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Archiv für April, 2014

Mein allererstes Lieblingsbuch

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Für „Nesthäkchen“ von Else Ury habe ich geschwärmt – Mein „Welttag des Buches“

Am Mittwoch, 23. April,  ist „Welttag des Buchs und  des Urheberrechts“. Es ist das neunzehnte Mal, dass die UNESCO diesen Tag ausruft. In Deutschland hat die „Stiftung Lesen“ zwanzigtausend  Lesefreunde gefunden, die an diesem Tag  eins ihrer Lieblingsbücher verschenken dürfen.  In Buchhandlungen finden dazu Lesungen statt.

Ich habe mich beim Lesen dieser Meldung gefragt, welches mein Lieblingsbuch wäre? Mir ist keins eingefallen. Nur an meine ersten Lieblingsbücher habe ich mich plötzlich erinnert: Das waren die zehn Bände von „Nesthäkchen“, die Else Ury in den zwanziger Jahren geschrieben hat. Ich habe die Bücher verschlungen. Das  war vor gut sechzig Jahren. Sie gehörten meiner Mutter, die sie als junges Mädchen gelesen hatte. Es waren allerdings nicht alle Bände. Nur die fünf, in denen Nesthäkchen erwachsen wird, heiratet und Kinder bekommt.  Nach dem Krieg wurden die meisten Bände wieder aufgelegt. Den ersten „Nesthäkchen und ihre Puppen“ habe ich zu meinem Geburtstag 1951 von meinen drei Freundinnen Dorle, Elisabeth und Gisela bekommen. “ Zur Erinnerung“, schreiben sie in ihrer Widmung.

Dass wir die Bücher untereinander austauschten, war Ehrensache. Schließlich gab es gleich nach dem zweiten Weltkrieg kaum Bücher. Ich hatte dabei eine Sonderstellung, denn ich war die einzige, die den Band „Nesthäkchen und der (1.) Weltkrieg“ besaß. Ich musste dafür eine Warteliste anlegen und es manchmal auch energisch zurück fordern. Else Ury läßt es Pfingsen 1918 mit einem kurzen Nachwort enden:

…“Mögen es bald die Friedensglocken sein, die Deutschland durchjubeln – das walte Gott!“……Mit diesem Wunsche nehme ich Abschied von euch, meine lieben, jungen Lerserinnen. Auch mancher von euch hat der Weltkrieg wohl, gleich unserem Nesthäkchen, Opfer auferlegt, kleinere oder größere. Aber ich bin davon durchdrungen, dass auch ihr sie freudig fürs Vaterland auf euch genommen habt. Wenn das schwere Ringen zu Ende und ein siegreicher Frieden unserer teuren Heimat beschieden ist, dann erzähle ich euch, was aus Doktors Nesthäkchen wurde. Bis dahin lebt wohl!“

Der Krieg endete am 30. Oktober 1918 mit einem Waffenstillstand.

Erst viele Jahre später habe ich erfahren, dass Else Ury, weil sie Jüdin war, von den Nazis ermordet wurde. Sie wurde am 13. Januar 1943 im Konzentrationslager Auschwitz vergast.

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Schwimmt ein Schiff aus Knetgummi?

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Das Museum wurde leider Ende 2015 geschlossen. Der Grund: Besuchermangel.

Ausflug in ein kleines Museum am Vegesacker Hafen. Das „Spicarium“. 

In den meisten Bundesländern sind jetzt Osterferien. Auch in Bremen. Eine gute Gelegenheit für Großeltern ihre Ferienkinder zu einem Ausflug einzuladen. Ich habe das schon getan und habe mit meinem Enkelkind ( 7 ) einen Ausflug zum Vegesacker Hafen gemacht. Leider war das Wetter nicht  besonders frühlingshaft. Darum bin ich mit meinem kleinen Besuch in den alten Hafenspeicher gegangen, seit 2011 befindet sich darin ein  Museum mit dem etwas sperrigen Namen „Spicarium“. Im Erdgeschoß wird gezeigt, was Handel und Schiffbau an der Weser über Jahrhunderte verbunden hat. Im Obergeschoß bekommt man einen Überblick über die Zukunftspläne, die es für beide Sparten gibt. Locker ausgedrückt: Man wird in diesem kleinen Museum in einer Erlebnisausstellung gut unterhalten und lernt dabei eine Menge dazu.

Mäuse jagen

Was rasch ins Auge fällt, sind die liebevoll zusammengestellten Mitmachinseln für Kinder. An jeder Station können die jungen Besucher und Besucherinnen zu einem bestimmten Thema spielerisch ihr Wissen vermehren. Und Erwachsene natürlich auch! Gleich am Anfang bin ich mit meiner kleinen Enkelin auf Mäusejagd gegangen. Es sind lauter kleine weiße Mäuse, Flitzer, die einem vor die Füße laufen. Nur fangen kann man sie nicht!

Wie von unsichtbarer Hand geführt standen wir dann vor einem blauen Wasserbecken, wo gefragt wird, warum ein Knetgummiball im Wasser untergeht, aber schwimmt, wenn man ein Gefäß daraus formt. Liegt es am Material oder an der Form? Es dauerte ein bisschen, bis ich endlich das Knetgummi so geformt hatte, dass es wie ein kleines Ruderboot aussah. Mut gemacht hatte mir Christina Voigt, die Museumsleiterin. „Wir haben alle Stationen mit Kindern ausprobiert. Sie sehen, es funktioniert. Als Ruderboot geformt geht das Knetgummi nicht mehr unter.“ Aha, meine Mühe hatte sich also gelohnt. Ich war klüger geworden.  Ich hätte meiner Enkelin nämlich erzählt: “Aus Knetgummit lassen sich keine Schiffe bauen“.

Ein Logbuch für Kinder

Doch dann fand ich auf dem Weg durch die Ausstellung das „Logbuch“, mit dem Kinder spielerisch das „Spicarium“ kennenlernen können.  Die erste Auflage ist schon vergriffen. Jetzt gibt es neue Hefte. So fanden wir  zum Beispiel schnell den Platz, wo Kinder zwischen Seilen hoch klettern können, um durch ein Fernglas zu gucken. Auch das Flaggenalphabet können die Kinder kennenlernen und sogar ihren eigenen Namen mit Buchstabenkärtchen aus dem Flaggenalphabet zusammenstellen.

Mich haben  diese beiden Stationen wieder daran erinnert, wie klug und effektiv alles von Alters her in der Schiffahrt geregelt ist: In der Takelage gibt es Sprossen (Webleinen), in denen man am Mast hoch klettern kann. Mit Flaggen, in bestimmten Reihenfolgen gehisst, konnte man sich über weite Entfernungen verständigen.

Bequem zu erreichen

Das „Spicarium“ ist barrierefrei. Außerdem ist es bequem auf verschiedenen Wegen zu erreichen: Der alte Speicher am Hafen liegt in der Nähe vom Vegesacker Bahnhof. Dort halten Busse aus allen Himmelsrichtungen und Züge aus Bremen und Farge. Außerdem kann man mit dem Fahrrad kommen. Die Wege sind gut ausgeschildert. Parkplätze findet man in der Garage hinter dem Museum.

 

 

 

 

 

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