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Archiv für März, 2013

Ich war ein Kriegskind

Der ZDF-Film „Unsere Mütter, unsere Väter“, der in der letzten Woche im Fernsehen gezeigt wurde, beschäftigt die Journalisten weiter. Ihre Berichte und Analysen füllen immer noch die Zeitungsseiten. Der „Spiegel“ hat daraus in dieser Woche sogar eine Titelgeschichte gemacht. Ich habe alle drei Folgen des Films  gesehen. Kriegskinder und Flüchtlinge haben darin fast keine Rolle gespielt. Trotzdem kamen meine Erinnerungen zurück.

Meine Mutter weinte

Ich war 1945, bei Kriegsende, sechs Jahre alt. Mein Vater war aus Belgien, durch Holland, bei Kriegsende geflüchtet und in Gefangenschaft geraten. Die Kapitulation war Ende Mai. Es war schönes Wetter, als an unserem Haus die geschlagenen Soldaten vorbei zogen. Wir standen auf der Straße. Meine Mutter weinte. Unser kleiner Ort war nicht bombadiert worden. Wir waren gimpflich davon gekommen.

Arbeitslos

Doch was ich viel später, eigentlich erst in vollem Umfang nach dem Tod meiner Eltern, wahrgenommen habe, ist , dass mein Vater früh in die NSDAP eingetreten war und einem  langen Entnazifizierungsverfahren ausgesetzt war. Er wurde aus dem Dienst entlassen, war von jedem öffentlichen oder halböffentlichen Amt ausgeschlossen und alle seine Konto waren gesperrt. Erst 1948 hat er seine Entnazifizierung  als „ein Mitläufer ohne jede Beschränkung“ erhalten.

Wir waren arme Leute

Doch damit hörten die Sorgen nicht auf: Mein Vater hatte immer noch keinen Arbeitsplatz gefunden, seine Mutter lebte in Hamburg in einem Altenheim, mittellos.  Meine Eltern hatten bis weit in die sechziger Jahre finanzielle Sorgen. Sparsame Lebensführung war keine freiwillige Lebensform, sondern aufgezwungen und notwendig.

Das große Schweigen

Was ich mir heute vorwerfe, ist meine Zurückhaltung gegenüber den Flüchtlingskindern, mit denen wir unsere Wohnung nach dem Krieg teilen mussten und denen ich in meiner Schulzeit begegnet bin. Sie waren sicher in einer schwierigeren Lage als ich. Nie habe ich sie nach  ihren Erlebnissen gefragt oder mir von ihrer Heimat erzählen lassen. Selbst heute spüre ich noch eine eigentümliche Zurückhaltung zwischen uns, die ich gerne auflösen würde.

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Frühlingsanfang im Märzwinter

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Am 20. März ist Frühlingsanfang. So steht es im Kalender. Total bescheuert. Dafür ist es doch noch viel zu kalt. 2 Grad vor der Haustür. Wir warten lieber bis es wärmer wird.  Wir müssen hier immer sitzen, wenn die Enkelkinder nicht da sind. Wir sitzen auf dem geballten Wissen von 1957. Keiner nutzt es mehr. Google weiß es besser. Und wir auch:  Am Weserhang blühen schon lange  Schneeglöckchen und Seidelbast!

„Halte dich an alte Gesetze, aber an frische Speisen“

Zur Weiterbildung im Antikenmuseum im Schnoor – Zwei Besuche

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Ich bin im Antikenmuseum im Schnoor gewesen. Es ist ein kleines Museum. Vielleicht das kleinste in Bremen? Es ist leicht zu finden, denn das Haus steht in der Nähe vom Altenwall und Ostertorstraße.

Mein erster Besuch

Wer die Eingangstür öffnet, hat das ganze Museum schon fast im Blick: In großen Glasvitrinen stehen atemberaubend schöne alte griechische Vasen, die alle in Athen  entstanden sind.  Vor rund 2500 Jahren hatten sie Griechen in Gebrauch, um darin Wein und Öl aufzubewahren oder daraus zu trinken. Gesammelt hat sie der Bremer Bauunternehmer Manfred Zimmermann. Er eröffnete 2005 das Museum, weil sein Haus für die Sammlung zu klein geworden war.

Leider habe ich bis zu meinem Abitur (1959) nichts über die Kultur der alten Griechen erfahren. Ihre Geschichte gehörte damals nicht zum Lehrplan einer Mädchenoberschule. Diese Wissenslücke trage ich  bis heute mit mir herum. Doch mit Hilfe des Museumswegweisers habe ich einen guten Einstieg gefunden.

Mein zweiter Besuch

Ich bin noch ein zweites Mal im Museum gewesen, um mir einen Vortrag anzuhören. Den Hinweis darauf habe ich auf der Internetseite des Museums gefunden. Auf dem Programm stand das Thema „Lebensklugheit und Weisheit – Die Botschaf 0t der Alten Griechen“, über das Regine Villinger sprechen wollte.

