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Archiv für Oktober, 2012

Ein paar Sätze zum Reformationstag

Ich gehe in die Kirche / Kein Halloween / Der Kürbis kommt in den Topf

Am 31. Oktober – Mittwoch – feiern die evangelischen Christen ihren Reformationstag. Sie erinnern damit an den 31. Oktober 1517, als der Mönch Martin Luther an der Schlosskiche in Wittenberg eine Schrift festmachte, in der er in 95 Thesen Kritik an der Kirche übte. Was dann folgte, haben wir alle in der Schule gelernt. Es kam zur Kirchenspaltung. Meine Bremer Vorfahren wurden evangelisch.

Und ich halte der evangelischen Kirche immer noch die Treue. Was mir gar nicht gefällt ist, dass auch Halloween am 31. Oktober gefeiert wird. Und überall sollen dann hohle Kürbisse stehen, mit Gesichtern, die von innen leuchten. Bis vor einigen Jahren wußte ich noch gar nicht, dass Halloween in anderen Ländern gefeiert wird. Nun klopfen Kinder bei mir an und möchten ein paar Süßigkeiten haben. Sonnst?? Ja, sonst könnten sie mich ärgern und meinen Haustürgriff mit Senf einschmieren!

Was soll ich also tun? Die Gottesdienste am Reformationstag finden in Bremen in allen Kirchen, die sich dafür öffnen, abends statt. Und dann sind auch die Halloweengeister und Gespenster unterwegs, die mir vielleicht Zahnpasta und Senf an die Türgriff schmieren, weil ich ihnen nicht öffne und keine Süßigkeiten schenke?

Ich schreibe es jetzt endlich hier hin: Nein, Halloween mag ich nicht. Mein schöner Kürbis aus dem Garten bekommt kein Halloweengesicht. Er kommt in den Topf und wird zu Mus gekocht. Und ich gehe in die Kirche, wo ich dann hoffentlich in einer großen Gemeinde Martin Luthers Reformationslied „Ein feste Burg ist unser Gott…“ singen kann. Und weil ich nun auch mit diesem Text zu Ende kommen möchte, schließe ich mit dem mutigen Satz, den Martin Luther am Ende seiner Verteidigungsrede vor dem Reichstag in Worms (1521) gesagt haben soll: „Ich kann nicht anders, hier stehe ich, Gott helfe mir. Amen“.

Mein Kürbis aus dem Garten kommt in den Topf und leuchtet nicht für Halloween.

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Ausflug in den Herbstferien

Besuch im Museum Schloss Schönebeck – Ein Ziel für Groß und Klein

Das Museum Schloss Schönebeck,   Im Dorfe 3,   28757 Bremen

Wer in den Bremer Herbstferien noch nach einem schönen Ziel sucht, freut sich vielleicht über diesen Tip: Ich bin mit meinen Enkelinnen Hannah (10) und Pauline (7) im Museum Schloss Schönebeck gewesen. Das Schloss steht in Bremen-Nord. In dem großen herrschaftlichen Fachwerkhaus zeigt der Heimat- und Museumsverein für Vegesack und Umgebung seine Sammlungen. Obwohl der Begriff im Namen des Museums nicht mehr auftaucht, ist es bis heute ein „Heimatmuseum“ geblieben, und das immer noch im guten alten Sinn. Wer es besucht, kann seinen Kindern und Enkeln zeigen, wie früher in unserer Region der Alltag aussah, und wer allein kommt, findet rasch Gesprächspartner zum Austauschen von Erinnerungen.

Mit Hannah und Pauline an der Hand

Ich bin einem Sonntag mit Hannah und Pauline im Heimatmuseum gewesen. Wir drei haben uns dort fast eine Stunde ganz prima unterhalten.

Am besten hat es uns im Schlosskeller gefallen, denn dort liegt die Schlossküche, und es gibt es dort auch noch einen Raum, in dem nur altes Spielzeug gezeigt wird: zum Beispiel verschiedene Puppenstuben, ein Kaufmannsladen und Vitrinen, voll mit Puppengeschirr.

Die Mädchen schüttelten über die Puppen den Kopf und freuten sich über die Wäsche, die an einer   Leine hing. Gar nicht satt sehen konnten sie sich an dem schönen Puppengeschirr und stellten am Ende fest, dass sich die Formen von Teller und Tassen bis heute kaum geändert haben.

Ich war entzückt (hier passt das Wort) über die Detailfreude der Vereinsmitglieder, die das alles aufgebaut haben: einmal haben sie eine winzige Schublade ein bisschen aufstehen lassen, ein anderes Mal eine kleine Katze in Szene gesetzt.

