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Archiv für November, 2014

Zum Totensonntag

Ein evangelischer Feiertag

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Im November stehen zwei Sonntage im Kalender, die zum Gedenken an Verstorbene bestimmt sind. Am 19. November war es der Volkstrauertag, an dem an die Opfer von Kriegen und Gewalt erinnert wurde. Am kommenden Sonntag (26. November) denken wir an die Toten, die uns nahe gestanden haben. Wir schmücken ihre Gräber.

Für mich ist das einfach, denn das Grab meiner Familie ist an dem Ort, wo ich lebe. Ich habe es neulich besucht und dabei überrascht festgestellt, dass der Friedhof anders aussieht als noch vor zehn Jahren: Zwischen den Gräbern gibt es Rasenflächen, man kann sich anonym beerdigen lassen, dahinter – auf einer Stele – wird der Name der Person genannt. Mancher Grabschmuck sieht heiter und bunt aus. Auch Familienzerwürfnisse sind dokumentiert: Der Name von XX steht auf der Stele für die anonym Bestatteten, gleich dahinter das Grab seiner Familie, ohne seinen Namen.

Die leeren Gräberreihen weisen vielleicht schon auf einen neuen Trend hin: In Bremen darf man seine Asche seit dem 1. Januar 2015 auf privatem Grund verstreuen lassen. Der Friedhofzwang ist aufgehoben. Die Angehörigen brauchen dafür allerdings vom Verstorbenen eine schriftliche Verfügung mit Unterschrift. Und Behörden müssen auch noch ihre Erlaubnis dazu geben.

Ich frage mich, warum sich Menschen, die sich diese Art der Bestattung wünschen, den Hinterbliebenen, Familie und Freunde, keinen Ort der Trauer lassen wollen? Oder doch? Ganz privat, im eigenen Garten, lässt man seine Asche mit Füßen treten? Der Osnabrücker Bischof Franz Josef Bode mahnte 2014, aus dem Umgang mit Leichen „nicht ein Spiel mit Resten“ zu machen „oder einen Entsorgungsvorgang ähnlich dem Müll“… Ich denke lieber weiter, denn in meinen Unterlagen habe ich einen Brief von einer Versicherung gefunden. In dem Schreiben wird mir empfohlen, eine „Bestattungssicherung“ abzuschließen, „Versicherungssumme bis 20.000 Euro wählbar.“ Vielleicht beantworte ich das Schreiben und bestimme dann, dass von dem Geld ein Shantychor bezahlt wird, der an meinem Sarg singt. Verbrennen lasse ich mich nicht.

 

 

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Trübe Novembertage

 

 Zeit zum Erinnern – Ein Besuch sorgt für Heiterkeit

Schreiben und erzählen bringt mich  manchmal auf neue Gedanken. Eigentlich wollte ich mich hier über den November beklagen: zu dunkel, zu traurig, zu nebelig. Doch wenn ich mir die festen Termine im Kalender ansehe, lässt sich der November in diesem Jahr ganz gut aushalten. Die Katholiken haben dafür allerdings die besseren Voraussetzungen: Ihre Gedenktage Allerheiligen und Allerseelen erhellen sie sich mit viel Kerzenlicht, danach sind sie laut und fröhlich, wenn sie am 11.11. den Karneval eröffnen. Zum Volkstrauertag sind sie dann wieder dabei, denn in ganz Deutschland wird an diesem Tag der Opfer der beiden Weltkriege gedacht. Für die Protestanten gibt es dann noch den Buß- und Bettag, immer am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag. Als Feiertag wurde er vor zehn Jahren in fast allen Bundesländern abgeschafft. Der Totensonntag (Ewigkeitssonntag), der danach folgt, passt auch in den November. Er ist ein Gedenktag für die Protestanten. Die Belohnung folgt am Ende, denn  am 30. November ist in  diesem Jahr der 1. Advent.

