auf ihre Kinder sein…….Sie sehen bezaubernd aus…..Ihre Kondition möchte ich haben…

Kein Kompliment für Seniorinnen: Junge Frau, was wünschen Sie?…..

Ab hier sind der Phantasie keine Grenzen mehr gesetzt. Aber wem sage ich das? Senioren wissen meist, wie sie Damen mit ihren Artigkeiten und Schmeicheleien erfreuen, doch sei ihnen an dieser Stelle gesagt, dass alte Damen sich auch noch darüber freuen .

Einen großen Vorteil haben diese beiden kuriosen Feirtage übrigens auch noch: Sie kosten nix! Passende Geschenke werden noch nicht angeboten.

Mein Besuch in der Kulturkirche

Kunstausstellung in St.Stephani Bremen – Eine Galerie in der Kirche

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Zwei ausgemalte Blendbögen

Wir diskutieren gerade über den Islamismus, über die Terrorgefahr, die von ihm ausgeht und werden ermahnt, nur ja nicht den Fremdenhass zu schüren. Warum verwenden wir die gleiche Energie nicht dafür, um zu fragen, warum die christlichen Gemeinden in Deutschland immer kleiner werden? Diese Gedanken kamen mir, als ich in der Bremer Kulturkirche St. Stephani war. Dort wird seit letzten Oktober die Ausstellung Krieg & Frieden – Bogenausmalung in St. Stephanie  gezeigt. Acht Bremer Künstler und Künstlerinnen haben in den gotischen Blendbögen Bilder und Installationen eingefügt, um an die  beiden Weltkriege und ihre Folgen zu erinnern.

Ich hatte Schwierigkeiten, mich auf die Werke zu konzentrieren, denn mir gelang es nicht, das Gefühl, in einer Kirche zu sein   in die Ungezwungenheit umzuwandeln, mit der ich mich sonst in Kunstausstellungen und Galerien bewege. Da nützte es mir auch nichts, dass die Künstler den Kirchenraum für ihre Botschaften genutzt und verwandelt haben. Trotzdem hat sich mein Besuch gelohnt. Er hat mich auf andere Gedanken gebracht.

Die Kulturkirche. St. Stephanie ist als Kirche überflüssig geworden und ein Beispiel dafür, wie Gemeinden sich den Verhältnissen anpassen. Als die Stephani-Gemeinde immer mehr Mitglieder verlor,  entschlossen sich die beiden ehemals selbständigen Gemeinden, St. Michaelis  und St. Stephani, sich zu einer Gemeinde zusammenzuschließen – zur „St. Michaelis – St. Stephani Gemeinde in Bremen“. Aus der ehrwürdigen alten Kirche wurde 2007 die Kulturkirche St. Stephani Bremen, in der aber immer noch regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden.

Die Ausstellung ist – außer montags – täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Letzter Tag: Freitag, 6. Februar 2015.

Die beteiligten Künstler und Künstlerinnen: Tom Gefken, Bogdan Hoffmann, Christian Holtmann, Piotr Rambowski, Gertrud Schleising, Sabine Seemann, Anette Venzlaff und Agnieszka Veto.

Grüße an alle

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Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern alles Gute und Schöne zum neuen Jahr 2015 ! Danke für das Interesse und ein Extradankeschön an alle, die mir Kommentare geschickt haben.

Mein Neujahrsbild heißt „Frühlings-Blüten – Eine Gabe für die junge Mädchenwelt“, das der lieben Annaluise Weihnachten 1908 geschenkt wurde.  Tante Annaluise ( 1896-1970)  war eine gute Freundin für mich. Sie hat nie geheiratet und war finanziell von der Familie abhängig. Am Ende ihres Lebens hat sie in einem schönen Altenheim gelebt. Den Unterhalt bezahlte die Stadt. Ihr Fazit dazu: „ich habe es noch nie so gut in meinem Leben gehabt.“

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