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Archiv für Januar, 2011

Zwei unwichtige Fragen

Ich staune wieder einmal über die Natur! Auf der Fensterbank steht eine Orchidee, die nun schon zum zweiten Mal in voller Pracht blüht. Dabei bekommt sie gar keine besondere Pflege von mir: Sie steht an einem Fenster, dass nach Norden zeigt, und sie wird regelmäßig montags in ein Tauchbad gehalten. Beide Tips (keine pralle Sonne, Tauchbad) habe ich von einer Freundin in Mittelamerika.

Das liegt bestimmt an dem weichen Bremer Wasser“, meinte meine Nachbarin. „Oder düngen Sie regelmäßig?“ Nein – Ehrenwort – das habe ich noch nie!

Woher nimmt die Orchidee die Kraft?

Zur zweiten Frage

Als der Schnee lag, wurden in meiner Nachbarschaft viele Futterhäuschen regelmäßig gefüllt. Auch ich wollte mich beteiligen. Doch dann erzählte mir eine Freundin, dass bei ihr Ratten unter den Futtergästen waren. Das wollte ich vermeiden. Ich zögerte also, bis ich – der Schnee war weg – mein Futterhäuschen füllte. Es hängt unten am Hang zum Fluß. Ich kann es vom Haus aus nicht beobachten. Gestern wollte ich nachsehen, was gefressen wurde und  wollte meinen Augen nicht trauen: Alle Getreidekörner lagen – sorgfältig sortiert – noch da, nur die Sonneblumenkerne und die Erdnüsse fehlten.

Wer hat  diese vollkommene Sortiermaschine eingesetzt?

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„beautiful age“

Ich liebe Markennamen.  Alte Markennamen, die mich ein ganzes Leben begleitet haben. Sie verbreiten für mich Sicherheit und Vertrauen. Manchmal stelle ich mir vor, welche Menschen dafür gesorgt haben, dass die Marken immer noch existieren.

 Eine Antwort habe ich gerade gefunden: Sie sind nicht mit mir alt geworden, aber sie mögen mich.

 Bei meinem alterwürdigen Marken-Haarshampoo steht zum Beispiel auf der Flasche: 

 „beautiful age“ (man geht also davon aus, dass ich ein bisschen Englisch verstehe und geschmeichelt bin). dann lese ich noch „Haarfüller Shampoo. Stärkt und verdickt das Haar. Für feiner werdendes Haar.“  Auf der Flaschenrückseite finde ich noch viel mehr Text. Unter anderem die Bemerkung: „Im Alter kann das Haar feiner und anspruchsvoller werden. Es verliert an Kraft und Glanz.“ Na,bitte. Behutsamer kann man alten Frauen doch nicht klar machen, dass sie nur mit diesem beautifull age Shampoo jeden Tag schön und beg…(nein, so nicht),  jeden Tag schön und gepflegt aussehen!

Geschwätzig

Die amerikanische Journalistin Lyla Ward (74) hat ein Buch geschrieben. Auf 285 Seiten beschreibt sie für alte Leute, wie man sich im 21. Jahrhundert wohlfühlen kann. Und damit die Alten auch finden, was sie lesen sollen, heißt der Titel „Wo ist meine Lesebrille?“. Jedes Wort in einer anderen Schriftgröße. Das ist witzig.

 Zu Beginn erklärt Frau Ward, wie man erfolgreich älter wird, ohne zu sterben. Das soll ironisch gemeint sein. Kein neuer Gedanke dabei. Später sind  auch Enkelkinder, Schwiegertöchter, Computer, Navis und Passwörter im Gespräch. Dafür braucht sie rund 100 Seiten. Viel Schaumschlägerei.

Nur einmal fühle ich mich als deutsche Leserin herausgefordert, denn ich soll kapieren, dass Frau Ward in einem Nobelort wohnt, zusammen mit Alec Baldwin (?), Kim Basinger (?) und wer sonst noch alles… Stop: die Namen kenne ich:  Steven Spielberg und Ralph Lauren. Sie alle wohnen in den Hamptons.

Sympathisch finde ich, dass sich Frau Ward als Demokratin zu erkennen gibt. Doch warum sie sich anschließend als Demokratin versteckt, habe ich gar nicht verstanden.

Nein, verehrte Frau Ward, Ihr Buch bekommt keinen Platz in meiner Bibliothek. Ich werde es für einen Euro bei eBay anbieten. Ihr amüsantes Leben zwischen Jugendwahn und Seniorenteller hat mir nicht geschmeckt. Zuviel Geschwätz.

