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Archiv für Mai, 2013

Mein Herz hängt an einem kleinen Roboter

Mein Lieblingsstück ist anhänglich, leise und unglaublich fleißig

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Ich habe einige Lieblingsstücke, doch seit einem Jahr habe ich ein Lieblings-Lieblings-Stück. Das ist ein kleiner schwarzer Roboter, der meinen Rasen mäht. Wie ein treues Schaf: unermüdlich, nach Lust und Laune.

Määääääää!

Doch der kleine schwarze Kerl ist viel schlauer als ein Schaf, denn er mäht nur dort, wo die Begrenzungsgabel unter dem Rasen liegen. Wenn er gegen eine Mauer fährt oder mich von hinten schuppst, habe ich selber schuld. Wo kein Kabel liegt, lässt er sich eben nicht aufhalten. Wenn ich ihn einfach hoch nehme, kreischt er die ganze Nachbarschaft zusammen. Erst wenn ich meinen Code eingebe, beruhigt er sich.

Manchmal muss ich lachen

Ab und zu  benimmt er sich allerdings  wie ein ungezogenes Kind. Ich programmiere zum Beispiel eine neue Route. Na gut, denkt der kleine Kerl,  erst einmal fahre ich noch ein Stückchen  in die alte Richtung. Den Schalk im Nacken,  rollt er schließlich aber dann doch in die vorgegebene Richtung. Und immer findet er allein in seine Garage.

Kein Gras im Haus

Von weitem sieht mein Rasen jetzt makellos aus, denn der Roboter mäht häufig und köpft dabei Löwenzahnblüten und Gänseblümchen. Er schneidet nur die Spitzen, das aber stetig. Das Gras bleibt liegen und düngt den Rasen. Ich muss kein Schnittgut mehr wegtragen und – ich wollte es nicht glauben  –  die kleinen Grasschnipsel bleiben liegen, ich trage sie nicht mit meinen Schuhen ins Haus.

Meine Bilanz

Das Ende von meinem Loblied klingt so: Natürlich verbraucht der kleine Roboter Energie. Doch auch ein Schaf ist nicht völlig umweltfreundlich (emissionsfrei). Es pupst. Außerdem  muss man ihm Wasser zum Trinken geben und manchmal muss man den Tierarzt holen.

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Pfingsten – Zeit für einen Ausflug

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Pfingsten feiern alle chistlichen Kirchen den „Geburtstag“ ihrer Kirche. Doch in meiner Familie wurde Pfingsten immer anders verstanden. Weltlicher. Wenn das Wetter gut war,  haben wir an diesem Tag einen Ausflug gemacht, genauso, wie alle anderen in der Nachbarschaft. In diesem Jahr halten wir es auch so: Wir  fahren  in die Wesermarsch, am Deich entlang. Dort sind die Wege flach. Besonders schön und auf dem Foto zu sehen:  die Rapsfelder stehen in voller Blüte und leuchten in ihrem schönsten Gelb.

http://www.region-unterweser.de

Die Nazi-Opfer sind nicht vergessen

Späte Erinnerung – Friedenspreis für Wiltrud Ahlers

Wiltrud Ahlers hat am 11. Mai den Franco-Paselli-Friedenspreis (www.friedensschule-bremen.de) erhalten. Sie wurde  ausgezeichnet, weil sie sich seit 2004 für das Projekt „Stolpersteine“ einsetzt, durch das an Nazi-Opfer in Bremen-Nord erinnert wird.

Wiltrud Ahlers und ich waren Klassenkameradinnen. Durch den Bericht über ihre Auszeichnung kam ich wieder auf eine Frage zurück, die ich mir zum ersten Mal 1984 gestellt habe, als meine achtzehnjährige Tochter  ihre Arbeit  „Jüdische Familien in Bremen-Nord“ für ihren Geschichtsunterricht ablieferte. Warum, fragte ich mich damals immer wieder, habe ich als Schülerin  im selben Alter das nicht  gefragt? Warum?

Kein Thema im Geschichtsunterricht

Dazu muss ich sechzig Jahre zurückdenken. Bis 1953.  Der verlorene Krieg lag noch nicht lange zurück und war kein Thema im Geschichtsunterricht. Auch über die Judenverfolgung wurde nicht gesprochen. Was wir über die Vernichtungslager wussten, war wage und weit weg. Auf den Gedanken zu fragen, ob auch Juden in unserer Nachbarschaft gelebt hatten und vertrieben wurden,  bin ich nicht gekommen.  Warum? Warum auch niemand anderes in unserem Unterricht? Warum unser Geschichtslehrer nicht? Auch Wiltrud Ahlers nicht, wenn sie im Zeitungsartikel richtig zitiert wird?

Dreißig Jahre später

1983. Dreißig Jahre sind verstrichen. Jetzt stößt meine Tochter auf das Thema. Wieder sind es nicht Erwachsene, niemand in der Familie, auch ihr Lehrer nicht, die das Thema vorgeben. Sie findet es allein. Zur Erklärung schreibt sie in ihrer Einführung:

„Ich habe im März 1983 mit meinen Nachforschungen begonnen. Ursprünglich wollte ich nur mehr über den Alltag in Vegesack 1933-45 erfahren, und von  diesem Thema bin ich dann zu der Frage gelangt: „Was geschah mit den Vegesacker Juden im Nationalsozialismus?“

Verwandte antworteten

Ich habe zuerst Verwandte gefragt, die diese Zeit miterlebt haben. Mir wurden Namen und Adressen von jüdischen Mitbürgern  genannt. Der erste Schritt war getan…. Jede Woche ging ich ins Archiv des Vegesacker Heimat- und Museumsvereins im Schönebecker Schloss. Ich traf dort viele ältere Menschen, die bereit waren, mir mit ihren Erinnerungen weiter zu helfen… Nicht immer waren solche Interviews sehr ergiebig – „damals hatten wir so viele andere Dinge, die uns beschäftigten“ – ein oft gehörter Satz.

Über mein Thema gab es fast keine schriftlichen Informationen…“

Wozu Menschen fähig waren

Meine Tochter hat daher zahlreiche Interviews geführt, hauptsächlich mit älteren Vegesacker. Sie schreibt am Ende ihrer Einführung:

„Mein Ziel war es, lediglich allen, die diese Zeit nicht miterlebt haben, vor Augen zu führen, dass auch in unser unmittelbaren Umgebung Menschen jüdischen Glaubens und jüdischer Herkunft gelebt haben und dass auch sie unvorstellbar unter dem Terror der Nationalsozialisten und dem Opportunismus der Bevölkerung gelitten haben. Vielleicht kann ich mit dieser Arbeit beim Leser ein Stück Betroffenheit hervorrufen und, wenn es auch unmöglich ist, wieder gut zu machen, so doch dazu beitragen, dass niemals vergessen wird, wozu Menschen damals fähig waren und dass sie unter bestimmten Umständen auch wieder dazu fähig wären.“                Januar 1984

1998 wurde der Franco-Paselli-Friedenspreis zum ersten Mal verliehen.

Der Mai Ist gekommen

Im Sauseschritt –  Jetzt blüht es überall

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In meinem Garten ist Frühling. Tulpen und Narzissen blühen an Plätzen, die sie sich selbst ausgesucht haben. Sie sind gewandert. Der Rhododendronbusch  hat kaum noch Platz für alle seine Blüten. In seinem Schatten haben sich  Buschwindröschen  angesiedelt und überall – wie vom Winde verweht – leuchten die himmelblauen Vergissmeinnicht. Auch im Bild: Ein Zweig vom Mandelbaum,  über und über mit rosa Blüten geschmückt.

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