seniorenfreundlich – norddeutsch – weiblich – alt und jung

Archiv für Oktober, 2014

Man soll Frauen loben…..

Zum Reformationstag: Was Martin Luther vor 500 Jahren gedacht und gesagt hat – Meine Auslese

Es ist Freitag, der 31. Oktober. Hier, in Bremen, ein normaler Freitag, wenn man so will. Die Evangelische Kirche in Deutschland feiert ihn als Reformationstag. Einige Bremer Gemeinden laden abends zum Gottesdienst ein. Ob ich mich auf den Weg dort hin mache, weiß ich noch nicht. Meinen  Martin Luther habe ich nämlich schon gefunden: In dem kleinen Reclam-Bändchen  18802 „Luther zum Vergnügen“. Herausgegeben von Johannes Schilling, der mit seiner Sammlung Lesern und Leserinnen ein sprachliches, ein geistiges, ein intellektuelles Vergnügen bereiten möchte. Das ist ihm mit mir  gelungen
Das sind meine Fundstücke:
Der Mensch ist ein Wesen, zusammengesetzt aus Leben und Tod, Lust und Trauer, Begierde und Überdruss, Liebe und Hass, Vernunft und Torheit.
  • Alle Menschen sind von Natur mehr Nach- als Vordenker, weil alle klug sind , nachdem etwas geschehen ist. Wir alle müssen Lehrgeld geben und aus Schaden klug werden.
  • Stellt euch vor, es gäbe das weibliche Geschlecht nicht. Dann würde das Haus und alles, was zum Haushalt gehört, zusammenstürzen, ebenso die Staaten und Gemeinden. Folglich kann die Welt die Frauen nicht entbehren, selbst wenn die Männer die Kinder selbst gebären könnten.
  • Man soll Frauen loben, sei  es wahr oder gelogen, sie bedürfen es wohl.
  • Es ist kein Rock, der einer Frau oder Jungfrau so übel ansteht, als wenn sie klug sein will. (höhö, Herr Luther!)
  • Kleine Kinder, kleine Sorgen; große Kinder, große Sorgen.
  • Ich habe die Welt satt, wie sie mich auch satt hat. Damit bin ich auch ganz zufrieden. Sie meint, wenn sie mich nur los wäre, so wär es gut; das wird sie schon noch merken.
Mein letzter Satz  stammt natürlich auch von Martin Luther: Wohlan, ich habe euch allen genug geraten, christlich und brüderlich und ehrlich, Gott gebe, das es helfe.
Wohl bekomms!

 
Advertisements

Ich bin Friedhofsgemüse

So ist Jugendsprache: phantasievoll,  respektlos,  kurz und bündig  / Mein Mitschnitt

Neulich habe ich an einer Bushaltestelle gestanden, inmitten von Schülern und Schülerinnen, die sich laut und munter unterhielten – doch ich verstand sie kaum. Ich fand das bemerkenswert und habe mich wieder einmal bei Google schlau gemacht. Unter dem Stichwort Jugendsprache  habe ich eine Menge Wörter gefunden, die ich auch an der Bushaltestelle gehört hatte. Aus dem, was ich behalten habe, ist dieser kleine Text entstanden. Vorsichtshalber habe ich alles zwei Schülerinnen vorgelesen. Sie haben ihr OK gegeben. Nur Parmesanregen war neu für sie, dafür habe ich gelernt, dass Großeltern  auch Friedhofsgemüse genannt werden.

An der Bushaltestelle

Kommste heute mit?

Auf keinsten.

Das ist assig.  Lass uns noch mal telen. YOLO!

ROFL.

Wie fanste die Neue?

Abgefuckt. Voll mit Parmesanregen…

Dann kam der Bus. Ich durfte ungehindert einsteigen und bekam sogar noch einen Platz.

Das ist meine Vokabelhilfe: auf keinsten: auf keinen Fall   assig: doof    telen: telefonieren   Yolo: man lebt nur einmal (you only live once)    ROFL: ich schmeiß mich hin vor lachen (roling on floor laughing)   abgefuckt: verbraucht    Parmesanregen: Schuppen.

Kurze Reise nach Amerika

 Flughäfen rauben einem den letzten Nerv , Kreuzfahrtschiffe nicht

tgb014092701k

Auf dem Kreuzfahrtschiff vor New York.

Ich war zehn Tage verreist. Mit einem Kreuzfahrtschiff.  Mit 2400 Passagieren an Bord. Zweimal New York. Einmal ein Stückchen Kanada und US-Küste. Angefangen in Halifax, fortgesetzt in  Saint John, Bar Harbor, Boston, Newport. Soll das hier jetzt eine lange Reisebeschreibung werden? Nein.  Hier folgen nur ein paar Stichpunkte. Gedacht für Senioren, die gern auf weite Reisen gehen.

Die nützlichen zuerst:

  • Wer in die USA ohne Visum einreist, muss sich seit Januar 2009 vor Abflug  eine ESTA-Registrierung besorgen. Das geht nur über das Internet: https//esta.cbp.dhs.gov. Seit September 2010 müssen dafür  per Kreditkarte 14 US-Dollar bezahlt werden. Mein Reisebüro hat mich darüber frühzeitig und ausführlich informiert. Das war sehr nützlich. Und ich danke meinem Nachbarn, der für mich diese Internetaufgabe gelöst hat.
  • Häufig erwarten die Fluggesellschaften, dass man sich am Automaten selbst seine Bordkarte ausdrucken lässt. Ich habe meinen Koffer in Bremen schon am Vorabend der Reise abgegeben (ja, ja, ich weiß, mein nennt das einchecken). Die Schalter waren menschenleer. Aber ein freundlicher junger Mann war in der Nähe und half mir, die Herausforderung anzunehmen. Ein Glück für mich.
  • Ich bin mit dem Lufthansa Airbus, Economy, geflogen. Von Frankfurt nach New York und zurück. Jedes Mal mit 525 Passagieren an Bord.  Man muss lange beim Aus- und Einsteigen warten. Das strengt an.
  • Mein Koffer ist von Bremen über Frankfurt nach New York und wieder zurück geflogen. Ohne mich. Ist aber jedes Mal pünktlich mit mir angekommen!