Bio, mein Bio

Alle reden von Dioxin in Eiern und Fleisch. Ich höre zu. Und bin froh, dass ich alt bin, denn bei mir können diese Giftstoffe bestimmt nicht mehr viel Unheil anrichten, weil sie zu den Langzeitschadstoffen gehören.

Dafür mache ich mir gerade ein paar andere Gedanken: Wieso sind mein Salat und meine Gurke (beide Bio) nach 26 Tagen Lagerung im Kühlschrank noch frisch?

 Beide wurden vor Weihnachten im Supermarkt gekauft. Und heute ( 16. Januar 2011) sehen sie immer noch gut aus.
Alles Bio!
Bio – mein Bio!

The daily post

Nein, auf Englisch geht es hier nicht weiter…

Doch der Titel hat seine Bedeutung, denn ich habe gerade im Internet den Hinweis gefunden, dass man sich unter „The Daily Post at WordPress.com“ jeden Tag ein topic für seinen Blog abholen kann. Nun, ja –   heute könnte mein Thema eine Erinnerung an 2010 sein.

Ich lasse mich darauf ein, denn eben ist auch noch eine Email aus den USA eingetroffen. Geschickt hat sie meine älteste Freundin. Ich kenne sie seit über 50 Jahren. Sie hat als junges Mädchen einen Brief an meinen Onkel geschrieben, weil sie mehr über ihre deutschen Vorfahren wissen wollte. Ihre Großmutter stammte aus der Nähe von Hoya an der Weser. Doch weil der Brief in Englisch geschrieben war, bekam ich ihn, denn ich war  fast so alt  wie sie und hatte gerade angefangen in der Schule Englisch zu lernen.

 rechts meine Freundin

 Wir tauschten Briefe aus und begannen, uns zu jedem Weihnachtsfest Geschenke zu schicken.  

2010 war es das fünfzigste Mal!

Ich erinnere mich noch daran, wie ich das Weihnachtspapier bewunderte, das vor 50 Jahren aus Amerika kam. Das gab es bei uns noch nicht! Dafür mußte ich viele Jahre meine Päckchen beim Zoll abholen und genau zeigen, was drin war. Mein Päckchen mußte immer schon Ende November auf die Reise geschickt werden, damit es pünktlich zum Weihnachtsfest in den USA verteilt werden konnte. In  diesen 50 Jahren ist keins dieser Päckchen verloren gegangen. Nur die Geschenke vermehrten sich. Wir haben beide geheiratet und Kinder bekommen. Selbstverständlich bekamen auch diese Familienmitglieder ihr Geschenk. Nur wer von den Kindern heiratete, wurde ausgeschlossen. Das alles passiert, ohne dass wir darüber reden.

Hin und wieder hat mich meine Freundin besucht, oder wir haben uns im Ausland getroffen. Einmal habe ich sie in den USA besucht. Immer geht die Anregung sich zu treffen, von meiner Freundin aus. Sie bucht auch alles. Ich brauche nur aufzupassen, dass ich richtig zum Ziel komme.

Nun sind wir beide alt. Wie alt meine Freundin ist, weiß ich nicht genau. Viel geredet haben wir nie miteinander. Mein Englisch ist zu schlecht (ich könnte mißverstanden werden), und sie spricht nur Englisch.  Briefe schreiben wir uns kaum noch. Das geht jetzt per Email. Nur eines ist im letzten Jahr ganz ungewöhnlich gewesen: Das Weihnachtspäckchen meiner Freundin ist zu spät gekommen. Und das war drin:

Ich mache weiter

11. Januar 2011

Dies ist ein großer Sprung aus der Vergangenheit (2010) in die Gegenwart. Es  hat viel Schnee gelegen. Tagelang hielt er sich auch in den Bäumen fest. Nun ist fast alles getaut. 

Das gab es viele Jahre nicht: Vorweihnachtszeit in Norddeutschland mit Schnee.

Gartennotiz

Ich bin im letzten Jahr wieder unartig gewesen, denn ich habe die Hemlocktanne unten am Hang absägen lassen. Wir haben sie 1996 gepflanzt (81,50 DM das Stück). Doch diese Tannen können 20 Meter hoch werden – so wäre unsere Tanne ganz bestimmt in späteren Jahren ein Hassobjekt geworden, weil sie den Blick auf  den Fluß  behindert. Da sie auch kümmerlich aussah, habe ich sie geopfert. Am Ende ihrer Tage durfte sie noch als Weihnachtsbaum im Garten dienen.

Haben Bäume eine Seele? Ich bin traurig, dass sie nun zur Tannenbaumabfuhr auf der Straße liegt…

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