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Archiv für November, 2012

Der Lauf der Zeit

Stille Tage / Totensonntag / Vorfreude auf Weihnachten

Dieses Foto habe ich ausgesucht, um daran zu erinnern, dass heute  Totensonntag ist. Es zeigt eine Gräberreihe  auf dem  Riensberger Friedhof.

Der Totensonntag ist der letzte der stillen Tage im November. Doch wie lange noch? Freitag berichtete die Frankfurter Allgemeine auf ihrer ersten Seite, dass  in Rostock, Neubrandenburg, Potsdam und Halberstadt bereits drei Tage vor Totensonntag Weihnachtsmärkte eröffnet wurden. In der evangelischen Kirche sei das  auf Kritik gestoßen. Doch wie sieht es bei mir vor der Tür aus?

Das Foto stammt aus meinem Archiv und soll  nur bebildern, dass auch in meiner Nachbarschaft die Vorweihnachtszeit längst begonnen hat. In den Einkaufszentren sind am Totensonntag Weihnachtsmärkte geöffnet , die Einkaufszonen  sind  festlich geschmückt  und alle Buden stehen auf ihrem Platz, um sich genau einen Tag nach dem Totensonntag in Vegesack zu öffnen und am Donnerstag, 29. November,  dann auch in Bremen. Danach ist 1. Advent.

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Was Krieg bedeutet

Bombennacht im Ruhrgebiet / Raketen im Gazastreifen / Volkstrauertag

Heute, Sonntag, 18. November, ist Volkstrauertag. Ich denke an meinen Onkel Heinz Bormann. Leutnant der Luftwaffe. Geboren am 15. November 1919. Verschollen im Februar 1945 in Posen, heute Posnan, Polen.

Das Erinnern an diesem Tag gilt den Toten zweier Weltkriege und den Opfern der Gewaltherrschaft aller Nationen. Doch an diesem Sonntag denke ich auch daran, dass an anderen Orten der Erde wieder Krieg herrscht. An der Grenze zum Gazastreifen beschießen sich Israelis und Palestinenser. Mich haben die Bilder an einen Brief erinnert, den mein Onkel am 7. Juli 1943 an seine Eltern schrieb. Darin beschreibt er eine Bombennacht im Ruhrgebiet:

…Das ganze Ruhrgebiet ist ein Frontgebiet. Wenn wir nachts auf unserer Befehlsstelle stehen und die Gefechtstätigkeit beobachten, dann ist das Bild um uns tatsächlich das Bild einer Schlacht. Über uns das immer neu auftauchende Flugzeuggeräusch, das während des Angriffs nie abreißt, das aufwärtsteigende Heulen der Flakgranaten. Ein Donnern und ein Krachen, wie es in einer Artillerieschlacht nicht schlimmer sein kann. Man sieht das Aufflackern der Brandbomben, die in langen Reihen in großer Anzahl hintereinander gefallen sind und sieht weiter, wie sich in der weiteren Umgebung Brände entwickeln, die den ganzen Himmel rot färben und  die Gegend hell erleuchten… Es ist furchtbar, was die Bevölkerung hier ertragen muß, aber einfach bewundernswert, mit welcher Haltung sie es hinnimmt…

Das geschah vor fast 70 Jahren. Heute heißt es in den Nachrichten im Fernsehen: „Die gegenseitigen Angriffe im Nahen Osten dauern unvermindert an. Aus dem Gazastreifen wird Israel beschossen. Die israelischen Angriffe auf Stellungen der radikalislamischen Kämpfer im Gazastreifen dauern an…

Auf der zentralen Gedenkstunde zum Volkstrauertag, heute Nachmittag in Berlin, hat die 25-Jährige Rednerin Alexandra Simtion gesagt: „In Friedenszeiten zu leben, ist ein Privileg“.

Kindergeburtstag? – Mädchengeburtstag!

Lynn hat sich verlaufen –  Die Tiger sollen leben  –  Unsinn auf der Tischdecke

Anna* feiert Geburtstag. Es ist ihr elfter. Zwölf Mädchen feiern mit. Ich bin auch eingeladen. Zum Helfen. Doch rasch zeigt sich, dass die Mädchen ganz prima ohne Erwachsene auskommen.

Anna hat dafür eine Menge Vorarbeit geleistet: Mit Engelszungen hat sie ihre Eltern überredet, den Esstisch aus der Mitte des Zimmers in eine Ecke zu schieben. So ist genug Platz zum Spielen und Tanzen da. Den Tisch hat sie mit einer Papierdecke verkleidet. Später wird sich herausstellen, dass damit schon der erste Spaß beginnen kann.

Als fast alle Mädchen angekommen sind und ihr Geschenk überreicht haben, klingelt das Telefon. „Wo wohnst du?“, fragt Lynn. Als das Hin und Her am Telefon nicht enden will, mischt sich der Vater ein. Lynn hat sich verlaufen. Sie steht an einer Bushaltestelle. „Wir holen dich. Bleibe wo du bist“, entscheidet der Vater und läuft mit dem ganzen Mädchenschwarm los. Lynn hat bis vor kurzem noch in Singapur gelebt. Da darf man sich in Berlin auch ruhig einmal verlaufen. Aber nur, wenn man mit einem Handy unterwegs ist!

Als schließlich alle Mädchen um den Tisch herum sitzen, zündet die Mutter die Geburtstagskerze auf der Torte an. Anna soll sie auspusten und sich etwas wünschen. Aber was? „Ich wünsche mir immer, dass die Tiger nicht aussterben,“ erzählt Maja. „Ich wünsche mir, dass es keinen dritten Weltkrieg gibt“, rufen Sonja und Mira. Anna schließt die Augen und bläst die Kerze aus. Sie verrät nicht, was sie sich gewünscht hat.

Alles selbst gemacht.

Als der Geburtstagskuchen fast aufgegessen ist, hat Miriam eine Idee. Sie schlägt vor, vier Gruppen zu bilden, die auf die Papierdecke verschiedene Wörter schreiben, die am Ende dann als Satz gelesen werden. Prima! Und Miriam entscheidet: „Ihr schreibt Substantive auf, die nächsten Verben, dann kommen Präpositionen und am Schluss wieder Substantive.“ Donnerwetter, soviel Latein auf einmal. Alle machen voller Eifer mit. Als sie am Ende die Wörter verbinden, wird die Freude über den Zufallsunsinn immer größer: „Der Weihnachtsmann haut auf der Opa“, lesen sie vor. Oder: „Die Torte schreit in die Lampe….“

Danach will Anna ihre Geburtstagsgeschenke auspacken. Auch dafür finden die Mädchen eine Regel: Alle setzen sich auf den Boden und lassen eine Flasche kreisen. Wer dann hinter der Flasche sitzt, überreicht sein Geschenk. Es sind viele Bücher dabei, aber auch Wolle zum Strümpfe stricken….

Später verschwinden alle im Garten. Dort hat der Vater eine Feuerschale zum Wärmen aufgestellt und auf dem Grill läßt er Würstchen brutzeln.Nun wird auch ein Vorschlag von der Mutter angenommen. Alle sammeln Blätter, Blumen und Früchte, um dann daraus Figuren auf einer Postkarte zu formen. Und weil die Mutter weiß, dass diese Bilder schnell welken, fotografiert sie alle und druckt sie als Postkarten aus. So sind die kleinen Werke auch eine Erinnerung an diesen schönen Geburtstag an einem Sonntag im November in Berlin. (* Alle Namen geändert).

Drei Postkarten  von dreizehn zum Thema „Herbstfiguren“.

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