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Archiv für Januar, 2012

Ich und die Welt da draußen

Zum Lachen

Den französischen Film „Ziemlich beste Freunde“ haben inzwischen Millionen von Besuchern gesehen, und ich gehöre dazu. Seit 2. November letzten Jahres läuft er in Frankreich und Belgien und seit dem 5. Januar in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Den musst du sehen“, hatten die Kinder gesagt. „Er ist so lustig“.

Und tatsächlich: Was der bis zum Hals querschnittgelähmte Millionär und sein junger Pfleger zusammen erleben, sieht man mit Vergnügen. In diesem Film darf man über einen Behinderten lachen, weil man es mit ihm zusammen tut. Gefallen hat mir auch, dass es der junge Krankenpfleger ist , der den Behinderten mit seiner Lebensfreude ansteckt. Einer Lebensfreude, die bei beiden verschüttet war und  durch ihr Zusammenleben wieder geweckt wird.( Der Krankenpfleger war bis zu seiner Einstellung ein Kleinkrimineller, ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft).

Und wie schön, dass das Thema Freundschaft  zum Thema der Journalisten geworden ist: Die „Zeit“ untersucht in dieser Woche den Wert der Freundschaft und beruft sich dabei auf diesen Film.

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Katerstimmung im Januar

Vom Kater aus gesehen ist alles in Ordnung: Der Fensterplatz über der Heizung ist warm, der Fressnapf war gut gefüllt, und der Rivale hat sich  noch nicht im Garten sehen lassen. Der Mensch dagegen träumt von Sonnenschein und Blumenduft.

Geschichten aus meinem Alltag, neue Folge

Die Rede ist von Kindern, einem Greis und Fortschritt im Kino

Generationenkonflikt. Im Zug zwischen Bremen und Verden: 160 Kinder erobern die Abteile. Rückzugsmöglichkeiten für Erwachsene: keine. Als ein paar Zehnjährige die Fenster öffnen, weil es ihnen zu warm ist, protestieren die Erwachsenen: „Es zieht. Schließt die Fenster bitte wieder.“ „Das gibt’s doch nicht“, ein Junge schüttelt den Kopf. „Uns ist heiß, und wir dürfen kein Fenster aufmachen?!“

„Dann zieht doch erst einmal eure Jacken aus und nehmt die Schals ab“, schlagen die Erwachsenen vor. Zwei schließen ihr Fenster. Der Empört-euch-Junge aber nicht.

„Das gibt’s doch nicht“, sagen die Erwachsenen. Doch das gibt es.

Markus. Markus ist ein guter Bekannter. Er ist viel mehr als achtzig Jahre alt. Auf der Straße erkennt er mich sofort, und ihm fällt sogar mein Name ein. Neulich haben wir uns wieder getroffen. Wir tauschten die letzten Neuigkeiten aus. Aber unser Smalltalk zog sich hin. Schließlich landeten wir bei der Ärztefrage: gut oder schlecht? Die Hautärztin? „Geh mir los mit der“, tönte Markus. „Dieses Weib…“ „Markus“, flüsterte ich in sein Hörgeräteohr, „nicht so laut, wir sind auf der Straße.“ „Wieso, das kann jeder hören. Dieses Weib. Ich sollte mich nackt ausziehen. Und hinterher hat sie gesagt, ich wäre gesund“, empörte er sich..

Ich verabschiedete mich. „Ich kann nicht mehr stehen“, sagte ich. Das verstand Markus und schob sich mit seinem Rollator davon.

Hannah Marie. Sie ist mitten in der Pubertät. Sich und ihren Eltern macht sie das Leben schwer. Hannah Marie erlebt das alles zum ersten Mal. Ihre Eltern und ich wissen,  wie  weh das  tut. Wie kann ich ihnen helfen?

Wie immer, wenn ich nicht weiter weiß, fange ich an zu lesen. Und ziemlich schnell finde ich eine Antwort in einem Magazin. Dort bekommt eine Großmutter den Rat:“ …unterstützen Sie die Eltern. Sagen Sie, dass sie gute Eltern sind… Eltern“, so wird erklärt, “ werden von ihren pubertierenden Kindern stark in Frage gestellt. Mama und Papa sind nicht mehr die Besten, sondern nerven…“

Ich glaube, das ist ein guter Rat. Aber wie helfe ich Hannah Marie? Ich werde sie ganz fest in die Arme nehmen, wenn sie wieder einmal aus der Rolle fällt., damit sie merkt, wie lieb ich sie habe.

