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Archiv für April, 2013

Mit bunten Fliegen fischen

 Angler oder Fliegenfischer?    –     Auf den Köder kommt es an

 In meiner Nachbarschaft wohnt ein temperamentvoller Franzose. Monsieur Michel spricht perfekt Deutsch. Wenn er mich im Garten sieht,  ruft er über zwei Zäune hinweg: “ Guten Tag, Madame. Alles in Ordnung?“  Und ich rufe dann –  mit der ganzen Kraft meiner alten Stimmbänder – zurück : „Oui, Monsieur“. ( Schließlich soll er wissen, dass ich vor sechzig Jahren versucht habe, seine Muttersprache zu lernen). Gestern hat er noch einen zweiten Satz gerufen: „Ich gehe gleich Fliegenfischen!“ „Pardon, Fliegenfischen?“ „F L I E G E N F I S C H EN ! ! “ „Was? Ist das ein deutsches Wort? “

Und  dann passiert das, was ein echter Norddeutscher nie tun würde: MonsieurMichel steht plötzlich in meinem Garten, bietet mir seinen Arm an und   führt mich in sein Haus, vor einen großen Schreibtisch. Der Tisch ist voller Material: Ich sehe Vogelfedern,  Fellstreifen, glitzernde Perlen, kleine Angelharken, Garn, Nagellack…   Monsieur Michel sieht stolz aus: „Hier binde ich meine Fliegen“.  Und  er zeigt auf eine bunte, regungslose  Insektengesellschaft, die aufgereiht vor uns liegt.

 Haben Sie die alle gebastelt?

 Ja, so drückt das der Laie aus. Doch wir nennen die Herstellung „Fliegen binden“.

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Drei schöne Fliegen. Naturnah. Von Monsieur Michel  gebunden.

Warum nehmen Sie nicht einfach Würmer, Bleigewicht oder Blinker zum Angeln, wie es alle Angler tun?

 Lacht ein bisschen und schüttelt den Kopf.

Wir Fliegenfischer stehen nicht still am Ufer und warten auf den Fisch. Wir üben die Kunst der Verführung und gehen, wenn es nötig ist, dem Fisch im Wasser entgegen. Ich fische zum Beispiel am liebsten Lachs und Forelle. Und für ihren Geschmack binde ich meine Fliegen.

Ihre Fliegen sind federleicht. Wie schaffen Sie es, dass sie auch an der richtigen Stelle landen?

Dafür haben wir besondere Schnüre, die durch ihre unterschiedlichen Gewichte schwimmen oder sinken können. Dazu muss jeder Fliegenfischer aber auch noch lernen, die Angelschnur mit dem richtigen Schwung zu werfen. Wir schaffen Wurfweiten bis zu dreißig Metern.

Wie schwer war Ihr größter Fisch?

Mein größter Fisch, ein Lachs, war 1,09 Meter lang und 9,5 Kilogramm schwer. Mein Traum: 10 Kilogramm und gern auch noch mehr.

 Wo gehen Sie zum Fliegenfischen?

 Heute fahre ich an die Wümme. Ein kleiner Fluss In der Nähe von Bremen.  Meine Urlaube verbringe ich am liebsten in Skandinavien. Ich war aber auch schon in Chile, Nordamerika, England und Wales. Fliegenfischer suchen überall nach ihrem Glück.

 Monsieur Michel setzt sich an seinen Bindetisch und schiebt sein buntes Ködermaterial ein bisschen hin und her. Ich habe verstanden: Ich verabschiede mich und lasse meinen freundlichen Nachbarn mit seiner Lieblingsbeschäftigung allein.

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An der Hamme bei Bremen. Monsieur Michel bereitet einen Wurf vor.

