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Archiv für September, 2013

Alter Zopf – wieder modern

Man sieht sie wieder: Frauen, die ihr langes Haar zu einem Knoten zusammenbinden. Ich habe diese Frisur auch als Schülerin getragen Auf einigen alten Fotos bin ich so zu sehen. Dieses Foto gefällt mir besonders gut:

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Es zeigt, wie meine Klasse 1952 auf einem Schulfest die Gäste mit einer Zirkusaufführung amüsiert hat. Es muss der Auftakt sein, denn der Zirkusdirektor (ich) verbeugt sich gerade. Den Hut in der Hand, der Dutt ist deutlich zu sehen. Hinter mir Annegret  als Clown. Sie dirigiert das Klassen-Kamm-Orchester.  Irmtraut trägt auch einen Haarknoten (links).

Auch schön: Megan Young (23) ist am 28. September zur schönsten Frau der Welt gekürt worden. Sie trägt einen Dutt, hoch auf dem Kopf, so wie ich als Schülerin! http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article120482626/Filmstudentin-zur-Miss-World-2013-gekuert.html

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Ich habe gewählt

Bei mir lag gestern zum ersten Mal in meinem Leben eine Bild-Zeitung auf dem Tisch. Ich habe sie nicht gekauft, sondern sie ist mir in den Briefkasten gesteckt worden. Eine Sonderausgabe zur Bundestagswahl. 41 Millionen Zeitungen gratis. Und  Chefredakteur Kai Diekmann bittet: Geht wählen!“ Das hat mich beeindruckt. Und warum liegt sein „Bild“ zum ersten Mal auf meinem Tisch? Weil die erste Ausgabe der Bild-Zeitung vieles, was ich als junge Redakteurin über gutes Zeitungsmachen gelernt hatte, einfach auf den Kopf stellte. Das war vor über 50 Jahren. Und damals habe ich mir geschworen: „Die kaufst du nie!“

Habe ich nun auf sie gehört? Nein. Mein Entschluss, zur Wahl zu gehen, stand längst fest. Bekräftigt worden ist er durch die Rede, die Wolfgang Thierse am 3. September auf der letzten der 253. Sitzung des Deutschen Bundestages gehalten hat. Dort erklärte er fast zum Ende…

„Erlauben Sie mir ein paar kleine persönliche Bemerkungen…. Ich erinnere mich an meine erste freie Wahl am 18. März 1990 und ich erinnere mich ebenso an meinen Vater, von dem ich vermutlich die politische Leidenschaft geerbt habe. Er hat nie wirklich frei wählen können. Volljährig, also wahlberechtigt, wurde er am 31. Januar 1933. Gestorben ist er Anfang März 1990. Sein Beispiel erinnert mich immer an die Kostbarkeit freier Wahlen. Es macht mich traurig und wütend, wie viele auf ihr Wahlrecht verzichten. Denn aus unserer Geschichte wissen wir doch: Es wird gefährlich für die Demokratie, wenn Desinteresse, Unzufriedenheit, Verdruss der vielen mit Demokratieverachtung von Eliten zusammentrifft….“

Meine Bild-Demo geht übrigens weiter. Gekauft wird sie nicht, aber Gratisausgaben nehme ich an.
Noch eine Bemerkung: Die Wahlbeteiligung ist gestiegen. Nicht im Land Bremen. Sie war hier so niedrig wie noch nie seit 1949 und ist die niedrigste aller westdeutschen Länder.

Mein Altweibersommer

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Die Tage werden kürzer. Die Nächte kühler. Der Sommer ist vorbei.  24 Gründe

  • Die Dahlien lassen ihre Blüten hängen.
  • Der Himmel ist blau wie sonst nie.
  • Ich trage wieder Strümpfe.
  • Der Urlaubskoffer ist ausgepackt.
  • Die Birke verliert Blätter. Die Kastanien fallen grün vom Baum.
  • Eine Wespe liegt tot auf der Fensterbank. Ich habe den ganzen Sommer kaum welche gesehen. Wo waren sie?
  • Jetzt kann ich Kürbisse in allen Größen kaufen.
  • Auf dem Blumenmarkt wird winterharte, weiße Heide angeboten.
  • Im Supermarkt stapelt sich das Weihnachtsgebäck.
  • Der Wintermantel vom letzten Jahr passt noch.
  • „Hörst du die Grillen zirpen?“, fragt mich meine Tochter. Meine alten Ohren hören nichts. Meine Tochter sieht mich traurig an.
  • Ich zeige meinen Enkelkindern, wie man Blätter und Blüten in einem Heft trocknet.
  • Im Pullover sind Mottenlöcher.
  • Die fremde Katze sitze nicht mehr auf unseren Terrassenkissen.
  • Der Igel ist verschwunden.
  • Morgens Zeitungslesen bei Lampenlicht.
  • Die Geranien kommen in den Keller. Die Birkenfeige von der Terrasse ins Wohnzimmer.
  • Die Heizung läuft wieder. Aber nur im Badezimmer. Mein Lieblingsplatz.
  • Nebel auf der Weser.
  • Die Theatersaison hat begonnen.
  • Der Kassierer auf der Fähre trägt eine warme Jacke.
  • Der Ausflugsdampfer fährt nicht mehr.
  • Wann ist eigentlich die nächste Zeitumstellung? Am 27. Oktober um 3 Uhr.
  • Wo wollen wir Silvester feiern? Die Hotelprospekte fragen uns.

