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Archiv für September, 2011

fit! für die besten Jahre

Ich bin alt!  Die Botschaften reißen nicht ab! Heute hat mir die Post das DAK-Magazin „fit“ gebracht. Beim Blättern stelle ich fest: auf den Fotos fast nur alte Leute. Aber alle sind gut drauf. Betreut die  Krankenkasse DAK jetzt nur noch die Alten?

Aber nein. Als ich zurückblättere, sehe ich, dass man mir das Magazin „fit! für die besten Jahre“ geschickt hat. Bis jetzt bekam ich das normale „fit!“. Ohne lauter Alte in Großaufnahmen. Nun soll ich mich also darüber freuen, dass fünf alte Frauen ihren Spaß auf einer Saunabank haben. Alle sind von Altersflecken übersäht, haben sich die Augenbrauen nachgezogen und vermutlich viel Geld für ihre tadellosen weißen Zähne ausgegeben.

Ein paar Seiten weiter wird mir empfohlen, mal wieder radzufahren. Aber schön mit Helm auf dem Kopf und am besten mit einem Mann (alt), der mich gerne küßt. Wie das aussieht, zeigen Zwei auf dem Titelfoto. Ein paar Junge haben sich vermutlich die Seniorenwohnung ausgedacht, die auf Seite 14 beschrieben wird. In dieser Wohnung wird alles vom Computer gesteuert. Wie das ein alter Mensch allein bedienen soll, wird nicht beantwortet. Ein bisschen modern kochen soll ich auch noch lernen. Sorry, dass weiß ich schon lange. Stopp! Zwei Seiten jüngere Gesichter gibt es doch im Heft: Der neue DAK- Verwaltungsrat stellt sich vor.

Genug der Nölerei. Natürlich habe ich auch Interessantes gefunden. So weiß ich nun, dass die Praxisgebühr, die alle Patienten grundsätzlich beim Arzt bezahlen müssen, zum ärztlichen Einkommen gehört. „Sie ist praktisch ein Abschlag,  den der Arzt vorab erhält.“ Es gibt auch eine Menge Internetadressen, die einem  per Mausklick helfen sollen, die innere Ruhe wieder zu finden. Eine Buchbesprechung  erinnert mich daran, dass auch ich vielleicht eines Tages mich selbst verlieren könnte. Vorgestellt wird „Alzheimer und Ich“ von Richard Taylor. Er war 58, als er vor zehn Jahren die Diagnose Alzheimer bekam. Jetzt bittet er: „Behandelt uns nicht wie Kinder“.

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Telefon 022198239016

Es ist ein Uhr mittags. Das Telefon klingelt und zeigt die obenstehende Nummer an. Eine freundliche Frauenstimme  fragt mich im Namen von Wohlfahrtsverbänden, ob ich schon ein Notruftelefon besitze. „Aha“, antworte ich, „Sie kümmern sich nicht um den Datenschutz und wissen daher, dass ich in diese Altersgruppe gehöre, die ein Notruftelefon gut gebrauchen könnte.“ Das weist sie zurück und informiert mich unverdrossen weiter: „Am kommenden Montag ist ein Seniorenhelfer vor Ort und kann ihnen nähere Auskunft geben. Ich habe einen Termin für Sie“. Das reicht, um mich schön in Schwung zu bringen. „Ich kann mir noch selber helfen“, erkläre ich der Telefondienstdame. „Bitte rufen Sie mich nicht wieder an!“

Ich habe die Geschichte noch ein wenig weiter verfolgt und bei Google die Nummer eingegeben. Dadurch erfahre ich, dass sich dort seit März Leute melden, die sich alle über die Notrufwerbung ärgern. Nur Google nicht, denn jeder, der hier vorbei kommt, muß erst einmal auf eine Anzeige gucken, die Sterbegeld für 50Plus-Leute anbietet. Und wer alle Kommentare bis zum Ende liest, landet vor einer Anzeige, die für  Notruftelefone für Senioren wirbt. Ein Google-Witz!

Bremer Sommer 2011

Der Sommer geht zur Neige. Wer ihn in Bremen verbracht hat, wird sich an viel zu viele Regentage erinnern. Wie hier in der Überseestadt blieben die Gartenstühle oft unbesetzt. Gegessen wurde im Haus. Und die Speisekarte sieht aus als hätte sie darüber geweint.

 

Zwei Frauen sind dement

 

Im Magazin vom Bremer „Kurier am Sonntag“ wird über sieben Demenzkranke berichtet.

Sie leben in einer Wohngemeinschaft. Der Artikel ist von Fotos umrahmt.

 Zwei Frauenporträts sind dabei. Und um die soll es hier gehen. Wird durch das Porträtfoto nicht die Privatsphäre verletzt?

 Diesen Frauen gilt der Brief. 

Liebe Damen Namenlos,

ich habe heute Ihre Fotos in der Sonntagszeitung vom Bremer „Weser-Kurier“ gesehen. Es sind gute Fotos von Ihnen. Ihre Frisuren  sitzen perfekt, vielleicht sind Ihre Lippen geschminkt. Ihre Blusen sind tadellos gebügelt. Nur Ihre Namen fehlen in der Bildunterschrift. Das soll den Leser auch gar nicht interessieren. Interessant soll sein, dass Sie dement sind.

Wenn ich den wohlmeinenden Betreuern und dem Beobachter glauben darf, sind sie gänzlich aus der Welt gefallen. Sie können sich also gar nicht wehren, wenn Sie fotografiert werden und auch nicht verhindern, dass Ihr Foto in einem Artikel über Demenzkranke erscheint. Demenzkranke sind Verlierer. Doch muss alle Welt wissen, wer dazu gehört?

Ich bin selber alt und finde die  Fotoschau ärgerlich. Jeder Verbrecher, der noch nicht verurteilt ist, wird durch einen Balken über der Augenpartie unkenntlich gemacht. Und jeder gesunde Mensch kann verbieten, dass er als Einzelperson auf einem Foto in einer Zeitung erscheint. Nur Sie haben beim Fototermin nicht gewußt, was mit Ihnen geschieht.

Ich fühle mich Ihnen verbunden. Ich habe diesen Brief aus freien Stücken geschrieben.Das können Sie nicht mehr. So kann ich nur hoffen, dass es auch in ihrem Sinne ist, sich in diesem Fall zu Wort zu melden.

Hochachtungsvoll

M. Sansnom

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