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Jetzt ist der Frühling da

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An der Weser bei Bremen, im Vegesacker Stadtgarten, haben die Gärtner die Beete in farbenfrohe Blütenmeere verwandelt. Auch die Forsythien und Magnolien blühen überall.

sturz in den frühling – ein gutes ende

11. tag. frau marie ist wieder zuhause. zur erinnerung an ihren sturz vom hochbeet und die folgen hat man ihr dieses röntgenbild von ihrem linken arm mitgegeben. für frau marie ein kleiner schock, denn zum ersten mal in ihrem leben kann sie  ein stück von ihrem gerippe betrachten. sie ist ein gerippe! ein gerippe mit einem kleinen vorteil, denn eines tages, wenn nach ihrem tod alles von ihr zu staub zerfallen ist, dann wird es immer noch diese kleinen titanplatten aus ihrer hand geben. nun stellt sie sich vor, dass diese metallplättchen irgendwann gefunden werden und sie jemand auch noch gebrauchen kann.

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PS: die linken finger zum antippen der großbuchstaben sind immer noch geschwollen. Doch diese kleinschreiberei hört jetzt auf. ENDE der SCHONZEIT!

sturz in den frühling

1. tag. frau marie (70+) liegt im krankenhaus. sie hat rosen in ihrem hochbeet gedüngt, ist dabei aus dem beet gefallen und auf einer steintreppe gelandet. danach war  ihr handgelenk zertrümmert. sie hat dann einfach den kaputten arm auf ein tablett gelegt und hat sich von ihrem mann in die notaufnahme im nächsten krankenhaus fahren lassen. aufgewacht ist sie dann auf der intensivstation. herzprobleme, erklärte man ihr. aus dem arm ragten zwei lange schrauben.  neben ihr saß ein freundlicher junger mann in grünen anzug. ich bin ihr krankenpfleger,  stellte er sich vor und verschwand dann für eine weile hinter einer schiebetür. die nacht war kurzweilig, denn der junge mann kam immer wieder vorbei, sah frau marie  aufmerksam an und erzählte ein bisschen aus seinem leben.

2. tag. heute ist sie zum zweiten mal operiert worden und hat danach den aufwachraum kennengelernt. dort standen neun betten mit menschen darin, die sich nicht rührten. diesmal dauerte es nicht lange und frau marie wurde im bett durch viele flure und fahrstühle in ihr zimmer geschoben. dort lernt sie nun langsam den krankenhausalltag kennen.

3. tag. es kommen immer neue schwestern durch die tür. meistens in eile. ihre offizielle berufsbezeichnung heute: gesundheits- und krankenpflegerin. sie bringen dreimal am tag essen, räumen alles wieder ab, kümmern sich um die medikamente und erzählen manchmal von ihren männern, kindern oder arbeitsfreien tagen. das essen erinnert frau marie an ihre kindertage: hühnersuppe, roulade, hühnerfrikassee, gemüse, kartoffeln…

4. tag. routine ist eingekehrt. blumensträuße schmücken das zimmer. das handy ist warm gelaufen und besucher kommen auch vorbei. frau marie weiß, dass die ärzte an ihr ein bewunderugswürdiges kunststück vollbracht haben. es soll auch nicht mehr lange dauern, bis sie ihre linken finger wieder gebrauchen kann. bis dahin wird sie aber ihre alltagsgeschichten ohne große anfangsbuchstaben schreiben müssen.

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drei karten mit genesungswünschen von den kolleginnen. und alles dabei, was frau marie sich wünscht. blühende bäume, stille zeiten am meer und die heilende energie-strahlensonne.

Das ist die größte Jacht der Welt

Neubau  auf der Lürssen Werft – Blick von der Vegesacker Weserpromenade aus

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An der Weserpromenade in Vegesack kann man jetzt einen Blick auf einen ganz besonderen Schiffsneubau werfen. Im Dock der Lürssen-Werft  auf dem ehemaligen Vulkan-Gelände liegt die Jacht „Azzam“, die sich ein arabischer Scheich bauen lässt. Das Schiff ist 180 Meter lang und damit 17 Meter länger als eine Jacht, die sich ein russischer Oligarch bei der Hamburger Werft Blohm und Voss bauen ließ und auch länger als die beiden Kreuzfahrtschiffe „Deutschland“ und „Astor“. Die „Azzam“ soll rund 600 Millionen US-Dollar kosten. Das hat die „New York Post“ am 1. Augut 2012 gemeldet.

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