Heute verboten

Doch dann hieß es plötzlich: „Oma lies!“ Die Enkelinnen standen vor einer Vitrine und zeigten auf ein kleines Kochbuch für Kinder, gedruckt in alten Buchstaben, und ich buchstabierte:

„Bierkaltschale:

Auf jede kleine Person eine kleine Tasse Bier, zwei Tassen Wasser, ein gehäufter Teelöffel Zucker und ein halber Zwieback oder eine halbe Schnitte Weißbrot. Zwieback oder Weißbrot brockt in Eure Terrine, thut Bier, Wasser und Zucker dazu, und rührt es gut durch.“

Bier für Kinder? Wir haben uns alle drei ungläubig angesehen. Das ist heute verboten. Später hat mir jemand erklärt, dass das Bier früher weniger Alkohol hatte…

 Die Küche  im Erdgeschoss. Hier werden bei Älteren sicher Kindheitserinnerungen wach. Der Herd ist immer noch eine Augenweide.

Man kann viel erzählen

Doch das Wundern sollte noch weitergehen: in der alten Schloßküche im Keller konnte ich beschreiben, wie  Wäschemangel und Bügeleisen früher genutzt wurden und – wieder im Erdgeschoss – vor dem Kohleherd, dem Butterfass, der Speisekammer oder den Betten im Schrank meine Geschichten erzählen. Hannah und Pauline kamen aus dem Staunen nicht heraus.

Als wir endlich das Museum verließen, waren wir vergnügt und munter. Wir hatten uns gut unterhalten und waren am Ende doch alle drei froh, dass wir heute leben und nicht im mühevollen Alltag unserer Vorfahren.

 Die regulären Öffnungszeiten stehen hier:http://www.museum-schloss-schoenebeck.de/

Schöne Tage überall

Der Oktober hat uns doch noch ein paar schöne Tage beschert. Dieses Foto entstand am 21. Oktober, einem Sonntag, am Ufer der Lesum. Dort, wo einst Baron Knoop mit seiner Familie lebte. Heute ist der Park für alle geöffnet.

Schulferien im kleinsten Bundesland

Sonniger Herbst in Bremen. Der Freimarkt ist eröffnet, und die Schulferien haben begonnen. In diesem Jahr passt beides gut zusammen:

Isher Freimark ! vom 19. Oktober bis 4. November 2012.

Herbstferien vom 22. Oktober bis 3. November 2o12.

Ich bin alt, aber noch nicht hilflos

Was passiert, wenn der Körper streikt? – Nein, so geht das nicht!

Meine Schwester ist ein paar Jahre älter als ich. Sie ist krank und manchmal braucht sie in ihrem Alltag Hilfe. Dazu kommt eine Pflegerin bei Bedarf vorbei. Das hört sich dann manchmal so an: „Frau M., was machen Sie denn da?“ „Jetzt haben Sie ja schon wieder ihre schmutzige Wäsche in den Schrank geschmissen…Nein, so machen wir das heute nicht!“

Mir geht der Hut hoch, wenn ich diesen Ton höre. Ich stelle mir vor, was passiert, wenn mir jemand helfen möchte.

Erstes Bild

Die Person ist natürlich jünger als ich und möchte, dass ich von ihrem Wissen profitiere. Das geht in Ordnung. Doch wenn ich Pech habe, ist sie esoterisch orientiert, rät mir vom Alkohol ab und findet, das ich mich mehr bewegen soll. Und das in falschem Ton. Fürchterlich!

Zweites Bild

Ich gebe den Namen meiner Krankheit bei Google ein. Die Vorschläge zur Hilfe fließen zwar reichlich, doch wenn ich mich für einen Anbieter entschieden habe, will der meinen Namen, mein Alter und ein Passwort von mir, eh er mich überhaupt in seine Welt einlässt. Nein danke!

Drittes Bild

Meine Freundin ist diesen Monat in ein Altersheim gezogen. Alle sind freundlich und hilfsbereit zu ihr. Man könnte es im Alter nicht besser haben, denke ich. „Du spinnst“, sagt meine Tochter. „Du lässt später junge Leute bei dir wohnen, die dich betreuen“.

Na, das kann ja  heiter werden, wenn dieses Thema entschieden werden muss….

Viertes Bild

Natürlich kann sich alles im Seniorenalter (70+) schnell ändern. Ich habe es gerade erlebt. Zwei Freundinnen hatten zu ihrem siebzigsten Geburtstag eingeladen. Die eine musste uns alle wieder ausladen, weil sie an Leukämie erkrankt ist. Auf der anderen Feier fehlten vier Gäste, weil auch sie gerade erfahren hatten, dass sie schwer krank sind und nun alles für ihre Heilung tun wollen.