Kinovergnügen. Wir haben uns für einen Kinobesuch entschieden. Weit draußen in der Provinz. Und was beschert uns das? Einen Kinosaal mit nie gekanntem Ausblick auf die Leinwand! Obwohl wir fast ganz vorne sitzen, bedeckt der große Mann vor mir kein Stück von der Leinwand. Das gab‘ s für mich (1,59 Meter groß) noch nie. Das Geheimnis: In diesem Kino sitzt man auf Hochpolstersesseln. Was für ein toller Fortschritt! Und dazu auch noch gestochen scharfe Bilder! Was für ein Fortschritt!

Abendhimmel im Januar

Sonnenuntergang an der Weser vor Bremen. Graue Januartage haben manchmal auch ein schönes Ende.

Auf der Suche nach Idealen

Julia Friedrichs beschreibt in ihrem Buch einen langen Weg

Ich habe mir Julia Friedrichs neues Buch „Ideale. Auf der Suche nach dem, was zählt“ gekauft. Mich hatte eine Besprechung in der FAZ neugierig gemacht. Zum Glück finde ich im Klappentext alles, was man über die Autorin wissen sollte: Julia Friedrichs wurde 1979 geboren. Sie arbeitet als freie Autorin für Fernsehen und Zeitungen und hat bereits einen Bestseller geschrieben: „Gestatten: Elite. Auf den Spuren der Mächtigen von Morgen“. Erschienen 2008.

Ihr Lesestoff ist einfach zu verstehen. Die Autorin nimmt einen mit auf  ihre Suche. Das bedeutet: Sie läßt einen teilhaben an ihren Beobachtungen und Gedanken dazu. Den Rahmen bildet sie aus kleinen Berichten über das erste Lebensjahr ihres Sohnes. Für ihn hat sie sich auf die Suche nach vorbildlichen Menschen gemacht.

Getroffen hat sie unter anderem Gerhard Schröder, Hans-Christian Ströbele, Ingo Schulze, Peter Hartz  und Günter Grass. Dazu auch „Namenlose“: eine Ärztin, eine Umweltaktivistin, eine Kindergärtnerin, einen Abgeordneten aus dem Europaparlament und einen Firmeninhaber. Verweigert haben sich Alice Schwarzer und Joschka Fischer.

Wie ist das Buch geschrieben? Flüssig und anschaulich.  Aus ihren Interviews hat sie kleine Reportagen gemacht, die ich gern über viele Seiten verfolge. – Doch irgendwann werde ich müde. Ich merke, dass ich für dieses Buch zu alt bin. Früher war ich auch auf der Suche nach Vorbildern. Ich habe alles über Albert Schweitzer gelesen, Theodor Heuss bewundert und mich über Alice Schwarzer aufgeregt, die meine Ideale verächtlich machte.  Doch jetzt suche ich nicht mehr.  Auch Julia Friedrichs hat am Ende nicht ihr ideales Ideal gefunden. Doch für sie gibt es eine Lösung: Sie hat eine Liste mit guten Vorsätzen aufgestellt. Es ist eine „schneckenhafte Weltverbesserung“, die sie sich vorgenommen hat. „Das ist“, so schreibt sie“, „viel besser, als nichts zu tun, und es ist der einzige Weg, der für mich gangbar ist.“

Kein aufregender Schluß, aber er gefällt mir.

Julia Friedrichs: „Ideale“.  Hoffmann und Campe, Hamburg 2011,  19,99 €.

Graue Januartage

Diese Figurengruppe von Thomas Recker steht auf der Mauer des Vegesacker Hafens. Drei Frauen blicken in Richtung Weser. Der Mann betrachtet den Bahnhofsvorplatz. Gedacht war das vom Künstler ursprünglich nicht so. Er wollte eine Männergruppe schaffen. Doch als er sein Modell dem Ortsparlament vorstellte, meldete sich Anke Nerger( SPD) und regte an, auch eine Frau in die Gruppe zu stellen. Alle stimmten zu, und Thomas Recker erfüllte den Wunsch. Seit 2001 stehen die Vier nun dort (53°10′ Nord, 8°37′  Ost) , und jeder kann sich dazu seine eigene Geschichte ausdenken.

