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Archiv für Juli, 2011

Geschichten aus meinem Alltag

Neue Folge

Hitzefrei. Unser Freund hat uns zu seinem 70. Geburtstag eingeladen. Als Geschenk wünscht er sich eine Spende für eine Elternaktion in einer kleinen Schule in Niedersachsen. Dort geht seine  Enkelin zur Schule, und sie wird in einem Klassenraum unterrichtet, der bei schönstem Sommerwetter der wärmste Raum in der ganzen Schule ist. Früher hätten die Kinder einfach hitzefrei bekommen. Doch diese Möglichkeit  ist in Niedersachsen nur erlaubt, wenn alle Eltern vorher informiert werden. Da das nahezu unmöglich ist, haben die Eltern gefordert, dass eine Aussenjalousie angebracht wird. Doch auch das ist nicht möglich, weil dafür die erforderlichen 4700 Euro nicht zur Verfügung stehen. Darum haben die Eltern im letzten Jahr die Initiative ergriffen und angefangen für den Sonnenschutz Geld zu sammeln. 1800 Euro sind schon in der Kasse.

Vor rund 30 Jahren, als meine Kinder zur Schule gingen, hatten wir diese Probleme nicht. Eigentlich hatten wir Eltern gar keine Probleme: Die Lehrer kamen aus der 68iger Generation, denen war alles egal. Wir Eltern entschieden, auf welche weiterführenden Schulen unsere Kinder gingen. Bücher und Schulhefte gab es in Bremen gratis und hitzefrei gab es, wenn es nötig war. Die Mütter waren ja zu Hause (und kochten das Mittagessen).

Personalfrei. Das Hotel hat drei Sterne. Man kann also keinen großen Luxus erwarten. Die Überraschung: Die Zimmer sind modern und komfortabel eingerichtet. Doch bis man dahin kommt, muß man als Gast erst einmal ein bisschen arbeiten: Die Rezeption ist nicht besetzt. Das sieht man deutlich durch das Glas der Eingangstür, die abgeschlossen ist. Man wird gebeten, sich im Restaurant zu melden. Im Restaurant ist Betrieb. Die Ober sind alle beschäftigt. Bis sich einer ausbremsen läßt. Nach einigem Hin und Her händigt er uns einen Chip aus, an dem die Zimmernummer hängt. Mit diesem Chip lassen sich alle Türen öffnen. Doch welche Türen müssen wir öffnen? Und warum funktioniert der Chip nicht? Beides finden wir nach einiger Zeit heraus. Dann müssen wir noch einmal unser Bestes geben und unser Gepäck über drei schmale Treppen zum Zimmer hochtragen. Hilfe gibt es nicht, denn das ganze Haus ist bis unter das Dach personalfrei !

Gastfreundlich ist das nicht. Aber vielleicht ein Zukunftsmodell?

Kinderfrei. Die Sonne scheint. An den Elbufern sind viele Radler unterwegs. Die Fahrgastschiffe haben gut zu tun, weil sie die Radler von Ufer zu Ufer bringen. In Wedel ist schon am Anleger großes Gedränge und die bange Frage liegt in der Luft: „Kommen wir alle mit?“ Der Bootsmann kennt das schon. Ohne Hast läßt er die Radler und Radlerinnen ihre Fahrräder an Bord rollen. Immer der Reihe nach. Eine alte Frau mit Stock hält er energisch zurück. Sie schreit Zetermordio. „Ich bin behindert und habe Vorrang“. „Im Augenblick zu gefährlich für Sie“, bekommt sie zu hören. „Warten sie bis zum Schluß.“ Und – kaum zu glauben – pünktlich zur Abfahrzeit sind alle an Bord. Unten im Schiff stehen rund 100 Fahrräder in Reih und Glied. Oben haben sich die Fahrgäste verteilt. Alle im wohlgesetzten Alter. Kein Kind weit und breit zu sehen, obwohl Ferien sind.

So sieht es also aus, wenn  Kinder fehlen. Niemand guckt neugierig über die Rehling, niemand drängelt durch die Sitzreihen und niemand versucht, gegen den Wind zu spucken. Ich habe auf dem Schiff in unsere Zukunft geblickt.

Gut verstaut im Schiffsbauch: Die Räder der Sonntagsausflügler.

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Hurra – die Blüten sind da!

Geschafft. Mit Dünger und gutem Zureden. Die Geranien blühen!

Im Juni habe ich  hier im Blog meine drei Geranientöpfe gezeigt – alle mit schönen Blättern, aber ganz ohne Knospen und Blüten. Und ich habe mich gefragt, warum das so ist?