Der Eisbär sieht mich an – Das Huhn läuft weg

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Ich war im Zoo am Meer in Bremerhaven – Ein paar Begegnungen der besonderen Art

Es ist Montag. Familientag im Zoo am Meer. Sogar Hunde dürfen mitgenommen werden. Ich habe mir eine Eintrittskarte gekauft, weil ich wissen will, wie heute ein moderner Zoo  aussieht. Ich habe alle Zeit der Welt und bin gut zu Fuß.

Als Kind sind wir in die „Tiergrotten“ gegangen. Seit Anfang der 80er Jahre heißt das Zuhause für (meist) nordische Tiere „Zoo am Meer“. 2004 baute man die ganze Anlage neu. Entstanden ist ein dreigeschossiger Bau mit natürlich nachgebauten Felsenlandschaften und breiten und schmalen Wasserzügen. Durch große Glasscheiben kann man die Tiere – beinahe hautnah –  beim Schwimmen und Tauchen,  über und unter Wasser, beobachten.

Eisbären kann man verstehen

Ich habe einen Plan für den Rundgang mitbekommen und wandere los. Gleich am Eingang haben Schimpansen ihr Zuhause. Kein Affe ist zu sehen. Ein paar Schritte weiter stehe ich plötzlich vor einem Eisbären.

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Das große Tier schaut mich an. Zum Glück trennt uns  dickes Glas. Und dann höre ich, wie jemand hinter mir erklärt: „Eisbären kann man verstehen. Schiebt unser Bär zum Beispiel die Unterlippe vor, heißt das: Sei lieb und gib mir was zu fressen“. Es ist Thomas Grunert, der das weiß. Er ist der Tierpfleger der Eisbären. Und er erzählt noch mehr. Zuwinken sollte man den Eisbären besser gar nicht, denn Pfoten hoch bedeutet bei einem Eisbären: Bleibt sofort stehen. Doch wenn Thomas Grunert sieht, dass der Bär den Kopf zur Seite legt, weiß er, dass der Bär ihn nicht angreifen wird. –

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Thomas Grunert  ist seit siebzehn Jahren Pfleger der Eisbären.

Ich gehe weiter, denn auf meinem Plan stehen die Fütterungszeiten der großen Tiere im Zoo. Es ist 15.15 Uhr.

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Die Pinguine warten schon. Wo bleibt denn die Bedienung?

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Ach, bitte, bitte, ich zuerst!

Die Pinguine sind an der Reihe. Die Tierpflegerin verteilt Fische, ein paar fliegen auch ins Wasser. Rosa, drei Jahre alt, hat sich vor die Scheibe gehockt und beobachtet, wie die Pinguine nach dem Futter tauchen. Wie die schwimmen können! Auf dem Felsen, in ihrem Gehege, haben sie doch nur herumgestanden und gekuckt. Aber eine Frage hat Rosa dann doch noch: „Mama, wo ist der Schnee für die Pinguine?“

Ein Schäferhund ist wütend

Zum Glück mass ich nicht antworten. Dafür fällt mir jetzt ein Schäferhund auf, der wütend gegen das Käfiggitter der sibirischen Eichhörnchen springt. So ein Ärger aber auch! Die beiden kleinen Kerle hängen  einfach über seinen Pfoten am Gitter! Nebenan sitzt die Schneeeule und guckt geradeaus. Das  Treiben  vor dem Nachbargitter interessiert sie offensichtlich nicht.

Ich kümmere mich inzwischen auch schon gar nicht mehr um den vorgeschlagenen Rundgang. Vor mir hüpfen nämlich ein paar fröhliche Spatzen und ein Huhn läuft aufgeregt davon. Ein Huhn im Zoo am Meer? Ja, es lebt im Streichelzoo und mit ihm Meerschweinchen und Hauskaninchen. Die Kinder können sie anfassen und streicheln. Nicht weit davon und nicht zu übersehen liegt der Spielplatz. Mit Aufgängen aus Netzen, Wackelbrücke, Felsböschungen, Rutsche, Kletterwand…Mehr kann sich ein Kinderherz nicht wünschen.

Tiere sind Botschafter

Was habe ich noch nicht gesehen? Seelöwen, Seehunde, Seebären, Papageien, Pumas….Noch mal drei Stockwerke in Serpentinen hoch und runter? Nein, ich bin Seniorin und schummele ein bisschen. Ich gehe auf die Aussichtsterrasse, blicke auf den Zoo hinunter, (gerade taucht der Eisbär aus seiner Höhle auf) und sehe zu, wie auf der Weser ein Ausflugsdampfer vorüber fährt. Vor mir steht ein Becher Kaffee und ich lese im „Zoobuch“ die Antwort auf Rosas Frage, warum die Pinguine in Bremerhaven nicht im Schnee stehen: „Von 17 Pinguinarten kommt die überwiegende Zahl in gemäßigten Breiten der südlichen Erdhalbkugel vor, also z.T. bei Temperaturen, die den unsrigen entsprechen.“ Und meine Frage: „Wie sieht ein moderner Zoo aus?“ wird auch beantwortet. Ich finde diesen Satz zutreffend: „Besucher können die vorgestellten Tiere als Botschafter ihrer Art verstehen und etwas über deren Probleme und auch Schutzmöglichkiten in freier Wildbahn lernen.“

Alle Informationen findet man hier: http://www.zoo-am-meer-bremerhaven.de

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