Auf dem Kreuzfahrtschiff

Ich bin mit (vermutlich) mit 2400 Passagiern zusammen an Bord. 90 davon sollen Deutsche sein. Leider spricht auf dem Schiff von der Besatzung niemand Deutsch. Dazu ist ihr Englisch mangelhaft (wie meins). Die ganze Besatzung ist ausnehmend freundlich. Ich kann fast rund um die Uhr essen und trinken. Auch Abendessen in zwei großen Restaurants sind im Preis inbegriffen. In sieben anderen Restaurants kann ich mich setzen, wenn ich einen Aufpreis bezahle. Kaffee und Saft sind im Preis inbegriffen. Alkohol nicht (und der ist teuer). Im Fitnessstudio kann ich auf genau dem Fahrrad trainieren, das auch in meinen Fitnessstudio in Bremen steht. Alle anderen Gästevergnügungs- oder Verwöhnangebote nutze ich nicht. Überraschung für mich: auf Deck 6 gibt es ein Casino. In Las Vegas sieht es vermutlich nicht anders aus. Auf diesem Deck bin ich gern, denn hier ist  jeden Abend im Theater Showtime.

Was mir besonders gefallen hat.

tgb014092699cak

  • In New York wird Fahrrad gefahren. Dafür sind breite Streifen auf den Fahrbahnen eingezeichnet. Man kann sogar Räder mieten und an bestimmten Stellen wieder abgeben.
  • Autofahren findet ohne Hupen statt. An Fußgängerüberwegen wird sofort angehalten.
  • In allen Hafenstädten, die wir anlaufen, liegen Friedhöfe mitten in der Stadt. Kriegerdenkmale sind gepflegt. Hinweistafeln an Sehenswürdigkeiten sind nicht durch Schmierereien unleserlich gemacht worden.

Was ich auch noch erzählen möchte:

Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben in Kanada gewesen.

In Halifax. Ich erkunde die Stadt zu Fuß und finde  den Friedhof, auf dem die Toten beerdigt wurden, die nach dem Untergang der Titanic  vor der Küste geborgen wurden. Für jeden einzelnen steht dort ein Grabstein. Die Titanic ist am 14. April 1912 gesunken. Sie war 269 Meter lang und damals das größte Schiff der Welt. Mein Kreuzfahrtschiff ist 294 Meter lang.

Später stehe ich auf einer Anhöhe und finde heraus, dass im Hafen, der vor mir liegt, am 6. Dezember 1917 ein französisches Schiff mit Munition an Bord explodierte.  Mindestens 1635 Menschen starben und 25000 verloren ihr Zuhause. Kanada war erst kurz vorher in den Ersten Weltkrieg eingetreten. Auch dieses Unglück ist in Halifax unvergessen.

In St. Johns amüsiere ich mich. Dort fährt der Touristenbus bis auf eine Anhöhe mit Blick auf den Saint Johns River. Durch den wird die Stadt geteilt, werden wir belehrt (in Bremen teilt die Weser die Stadt, niemand nimmt das besonders wahr). Aber es kommt noch besser. Der Saint Johns River fließt an einer Stelle durch eine schmale Biegung über Stromschnellen aus Felsbrocken. Und diese Stromschnellen drehen sich regelmäßig um, wenn das Wasser aufwärts fließt! Reversing Falls nennt man das. Donnerwetter. Ein Fluss mit Ebbe- und Flut. Wie ich es von der Weser auch kenne.

Danach verlassen wir mit dem Schiff Kanada. Zurück in den USA, müssen  alle Passagiere in der kleinen Hafenstadt Bar Harbor noch einmal ihre Reiseunterlagen vorlegen. Amerikaner sind vorsichtig.

Boston und Newport enttäuschen mich nicht. In Boston verbringen wir viel Zeit mit dem Reiseführer auf dem Gelände der Harvard Universität. Diese alte Eliteuniversität habe ich mir ganz anders vorgestellt. Die Häuser auf dem Campus sind nicht groß und protzig. Sie könnten eher in einer englischen Kleinstadt stehen. „So“, sagt unser Reiseführer am Ende seines Rundgangs, „nun können Sie überall erzählen, dass Sie Harvard besucht haben. Mit dem richtigen Gesicht dazu wird Ihnen das jeder glauben.“

IMG_6090k

Newport ist der letzte Anlaufhafen für unser Kreuzfahrtschiff. Ee ist der Ort, wo sich New Yorker Familien, die Ende des 19. Jahrhunderts durch Eisenbahn- und Schiffslinien  und Ölindustrie reich geworden waren, ihre grandiosen  Herrensitze gebaut haben. Die meisten Häuser werden heute von einer privaten Gesellschaft verwaltet und nicht mehr von  den Familien bewohnt. Ich habe mir Rosecliff  (mein Foto) von innen angesehen. Schlosseinrichtungen in Bayern und Österreich sind nicht schöner. Newport ist auch heute noch ein Paradies.

Ich bin  jetzt fünf Tage wieder zuhause. Die Zeitverschiebung von sechs Stunden ist vergessen. Ich habe sie verschlafen.

 

 

Schlagwörter-Wolke