Als ich ankam, war der Raum schon bis auf den letzten Platz besetzt. Es herrschte eine heitere Stimmung, denn es wurden auch Getränke und Gebäck gereicht. Leider nahm Regine Villinger diese freundliche Stimmung nicht auf. Was sie vorlas, hörte sich eher wie eine Seminararbeit an. Natürlich habe ich dabei auch etwas gelernt. Zum Beispiel, dass die Zahl 7 schon bei den Griechen eine große Rolle spielte. Geradezu beindruckt war ich von dem, was die „Sieben Weisen“ der Griechen schon vor über 2500 Jahren ihren Zuhörern und Zuhörerinnen zu sagen hatten. Ein paar Denkwürdigkeiten habe ich mir gemerkt:

Thales von Milet: Was du den Eltern Gutes tust, das erwarte selbst im Alter von deinen Kindern.

Chilon von Sparta: Lass deine Zunge nicht deinem Verstand vorauslaufen.

Bias: Die meisten Menschen sind schlecht.

Periandros: Halte dich an alte Gesetze, aber an frische Speisen.

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Blick in das Museum. Im Vordergrund eine Preisamphora. Mit Olivenöl gefüllt, erhielt sie der Sieger beim Laufwettbewerb in Athen.

Was für Abenteuer!

Entdeckern und Forschern auf der Spur – Besuch im Bremer Überseemuseum 

Vom 16. März bis 2. April sind in Bremen und Niedersachsen Schulferien. Eine gute Gelegenheit, um mit wissensdurstigen Kindern einen Ausflug in ein Museum zu machen. Ich bin im Bremer Überseemuseum gewesen und habe mir mit Martin und Luise die Sonderausstellung „Abenteurer, Entdecker, Forscher“ angesehen.

Das war ein kurzweiliger Rundgang für uns alle drei: Die Kinder wurden nämlich an der Kasse mit einem Entdeckerrucksack ausgestattet, der ein paar interessante Utensilien enthielt. An fünf Orten wurden Martin und Luise   angeregt, damit ein paar Aufgaben zu lösen.

Mir hat es Spaß gemacht, dass ich in der Ausstellung mein Schulwissen wieder hervorkramen konnte. Ich stellte nämlich fest, dass ich immer noch eine Menge über Charles Darwin (1809-1882), Marie Curie (1867-1934), Vasco da Gama (1460-1524), James Cook (1728-1779) und Gerhard Rohlfs (1831-1896) wusste, aber von dem marokkanischen Weltenbummler Ibn Battuta (1304-1368 o. 1377) oder dem Chinesen Zheng He (1371-1433) noch nie gehört hatte. Viel zu wenig wusste ich auch von Maria Sibylla Merian (1647-1717). An ihre detailgetreuen Zeichnungen erinnerte ich mich, doch mir war nicht klar, dass sie als Pionierin der frühen Insektenforschung gilt.

Für diese Ausstellung hat man Exponate aus aller Welt nach Bremen geholt. Zum Beispiel die Ledertasche der zweifachen Nobelpreisträgerin Marie Curie aus einem Museum in Warschau oder das Schwert von Vasco da Gama aus einem Museum in Lissabon. Außerdem finden zu dieser Sonderausstellung  Führungen mit Schauspiel statt. Als wir da waren, haben wir  Frau Rohlfs kennengelernt, die vom Leben ihres Mannes, des Afrikaforschers Gerhard Rohlfs, erzählte.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. März zu sehen. Weitere Informationen unter www.uebersee-museum.de.

Zu den Fotos:

Charles Darwin nahm an Bord der „Beagle“ an einer fünfjährigen Expedition um die Welt teil. Was er beobachtete führte ihn später zu seiner Evolutuionstheorie. Weil er ständig seekrank war, lag er die meiste Zeit in einer Hängematte.tgb012112302

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Ein bisschen Schauspiel ist auch dabei: Lony Rohlfs erzählt von ihrem Leben mit dem Afrikaforscher Gerhard Rohlfs.

Wo sind die weisen Alten?

Ich suche nach Weisheit und finde sie am Ende in Büchern

Ist man weise, wenn man siebzig, achtzig, neunzig oder gar hundert Jahre alt ist? Ich habe jetzt die erste Stufe in diesem letzten Lebensabschnitt erreicht. Doch weise finde ich mich nicht. Ich bekomme vermutlich bald Krach mit meiner Nachbarin und Radfahrer, die direkt an meinem Küchenfenster auf dem Fußweg vorbei fahren, kann ich auch nicht leiden.
Im Alter wird man alt, sonst nichts (soll Bernhard Shaw gesagt haben). Doch wo steckt die Altersweisheit? Vermutlich in Büchern, die kluge alte Männer und Frauen geschrieben haben. Und darum habe ich meinen Bücherschrank durchgesehen und natürlich auch etwas entdeckt. Es sind Zufallsfunde. Ihr einziges gemeinsames Merkmal: Die Autorinnen und Autoren haben ein langes Leben hinter sich.

