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Archiv für Februar, 2014

Ein Zufluchtsort wird abgerissen

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Dies war ein Heim für Mütter und ihre Kinder – Moralvorstellungen haben sich geändert

Am hohen Weserufer wird eine alte Kaufmannsvilla abgerissen. Hermann Danziger ließ sie sich vor rund hundert Jahren als Sommersitz bauen. Das prächtige Haus blieb nicht lange im Familienbesitz. Danach war es für Jahrzehnte  der Zufluchtsort für Mütter, die ein uneheliches Kind erwarteten. Das Haus erhielt den  Namen „Thresienhaus“. Es wurde von Nonnen geführt und gehörte der katholischen Kirche.

Das Eingangsportal war für alle geöffnet. Wenn der Schutt weggeräumt ist, wird auf dem Grundstück ein Haus mit Eigentumswohnungen gebaut. Alle heutigen Anforderungen an Komfort sollen erfüllt werden.

Für mich ist dieser Abriss  ein Zeugnis dafür, wie schnell sich Jahrhunderte alte Moralvorstellungen ändern können. Als ich jung war, war es eine Katastrophe, wenn eine Frau ein uneheliches Kind erwartete. Nicht selten wurde sie von der Familie verstoßen. Selbst eine schnelle Heirat vor der Geburt wurde als Makel empfunden und gern süffisant kommentiert „Ach, das muss wohl ein Siebenmonatskind sein. Oder ?“

Ich erinnere mich auch noch daran, dass einer jungen Mutter ihr Kind (unehelich) von den Eltern weggenommen  und zur Adoption freigeben wurde.

Schon in der Generation meiner Kinder spielten diese Moralvorstellungen kaum noch eine Rolle. Eine alleinerziehende Mutter wurde und wird nicht mehr ausgegrenzt und braucht sich nicht mehr zu verstecken. Das ist ein Segen.

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Diese Wohltat brauche ich nicht

  Mütterrente  für alle – Wer soll das bezahlen?

Meine Kinder sind in den sechziger Jahren geboren worden, direkt in den“ Babyberg“ hinein. Wir waren junge Eltern. Unsere Berufsausbildung hatten wir mit 25 Jahren abgeschlossen. Eine Anstellung fanden wir sofort. Als die Kinder geboren wurden, konnte ich zuhause bleiben. Angst um die Zukunft hatten wir nicht. Der Verdienst war auskömmlich und die Zuschüsse vom Staat waren erfreulich. Es gab Kindergeld und einen Steuerfreibetrag.

In Bremen brauchten wir keine Schulbücher kaufen, und  Hefte und Tuschkästen gab es umsonst. Die gesetzliche  Krankenversicherung galt nicht nur für meinen Mann, sondern auch (beitragsfrei) für die Kinder und mich. Das Kindergeld wurde auch noch gezahlt, als die Kinder schon in der Ausbildung waren. Die Universitäten waren gebührenfrei. Nur den Unterhalt mussten wir zahlen.

Und aus diesen kleinen und großen Gründen lehne ich die Mütterrente für alle ab. Für mich und meine Kinder hat der Staat zur rechten Zeit gut gesorgt. Jetzt brauche ich keine zusätzliche Fürsorge mehr. Und Politiker, die Wohltaten verteilen, für die gar kein Geld in der Kasse ist, kann ich schon gar nicht leiden.

Frau Hauffe regt sich auf

 In Bremen fand am Freitag, 14. Februar, wieder die Schaffermahlzeit statt. Seit 1548 gibt es dieses hochangesehene regelmäßige Treffen von  Mitgliedern des „Hauses Seefahrt“ und ihren Gästen. Ungewöhnlich bis heute: Es dürfen nur Männer teilnehmen. Die Mitglieder des Hauses Seefahrt dürfen zwar auch Frauen einladen, doch die treffen sich an einer Extratafel in einem anderen Raum. Diesen Umstand kritisieren Frauenrechtlerinnen  schon seit Jahren. Auch dieses Mal. In einer Pressemitteilung des Bremer Senats am selben Tag wird die Bremer Frauenbeauftragte  Ulrike Hauffe so zitiert:

„Was die Schaffer sich derzeit leisten, kann ich nur noch als peinlich bezeichnen“, kommentiert Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe die  stattfindende Schaffermahlzeit, bei der unter den geladenen Gästen erneut keine Frauen sind. „Mit ihrem Aussitzen der Frauenfrage macht sich Haus Seefahrt lächerlich“, so Hauffe über das Verhalten des Ausrichters der Schaffermahlzeit in der Frage, endlich auch Frauen zu der Traditionsveranstaltung einzuladen. …..“

Frau Hauffe, ich finde ihr Engagement in dieser Sache vollkommen überzogen. Ich drehe Ihnen jetzt einfach mal das Wort im Munde um und das klingt dann so: „Was Frau Hauffe sich derzeit leistet, kann ich nur noch als peinlich bezeichnen. Mit dem Aussitzen der Frauenfrage macht sie sich lächerlich….“.

