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Archiv für Juni, 2014

„Flut und Boden“

Per Leo erzählt vom Leben seines Nazi-Opas – Ich kenne die Familie

Mein Kopf ist voller Gedanken. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen Roman gelesen, dessen Inhalt ich in großen Zügen kenne, weil mir fast alle Personen, die darin geschildert werden, schon einmal begegnet sind. Per Leo hat ihn geschrieben. Sein Titel: „Flut und Boden“. Der Roman einer Familie ist im Frühjahr bei Klett-Cotta erschienen und mit viel Lob bedacht worden.

Per Leo hat wenig verschlüsselt. Die prachtvolle alte Villa, in der die Familie lebte, kann sich jeder ansehen, denn die Adresse steht gleich am Anfang der Geschichte. Es ist das Haus Weserstraße 84 in Bremen-Vegesack. Das Haus wurde um 1900 gebaut und hat nichts von seinem Glanz innen und außen verloren.

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Blick aus Nachbars Garten auf den Turm der Leo-Villa. Gemalt von einer Freundin.

Per Leo erzählt die Geschichte seiner Familie, in dem er den Lebensweg seines Großvaters Friedrich Leo beschreibt. Friedrich Leo war Nazi. Vielleicht wäre er erfolglos geblieben, denn er ist ein Schulabbrecher und vermutlich das Sorgenkind der Familie. Doch bei den Nazis macht er Karriere. Er wird Abteilungsleiter im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS. Mit dieser festen Anstellung kann er heiraten und eine Familie gründen. Seine Kinder bekommen schöne deutsche Namen. Im Roman sind ihre Namen durch die Buchstaben M oder W ersetzt. Hinter einem W versteckt sich meine Freundin Elke. Elke war meine Schulfreundin. Über sie habe ich die ganze Familie kennengelernt. Sie zog 1957 von einem Dorf in der Heide zu ihrer Großmutter in der Haus an der Weserstraße. Sie wollte in Vegesack ihr Abitur machen, weil das in ihrem Heimatort nicht möglich war. Auch ich war neu in der Klasse. So freundeten wir uns an.

Die zweite wichtige Person in diesem Roman ist Martin Leo, ein Bruder Friedrichs. Seine Entwicklung verlief anders. Er wurde Wissenschaftler und lebte in der DDR.

Für mich ist das Buch kein Roman im herkömmlichen Sinn. Eher eine Beschreibung der Leben zweier Brüder und ihrer Vorbilder, geprägt durch zwei Weltkriege und zwei Diktaturen. Es ist ein gedankenvolles und manchmal kompliziertes Buch. Wer das Leben in der Nazi-Diktatur verstehen will und sich fragt, wie diese Zeit die Menschen prägte, für den ist dieses Buch ein guter Wegweiser.

 

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Nachkriegszeit in Bremen

Was Kinder erlebt haben – Ausstellung im Bremer Rathaus

Die untere Halle des Bremer Rathauses ist im Augenblick jeden Tag geöffnet, denn dort wird eine Ausstellung des Schulmuseums gezeigt. Ein Besuch lohnt sich ganz besonders für Senioren. Warum? Wer zwischen 1945 und 1960 als Kind oder Jugendlicher in Bremen gelebt hat, kann in dieser Ausstellung in Erinnerungen schwelgen. Zu danken ist das Bremer Schülerinnen und Schülern, die Zeitzeugen nach ihren Erinnerungen gefragt haben.

Dreißig unterschiedliche Lerngruppen haben sich dafür an die Arbeit gemacht. Was die Schüler und Schülerinnen von Großeltern und Nachbarn erfahren haben, wurde auf die unterschiedlichste Art und Weise verarbeitet und in der Ausstellung zu einer eindrucksvollen Zeitübersicht zusammengestellt. Man kann Fotos betrachten, dazu Texte lesen, kurze Filme ansehen und sich in Hörstationen einschalten.

Ich bin 1947 in Bremen eingeschult worden. Überrascht war ich zum Beispiel, dass das Schulessen, das von amerikanischen Soldaten jeden Tag verteilt wurde, auch für andere Kinder eine große Rolle gespielt hat. Auch sie mochten nämlich die Schokoladensuppe am liebsten – so wie ich. Ich kann mich noch heute an das Gesicht der Frau erinnern, die jeden Tag aus großen Kübeln das Essen in unsere Töpfe füllte. Gab es Schokoladensuppe, musste sie aufpassen, dass sie von uns nicht umgeschubst wurde.

Eine schöne Erinnerung war es für mich auch, als ich zwei meiner Kinderspiele entdeckte: Ballprobe und Hinkelapinkel.

 

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Poesiealben gehören ebenfalls zu den Erinnerungsstücken. Hier eine Seite aus meinem Poesiealbum (v0n 1950), das ich aus meiner Erinnerungskiste hervor geholt habe.

Erzählt wird auch von materieller und seelischer Not, die Krieg und NS-Zeit in viele Familien gebracht hat, und wie man damit in diesen Jahren zurechtgekommen ist.

Öffnungszeiten: Täglich von 11 bis 18 Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen, donnerstags von 11 bis 20 Uhr. Öffentliche Führungen: donnerstags um 18.30 Uhr, sonntags um 15 Uhr.

Eintritt frei. Letzter Öffnungstag: Sonntag, 29. Juni 2014.

 

 

Zwei Feiertage

 

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Es ist Pfingsten. Fünfzig Tage nach Ostern feiern die Christen dieses Fest, das auch als Geburtstag der Kirche gilt. In Bremen finden in vielen Kirchen am Pfingstsonntag und -montag besondere Gottesdienste statt. Das Fest wird aber auch als Frühlingsfest gefeiert. In diesem Jahr sollen es zwei schöne Sonnentage werden. Das ist ein guter Grund, um einen Spaziergang zu machen. Ein lohnendes Ziel ist der Stadtgarten in Bremen-Vegesack. Dort blühen jetzt die ersten Rosen und man blickt  von dort aus direkt  auf die Weser und ihre Ufer. Auf dem Foto ist es der Blick in Richtung Bremen. Ein bisschen  weite Welt bekommt man an dieser Stelle  auch geboten, denn oft liegen  vor den Werften große Privatyachten, die hier für Kunden in aller Welt gebaut werden.

Frohe Pfingsten !

 

 

 

 

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