Eine freundliche Leserin hat mich getröstet, denn sie hatte herausgefunden, dass Geranien tatsächlich manchmal aus unerfindlichen Gründen nicht blühen. Doch dieser Trost reichte mir nicht. Hatte ich falsche Erde beim Umtopfen genommen? Hatte ich Dünger verteilt? Ganz sicher konnte ich beide Fragen nicht beantworten. Ich beschloß, es mit einer Düngung zu probieren. Und siehe da: Die Geranien sind voller Blüten!

Seniorentreffen

Blick in unser Lieblingslokal

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Sechs zwischen 70 und 80 amüsieren sich

Wir kennen uns seit Jahrzehnten. Die meiste Zeit geht jeder seine eigenen Wege. Doch hin und wieder treffen wir uns in kleinen Gruppen. Kürzlich war die Wandergruppe an der Reihe. Nein, es war  kein Fußmarsch angesagt, sondern ein Treffen zum Abendessen in unserem Liebligslokal. Wir waren sechs, zwei aus der Gruppe hatten abgesagt. Einer hatte Geburtstag und wollte diesen besonderen Tag nicht mit uns, sondern mit seiner Familie feiern. Die andere hatte auch Geburtstag, aber zugesagt. Kam aber nicht. „Wieso die Zusage. Sie wußte doch, dass sie an diesem Tag Geburtstag hat?“. „Ach, die ist schon ein bisschen tüddelig. Das hat sie  kurzzeitig vergessen. Die Kinder haben sie daran erinnert“.

Also gut, dann machen wir es uns allein gemütlich. Die Wirtin ist begeistert, dass wir da sind. Das Bier für die Männer kommt fast geflogen. Meine Freundinnen und ich bestellen eine Flasche Rotwein. Als wir dann alle vor unseren gefüllten Tellern sitzen, ist die erste Flasche Rotwein schon leer. Eine zweite folgt und eine dritte. Wieso schon eine dritte? „Das waren wir nicht“, ruft meine Freundin. „Guckt euch das an, die Männer trinken mit.“ Und so wird der Abend ganz von allein immer lauter und lustiger.

Kurz vor Mitternacht fällt uns ein, dass wir nun den Geburtstagskindern noch schnell ein Ständchen bringen könnten. So kurz vor Ende des Tages. Das erste Handy ist abgeschaltet. Und auf dem zweiten läuft nur der Anrufbeantworter. Wir singen trotzdem aus voller Kehle: „Happy birthday to youhu…“ bis sich das Handy abschaltet. „Wir haben nicht den richtigen Ton getroffen“, sagt meine Freundin. „Das müssen wir noch mal singen“. Also noch  einmal die Handynummer gewählt und gesungen. Und tatsächlich, es klingt jetzt besser. Die Wirtin freut sich und singt mit.

Danach ist der schöne Abend zu Ende.Wir gehen nach Hause. Alle, die jetzt noch im Lokal sitzen, sind jünger als wir. Aber niemand ist so heiter gestimmt wie wir!

„Ritzi liegt am Badestrand….“

Nordseeinsel Spiekeroog: der Badestrand.

Ich sitze mit meiner kleinen Enkelin  im Strandkorb. Mit ihren Eltern zusammen verbringe ich ein paar Urlaubstage auf Spiekeroog. Wir beide sehen zu, wie die Flutwellen immer näher kommen. Anna ist drei Jahre alt. Sie fragt noch nicht viel, aber sie kann gut zuhören und merkt sich eine Menge. Gedankenverloren läßt sie ihre kleinen Beine hin und her pendeln und singt vor sich hin:

Ritzi liegt am Badestrand.

Hat sich den Arsch verbrannt.

Will Fische seh´n.

Mag untergehen.

Kauft sich ´ne Pistole.

Schießt sich alleine tot.

Ist ´n Vollidiot.

Ich lache und schüttel den Kopf. „Wer hat Dir das denn beigebracht?“ „Jacob, mein Freund . In Spielkreis.“ Vergnügt blickt sie zu mir hoch. Dann setzt sie noch einmal an:

„Verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden. Wieviel Kinder willst Du kriegen?“

Ich bin froh, dass ich nicht antworten muss, denn Anna rutscht aus dem Strandkorb und läuft Papa und Mama entgegen. Ihre Welt ist in Ordnung.

Mir fallen meine alten Kinderreime ein. Mit Hingabe habe ich gesungen: „Fuchs, du hast die Gans gestohlen. Gib sie wieder her. Sonst wird dich der Jäger holen mit dem Schießgewehr….“ Und ein bisschen Sehnsucht schwang immer mit, wenn „Dornröschen war ein schönes Kind“ im Kreis gesungen wurde, denn am Ende kam der Königssohn und feierte mit Dornröschen das Hochzeitsfest.

 

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