Das sind meine Fundstücke

Richard von Weizsäcker (geb. 1920)
Politiker, hat eine Bitte an die Jugend:

„Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie miteinander zu leben, nicht gegeneinander.“
Zitat aus seiner Rede, die er am 8. Mai 1985 gehalten hat.

Marion Gäfin Dönhoff    (1909-2002)                                                 Publizistin, hat 1995 zwölf Thesen gegen die Maßlosigkeit aufgestellt. In These 3 und 4 heißt es u.a.:
Wenn jeder sich nur auf seine Leistung konzentriert und auf seinen Lustgewinn und die Verantwortung für das Gemeinwohl dem Staat überläßt, dann geht die Gemeinschaft vor die Hunde…. Die Überbetonung von Leistung, Geldverdienen und Karriere…führt dazu, dass alles Geistige, Humane, Künstlertische an den Rand gedrängt wird.
„Zivilisiert den Kapitalismus. Grenzen der Freiheit.“ Deutsche Verlagsanstalt.

Gesine Schwan (geb. 1943),
zweimal Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, über den Sinn des Lebens:
Der Sinn des Lebens beruht auf Gemeinsamkeit und Gegenseitigkeit, er ist notwendig subjektiv, aber deswegen kein individualistisches Projekt. ..
Woraus wir leben“. Das Persönliche und das Politische. Ein Gespräch mit Christian Geyer“. Piper-Verlag.
Das Buch hat mir ein lieber Freund geschenkt.

Helmut Kohl (geb. 1930)
Politiker, verteidigt die Macht.
Wir haben in Deutschland die seltsame Angewohnheit, Macht zu diffamieren. Macht an sich ist ja nichts Gutes und nichts Schlechtes. Die Frage ist, wie man Macht gebraucht….Macht ist notwendig. Wer Macht denunziert und der Macht entflieht, der kann nichts gestalten. Das gilt übrigens nicht nur für die Politik, das gilt für viele Bereiche des Lebens.
Helmut Schmidt. “ Jahrhundertwende“. Siedler Verlag.

Helmut Schmidt (geb.1918)
Politiker, über Freundschaft
Der Wesenskern einer Freundschaft beruht auf der Zuverlässigkeit des Freundes, auch darin, dass man sich darauf verlassen kann, dass er das sagt, was er wirklich denkt. Das ist gar nicht so häufig im Leben wie in der Politik.
Helmut Schmidt „Jahrhundertwende“. Siedler-Verlag

Josef  Hattig (geb 1931)
Bremer Wirtschaftssenator a. D. über Fähigkeiten im Alter
Das Alter ist keine Steigerung gesundheitlicher Fröhlichkeit, zugegeben. Aber die Fähigkeit zu denken, Erfahrungen weiterzugeben und Entscheidungen zu treffen, sollte nicht zu früh aufgegeben werden. Wir leisten uns den Luxus, hochkarätige, konzentrierte Erfahrung ab Mitte 50 in die Ecke zu stellen.
„Weser-Kurier“, 21. Dezember 2010, im Gespräch mit Güther Hörbst.

Papst Benedikt XVI.  (geb. 1927) Von 2005 bis 2013 im Amt. Im Gespräch mit Peter Seewald.

Braucht es in der Überlieferung des Glaubens auch einen neuen Ton, einen neuen Klang?

Ich denke ja, denn dass so viel Müdigkeit, jedenfalls in Europa, unter Christen herrscht, zeigt ja wohl,  dass ein neuer Klang notwendig ist……

„Salz der Erde“. Joseph Ratzinger, Bebedikt XVI.. Christentum und katholische Kirche im neuen Jahrtausend. Ein Gespräch mit Peter Seewald. Wilhelm Heyne Verlag. München. 6. Auflage. 2004.

Vom Grabbeltisch in der Buchhandlung. Eine Zeitlang meine Abendlektüre.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Dichter. Er darf nicht fehlen und bekommt das Schlusswort.
An den Leser: Lies uns nach Laune, nach Lust, in trüben, in fröhlichen Stunden, wie uns der gute Geist, wie uns der böse gezeugt.
„Aus den Xenien von Schiller und Goethe“. Johann Wolfgang von Goethe. Gesammelte Werke in sieben Bänden.

Ist das Weisheit genug? Wer meint, es könnte mehr sein, kann diese Sammlung gerne auffüllen. Im Kästchen „Kommentar“ gibt es jede Menge Platz dafür.

Ein Tagebuch mit Zitaten

Ich habe schon als Schülerin 1956 angefangen Zitate zu sammeln. Friedrich Hebbel taucht besoners häufig auf. Aber auch amerikanische Schritsteller sind dabei und ein bisschen Goethe.

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