Ein richtig gutes Ende für diese Novemberbetrachtung fehlt allerdings noch. Was mich gerade heiter stimmt, passt gut dafür:  Mein Besuch aus Amerika hat mir gestern ein Grabgesteck als Blumengeschenk mitgebracht. Er dachte, dass wäre  Herbstschmuck für die Wohnung. Als er begriffen hatte, was ihm passiert war, musste ich ihn trösten, doch am Ende haben wir zusammen fröhlich gelacht.

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Auf dem Wochenmarkt vor meiner Haustür. Mit diesen Gestecken werden bei uns die Gräber geschmückt.

Bitte, einmal Trabbi fahren

9. November 1989: Meine Erinnerungen an den MauerfallIch war mit meinen Freundinnen in Spanien

Überall wird jetzt an den Fall der Berliner Mauer erinnert. Wie viele andere habe ich noch genau vor Augen, wo ich war, als ich die Nachricht hörte: Das war in einem Hotel in Spanien, wo ich mit meinen Tennisfreundinnen  Urlaub machte. Wir kamen vom Sport zurück, als wir in der Hotelhalle die unglaubliche Nachricht hörten.  Wir rannten auf unsere Zimmer, um mit unseren Männern zu telefonieren. Tatsächlich. Es stimmte. Um 19.05 hatte die Tagesschau die Nachricht veröffentlicht.  Und auch daran erinnere ich mich noch, wie meine Freundin Dorle erzählte:  „Klaus ist schon unterwegs.  Mit dem Auto zur Grenze. Er hat den ganzen Kofferraum voll Sekt.“ Als wir kurz danach nach zurück nach Bremen kamen, stand Deutschland immer noch Kopf.

Die große Freude

Ich werde diese Freude nie vergessen. Der Wirt unseres Lieblingsrestaurants war auch ganz außer Rand und Band.  Er hatte  einen Bus bestellt, der uns nach Rostock fahren sollte. „Ich kenne da welche. Das sind meine Freunde. Die erwarten uns auf dem Rostocker Marktplatz. Wer kommt mit?“  Natürlich alle, die wir um ihn herum saßen. Schon am  nächsten  Tag waren wir unterwegs.  Als wir in Rostock ankamen, war der Platz schwarz vor Menschen. Uns sprach ein Ehepaar an. „Dürfen wir Sie einladen?“. Hoch erfreut willigten wir ein . „Was würden Sie denn am liebsten tun?“ „Bitte, einmal Trabbi fahren.“ Und dann sind wir mit ihnen nach Warnemünde gefahren. Es regnete in  Strömen. Doch uns war fast weihnachtlich zumute. Wir saßen im  Trabbi warm und trocken. Anschließend wurden wir noch in ihre Wohnung zum Kaffee eingeladen.

Ein gutes Ende

Aus dieser ersten Begegnung ist langsam eine Freundschaft entstanden, die nun schon ein Vierteljahrhundert hält. Die beiden Rostocker haben den Umbruch, den der Mauerfall für sie bedeutete, bewunderungswürdig ausgehalten und ihr Leben den Anforderungen angepaßt. Sie leben immer noch in ihrer Wohnung zur Miete. Sie freuen sich, dass ihre Kinder die neuen Freiheiten genutzt  und sich eine Existenz aufgebaut haben.

Immer, wenn wir sie besuchen, zeigen sie uns voller Stolz, was sich  in ihrer Umgebung verbessert hat. Zum Beispiel dies: Die Wohnblöcke zwischen Warnemünde und Rostock haben schöne Fassaden bekommen, und der Zoo ist wirklich einen Besuch wert!

Den Zoo haben sie uns bei unserem letzten Besuch gezeigt. Dort leben in einer historischen Parklandschaft 4500 Tiere aus aller Welt. Im Darwineum, einem Gebäude mit großen und kleinen Lernorten kann man dazu erfahren, wie sich das Leben auf der Erde entwickelt hat.

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Mein Foto zur Erinnerung: Draußen, im Park, habe ich das gelernt: Diese Chileflamingos aus Südamerika sind kälteunempfindlich. Sie können bei uns auch im Herbst und Winter draußen leben. –  Sehen sie nicht hübsch aus im Teich voller Herbstlaub?

http://www.zoo-rostock.de/

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