Hier geht es zur Homepage der Schaffer:

Sonnenschein und blauer Himmel

tgb014021230k12. Februar 2014. Vorfrühling auf dem Domshof in Bremen.

Viel Winter und ein bisschen Vorfrühling

6. Februar 2014.  Meine amerikanische Freundin hat mir  ein Winterbild geschickt.

„Gestern hatten wir einen Eissturm“, schreibt sie zu ihrem Foto. „Heute war schulfrei, weil der Strom ausgefallen ist“. In Bremen liegt kein Schnee mehr. Hier, in den Gärten an der Weser, sieht es schon nach Vorfrühling aus. Schneeglöckchen und Elfenkrokusse zeigen sich, die Zaubernuss blüht und am Hang, vor einer Mauer, breitet der Winterjasmin seine gelbe Blütenpracht aus.

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In Bremen ( 53. Breitengrad): Der Winterjasmin blüht.

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In Baltimore (39. Breitengrad), USA:  We have really had a winter.   Many snow storms.  Yesterday we had an ice storm.  Many in the county and state
were/ are out of electricity so there was no school today.

Geschichten aus meinem Alltag, neue Folge

Altersrisiko / Im Wartezimmer / Spendergelder / Tatkräftige Senioren 

Altersrisiko. Der Nachbar ( 80+) , Golfspieler, hat Trainerstunden genommen. Beim Ausholen mit dem Schläger hat er sich in der Schulter eine Sehne gerissen. Die Folge: ohne Schmerzen kann er den rechten Arm nur bis in Taillenhöhe heben. Und Fazit der Ärzte: Bei Menschen in einem so hohen Alter kann man die Sehne nicht mehr zusammenfügen. Jetzt hat der Nachbar seinem Golflehrer einen Brief geschrieben, in dem er fragt, ob der Trainer  gegen solche Schäden versichert ist?  Er möchte Schmerzensgeld haben. Ich bin gespannt auf die Antwort.

Im Wartezimmer.  Es ist 7.30 Uhr. Mein Termin beim Arzt. Ich sitze pünktlich im Wartezimmer. Ich grüble: „Warum fängt man in dieser Praxis so früh an?„Damit die Berufstätigen rechtzeitig zur Arbeit kommen“, erklärt man mir. Tatsächlich. Ich habe in dieser Praxis noch nie so viele Normaljunge (zwischen 30 und 50) wie an diesem Morgen gesehen. Ein junger Mann will gerade die Sprechstundenhilfe bezirzen: „Ich brauche für meinen Chef die Bestätigung,  dass ich hier von sieben bis elf Uhr gewesen bin.“ Die Sprechstundenhilfe lacht: „Jetzt ist es gerade mal kurz vor acht.“ Er trollt sich. Sein Gesicht zeigt, dass sein Wunsch nicht erfüllt wurde. Wie konnte er nur auf diese Idee kommen? 

Spendengelder für nix. Die Kindernothilfe hat wohl zu viel Geld. Auch in diesem Jahr hat sie mir wieder Aufkleber geschickt, die nicht zu gebrauchen sind, denn sie sind mit falschem Vornamen und falscher Adresse bedruckt. Mit einer Spende soll ich das bezahlen. Das Geld möchte Ute Luhr verteilen. Sie ist Koordinatorin Östliches Afrika.

Hilfe können Kinder  auch bei uns gebrauchen. Heute steht in unserer Tageszeitung, dass in Bremen besonders viele Kinder in Armut leben. Eine Wohnanlage, die als Brennpunkt gilt,  ist gerade mal 500 Meter von meiner Wohnung entfernt. Ich habe dort vor ein paar Jahren Kindern beim Lesenlernen geholfen.

Tatkräftige Senioren. Die elf Senioren und Seniorinnen treffen sich regelmäßig zum Diskutieren. Sie haben eine Dozentin engagiert, die für Gesprächsstoff  sorgt. Ihr  erste Thema im neuen Jahr: Engagieren sie sich ehrenamtlich?

Es stellt sich schnell heraus, dass alle eine Aufgabe gefunden haben. Zwei sind in Vereinen im Vorstand aktiv. Eine kümmert sich um die Finanzen eines Vereins, eine andere organisiert den  freiwilligen Besuchsdienst in einem Krankenhaus, auch regelmäßige Besuche in einem Altenheim und Lesestunden mit Kindern werden aufgezählt.

Richtig fröhlich wird die Runde, als Franz von seiner Freiwilligenarbeit erzählt. Er singt mit zwei Freunden Volkslieder in Kindergärten und Seniorenanlagen und spielt dazu Gitarre. Wünsche werden auch erfüllt. Doch als  neulich in einem Seniorenheim jemand singen will Wir kommen alle, alle in den Himmel… sind ihm Zweifel gekommen, ob das ein passendes Lied für Senioren ist. „Aber ja“, erzählt er, „alle haben voller Begeisterung mitgesungen“.

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