Eine kleine Geschichte

Bundespräsident Heinrich Lübke, meine Schürze und ich

Die Moralapostel unter den Journalisten lassen nicht locker: Herr Wulff muss weg. Wer die Qualifikation zum Bundespräsidenten hat, wollen sie bestimmen. Zum Spiel gehört inzwischen auch, dass man das Verhalten früherer Präsidenten noch einmal überprüft. Da war doch was?

Nur ein Augenblick

Nur die zwei ersten im Amt wurden bisher in Ruhe gelassen: Theodor Heuss (1949-1959) und Heinrich Lübke (1959-1969). Beiden bin ich begegnet. Als Theodor  Heuss Bremen besuchte, stand ich mit meiner Schulklasse am Straßenrand Spalier und winkte ihm zu. Heinrich Lübke hat mir sogar die Hand gegeben, um mir guten Tag zu sagen. Da war ich Volontärin bei einer Tageszeitung. Von dieser kurzen Begegnung möchte ich gern erzählen.

Die kleine Geschichte beginnt in der Küche meiner Eltern. Ich spülte das Geschirr – wie immer, bevor ich in die Redaktion fuhr. Dazu hatte ich mir eine Schürze umgebunden. So war es üblich. Als ich so richtig schön in Schwung war, klingelte es. Draußen standen ein Kollege aus der Redaktion und der Fotograf. „Sie müssen mitkommen. Lübke gibt einen Empfang im Hafen. Sie sollen die Garderobe von Frau Lübke beschreiben.“

Im Konvoi

Ich mit zum Bundespräsidenten! Wunderbar! Weil keine Zeit  zum Umziehen war, zog ich über alles meinen Mantel und sprang ins Auto. Wir waren die letzten im Konvoi des Bundespräsidenten. Hinter uns fuhr nur noch die Polizei. An den Straßenrändern winkten die Menschen. Ich war begeistert. Nur mit Mühe hielt ich meine Arme ruhig. Zu gerne hätte ich auch huldvoll gegrüßt…

Zum Empfang in der Lagerhausgesellschaft hatten sich alle wichtigen Bremer und Bremerinnen versammelt. Alle legten ihre Garderobe ab. Nur ich nicht. Ich hätte dann mit Schürze und in alten Kleidern dagestanden. Also blieb ich lieber im Hintergrund. Ich sollte ja auch nur…

Apfelgrün

Und dann passierte es: Bundespräsident Heinrich Lübke kam auf mich zu und sagte freundlich: „Ihnen habe ich ja noch gar nicht guten Tag gesagt“ und gab mir die Hand. Mein Herz hüpfte. Er hatte offensichtlich die Menschen nicht einfach an sich vorbeiziehen lassen, sondern hatte sich die Gesichter gemerkt. Und ich war bis dahin nicht dabei gewesen….

PS: Frau Lübke trug bei diesem Empfang übrigens ein Kostüm in Grün. „Apfelgrün“ stand am nächsten Tag in unserer Zeitung.

Und auch noch in eigener Sache: Hier sollte ein Link zur Biographie von Heinrich Lübke stehen. Das habe ich nicht hingekriegt. Also bitte selber auf den Weg machen…

Meine Liste mit guten Vorsätzen für 2012

Das neue Jahr hat angefangen. Soll ich es mit guten Vorsätzen beginnen? In meinem Alter? Meine Freundin ist schwerkrank. Sie hat Krebs. Vor fünf Wochen fühlte sie sich noch gesund und munter. Bin ich als Nächste an der Reihe? Nein, ich stelle mir lieber vor, dass ich auch 2012 gesund und munter weiter lebe. Mit guten Vorsätzen. 

Meine Liste dafür:

  • Auf der Straße mache ich immer ein freundliches Gesicht.
  • Ich meckere die Postbotin nicht mehr an, wenn sie mir  durchnässte Briefe abliefert.
  • Ich bleibe in der Kirche und zahle weiter Kirchensteuern. Nur meine Spendenbereitschaft werde ich zügeln.
  • Ich lese auch 2012 nicht die Bild-Zeitung. Das ist meine kleine, private Demo gegen groben Journalismus. Seit über 50 Jahren.

Vielleicht berichte ich später darüber, was aus den guten Vorsätzen geworden ist.

Meine Fotos zum neuen Jahr

Ich habe Silvester in Warnemünde an der Ostsee verbracht. Dort stand der Leuchtturm 23 Minuten in einem Lichtermeer aus Feuerwerk und Lasershow. 70 000 Menschen sahen zu.

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