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„Sylvette“ von Pablo Picasso hängt seit 1955 in der Bremer Kunsthalle – Meine Erinnerung

Die Bremer Kunsthalle bereitet sich auf die Ausstellung „Sylvette“ vor,  die am 22. Februar eröffnet wird. Im Mittelpunkt der Ausstellung werden die P0rträts stehen,  die Picasso 1954 von seinem Modell, der neunzehnjährigen Sylvette David, malte. Sylvette David lebt heute in London. Sie hat zugesagt, dass sie zur Ausstellungseröffnung kommen wird. Warum ich das hier berichte? Ich bin Mitglied im Kunstverein und habe bereits eine Einladung zur Ausstellungseröffnung im Musical Theater Bremen bekommen. Und eine alte Erinnerung zu diesem Bild ist damit auch verbunden. Das ist fast sechzig Jahre her.
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Aus rechtlichen Gründen kann ich Sylvette nur so zeigen
Fräulein Alfken nahm uns mit

Bremen 1955. Ich hatte es gerade in die Oberstufe des Gymnasiums geschafft. Und war voller guter Vorsätze. Auf das Fach „Kunstgeschichte“ war ich besonders gespannt. Dann kam Fräulein Alfken( den Begriff „Fräulein“ gab es damals noch) und warf alle meine Erwartungen über den Haufen. „Wir fangen nicht im Mittelalter an, sondern mit der modernen Kunst. In der nächsten Stunde fahren wir in die Bremer Kunsthalle“.

Durch sie kam ich zum ersten Mal in die Bremer Kunsthalle. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob sie mit uns die einzelnen Räume angesehen hat. Aber ein Moment ist mir bis heute vor Augen: Wir standen oben im Treppenhaus und dort hing „Sylvette“ von Pablo Picasso. Das Bild hatte die Kunsthalle gerade erworben.

„Was halten Sie davon, meine Damen?,“ fragte Clara Alfken und sah uns herausfordernd an. Ich zögerte einen Moment und platzte dann heraus: „Das ist das Mädchen unserer Zeit“. Sie sah mich überrascht an und stellte fest: „Genau das hat gestern jemand in meiner anderen Klasse gesagt“.
Ich habe diese Szene nicht vergessen, weil sie für mich bis heute ein Beleg dafür ist, dass man über Kunst zwar sprechen kann, dass aber immer ein Rest bleibt, den man für sich allein deutet, und es kann sogar jemanden geben, der das gleiche empfindet. Und noch etwas habe ich durch sie gelernt: Dinge müssen hin und wieder in Frage gestellt werden. So wie sie es unbekümmert 1955 mit dem Bremer Lehrplan getan hat. Und Picasso letzten Endes auch mit seinem Werk.

Das Bild der „Sylvette“ in der Bremer Kunsthalle habe ich übrigens damals ganz anders gesehen als heute. Damals hat es mich eher abgestoßen, heute fasziniert mich, dass Picasso ein Gesicht als geometrische Flächen sehen konnte und damit etwas Neues schuf. Damals war mein Haar noch dauergewellt, ich trug artige Röcke und bekam Herzklopfen, wenn ich mit hochhackigen Schuhen in die Schule ging, denn das konnte die Direktorin nicht leiden.

Clara Alfken hat es nicht lange an unserer Schule ausgehalten. Sie verschwand nach einem Jahr, um wieder in einem Internat zu unterrichten. Kunstgeschichte stand von da an nicht mehr auf unserem Stundenplan.

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