Fazit

Ich muss mir bewusst machen, dass sich mein Ende jeden Tag ankündigen kann. Ich kann mir nicht mehr sicher sein, dass sich alle meine Wünsche erfüllen. Und dass dann jemand da ist, der mir hilft, hoffe ich. Dass er dann auch noch den richtigen Ton findet, wünsche ich (mir).

Nachricht aus meinem Garten

Auf dem Silbertablett serviert

Das ist meine Miniernte aus meinem Garten. Aber sie ist wertvoll, denn sie zeigt,  dass meine Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) noch vermehrungsfähig ist. Die Blüten haben nicht nur ihre ganze Pracht entfaltet, sondern auch reichen Samen zur Vermehrung im nächsten Jahr geliefert.Die Samen hat mir meine Freundin Katrin geschenkt. Der Samen, den ich im letzten Jahr gekauft hatte, brachte nämlich nur Blüten hervor, aber nicht ein einziges Samenkorn. Das ist so gewollt, hatte mich jemand belehrt. So werden die Kunden zum Neukauf gezwungen. Mal ehrlich: Ist das nicht gemein?

Lieber Besuch

Meine Enkelin zeigt mir, was Mode ist

Meine kleine Enkelin besucht mich. Einen Tag und zwei Nächte. Die kleine Person ist gerade fünf Jahre alt geworden und so reist sie an:

Von Kopf bis Fuß fast ganz in Rosa gekleidet. An ihrem Ärmchen hängt ein Täschchen. Auch in Pink. Die Mutter schleppt eine Reisetasche und hält fünf Bügel fest, auf denen Kleidchen und Blusen hängen. „Auf eigenen Wunsch“, sagt sie nur und verabschiedet sich rasch.

Ich staune. Bei mir ist eine kleine Modedame zu Besuch und sie gefällt mir von Kopf bis Fuß!  So stilsicher bin ich in meinem ganzen Leben nie gewesen.

Abends unterhalten wir uns lange darüber, welches Oberteil am besten zur Schlafanzugshose passt. Diesmal ist Hellgrün an der Reihe. Am nächsten Morgen kommt sie in einem Kleidchen zum Frühstück, das ich – bitte, bitte – umändern soll: Oben am Ausschnitt ein Stück raus schneiden und den Stoff unten an den Ärmeln als Manschetten wieder ansetzen. Ich stelle mich dumm. Damit ist das Thema schnell erledigt.

Danach gehen wir einkaufen. Sie mit ihrem Täschchen am Arm und in einer Jacke, die bestimmt nicht warm genug ist, aber zu Kleid und Schuhen passt. Im Supermarkt darf sie sich ihre Lieblingsspeise aussuchen. Doch sie findet nichts Passendes und gibt sich mit Schokoladenpudding zufrieden. Dafür sucht sie sich die Kasse aus. Die Süßigkeiten läßt sie brav liegen, taucht dann aber mit einem Stift auf, den ich ihr kaufen soll. Der Kassierer erklärt: „Das ist Lipgloss mit Himbeergeschmack“. Bestimmt kein Gift, denke ich und lege ihn auf das Laufband. Die Kundin hinter mir zeigt mir einen Vogel. Für den Topf Schokoladenpudding bezahle ich 19 Cent, für den Pflegestift 79 Cent.

Auf dem Weg durch die Fußgängerzone kommen wir an einem Modegeschäft für Mütter und Kinder vorbei, in dem ich noch nie gewesen bin. Meine kleine Enkelin geht darauf zu. „Du hast doch so schöne Kleider“, sage ich. „Nur schauen“, sagt sie und schreitet los. Ganz Dame. Das Täschchen immer noch stilvoll am Arm. Fingert hier ein bisschen und da ein bisschen. Und verläßt den Laden wieder. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus.

Als der Vater sie abholt, hat sie sich mindestens dreimal umgezogen. Alle Farben kunterbunt durcheinander, aber immer zusammen passend. Sie hat mir alles erklärt, was im Kika-Kanal passiert, hat sich vorlesen lassen und ist im Park fast einen Kilometer gelaufen, um zu ihrem Lieblingsspielplatz zu kommen.

Es war ein lieber Besuch. Ich bin dankbar dafür, dass sie so unbeschwert aufwachsen kann. Und versuche mir vorzustellen, wohin sie ihre Neugierde und ihr Sinn für Mode einmal bringen werden.

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